Einleitung
Die Schlosskirche Bayreuth im Gebäudeensemble des Alten Schlosses stellt ein bedeutendes architektonisches und kulturelles Denkmal dar. Erbaut im einzigartigen Stil des Bayreuther Rokoko zwischen 1753 und 1758 im Auftrag der Markgrafen Wilhelmine und Friedrich III., diente die Kirche ursprünglich als lutherische Schloss- und Grabkirche. Nach einer umfassenden Generalsanierung, die 2019 abgeschlossen wurde, erstrahlt das Bauwerk in neuem Glanz. Dieser Artikel beleuchtet die aufwendige Restaurierung, die technische Herausforderungen, die Veränderungen im Innenraum sowie die Wiederherstellung der liturgischen Gesamtkomposition durch ein neues Deckengemälde. Die Maßnahme, die unter strengem Zeitplan durchgeführt werden musste, zeigt die sorgfältige Balance zwischen historischer Bewahrung und modernen Anforderungen an Kirchenbau und -nutzung.
Geschichte und Architektur der Schlosskirche Bayreuth
Die Schlosskirche Bayreuth ist eine Saalkirche im Stil des Bayreuther Rokoko, einer eigenständigen Entwicklung des Rokokos, die durch Stuckelemente geprägt ist. Sie wurde von 1753 bis 1758 an der Stelle des niedergebrannten Alten Schlosses errichtet. Die Pläne stammen vom Opernhaus-Architekten Joseph Saint-Pierre, die kunstvollen Deckenstuckaturen von Giovanni Battista Pedrozzi, die auf 1755 datiert sind.
Das Bauwerk wurde im Auftrag des Markgrafenpaares Wilhelmine und Friedrich III. als lutherische Schloss- und Grabkirche konzipiert. Der gestreckte Innenraum erstreckt sich über sieben Achsen und schließt an den Stirnseiten in halbrunden Apsiden ab. Über dem Gesims erhebt sich ein stuckierter Plafond mit Kehlung. Der reiche Stuckdekor um Deckenfelder, Hohlkehle und Plafond besteht aus Roçaillen, Blumendekor und Symbolen der christlichen Kirche. Die Kartuschen der Kehlung tragen die Leidenswerkzeuge Christi.
Nach dem Verzicht des letzten Markgrafen Karl Alexander auf die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth im Dezember 1791 wurden dessen Gebiete preußische Provinz. Mit dem Ende des Markgraftums verlor die Kirche ihre ursprüngliche Funktion und wurde vorübergehend zum Waffenmagazin. Seit 1813 ist die Schlosskirche katholische Pfarrkirche mit dem Patrozinium Unsere Liebe Frau und zählt damit zu den wenigen katholischen Markgrafenkirchen.
Die Kirche diente als Grablege für das Markgrafenpaar und ihre Tochter. Markgräfin Wilhelmine, die ältere Schwester Friedrichs des Großen und bekannte Schriftstellerin und Komponistin, wurde im Oktober 1758 in der oberirdischen Gruft beigesetzt. 1763 folgte ihr Friedrich III., und 1780 ihre einzige Tochter Elisabeth Friederike.
Planung und Durchführung der Sanierung
Die Generalsanierung der katholischen Markgrafenkirche stellte eine besondere Herausforderung dar, da die Gemeinde auf ihre angestammte Kirche angewiesen war. Dies führte zu einem sehr engen Zeitplan, der alle notwendigen Maßnahmen – energetische Sanierung, Fassaden- und Dachsicherung sowie die komplette Innenraumgestaltung – in kurzer Zeit abzuschließen galt.
Der Bauherr für dieses Projekt war der Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt Bayreuth. Das Architekturbüro P⁺ war sowohl an der Planung als auch an der Bauüberwachung beteiltigt. Die Durchführung der Arbeiten erfolgte nach Leistungsphasen 2-9 des deutschen HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure).
Die Arbeiten begannen unmittelbar nach den Osterfeiertagen im April eines Jahres, ohne Umschweife, um die Entbehrungszeit für die Gemeinde so kurz wie möglich zu halten. Nach der Schließung der Kirche war nur etwa ein Jahr Zeit, um alle notwendigen Arbeiten durchzuführen.
Technische Aspekte der Sanierung
Die Sanierung umfasste zahlreiche technische Maßnahmen, die sowohl das Äußere als auch das Innere der Kirche betrafen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Restaurierung der stuckierten Decke, die eine der bedeutendsten kunsthistorischen Ausstattungen der Kirche darstellt.
Die Untergrundinstandsetzung des stuckierten Plafonds erfolgte sowohl von innenraum- als auch von dachraumseitig. In mehreren Arbeitsgängen wurde eine Reinigung durchgeführt, gefolgt von einer anorganischen Vergelung und Verfüllung. Gelöste Stuckteile und Putzschichten wurden mit Kohlenstofffasernadelankern wieder mit der Substruktion verbunden. Stuck- und Putzfehlstellen wurden mit Kalkmörtel ergänzt. Blattmetallauflagen, die ebenfalls beschädigt waren, wurden gereinigt und gefestigt.
Nach der Abnahme der Sichtfassung wurden Hintergrund und Stuckatur in polychromer Leimfarbentechnik neu gefasst. Diese Technik, die historisch oft bei Stuckarbeiten verwendet wurde, ermöglichte eine authentische Wiederherstellung der originalen Farbgebung.
Parallel zur Deckensanierung erfolgten die Sanierung des Daches und der Fassaden. Nach der Beseitigung der Dachschäden konnte auch die Deckenschale ausgebessert werden. Ein historisches Loch in der Decke, das ursprünglich zur besseren Be- und Entlüftung gedacht war, wurde im Zuge der Sanierung geschlossen.
Innenraumgestaltung und Farbkonzept
Die Innenraumgestaltung war ein wesentlicher Teil der Generalsanierung. Bei der Begutachtung des Zustands zeigte sich, dass das bisherige Farbkonzept nicht harmonisch wirkte und teilweise schon fast erdrückend war. Daher wurde ein neues, helleres Farbkonzept entwickelt, das den Charakter des Bayreuther Rokoko hervorheben sollte.
Die umlaufenden Brüstungen erhielten eine neue helle Farbgebung, die den Raum aufhellte. Die Säulen wurden in einer passenden roten Marmorierung gestaltet, die sich gut in das Gesamtbild einfügte. Die Wände wurden mit einer frischen weißen Schicht versehen, während die Deckenschale mit dem typischen rosanen Farbton des Bayreuther Rokoko aufgefrischt wurde.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Architrav, der als zu massiv empfunden wurde. Durch eine neue Marmorierung wurde er in eine angenehmere Proportion gebracht. Die Madonna, die bisher wie in einem "Schaufenster" hinter dem Architrav verborgen lag, erhielt eine hervorgehobene Stellung mit ihrem Strahlenkranz im Mittelpunkt des Altarraums.
Das neue Deckengemälde
Die Stuckaturen von Giovanni Battista Pedrozzi, die für den Bayreuther Rokoko typisch sind, wurden durch die Sanierung wieder in Bestform gebracht. Einst hatten sie ein barockes Deckengemälde zu einer liturgischen Gesamtkomposition ergänzt, das jedoch bis zur Sanierungsmaßnahme nur noch rudimentär vorhanden war. Mitte des 19. Jahrhunderts war das ursprüngliche Gemälde mit Kalkfarbe übertüncht und damit zerstört worden.
Die Gemeinde hatte den Wunsch, die leeren Deckenspiegel wieder zu füllen, damit diese wieder eine liturgische Botschaft tragen können. Nach vielen Entwürfen und Verschiedenheiten begann der Kirchenmaler Franz Fersch schließlich mit der Gestaltung des neuen Deckengemäldes. Das Werk ist im barocken Stil gehalten, enthält aber auch persönliche Notizen des Künstlers.
Das neue Deckengemälde rundete die Sanierung optisch und thematisch ab und stellte die liturgische Gesamtkomposition wieder her, die ursprünglich von Pedrozzis Stuckatur und dem nun wiederhergestellten Gemälde gebildet wurde.
Fazit
Die umfassende Sanierung der Schlosskirche Bayreuth stellt ein gelungenes Beispiel für die Balance zwischen historischer Bewahrung und modernen Anforderungen dar. Innerhalb eines sehr engen Zeitplans wurden energetische Maßnahmen, Fassaden- und Dachsicherung sowie die komplette Neugestaltung des Innenraums realisiert. Besonders hervorzuheben ist die sorgfältige Restaurierung der stuckierten Decke durch Giovanni Battista Pedrozzi, die mit modernen Techniken wie Kohlenstofffasernadelankern stabilisiert wurde. Das neue Farbkonzept, das hellere Oberflächen und die hervorgehobene Stellung der Madonna verleiht dem Raum neue Leuchtkraft, ohne den Charakter des Bayreuther Rokoko zu zerstören. Das neue Deckengemälde von Franz Fersch stellt die liturgische Gesamtkomposition wieder her, die im 19. Jahrhundert verloren ging. Nach einer Bauzeit von etwa einem Jahr erstrahlt die Schlosskirche seit Ostern wieder in neuem Glanz und kann von der Gemeinde und Besuchern für Gottesdienste und Momente der Andacht genutzt werden. Die Sanierung zeigt, wie historische Kirchenbauten mit Respekt und Fachkenntnis für zukünftige Generationen bewahrt werden können.