Puchheims Schwimmbad: Eine Sanierung mit Millionenbudget und besonderem Fokus auf Schwimmausbildung

Einleitung

Die Sanierung des Schwimmbads in Puchheim stellt eines der größten Bauprojekte der Stadt der letzten Jahre dar. Nach über fünfjähriger Bauzeit und mehrfachen Kostenerhöhungen wurde das modernisierte Bad im April 2025 wiedereröffnet. Das ursprünglich 1968 erbaute Schwimmbad war dringend sanierungsbedürftig, nicht nur aufgrund des Alters der Anlage, sondern auch wegen struktureller Mängel und veralteter Technik. Die Generalsanierung, die letztlich über 16,6 Millionen Euro kostete, umfasste nicht nur die Sanierung bestehender Elemente, sondern auch die Erweiterung um ein zusätzliches Lehrschwimmbecken. Dieser Artikel beleuchtet die Umsetzung des Projekts, die Herausforderungen während der Bauzeit sowie die neuen Angebote und Einrichtungen des modernisierten Bades.

Historischer Hintergrund und Sanierungsbedarf

Das Puchheimer Schwimmbad am Gerner Platz wurde im Jahr 1968 erbaut und diente seitdem als wichtige Einrichtung für den Schulsport, den Vereinssport und die öffentliche Nutzung. Über die Jahrzehnte hinweg zeigte die Anlage zunehmend Zeichen des Alters und des Verschleißes. Die Tragkonstruktion aus Beton erforderte eine dringende Sanierung, und die technischen Anlagen entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen und Standards.

Besonders problematisch war der Zustand des Schwimmbeckens, das zwar erst 1989 in Edelstahlausführung erneuert worden war, aber ebenfalls sanierungsbedürftig war. Auch die Beckenumgangsflächen mussten den aktuellen Richtlinien angepasst werden. Ein weiteres wesentliches Problem stellte die Undichtigkeit des Bestandsdaches dar, die eine vollständige Erneuerung aller Dachflächen des Schwimmbadhallendaches sowie des Umkleidetrakts bis zur Turnhalle notwendig machte.

Die Stadt Puchheim entschied sich 2019 für eine umfassende Generalsanierung des Bades, nachdem im Stadtrat auch über eine mögliche Schließung des Schwimmbads diskutiert worden war. Viele Kommunen hatten in den vergangenen Jahren ihre Bäder geschlossen, da die Kosten für eine Sanierung oft nicht mehr tragbar erschienen. Für Puchheim war jedoch klar, dass das Schwimmbad als wichtige Einrichtung für die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen erhalten bleiben sollte. Wie Sportreferent Thorsten Heil betonte: "Die Kinder müssen Schwimmen lernen. Und zwar alle."

Umfang der Sanierungsarbeiten

Die Sanierung des Puchheimer Schwimmbads war ein umfassendes Projekt, das weit über eine reine Modernisierung hinausging. Die Arbeiten umfassten sowohl die Sanierung bestehender Elemente als auch die Erweiterung der Anlage um neue Funktionen und Bereiche.

Kernsanierung

Die Kernsanierung betraf die strukturellen Elemente des Bades. Die Betontragkonstruktion wurde grundlegend saniert, um die Sicherheit und Langlebigkeit des Gebäudes zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde das gesamte technische System modernisiert, einschließlich Heizung, Lüftung und Wasseraufbereitung. Das bestehende Schwimmbecken wurde erneuert, obwohl es erst vor etwa 30 Jahren in Edelstahlausführung erstellt worden war. Die Beckenumgangsflächen wurden den aktuellen Richtlinien angepasst, was auch eine Verschiebung der sanierungsbedürftigen Fensterfassade im Süden in Richtung des Gartens mit sich brachte.

Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung war die vollständige Erneuerung der Dächer. Sowohl das Dach des Schwimmbadhallendaches als auch des Umkleidetrakts mussten aufgrund von Undichtigkeiten komplett ausgetauscht werden.

Erweiterungen und Neubauten

Neben der Sanierung bestehender Bereiche wurde das Schwimmbad um mehrere neue Elemente erweitert. Ein zentraler Neubau war das zusätzliche Lehrschwimmbecken, das speziell für die Schwimmausbildung von Kindern konzipiert wurde. Dieses Becken wurde in einem Anbau errichtet und bietet ideale Bedingungen für den Schwimmunterricht.

Außerdem wurde eine neue Außenterrasse mit entsprechendem Wärmeschutz geschaffen, die die Attraktivität des Bades für Besucher erhöhen soll. Ebenso wurde eine moderne Glasfassade errichtet, die den heutigen Standards bezüglich des Wärmeschutzes entspricht und für eine angenehme Lichtdurchflutung im Inneren des Bades sorgt.

Barrierefreiheit und Komfort

Ein wichtiges Anliegen bei der Sanierung war die Schaffung barrierefreier Zugänge. Das gesamte Bad wurde so gestaltet, dass es auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich ist. Dazu gehören barrierefreie Zugänge zum Schwimmbad, zu den Umkleiden sowie ins Wasserbecken. Für den Zugang ins Wasser wurde ein Beckenlift installiert.

Zusätzlich wurden zusätzliche Dusch- und Wickelmöglichkeiten für die kleinsten Badegäste geschaffen. Auch die Schülergruppen profitieren von den Sanierungsarbeiten, da nun mehr Aufenthaltsmöglichkeiten im Flur und Foyer zur Verfügung stehen, die sowohl für den Schulbetrieb als auch für Vereins- und Badegäste genutzt werden können.

Herausforderungen während der Bauzeit

Die Sanierung des Puchheimer Schwimmbads war von zahlreichen Herausforderungen geprägt, die den Bauzeitplan und das Budget beeinflussten. Eines der größten Hindernisse war die COVID-19-Pandemie, die zu erheblichen Verzögerungen bei der Materialbeschaffung und bei der personellen Besetzung der Baustelle führte.

Ein weiteres Problem war der Fachkräftemangel im Baugewerbe, der dazu beitrug, dass der Zeitplan eingehalten werden musste. Die Baukosten stiegen während der Projektlaufzeit deutlich an, was auf allgemeine Preissteigerungen im Baugewerbe zurückzuführen war. Die ursprünglichen Kostenschätzungen von rund 14,9 Millionen Euro erwiesen sich als zu niedrig angesetzt.

Ein unvorhergesehenes Problem war der Grundwasserstand, der höher ausfiel als geplant. Dies erforderte zusätzliche Maßnahmen zur Abdichtung und zum Wasserbau, die nicht im ursprünglichen Budget vorgesehen waren.

Besonders herausfordernd war auch die Insolvenz eines Unternehmens, das am Bauprojekt beteiligt war. Dies führte zu weiteren Verzögerungen und notwendigen Anpassungen des Bauablaufs.

Kostenentwicklung des Projekts

Die Kostenentwicklung der Schwimmbadsanierung in Puchheim ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Herausforderungen, die bei Großbauprojekten in den letzten Jahren entstanden sind. Die ursprünglichen Kostenschätzungen lagen bei etwa 14,9 Millionen Euro, was bereits das Doppelte der allerersten Schätzungen darstellte.

Während des Bauprozesses stiegen die Kosten jedoch weiter an. Die erste Erhöhung betrug rund 1,7 Millionen Euro, wodurch sich die Gesamtkosten von etwa 14,8 auf gut 16,5 Millionen Euro erhöhten. Später wurde bekannt, dass das Budget nochmals um mehr als 1,6 Millionen Euro überschritten werden musste, was die Gesamtkosten auf über 16,6 Millionen Euro trieb.

Die Gründe für die Kostensteigerungen waren vielfältig. Neben allgemeinen Preissteigerungen im Baugewerbe spielten auch die oben genannten unvorhergesehenen Probleme wie der höhere Grundwasserstand und die Insolvenz eines beteiligten Unternehmens eine Rolle.

Trotz der hohen Kosten entschied sich die Stadt Puchheimer für die Fortführung des Projekts, da das Schwimmbad als wichtige Infrastruktureinrichtung für die Stadt angesehen wird. Der Nutzen für die Bevölkerung, insbesondere für die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen, wurde als höher bewertet als die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen.

Zur Kosteneinsparung beschloss der Ausschuss für städtische Bauten in einer seiner Sitzungen, einige geplante Elemente zu streichen. So wurden die Radlständer vor dem Eingang nicht überdacht, und die Wasserspiele im Garten sollen zu einem späteren Zeitpunkt installiert werden. Diese Maßnahmen sparten rund 130.000 Euro, konnten die Kostensteigerungen jedoch nur teilweise ausgleichen.

Neues Konzept und Ausstattung des Schwimmbads

Das modernisierte Puchheimer Schwimmbad bietet den Besuchern eine deutlich verbesserte Ausstattung und neue Möglichkeiten zur recreation und sportlichen Betätigung. Das Konzept des Bades orientiert sich an den aktuellen Anforderungen an moderne Schwimmbäder und legt besonderen Wert auf Barrierefreiheit, Energieeffizienz und vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.

Beckenanlagen

Das Herzstück des Bades bildet die Beckenanlage, die aus zwei Hauptbecken besteht. Das 20-Meter-Kombibecken bietet Platz für sportliches Schwimmen und wird auch für den Schulsport genutzt. Neu hinzu kam das Lehrschwimmbecken, das speziell für die Schwimmausbildung von Kindern konzipiert wurde. Dieses Becken hat eine Tiefe von 75 Zentimetern, wie Bürgermeister Norbert Seidl bei der Eröffnungsrede im 75 Zentimeter tiefen Wasser des neuen Lehrschwimmbeckens betonte.

Die Becken sind mit moderner Technik ausgestattet, die eine optimale Wasserqualität gewährleistet. Die Sanierung umfasste auch die Erneuerung der Beckenabdichtungen und -fliesen, um eine lange Lebensdauer und einfache Pflege zu gewährleisten.

Barrierefreie Zugänge und Einrichtungen

Ein wesentlicher Aspekt der Sanierung war die Schaffung vollständiger Barrierefreiheit. Das Schwimmbad ist nun über barrierefreie Zugänge erreichbar, die den Besuchern mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang zum Bad und zu den Becken ermöglichen. Für den Zugang ins Wasser wurde ein spezieller Beckenlift installiert, der es auch Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit ermöglicht, ins Wasser zu gelangen.

Die Umkleidebereiche wurden ebenfalls barrierefrei gestaltet und bieten nun zusätzliche Dusch- und Wickelmöglichkeiten für die kleinsten Badegäste. In den Umkleiden stehen abschließbare Garderobenspinde zur Verfügung, für deren Benutzung 2-Euro-Münzen bereitzuhalten sind.

Außenbereich und Einrichtungen

Das Schwimmbad verfügt über einen attraktiven Außenbereich mit einer modernen Außenterrasse, einer Liegewiese und einer Außendusche. Die Terrasse bietet mit ihrem Wärmeschutz auch bei kühlerem Wetter einen angenehmen Aufenthaltsbereich für die Badegäste.

Die Glasfassade des Bades trägt nicht nur zur modernen Ästhetik bei, sondern gewährleistet auch eine gute Lichtdurchflutung im Inneren und unterstützt durch ihre wärmedämmenden Eigenschaften die Energieeffizienz des Gebäudes.

Öffnungszeiten und Preise

Das Puchheimer Schwimmbad hat nach der Eröffnung am Mittwoch, 19. November 2025 (Buß- und Bettag) seinen Betrieb aufgenommen. Die Öffnungszeiten für den öffentlichen Badebetrieb sind wie folgt geregelt:

  • Montag: Vereinstag – geschlossen für die Öffentlichkeit
  • Dienstag: 16:00 - 21:00 Uhr (Badeschluss 20:30 Uhr)
  • Mittwoch: 16:00 - 21:00 Uhr (Badeschluss 20:30 Uhr)
  • Donnerstag: Vereinstag – geschlossen für die Öffentlichkeit
  • Freitag: 8:00 - 9:30 Uhr (nur Kombibecken), 13:00 - 21:00 Uhr (Badeschluss 20:30 Uhr)
  • Samstag: 9:00 - 16:00 Uhr (Badeschluss 15:30 Uhr)
  • Sonntag: geschlossen
  • Feiertage: geschlossen

Der letzte Einlass erfolgt eine Stunde vor Schließung des Bades, der Badeschluss 30 Minuten vor Badschließung.

Die Eintrittspreise betragen: - Einzelkarte (Tageskarte ohne Begrenzung der Badezeit): 5 Euro für Erwachsene, 4 Euro für Kinder und Jugendliche (7-17 Jahre) - Kinder bis 6 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen: kostenlos - Jahreskarte: 150 Euro für Erwachsene, 120 Euro für Kinder und Jugendliche (7-17 Jahre) - Sozialtarif-Jahreskarte: 120 Euro für Erwachsene, 100 Euro für Jugendliche

Der Sozialtarif gilt ausschließlich für Puchheimer Bürger:innen, die Empfänger von Bürgergeld gemäß SGB II oder Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung gemäß SGB XII sind. Der Nachweis erfolgt über die Vorlage eines aktuellen Leistungsbescheids, der nicht älter als drei Monate ist.

Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer. Jahreskarten sind im Rathaus, Poststraße 2, 82178 Puchheim in der Abteilung Liegenschaften erhältlich. Die Beantragung kann per E-Mail an Jahreskarten [at] puchheim.de erfolgen, wobei das genaue Datum ab dem die Jahreskarte gelten soll sowie der gewünschte Tag der Abholung der Karte im Rathaus anzugeben sind.

Schwimmausbildung und Kurse

Ein zentrales Anliegen bei der Planung des neuen Schwimmbads war die Verbesserung der Angebote für die Schwimmausbildung, insbesondere für Kinder. Das neue Lehrschwimmbecken wurde speziell für diesen Zweck konzipiert und bietet ideale Bedingungen für den Schwimmunterricht.

In Puchheim bieten verschiedene Anbieter Schwimmkurse im Schwimmbad an:

  1. Schwimmhelden (Grzegorz Tomiak)

    • Tel.: 0151/66816031
    • E-Mail: Tomiak.schwimmen [at] gmail.com
  2. FC Puchheim (Andrea Schlüter, Abteilungsleiterin Schwimmen)

    • Tel.: 08141/8887760
    • E-Mail: schwimmen [at] fc-puchheim.de
    • Website: https://fcpschwimmen.wixsite.com/schwimmen

Die Buchung der Kurse erfolgt über den jeweiligen Anbieter. Das Schwimmbad selbst kooperiert eng mit diesen Anbietern, um eine qualitativ hochwertige Schwimmausbildung zu gewährleisten und den Kindern und Jugendlichen Puchheims die Möglichkeit zu geben, das Schwimmen zu lernen und zu verbessern.

Eröffnung und Resonanz

Das sanierte und erweiterte Puchheimer Schwimmbad wurde im April 2025 offiziell wiedereröffnet. Die Eröffnung wurde von Bürgermeister Norbert Seidl vorgenommen, der das Ereignis angemessen in Badehose im Wasser des neuen Lehrschwimmbeckens stehend beging. Zu den anwesenden Ehrengästen gehörten Mitglieder des Stadtrats, der Verwaltung sowie Vertreter des Architekturbüros.

In seiner Eröffnungsrede hob Seidl hervor, dass viele Kommunen ihre Bäder schließen müssen, weil sie die Kosten nicht mehr stemmen können. Puchheim habe sich jedoch bewusst für die Sanierung des Bades entschieden, da es als wichtige Einrichtung für die Stadt gilt. Sportreferent Thorsten Heil betonte erneut die Bedeutung des Schwimmbads für die Schwimmausbildung: "Die Kinder müssen schwimmen lernen. Und zwar alle."

Nach den Sonderöffnungszeiten in den Osterferien startete am Dienstag, 29. April 2025, der Regelbetrieb des neuen Schwimmbads mit den oben genannten Öffnungszeiten für alle Bürgerinnen und Bürger.

Fazit

Die Sanierung des Puchheimer Schwimmbads war ein anspruchsvolles und teures Projekt, das letztlich über 16,6 Millionen Euro kostete – mehr als das Doppelte der ursprünglichen Schätzungen. Trotz der Herausforderungen während der Bauzeit, darunter die COVID-19-Pandemie, steigende Baukosten, Fachkräftemangel und die Insolvenz eines Unternehmens, ist das Ergebnis eine moderne, barrierefreie und energieeffiziente Schwimmanlage.

Das neue Konzept mit dem 20-Meter-Kombibecken und dem zusätzlichen Lehrschwimmbecken bietet ideale Bedingungen für den Schulsport, den Vereinssport und die öffentliche Nutzung. Besonders hervorzuheben ist der Fokus auf die Schwimmausbildung von Kindern, der durch den Bau des Lehrschwimmbeckens und die Kooperation mit Schwimmkursanbietern realisiert wird.

Die modernen Einrichtungen wie die Glasfassade, die neue Außenterrasse und die barrierefreien Zugänge machen das Schwimmbad zu einer attraktiven Einrichtung für die Bürger Puchheims. Die hohen Investitionen haben sich somit gelohnt, da das Bad nun den aktuellen Standards entspricht und langfristig als wichtige Infrastruktureinrichtung der dienen kann.

Quellen

  1. Stadt Puchheim - Pressemitteilung zur Eröffnung des Schwimmbads
  2. Merkur - Bericht über die Kostensteigerungen
  3. Süddeutsche Zeitung - Informationen zur Sanierung
  4. Merkur - Bericht zur Eröffnung
  5. Stadt Puchheim - Informationen zum Schwimmbad

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