Einleitung
Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Berlin-Kreuzberg steht vor der umfassendsten Sanierung seiner Geschichte. Mit Investitionskosten von rund 42 Millionen Euro handelt es sich laut Betreiber Berliner Bäder-Betriebe (BBB) um das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte und gleichzeitig die größte Investition Berlins in öffentliche Bäder seit 25 Jahren. Das Gebäude, das 1985 nach Entwürfen des Architekten Christoph Langhof eröffnet wurde, wird nach 36 Betriebsjahren grundlegend saniert und modernisiert. Der Baubeginn erfolgte im Herbst 2023, wobei die Bauzeit auf mindestens dreieinhalb Jahre veranschlagt ist. Die Sanierung ist notwendig, da das Gebäude in Teilen marode ist und der Zustand der technischen Anlagen so schlecht ist, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr möglich wäre.
Projektumfang und Finanzierung
Die Sanierung des Wellenbads am Spreewaldplatz stellt ein gewaltiges Unterfangen dar, das weit über die bloße Erneuerung einzelner Komponenten hinausgeht. Mit einer Investitionssumme von 42 Millionen Euro ist dies das größte Investitionsprojekt in der Unternehmensgeschichte der Berliner Bäder-Betriebe. Dr. Johannes Kleinsorg, Vorstand der BBB, betonte: "Die Sanierung des Wellenbades ist das größte Investitionsprojekt in der Unternehmensgeschichte der Berliner Bäder-Betriebe. Noch nie konnten die BBB so viel Geld in einen einzelnen Schwimmbad-Standort investieren. Es ist zugleich das größte Investitionsprojekt Berlins in die öffentlichen Bäder seit der Inbetriebnahme der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Prenzlauer Berg vor fast 25 Jahren."
Das Wellenbad, das eine Bruttogeschossfläche von 9.000 Quadrometern umfasst, ist Berlins einziges Wellenbad und wird jährlich von bis zu 200.000 Menschen besucht. Die enorme Besucherzahl unterstreicht die Bedeutung des Bades für die Berliner Bevölkerung, insbesondere für die Anwohner des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Sport-Stadtrat Andy Hehmke würdigte diese Bedeutung: "Das Wellenbad war – und wird es sicherlich wieder – eine der ersten Anlaufstellen für tausende Berlinerinnen und Berliner, um mit ihrer Familie, mit Freunden oder alleine zu schwimmen, zu baden – einfach, um eine gute Zeit zu verbringen."
Die Finanzierung des Projekts erfolgt im Rahmen eines größeren Investitionsprogramms der Berliner Bäder-Betriebe. Insgesamt stehen den BBB dieses Jahr rund 152 Millionen Euro für Investitionen zur Verfügung. Neben dem Wellenbad werden in diesem Jahr zwei weitere Anlagen saniert: das Stadtbad Schöneberg und die Schwimmhalle Zingster Straße. Darüber hinaus stehen Sanierungen oder Reparaturarbeiten aktuell in mehreren anderen Bädern auf dem Plan, darunter in der Schwimmhalle Sewanstraße, im Stadtbad Wilmersdorf, im Kombibad Mariendorf sowie im Sommerbad des Kombibades Spandau Süd.
Zeitplan und aktuelle Entwicklungen
Ursprünglich sollte das Wellenbad am Spreewaldplatz bereits Ende April 2023 schließen, um Platz für die umfangreichen Bauarbeiten zu machen. Wie die Berliner Bäder-Betriebe jedoch mitteilten, bleibt das Bad zwei Monate länger als geöffnet. Der Grund für die Verlängerung war der spätere Beginn der Bauarbeiten, der nun auf Juli 2023 verschoben wurde. "Das Bad kann damit bis zur Sommerpause weiterbetrieben werden, Schulen und Vereine müssen bis dahin nicht auf andere Bäder ausweichen", hieß es in einer Mitteilung der BBB.
Für die Öffentlichkeit bedeutete dies, dass das Bad an der Wiener Straße bis Ende Juni 2023 zugänglich blieb. Allerdings gab es Einschränkungen: Da im Mai die Sommersaison in den Berliner Bädern begann, war das Wellenbad ab Mai jeweils samstags und sonntags geschlossen. An den Öffnungszeiten unter der Woche änderte sich jedoch nichts.
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen im Juli 2023 und werden voraussichtlich mindestens dreieinhalb Jahre dauern. Während dieser Zeit wird das Gebäude komplett entkernt, die gesamte Technik erneuert und die Becken neu gefliest. Die Sanierungsarbeiten umfassen sowohl die strukturellen Elemente des Bades als auch die Modernisierung seiner technischen Anlagen und die Neugestaltung seiner Innen- und Außenbereiche.
Geänderte Planungen und Kürzungen
Aufgrund gestiegener Baukosten mussten die Berliner Bäder-Betriebe ursprünglich geplante Änderungen am Projekt kürzen. Wie bekannt wurde, entfallen sowohl die Sanierung der Sauna als auch der Einbau eines höhenverstellbaren Hubbodens im Sprungbecken. Die BBB begründeten diese Entscheidung mit dem Ziel, die Gesamtausgaben im vorgesehenen Rahmen zu halten.
Ursprünglich sollten neben dem Hubboden auch weitere Wasserattraktionen installiert werden, darunter Slacklines über dem Wasser und interaktive Spielelemente. Diese Maßnahmen sollten das Bad über den reinen Schwimmbetrieb hinaus als Freizeitort für verschiedene Zielgruppen attraktiver machen. Die bestehende Sauna sollte neu gestaltet und in ein modernes Wellnesskonzept überführt werden.
Trotz dieser Kürzungen bleibt die geplante Neugestaltung umfassend. Wie aus den aktuellen Planungen hervorgeht, werden weiterhin markante Veränderungen umgesetzt, die das Bad moderner und attraktiver gestalten sollen. Die BBB haben sich darauf konzentriert, die Kernaspekte der Modernisierung bei gleichzeitiger Einhaltung des Budgets zu realisieren.
Technische Modernisierung und Neugestaltung
Die technische Modernisierung des Wellenbads am Spreewaldplatz umfasst zahlreiche Maßnahmen, die das Bad auf den neuesten Stand der Technik bringen und gleichzeitig energieeffizienter gestalten sollen. Für die Planung der Technischen Gebäudeausrüstung wurde das Berliner Büro CANZLER beauftragt, das den Auftraggeber auch während der Bauphase in der Objektüberwachung unterstützt.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung der technischen Anlagen des Bades. Hierzu gehören eine moderne Raumklimatisierung sowie eine effektive Wasseraufbereitung. Darüber hinaus wird das bestehende Blockheizkraftwerk (BHKW) in die neue Anlagentechnik integriert, was zur Energieeffizienz des Gebäudes beitragen wird. Die gesamte Technik des Bades wird erneuert, da der Zustand der bestehenden Anlagen so schlecht ist, dass ein Weiterbetrieb nicht mehr möglich ist.
Auch die Beckenbereiche werden grundlegend umgestaltet. Das bisher wenig genutzte Sprungbecken wird zu einem multifunktionalen Becken für Springen, Baden und Aqua-Fitness umgebaut. Das Wellenbecken wird nicht nur überarbeitet, sondern erhält auch eine große Innenrutsche. Alle Becken werden neu gefliest, um sowohl ästhetische als auch hygienische Standards zu erfüllen.
Die Innenbereiche des Bades werden an vielen Stellen modernisiert. Das Thema der Gestaltung folgt dem Motto "Urban Jungle" und wird vor allem die bisher eher nüchternen Bereiche des Lehrschwimmbeckens, des Sprungbeckens und des Sportbeckens optisch aufwerten. Gleichzeitig wird das Bad deutlich barrierefreier gestaltet, um die Zugänglichkeit für alle Besucher zu verbessern.
Ein markanter Bestandteil der Neugestaltung wird ein zweigeschossiger Neubau mit einer breiten Rutsche sein, die vom Spreewaldplatz aus sichtbar sein soll. Ein versteckt gelegener Treppenturm im Hang erschließt den Einstieg in die Rutsche. Dieses neue Element wird nicht nur die Attraktivität des Bades erhöhen, sondern auch prägend für das Stadtbild an dieser Stelle sein.
Auch die Umkleidebereiche werden modernisiert, wobei besonderer Wert auf zeitgemäße und inklusive Konzepte gelegt wird. So sind Transgender-Bereich in den neuen Umkleidebereichen vorgesehen, die die Vielfalt der Badegäste widerspiegeln und allen Besuchern ein Gefühl der Akzeptanz und des Respekts vermitteln sollen.
Städtebauliche Bedeutung und Umfeld
Die Sanierung des Schwimmbads ist eingebettet in eine größere Aufwertung des öffentlichen Raums rund um den Görlitzer Park. Bereits jetzt wird ein neuer Spielplatz gebaut, der als Ergänzung zur Freizeitnutzung im Quartier dient. Die Umgebung des Wellenbads wird als sozial und infrastrukturell herausfordernd beschrieben, gleichzeitig ist sie durch ihre zentrale Lage stark frequentiert. Die Sanierung des Bades wird daher als wichtiger Impuls für den Görlitzer Park und die gesamte Nachbarschaft gewertet.
Die Fassade des Spreewaldbads wird ebenfalls umfassend saniert. Geplant sind eine energetische Ertüchtigung der Außenhülle, neue Fenster, Türen und Pfosten-Riegelfassaden sowie eine zusätzliche Dämmung der Wände. Auch das begehbare Gründach mit Liegewiese ist noch Teil der Planungen und wird nach der Sanierung für die Besucher zugänglich sein.
Die städtebauliche Bedeutung des Projekts geht über die reine Sanierung des Bades hinaus. Es wird erwartet, dass die Modernisierung des Wellenbads positive Effekte auf die gesamte Umgebung hat und zu einer weiteren Aufwertung des öffentlichen Raums im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beiträgt. Die Kombination aus neu gestaltetem Schwimmbad, neuem Spielplatz und aufgewertetem Umfeld schafft einen attraktiven Freizeitort für Anwohner und Besucher aus dem gesamten Stadtgebiet.
Rolle im Berliner Bäderkonzept
Die Sanierung des Wellenbads am Spreewaldplatz ist ein zentrales Projekt im Rahmen des Gesamtkonzepts der Berliner Bäder-Betriebe. Wie Dr. Nicola Böcker-Giannini, Sport-Staatssekretärin, bei der feierlichen Eröffnung der Bauarbeiten betonte, sind erhebliche Investitionen notwendig, um die Berliner Bäderinfrastruktur zu erhalten und zu modernisieren. "Bis zu 300 Millionen Euro sind allein in Berlin bis 2030 nötig, um die Bäder am Laufen zu halten", so Britta Steffen, Schwimm-Olympiasiegerin, die als prominente Unterstützerin des Projekts auftrat.
Neben den laufenden Sanierungen werden in den kommenden Jahren weitere Teil- oder Komplettsanierungen vorgesehen, darunter im Stadtbad Mitte, im Sommerbad am Insulaner und im Kombibad Mariendorf. Gleichzeitig sind auch Neubauten in Planung, u.a. das Multifunktionsbad Pankow. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Berliner Bäderinfrastruktur zukunftsfähig zu gestalten und den steigenden Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Attraktivität gerecht zu werden.
Die Sanierung des Wellenbads am Spreewaldplatz ist dabei als Vorzeigeprojekt zu verstehen, das zeigt, welche Investitionen in öffentliche Einrichtungen notwendig sind, um sie für zukünftige Generationen nutzbar zu machen. Gleichzeitig dient das Projekt als Blaupause für ähnliche Sanierungen in anderen Bädern Berlins.
Fazit
Die umfassende Sanierung des Wellenbads am Spreewaldplatz ist ein notwendiges und zugleich zukunftsweisendes Projekt für die Berliner Bäderinfrastruktur. Mit Investitionskosten von 42 Millionen Euro stellt es die größte Einzelinvestition in öffentliche Bäder Berlins seit 25 Jahren dar. Trotz einiger Kürzungen bei geplanten Attraktionen bleibt die Modernisierung des Bades ambitioniert und umfassend.
Das Wellenbad wird nicht nur technisch auf den neuesten Stand gebracht, sondern auch ästhetisch und funktional deutlich aufgewertet. Die Kombination aus moderner Technik, barrierefreier Gestaltung und ansprechender Architektur wird dazu beitragen, das Bad auch in Zukunft als attraktiven Treffpunkt für Berlinerinnen und Berliner zu erhalten.
Die Sanierung ist eingebettet in ein größeres Konzept zur Aufwertung des öffentlichen Raums rund um den Görlitzer Park und wird als wichtiger Impuls für den gesamten Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gewertet. Gleichzeitig ist das Projekt ein wesentlicher Bestandteil der Strategie der Berliner Bäder-Betriebe, ihre Infrastruktur zu modernisieren und zukunftsfähig zu gestalten.
Obwohl die Bauzeit mit mindestens dreieinhalb Jahren lang ist, werden sich die Anstrengungen lohnen. Das sanierte Wellenbad wird nicht nur technisch und energetisch verbessert, sondern auch als moderner und inklusiver Freizeitraum für alle Bevölkerungsgruppen dienen. Die Investition ist daher eine wichtige Maßnahme für die Lebensqualität in Berlin und ein Zeichen für den Wert öffentlicher Einrichtungen in der Stadt.
Quellen
- entwicklungsstadt.de - Wellenbad am Spreewaldplatz: Veränderungen beim Umfang der Umbauarbeiten
- berlinerbaeder.de - Baubeginn für Berlins größte Bäder-Investition seit 25 Jahren
- berliner-abendblatt.de - Wellenbad am Spreewaldplatz länger offen: Sanierung verschiebt sich
- canzler.de - Neuer Glanz für das Wellenbad am Spreewaldplatz
- eap-magazin.de - Wellenbad am Spreewaldplatz in Berlin wird umfassend saniert