Die Sanierung des Wiener Secessionsgebäudes: Modernisierung eines Jugendstiljuwels

Einleitung

Das Secessionsgebäude in Wien zählt zu den bedeutendsten und bekanntesten Jugendstilwerken Österreichs und der Welt. Seit seiner Errichtung 1897-98 nach den Plänen von Joseph Maria Olbrich hat es sich als Ikone der modernen Architektur etabliert. Über 30 Jahre nach der letzten umfassenden Generalinstandsetzung in den Jahren 1985/86 wurde im August 2017 eine erneute, notwendige Sanierung in Angriff genommen, die im September 2018 erfolgreich abgeschlossen wurde. Unter der Leitung von Adolf Krischanitz wurde das denkmalgeschützte Bauwerk einer gründlichen Modernisierung unterzogen, die technische Verbesserungen mit der Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes verband. Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Wien und bei laufendem Ausstellungsbetrieb, was besondere Herausforderungen mit sich brachte. Dieser Artikel beleuchtet die umfassenden Sanierungsmaßnahmen, die technischen Aspekte, die Finanzierung und die Bedeutung dieser für die Erhaltung des Wiener Kulturerbes entscheidenden Maßnahme.

Historische Bedeutung des Gebäudes

Das Secessionsgebäude wurde 1897-1898 als Ausstellungsgebäude für die Vereinigung bildender Künstler Österreichs, bekannt als Secession, errichtet. Es gilt als eines der herausragendsten Beispiele der jugendstilistischen Architektur und trägt den Wahlspruch der Künstlervereinigung: "Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit". Das markanteste Merkmal des Gebäudes ist seine goldene Kuppel, die sich aus 2.500 Blättern und über 300 Beeren zusammensetzt und im Volksmund den liebevollen Namen "Krauthappel" erhielt. Die Kuppel hat einen Durchmesser von circa 8,5 Metern und wurde nach den Plänen von Joseph Maria Olbrich geschaffen. Das vielfältig flimmernde Spiel der Tonwerte und Lichtreflexe verleiht dem Blattwerk eine besonders lebendige Wirkung, die das Gebäude zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen Wiens macht.

Das Gebäude beherbergt den berühmten Beethovenfries von Gustav Klimt, eines der bedeutendsten Kunstwerke des österreichischen Jugendstils. Die Secession hat sich im Laufe der Zeit zu einem der wichtigsten unabhängigen Ausstellungshäuser entwickelt und beherbergt heute eine der bedeutendsten Kunst-Archive Europas, die Sammlung Kontakt.

Die letzte große Renovierung fand 1985/86 unter der Leitung von Adolf Krischanitz statt, ebenfalls bei laufendem Ausstellungsbetrieb. Diese Maßnahme legte den Grundstein für die weitere Nutzung des historischen Gebäudes als Ausstellungsort, machte jedoch in den folgenden Jahrzehnten eine erneute, umfassende Sanierung notwendig.

Umfang der Sanierung 2017-2018

Die von August 2017 bis September 2018 durchgeführte Generalsanierung war ein komplexes Unterfangen, das technische Modernisierung mit denkmalpflegerischen Aspekten verband. Wie Präsident Herwig Kempinger betonte, ging es dabei nicht um eine Neuinterpretation des Gebäudes, sondern vielmehr um eine Modernisierung unter technischen Gesichtspunkten. Die Arbeiten wurden in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Wien durchgeführt, um die denkmalschutzrechtlichen Anforderungen zu erfüllen und die historische Substanz des Gebäudes zu bewahren.

Besondere Herausforderung war die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Ausstellungsbetrieb. Die Secession blieb während der gesamten Sanierungsphase für das Publikum geöffnet, was eine präzite Planung und Organisation erforderte. Die Bauarbeiten wurden in verschiedenen Abschnitten durchgeführt, um Beeinträchtigungen für Besucher und Ausstellungen so gering wie möglich zu halten.

Die Sanierung umfasste sowohl die Restaurierung äußerer architektonischer Elemente als auch eine umfassende Modernisierung der technischen Infrastruktur und der Innenräume. Ziel war es, das historische Gebäude für die Zukunft zu rüsten und gleichzeitig seine einzigartige ästhetische Qualität als Jugendstilwerk zu erhalten.

Außenrenovierung

Restaurierung der Kuppel

Die goldene Kuppel, das markanteste Merkmal des Secessionsgebäudes, erfuhr eine umfassende Restaurierung. Die Arbeiten an der schmiedeeisernen Konstruktion umfassten Reparaturschweißungen und Verbesserungen der Stützkonstruktion, um die Langlebigkeit des Bauwerks zu gewährleisten. Anschließend wurden alle 2.500 Blätter und 342 Beeren demontiert, gereinigt und mit einer neuen Beschichtung versehen, bevor sie vergoldet wurden. Die Neuvergoldung des gesamten Kuppelwerks war eine der aufwendigsten Aufgaben der Sanierung.

Zur Finanzierung dieser aufwendigen Arbeiten wurde die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" ins Leben gerufen. Der Aufruf, einen Beitrag in Höhe von 100 Euro zur Vergoldung eines Kuppelblattes zu spenden, fand überwältigenden Zuspruch. Mehr als 1.500 Bürgerinnen und Bürger folgten diesem Aufruf, wodurch es möglich wurde, einen Großteil der Kuppel durch private Mittel finanzieren zu lassen. Die Namen der Spender, die mindestens 10.000 Euro gespendet hatten, werden dauerhaft im Eingangsbereich der Secession angebracht.

Fassadensanierung

Die denkmalgeschützte Fassade des Gebäudes wurde ebenfalls einer umfassenden Sanierung unterzogen. Dabei wurden beschädigte Bereiche instand gesetzt, die ursprüngliche Bausubstanz jedoch bewahrt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Erhaltung der charakteristischen jugendstilistischen Details gelegt. Auch das Eingangsportal sowie weitere Fassadendetails wurden vergoldet, um das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherzustellen und zu erhalten.

Erneuerung des Glasdaches

Ein weiteres wichtiges Element der Außenrenovierung war die Erneuerung des Glasdaches. Durch den Austausch der alten Verglasung wurde nicht nur die Ästhetik verbessert, sondern auch die Witterungsbeständigkeit und Energieeffizienz des Dachs erhöht. Die neue Verglasung entspricht den modernen Anforderungen an Denkmalschutzgebäude und gewährleistet gleichzeitig einen optimalen Schutz für die darunterliegenden Ausstellungsräume.

Innenrenovierung und Modernisierung

Technische Infrastruktur

Eine der wesentlichen Maßnahmen der Sanierung war die umfassende Modernisierung der technischen Infrastruktur des Gebäudes. In allen Ausstellungsräumen wurden neue Lichtdecken mit individuell steuerbaren LED-Leuchten installiert. Diese moderne Beleuchtungstechnik ermöglicht eine präzise Ausleuchtung der Kunstwerke bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch und Wärmeentwicklung.

Im Hauptraum des Gebäudes wurde eine neue Klimaanlage installiert, die die klimatischen Bedingungen für die Ausstellung von Kunstwerken optimiert. Gleichzeitig trägt die neue Anlage zum Komfort der Besucher bei. Auch die Errichtung neuer WC-Anlagen verbesserte die Infrastruktur des Gebäudes erheblich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der technischen Modernisierung war die Verbesserung des Brandschutzes. Durch die Installation moderner Brandschutzeinrichtungen wurde die Sicherheit von Besuchern, Kunstwerken und Gebäudesubstanz erhöht.

Barrierefreiheit

Die Barrierefreiheit war ein zentrales Anliegen der Sanierung. Um den Besuchern mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zu allen wichtigen Bereichen des Gebäudes zu ermöglichen, wurde ein neuer Aufzug zum Beethovenfries von Gustav Klimt im Untergeschoss eingebaut. Gleichzeitig wurden die bestehenden Aufzugsanlagen erneuert, um den aktuellen Sicherheitsstandards zu entsprechen.

Auch die Installation eines barrierefreien WCs trug zur verbesserten Zugänglichkeit des Gebäudes bei. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass das Secessionsgebäude als kultureller Ort für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich bleibt.

Neustrukturierung des ersten Untergeschosses

Das erste Untergeschoss des Gebäudes wurde vollständig neu strukturiert. Dabei wurde ein neuer Veranstaltungsraum geschaffen, der für verschiedene kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Mitgliederbar wurde von der Designerin Maruša Sagadin neu gestaltet und bietet nun einen zeitgemäßen und ansprechenden Aufenthaltsraum für Mitglieder und Gäste.

Auch die Lagerräume wurden neu organisiert, um die Arbeitsabläufe in der Secession zu optimieren. Diese Neugestaltung der Flächen im Untergeschoss schafft mehr Flexibilität für zukünftige Ausstellungs- und Veranstaltungsformate.

Neugestaltung des Secessions-Shops

Der Secessions-Shop wurde vollständig neu gestaltet und erhielt Möbel der renommierten Firma Vitra. Die Neugestaltung des Shops verbessert nicht nur die Präsentation der angebotenen Produkte, sondern schafft auch eine ansprechende Umgebung für Besucher. Der Shop ist ein wichtiger Einnahmequelle für die Secession und trägt zur Finanzierung ihrer Aktivitäten bei.

Finanzierung und Unterstützung

Die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten betrugen insgesamt 3,5 Millionen Euro. Diese Summe wurde von verschiedenen Institutionen und privaten Spendern aufgebracht. Die Stadt Wien und das Bundeskanzleramt der Republik Österreich trugen jeweils 1,2 Millionen Euro bei, was zusammen zwei Drittel der Gesamtkosten ausmacht.

Das verbleibende Drittel der Kosten, in Summe über 1 Million Euro, wurde von der Secession selbst mit Hilfe privater Spender und Sponsoren aufgebracht. Die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" war dabei besonders erfolgreich. Wie bereits erwähnt, folgten über 1.500 Bürgerinnen und Bürger dem Aufruf, 100 Euro für die Vergoldung eines Kuppelblattes zu spenden.

Neben privaten Spendern spielten auch Sponsoren eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Sanierung. Die Erste Bank, die bereits seit 1998 Hauptsponsor der Secession ist, unterstützte das Projekt maßgeblich. Auch andere Unternehmen unterstützten die Sanierung durch Sachspenden.

Die Secession bedankte sich ausdrücklich bei allen ausführenden Firmen sowie den Unternehmen, die die Sanierung mit Sachsponsoring großzügig unterstützt haben. Die Kooperation mit diesen Partnern war entscheidend für den erfolgreichen Abschluss des Projekts.

Perspektiven und Bedeutung der Sanierung

Die Sanierung des Secessionsgebäudes ist von großer Bedeutung für den Erhalt des österreichischen Kulturerbes. Wie Stadträtin Veronica Kaup-Hasler für Kunst, Kultur und Wissenschaft in Wien betonte, handelt es sich um eines der beeindruckendsten Jugendstilwerke seiner Art, dessen Erhalt und Bewahrung eine wichtige kulturpolitische Aufgabe ist. Die Stadt Wien stellt daher laufend erhebliche Mittel für den Erhalt derartiger Kulturschätze zur Verfügung und nimmt mit ihrem Anteil an der Sanierung ihre kulturpolitische Verantwortung wahr.

Boris Marte, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ERSTE Stiftung, hob hervor, dass der erfolgreiche Abschluss der Erneuerung der Secession als Haus ein historischer Moment und ein wichtiges Signal sei. Die Sanierung werde helfen, die Secession als Idee, Haltung und Zweck in Zukunft noch stärker und noch selbstbewusster leben zu können.

Herwig Kempinger, Präsident der KünstlerInnenvereinigung Secession, zeigte sich erfreut über den erfolgreichen Abschluss der Renovierung eines der bedeutendsten Jugendstilgebäude Österreichs. Dank ging an alle, die das Projekt unterstützt haben: das Bundeskanzleramt, die Stadt Wien und vor allem die zahlreichen privaten Spender und Sponsoren. Besonders hervorgehoben wurde die langjährige Partnerschaft mit der Erste Bank, die die Secession seit 20 Jahren unterstützt.

Die Sanierung stellt sicher, dass das Secessionsgebäude auch in Zukunft als eines der besten unabhängigen Ausstellungshäuser fungieren kann. Das Ausstellungsprogramm wird weiterhin von internationalen und österreichischen Künstlerinnen und Künstlern geprägt sein und dem Ruf der Institution gerecht werden.

Fazit

Die Sanierung des Wiener Secessionsgebäudes ist ein gelungenes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Technik. Über 30 Jahre nach der letzten umfassenden Renovierung wurde das bedeutende Jugendstilwerk nicht nur äußerlich restauriert, sondern auch technisch modernisiert, um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. Die Arbeiten an der goldenen Kuppel, der Fassade und den Innenräumen erfolgten in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden und bewahren die historische Substanz des Gebäudes.

Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Finanzierungskombination aus öffentlichen Mitteln, privaten Spenden und Sponsoring. Die Spendenaktion "Vergolden Sie die Kuppel!" zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich an der Erhaltung wichtiger Kulturgüter zu beteiligen. Die enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen, privaten Spendern und Sponsoren, wie der Erste Bank, war entscheidend für den Erfolg des Projekts.

Die Sanierung stellt sicher, dass die Secession als kultureller Ort und Ausstellungshaus auch in Zukunft ihre wichtige Rolle in der Wiener Kulturlandschaft erfüllen kann. Das Gebäude bleibt ein Publikumsmagnet und bietet hochkarätigen Ausstellungen entsprechend Raum. Gleichzeitig wurde die Barrierefreiheit verbessert, was den Zugang zu Kunst und Kultur für breite Bevölkerungskreise erleichtert.

Die Secession ist mit Abschluss der Sanierung bestens für die Zukunft gerüstet und wird als eines der bedeutendsten Jugendstilgebäude Österreichs weiterhin internationale Besucher anziehen und als Forum für zeitgenössische Kunst dienen.

Quellen

  1. OTS Presseaussendung: Sanierung der Secession erfolgreich abgeschlossen
  2. Wikipedia: Wiener Secessionsgebäude
  3. Secession.at: Vergolden Sie die Kuppel!

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