Einleitung
Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Berlin-Kreuzberg, seit 1987 eine feste Institution im Kiez, befindet sich seit Sommer 2023 in einer umfassenden Grundsanierung. Mit Investitionen von 42 Millionen Euro stellt dies die größte Einzelmaßnahme in der Geschichte der Berliner Bäder-Betriebe dar und ist die bedeutendste Investition in öffentliche Badeanstalten Berlins seit fast 25 Jahren. Die Sanierung, die voraussichtlich bis 2026 oder 2027 dauern wird, betrifft nicht nur bauliche Mängel, sondern bringt auch eine komplette Neugestaltung der Anlage mit sich. Dieser Artikel beleuchtet die Details des Projekts, die geplanten Veränderungen und die Bedeutung für die Infrastruktur des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
Geschichte und aktueller Zustand des Spreewaldbads
Das Bad am Spreewaldplatz, umgangssprachlich auch Spreewaldbad genannt, ist ein Hallenbad im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Es befindet sich an der Wiener Straße 59h, wobei die Außenanlagen auf dem Gelände des Görlitzer Parks liegen. Die Anlage wurde am 1. Februar 1987 nach Plänen des Architekturbüros Christoph Langhof nach fünfjähriger Bauzeit als Freizeitbad eröffnet.
In seiner über 36-jährigen Geschichte wurde das Bad mehrfach saniert, jedoch nie in diesem Umfang. Im Jahr 2003 erfolgte eine Sanierung der Fliesen, Filter und Messtechnik. Vier Jahre später, 2007, musste das Sprungbecken aufgrund von Korrosionsschäden an den Stahlträgern der Decke gesperrt werden. Ein Jahr darauf wurde dieser Bereich umfangreich saniert.
Nach 36 Betriebsjahren ist das Gebäude inzwischen in Teilen marode, und der Zustand der technischen Anlagen ist so schlecht, dass ein weiterer Betrieb nicht mehr möglich ist. Dies erfordert eine Sanierung von Grund auf, die über eine einfache Modernisierung hinausgeht.
Das größte Investitionsprojekt der Berliner Bäder-Betriebe
Die Sanierung des Wellenbades am Spreewaldplatz stellt das größte Investitionsprojekt in der Unternehmensgeschichte der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) dar. Wie Dr. Kleinsorg, vermutlich ein Verantwortlicher der BBB, mitteilt: "noch nie konnten die BBB so viel Geld in einen einzelnen Schwimmbad-Standort investieren."
Das Projekt ist zugleich die bedeutendste Investition Berlins in öffentliche Bäder seit der Inbetriebnahme der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Prenzlauer Berg vor fast 25 Jahren. Die Baukosten belaufen sich auf 42 Millionen Euro und werden mindestens 3,5 Jahre in Anspruch nehmen.
Die Schließung des Bades erfolgte am 30. Juni 2023. In der vorangegangenen Sommersaison konnten noch Schulen und Vereine trainieren. Die dauerhafte Schließung markiert das Ende einer Ära und den Beginn einer umfassenden Transformation der Badeanstalt.
Umfangreiche bauliche Veränderungen
Neugestaltung der Rutsche
Ein markantes Merkmal der Sanierung ist der Ersatz der alten Rutsche durch eine neue, breite Variante. Diese wird vom Spreewaldplatz aus sichtbar sein und einen eye-catching Effekt für die Umgebung erzeugen. Der Zugang zur Rutsche erfolgt über einen versteckten Treppenturm im Hang, der den Rutschenstart erschließt. Dieser Startbereich wird als zweigeschossiger Neubau zwischen Sauna und Freizeitbereich realisiert.
Umwandlung des Kaskadenbeckens
Das alte Kaskadenbecken wird im Zuge der Sanierung entfernt. Stattdessen sollen an seiner Stelle neue Wasserattraktionen für Bewegung und Abwechslung sorgen. Dies schafft eine dynamischere Wasserlandschaft in der Anlage.
Multifunktionales Sprungbecken
Das bisher wenig genutzte Sprungbecken wird zu einem multifunktionalen Becken umgebaut. Es soll zukünftig sowohl zum Springen als auch zum Baden und für Aqua-Fitness-Kurse genutzt werden. Eine technische Besonderheit wird ein höhenverstellbarer Hubboden sein, der die flexible Nutzung des Beckens ermöglicht.
Zusätzlich sind neue Elemente wie Slackline-Möglichkeiten über dem Wasser, Wassertunnel, Wasserigel und Massagedüsen geplant, die das Erlebnis für die Badegäste bereichern sollen.
Neukonzeption der Saunalandschaft
Die Saunalandschaft der Anlage wird entkernt und neu strukturiert. Ein wesentlicher Aspekt der Neugestaltung ist die Abschaffung der bisherigen Geschlechtertrennung. Stattdessen sollen großzügige, gemeinschaftliche Ruhebereiche geschaffen werden.
Geplant sind: - Eine Frischluftrotunde mit Glaskuppel - Ein begehbares Gründach mit Liegewiese
Diese Elemente sollen den Gästen einen höheren Komfort und eine verbesserte Atmosphäre bieten. Die neue Gestaltung der Saunalandschaft wird sich deutlich von der bisherigen, eher nüchternen Gestaltung unterscheiden und einen attraktiven Rückzugsort schaffen.
Innenraumgestaltung im "Urban Jungle"-Stil
Ein zentrales Motto der Neugestaltung ist "Urban Jungle". Dieses Konzept wird vor allem die bisher eher nüchternen Bereiche wie das Lehrschwimmbecken, das Sprungbecken und das Sportbecken optisch aufwerten.
Die "Urban Jungle"-Gestaltung wird durch gezielte Bepflanzung, natürliche Materialien und organische Formen eine Verbindung zur Natur in der urbanen Umgebung herstellen. Dies schafft eine angenehme, entspannte Atmosphäre für die Badegäste und hebt sich von der kühlen, funktionalen Gestaltung vieler öffentlicher Bäder ab.
Barrierefreiheit und energetische Sanierung
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sanierung ist die deutlich verbesserte Barrierefreiheit der Anlage. Durch gezielte bauliche Maßnahmen wird das Bad für Menschen mit eingeschränkter Mobilität besser zugänglich gemacht. Dies umfasst unter anderem: - Rampen statt Treppen - breite Türen - barrierefreie Umkleide- und Sanitärbereiche - behindertengerechte Zugänge zu den Becken
Parallel zur Verbesserung der Barrierefreiheit erfolgt eine umfassende energetische Sanierung der Gebäudehülle. Diese Maßnahmen sollen den Energieverbrauch der Anlage deutlich reduzieren und die Betriebskosten langfristig senken. Geplant sind: - Dämmung der Fassaden und Dächer - Einbau neuer, hochisolierender Fenster - Modernisierung der Türen - Installation energieeffizienter Technik
Diese Maßnahmen machen das Bad nicht nur zukunftsfähig, sondern leisten auch einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele Berlins.
Bedeutung für den Kiez und den Görlitzer Park
Die Sanierung des Spreewaldbads ist Teil einer größeren Entwicklung im Umfeld des Görlitzer Parks. Während umstrittene Sicherheitsmaßnahmen wie Zäune im Görlitzer Park für Diskussionen sorgen, zeigt die Sanierung des Bads eine alternative, infrastrukturelle Aufwertung des Stadtteils.
Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg setzt mit diesem Projekt auf eine Stadtpolitik, die Freizeitangebote und Teilhabe in den Mittelpunkt rückt. Die baulichen Entwicklungen am Spreewaldplatz im Westen des Parks sowie die geplante Neugestaltung des Spielplatzes im östlichen Teil des "Görlis" stehen im Kontrast zu Debatten um Kontrollmaßnahmen.
Diese Entwicklung zeigt, dass der Bezirk nicht allein auf Sicherheitskonzepte setzt, sondern auch in die Infrastruktur und die Lebensqualität der Anwohner investiert. Das Spreewaldbad wird nach der Sanierung nicht nur ein modernes Badeangebot sein, sondern auch ein zentraler Treffpunkt für Familien, Sportler und Erholungssuchende im Kiez.
Zeitlicher Ablauf und aktuelle Entwicklungen
Die Vorbereitungen für die Sanierung begannen bereits, bevor das Bad im Juni 2023 endgültig schloss. Die Berliner Bäder-Betriebe suchten aktiv nach Firmen für die geplanten Umbauarbeiten, um die Umsetzung des Projekts sicherzustellen.
Die Bauzeit wurde auf mindestens dreieinhalb Jahre veranschlagt, was eine Wiedereröffnung frühestens 2026, voraussichtlich aber 2027, erwarten lässt. In dieser Zeit wird das Bad für den Publikumsverkehr geschlossen bleiben.
Vor der Schließung veranstalteten die Berliner Bäder-Betriebe eine Informationsveranstaltung, um Nutzer und Anwohner über die Planungen zu informieren und Fragen zur Dauer der Schließung zu beantworten. Diese Veranstaltung fand am 28. Februar 2023 im Zelt des Zirkus Cabuwazi in der Wiener Straße 59h statt – direkt neben dem Wellenbad.
Fazit
Die Grundsanierung des Spreewaldbads am Spreewaldplatz stellt ein ambitioniertes und notwendiges Projekt für die Infrastruktur von Berlin-Kreuzberg dar. Mit Investitionen von 42 Millionen Euro und einer Bauzeit von mindestens 3,5 Jahren entsteht nicht nur eine technisch modernisierte und energieeffiziente Anlage, sondern auch ein attraktives Freizeitbad mit neuem Konzept.
Die Umgestaltung des Bades nach dem "Urban Jungle"-Motto, die Schaffung multifunktionaler Bereiche und die verbesserte Barrierefreiheit werden das Bad zu einem zeitgemßen Angebot für alle Bevölkerungsgruppen machen. Gleichzeitig leistet das Projekt durch die energetische Sanierung einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit.
Die Sanierung ist mehr als nur eine Maßnahme zur Behebung baulicher Mängel – sie ist eine Investition in die Lebensqualität des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und ein Zeichen für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung, die auf Teilhabe und gute Freizeit setzt.
Quellen
- wedinet: Kompetenzen - Referenzen - Spreeweltenbad
- entwicklungsstadt.de: Görlitzer Park - Neues Konzept für Schwimmbad am Spreewaldplatz
- de.wikipedia.org: Bad am Spreewaldplatz
- berlinerbaeder.de: Baubeginn für Berlins größte Bäder-Investition seit 25 Jahren
- berliner-abendblatt.de: Ab Sommer Wellenbad am Spreewaldplatz wird saniert
- berlinerbaeder.de: Start der Grundsanierung im Wellenbad am Spreewaldplatz