Einleitung
Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Berlin-Prenzlauer Berg ist eine beeindruckende Sportstätte mit einer bemerkenswerten Geschichte. Als größtes Sport-Schwimmbad Europas mit einer Wasserfläche von 3.391 m² und einer Zuschauerkapazität von bis zu 4.000 Personen hat sie seit ihrer Eröffnung im Jahr 1999 eine zentrale Rolle im Berliner Sportleben inne. Doch hinter der Fassade dieser modernen Anlage verbirgt sich eine lange Geschichte ungenutzter Potenziale und unvollendeter Bauprojekte. Die Halle, die ursprünglich für die Olympischen Sommerspiele 2000 konzipiert wurde, weist seit rund 20 Jahren erhebliche Flächen auf, die sich im Rohbauzustand befinden und nicht genutzt werden. Dieser Artikel untersucht die Historie der Anlage, den aktuellen Zustand sowie die möglichen Renovierungs- und Nutzungsoptionen für diese ungenutzten Bereiche.
Historie und Architektur der SSE
Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark ist eng mit der Geschichte Berlins als Kandidatstadt für die Olympischen Spiele verbunden. Zusammen mit dem Velodrom wurde die SSE 1992 vom französischen Architekten Dominique Perrault konzipiert, als Berlin sich um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2000 bewarb. Der Baubeginn erfolgte im Juni 1993, ein Vierteljahr vor der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Spiele nach Sydney zu vergeben.
Für den Bau der Anlage wurden der ehemalige Güterbahnhof Landsberger Allee und die Werner-Seelenbinder-Halle abgetragen. Nach der verlorenen Olympiabewerbung wurde die SSE dennoch als zweiteilige Anlage 1999 eröffnet. Die Architektur des Komplexes ist bemerkenswert: Das Velodrom und die SSE liegen nebeneinander und sind fast vollständig in einen aufgeschütteten Landschaftssockel versenkt, sodass Schauseiten und Fassaden völlig fehlen. Allein die mit Holzplatten verkleideten Dachplattenkonstruktionen ragen als flache Scheiben einen Meter aus dem mit Apfelbäumen bepflanzten, parkähnlichen Plateau heraus. Über dieses Gelände führen Freitreppen zu den Eingängen hinab.
Diese einzigartige architektonische Konzeption macht die SSE zu einem herausragenden Beispiel zeitgenössischer Sportstättenarchitektur. Doch die ursprünglich für die Olympischen Spiele geplanten Funktionen konnten aufgrund der verlorenen Bewerbung nur teilweise realisiert werden.
Aktuelle Ausstattung und Nutzung
Die SSE ist heute eine multifunktionale Sportstätte, die sowohl dem Breiten- als auch dem Leistungssport dient. Sie ist Austragungsort vieler nationaler und internationaler Wettkämpfe und Bestandteil des Bundesstützpunkts Wasserspringen sowie der beiden Landesleistungszentren Schwimmen und Wasserspringen.
Die öffentlich zugänglichen Bereiche umfassen: - Ein 50-Meter-Becken mit zehn Bahnen - Ein Nichtschwimmerbecken mit Rutsche - Zwei Planschbecken für Kinder - Ein Therapiebecken - Eine Saunaanlage - Umkleidekabinen, Sanitäranlagen, Wickelräume - Kiosk und gastronomische Einrichtungen - Liegewiesen und Spielmöglichkeiten
Jährlich wird die Halle von mehr als 600.000 Besuchern genutzt. Die Anlage ist barrierefrei gestaltet und bietet behindertengerechte Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten. Für Sportveranstaltungen, an deren Durchführung das Land Berlin ein erhebliches Interesse hat, kann die Halle bei der für Sport zuständigen Senatsverwaltung angefragt werden.
Die ungenutzten Potenziale im Rohbau
Eines der bemerkenswertesten Merkmale der SSE ist der Umstand, dass etwa die Hälfte der Gebäudefläche seit rund 20 Jahren im Rohbauzustand verbleibt und nicht genutzt wird. Dieser Zustand stellt eine erhebliche Verschwendung von Ressourcen und Potenzial dar.
Zu den unvollendeten Bereichen gehören unter anderem: - Ein Parkhaus, das derzeit nicht genutzt werden kann - Eine Gegenstromanlage für Schwimmer - Flächen, die beispielsweise für Gesundheitsmanagement, als Sauna oder als Fitnessbereich genutzt werden könnten
Die genaue Größenordnung dieser ungenutzten Flächen wird in den Quellen nicht spezifiziert, aber es wird deutlich, dass es sich um erhebliche Raum handelt, die eine sinnvolle Nutzung ermöglichen würden. Bereits im Jahr 2019 wurde in einem Antrag der SPD-Fraktion und der Linksfraktion im Bezirk Pankow auf die Problematik hingewiesen und die Einrichtung eines Nutzungskonzepts gefordert.
Politische Initiativen zur Nutzung der Räume
Im Jahr 2019 brachten die SPD-Fraktion und die Linksfraktion einen gemeinsamen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow ein, der sich mit der ungenutzten Fläche in der SSE befasste. In dem Antrag Drs. VIII-0674 wurde das Bezirksamt ersucht, sich bei der zuständigen Senatsverwaltung dafür einzusetzen, die Nutzungsmöglichkeiten für die im Rohbau befindlichen Räume zu analysieren und ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.
Insbesondere sollte eine mögliche Nutzung der Räume durch anliegende Schulen und Sportvereine sowie für Bedarfe von bezirklichen Infrastrukturen geprüft werden. Das Prüfergebnis sowie eine eventuelle Interessenbekundung an der Nutzung von Räumen sollten der BVV und der Senatsverwaltung bis spätestens April 2019 übergeben und vorgestellt werden.
In der Begründung des Antrags wird darauf hingewiesen, dass bereits seit 19 Jahren Räume in der SSE im Rohbauzustand verbleiben. Dieser Zustand sei nicht länger hinzunehmen. Nach Aussagen der Berliner Bäderbetriebe war in einer der Räumlichkeiten eine Sauna angedacht, ob diese allerdings aufgrund der fehlenden Fenster zulässig wäre, sei unklar.
Im Rahmen eines Stadtteiltermins besichtigte der damalige Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) gemeinsam mit dem Initiator des Antrags die ungenutzten Bereiche. Gemeinsam mit den Berliner Bäderbetrieben (BBB) wurden anschließend Nutzungsideen erarbeitet.
Technische und rechtliche Herausforderungen bei der Renovierung
Bei der Planung einer Renovierung und Nutzung der ungenutzten Bereiche in der SSE gibt es mehrere technische und rechtliche Herausforderungen zu beachten. Eines der offensichtlichsten Probleme ist die fehlende Fensterkonstruktion in einigen Räumen, was insbesondere bei geplanten Saunabereichen zu Problemen führen könnte, da Saunabereiche in der Regel bestimmte Anforderungen an Belüftung und Beleuchtung erfüllen müssen.
Des Weiteren ist unklar, in welchem Zustand sich die im Rohbau befindlichen Bereiche nach jahrzehntelanger Nichtnutzung befinden. Es ist möglich, dass erhebliche Investitionen in die Statik, die Installationen und die Fertigstellung der Räume erforderlich sind, bevor diese überhaupt genutzt werden können.
Ein weiterer Aspekt ist die Integration der neuen Nutzungen in den bestehenden Betrieb der SSE. Da die Anlage bereits intensiv genutzt wird, wäre eine Sanierung im laufenden Betrieb eine logistische Herausforderung, die sorgfältige Planung und möglicherweise auch temporäre Einschränkungen des Betriebs nach sich ziehen könnte.
Mögliche Nutzungskonzepte
Basierend auf den in den Quellen genannten Informationen und den typischen Anforderungen an moderne Sport- und Freizeiteinrichtungen könnten folgende Nutzungskonzepte für die ungenutzten Räume in der SSE in Betracht gezogen werden:
1. Erweiterung des Sauna- und Wellnessbereichs
Die SSE verfügt bereits über eine Saunaanlage. Die Erweiterung um weitere Saunabereiche, Entspannungsräume und möglicherweise ein Dampfbad würde das Angebot deutlich attraktiver machen und den Besucherstrom erhöhen. Allerdings müssten hierfür die rechtlichen Anforderungen an Fenster und Belüftung geklärt werden.
2. Fitness- und Gesundheitsbereich
In den Quellen wird explizit die Nutzung der Flächen für Gesundheitsmanagement oder als Fitnessbereich erwähnt. Ein modernes Fitnessstudio mit Cardio- und Kraftgeräten könnte sowohl für die Badegäste als auch für externe Nutzer zugänglich sein. Ein Gesundheitsbereich mit Physiotherapieangeboten könnte die sportmedizinische Versorgung im Bezirk ergänzen.
3. Erweiterung des Sportbereichs
Die Einrichtung zusätzlicher Trainingsflächen für Schwimmen und Wasserspringen könnte die Positionierung der SSE als Bundesstützpunkt weiter stärken. Eine Gegenstromanlage, wie in den Quellen erwähnt, wäre sowohl für Leistungssportler als auch für Rehabilitationszwecke wertvoll.
4. Bildungseinrichtungen
Die Nutzung durch anliegende Schulen, wie im politischen Antrag vorgeschlagen, könnte Kooperationsmöglichkeiten zwischen Schulen und Sportstätten eröffnen. Klassenräume oder multifunktionale Räume für Bildungsangebote rund um den Sport und das Wasser könnten eingerichtet werden.
5. Parkhaus
Das in den Quellen erwähnte Parkhaus würde das Problem der Parkplatznot im Umfeld der SSE deutlich entschärfen und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel verbessern.
Wirtschaftliche Betrachtung
Die Renovierung und Nutzung der ungenutzten Flächen in der SSE stellt nicht nur eine infrastrukturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung und Chance dar. Einerseits sind erhebliche Investitionen für die Fertigstellung der Räume erforderlich, andererseits können durch eine sinnvolle Nutzung zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden.
Die SSE wird bereits heute von über 600.000 Besuchern jährlich frequentiert, was eine solide Besucherbasis für erweiterte Angebote darstellt. Die Einrichtung kostenpflichtiger Angebote wie Fitnessstudio, erweiterter Wellnessbereich oder spezielle Kurse könnte die Einnahmen der Anlage deutlich erhöhen.
Gleichzeitig wäre die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten für Schulen und Sportvereine eine wichtige Investition in die Infrastruktur des Bezirks, die langfristig positive Effekte auf den Sport- und Freizeitbereich haben könnte.
Die genauen Kosten für die Renovierung und die zu erwartenden Einnahmen aus den neuen Nutzungen sind in den Quellen nicht spezifiziert. Eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsprüfung wäre daher unerlässlich, bevor eine Entscheidung über die Renovierung getroffen werden kann.
Vergleich mit ähnlichen Projekten
In den Quellen werden keine direkten Vergleiche mit ähnchen Projekten genannt. Allerdings lassen sich aus der allgemeinen Praxis der Sportstättenrenovierung einige allgemeine Prinzipien ableiten:
Integration in den bestehenden Betrieb: Renovierungen in bereits genutzten Sportstätten sollten so geplant werden, dass der Betrieb während der Bauphase möglichst wenig beeinträchtigt wird.
Mehrzwecknutzung: Räume sollten so gestaltet werden, dass sie für unterschiedliche Zwecke genutzt werden können, um die Flexibilität zu erhöhen und die Auslastung zu optimieren.
Barrierefreiheit: Bei Renovierungen sollte stets auf die Barrierefreiheit geachtet werden, um die Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten.
Nachhaltigkeit: Renovierungen sollten nachhaltige Materialien und energieeffiziente Technologien verwenden, um die Betriebskosten langfristig zu senken.
Fazit
Die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark ist eine beeindruckende Sportstätte mit großer architektonischer Bedeutung und zentraler Bedeutung für den Berliner Sport. Gleichzeitig stellt der Umstand, dass etwa die Hälfte der Gebäudefläche seit rund 20 Jahren ungenutzt im Rohbauzustand verbleibt, eine erhebliche Verschwendung von Ressourcen und Potenzial dar.
Die in den Quellen genannten unvollendeten Bereiche – darunter ein Parkhaus, eine Gegenstromanlage und Flächen für Gesundheitsmanagement, Sauna oder Fitnessbereich – bieten erhebliche Möglichkeiten für eine sinnvolle Nutzung, die die Attraktivität der Anlage erhöhen und zusätzliche Einnahmequellen erschließen könnte.
Politische Initiativen wie der Antrag von SPD und Linkspartei aus dem Jahr 2019 zeigen, dass das Problem der ungenutzten Räume in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und Lösungsansätze gesucht werden. Für eine erfolgreiche Renovierung und Nutzung wären jedoch eine detaillierte Analyse der baulichen Zustände, eine sorgfältige Planung der Nutzungen und eine wirtschaftliche Prüfung unerlässlich.
Die SSE hat das Potenzial, nicht nur als Sportstätte, sondern als umfassendes Sport- und Freizeitzentrum mit vielfältigen Angeboten für die Bevölkerung Berlins zu dienen. Die Fertigstellung der ungenutzten Bereiche könnte dies ermöglichen und die Anlage zu einem noch attraktiveren Standort machen.