Umbau der St. Elisabeth in Bremen: Von Kirche zu Kolumbariumskirche

Einleitung

Die katholische Gemeindekirche St. Elisabeth in Bremen hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Nach rund einem Jahr Umbauzeit wurde die Suhrfeldstraße in Bremen zur Heimat der ersten Kolumbariumskirche der Stadt. Dieser Umbau stellt eine besondere Herausforderung und Innovation im Bereich der kirchlichen Architektur und der Bestattungskultur dar. Das Projekt, das von dem Architekturbüro Ahrens + Pörtner geplant wurde, hat aus einem traditionellen Gottesdienstraum einen multifunktionalen Beisetzungsort für Urnen geschaffen, der gleichzeitig als Gebetsort und Raum für Trauerfeiern dient. Die Renovierung kostete rund 1,6 Millionen Euro und wurde durch das Bistum Osnabrück sowie das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken gefördert. Dieser Artikel beleuchtet die Aspekte dieses einzigartigen Umbauvorhabens, das sowohl architektonische als auch pastorale Innovationen vereint.

Hintergrund des Projekts

Die St. Elisabeth-Kirche in Bremen hat eine lange Geschichte als Teil der katholischen Gemeinde. Vor dem Umbau diente sie primär als Gottesdienstraum für die Hastedter Gemeinde. Doch wie viele Kirchen in Deutschland stand auch sie vor der Herausforderung, ihre Funktion in einer sich wandelnden Gesellschaft neu zu definieren. Die demografischen Veränderungen und die sich verändernden Bestattungsgewohnheiten machten eine Neuausrichtung notwendig.

Die Entscheidung, ein Kolumbarium in der Kirche einzurichten, fiel im Rahmen eines strategischen Neuausrichtung des Standorts. Die Kirchengemeinde St. Johann zu der St. Elisabeth gehört, plante "einen neuen Fokus auf die Trauerpastoral zu legen und damit den Erhalt des Standortes zu sichern". Dieser Ansatz erkennt an, dass Kirchen nicht nur als Orte der regelmäßigen Gottesdienste, sondern auch als zentrale Anlaufpunkte für Menschen in Trauersituationen eine wichtige Funktion erfüllen.

Die Planungen für den Umbau wurden bereits 2018 aufgenommen, als die Katholische Kirchengemeinde St. Johann Bremen einen Einladungswettbewerb für Architekten ausschrieb. An diesem Wettbewerb beteiligten sich sechs Architekturbüros, deren Lösungen anschließend von einem Preisgericht bewertet wurden. Der Wettbewerb zielte darauf ab, eine Lösung zu finden, die die zukünftige Nutzung der Kirche als Ort der Trauerpastoral ermöglicht, während sie gleichzeitig als Gemeindekirche für die Feier der Eucharistie erhalten bleibt.

Der Umbauprozess

Der eigentliche Umbau der Kirche St. Elisabeth nahm gut ein Jahr in Anspruch, bevor sie als Bremens erste Kolumbariumskirche eröffnet werden konnte. Der Umbau stellte die Planer vor die besondere Herausforderung, den sakralen Charakter des Raumes beizubehalten, während gleichzeitig eine völlig neue Funktion implementiert wurde.

Die zentrale Veränderung bestand in der Schaffung von rund 1200 Kammern für Urnen im Innenraum des Kirchengebäudes. Diese Kammern wurden strategisch platziert, um die ursprüngliche Raumwirkung der Kirche nicht vollständig zu zerstören. Gleichzeitig wurde der liturgische Feierraum um etwa zwei Drittel reduziert, um Platz für die neuen Elemente zu schaffen.

Die Umgestaltung erfolgte nach Plänen des Architekturbüros Ahrens + Pörtner, das den Wettbewerb gewonnen hatte. Das Büro spezialisiert sich auf kirchliche und sakrale Bauten und brachte daher spezifisches Fachwissen in das Projekt ein. Die Herausforderung bestand darin, eine architektonische Lösung zu entwickeln, die sowohl den spirituellen Bedürfnissen der Gläubigen als auch den praktischen Anforderungen eines Bestattungsortes gerecht wird.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Integration der Kolumbarien in den bestehenden Kirchenraum gelegt. Die Gestaltung der Kammern folgt dabei ästhetischen Prinzipien, die sich in das Gesamtbild der Kirche einfügen und gleichzeitig eine würdevolle Aufbewahrung der Urnen gewährleisten. Die Materialwahl, die Beleuchtung und die Anordnung der Elemente wurden sorgfältig durchdacht, um eine angemessene Atmosphäre für Trauerfeiern und stilles Gedenken zu schaffen.

Architektonische und funktionale Aspekte

Der umgebaute Raum der St. Elisabeth-Kirche ist ein Beispiel für gelungene multifunktionale Nutzung sakraler Bauten. Die Architekten mussten mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen:

  1. Beibehaltung der kirchlichen Funktion: Die Kirche bleibt ein Ort der Gottesdienfe und Gebete für die Hastedter Gemeinde.

  2. Integration des Kolumbariums: Rund 1200 Urnenkammern wurden in den Innenraum integriert.

  3. Schaffung von Trauerräumen: Die Kirche dient nun auch als Ort für Trauerfeiern und Beisetzungen.

  4. Öffentliche Zugänglichkeit: Der Raum ist täglich von 10 bis 17 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich, um Gebet und stilles Gedenken zu ermöglichen.

Die Reduzierung des liturgischen Feierraums um etwa zwei Drittel war eine notwendige Maßnahme, um Platz für das Kolumbarium zu schaffen. Diese Entscheidung wurde im Rahmen des Wettbewerbs als akzeptabel erachtet, da die Kirche weiterhin als Ort der Eucharistiefeier genutzt werden kann, wenn auch in reduzierter Form.

Die Architekten nutzten wahrscheinlich verschiedene gestalterische Mittel, um den Raum trotz der zahlreichen neuen Elemente weiterhin als Kirchenraum wahrbar zu machen. Dazu gehören die Beibehaltung oder Wiederherstellung sakraler Symbole, die akustische Gestaltung des Raumes sowie die Verwendung von Materialien, die an traditionelle Kirchenausstattung erinnern.

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Raum nicht nur für Trauerfeiern, sondern auch für das persönliche, stille Gedenken zugänglich gemacht wurde. Die tägliche Öffnungszeit von 10 bis 17 Uhr ermöglicht es den Menschen, unabhängig von offiziellen Veranstaltungen einen Ort der Erinnerung aufzusuchen. Diese Entscheidung unterstreicht den pastoralen Ansatz des Projekts, der über rein formale Beisetzungen hinausgeht.

Finanzierung und Kosten

Die Finanzierung des Umbaus der St. Elisabeth-Kirche stellte eine erhebliche Herausforderung für die Gemeinde dar. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Baumaßnahme auf rund 1,6 Millionen Euro. Diese Summe deckte nicht nur die Schaffung der Kolumbarien, sondern auch die Anpassung des Kirchenraumes und die Umgestaltung der notwendigen Infrastruktur.

Ein Teil der Kosten wurde durch institutionelle Fördermittel gedeckt. Das Bistum Osnabrück sowie das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken haben das Projekt finanziell unterstützt. Diese Förderung unterstreicht die überregionale Bedeutung des Projekts als innovativer Ansatz für die Zukunft kirchlicher Gebäude.

Trotz dieser Förderung war die Gemeinde darauf angewiesen, zusätzliche Spenden einzuwerben, um alle Kosten vollständig decken zu können. Pfarrer Dirk Meyer, der zur Propsteigemeinde St. Johann gehört, zu der auch die Kolumbariumskirche St. Elisabeth gehört, betonte: "Wir sind froh, den Bremerinnen und Bremern einen würdevollen Ort für Urnenbestattungen unter einem christlichen Dach anbieten zu können." Diese Aussage unterstreicht nicht nur das pastorale Anliegen des Projekts, sondern auch die Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung durch die Gemeindemitglieder und die Öffentlichkeit.

Die Finanzierung solcher Umbauprojekte ist im Kontext der allgemein schwierigen finanziellen Lage vieler Kirchengemeinden besonders relevant. Viele Kirchen in Deutschland stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie St. Elisabeth: Sie müssen ihre Nutzung anpassen, um ihre Zukunft zu sichern, gleichzeitig sind die finanziellen Ressourcen begrenzt. Das Projekt in Bremen zeigt daher auch einen möglichen Weg auf, wie solche Umbauten durch Kombination verschiedener Förderquellen und Spendenkampagnen realisiert werden können.

Pastoraler und gesellschaftlicher Kontext

Die Umwandlung der St. Elisabeth-Kirche in ein Kolumbarium ist mehr als nur ein bautechnisches Projekt – sie ist auch ein Ausdruck der pastoralen Entwicklung in der katholischen Kirche. Der neue Fokus auf die Trauerpastoral spiegelt die veränderten Bedürfnisse der Gläubigen wider, die verstärkt Begleitung in Lebenskrisen und Trauersituationen suchen.

In einer säkularer werdenden Gesellschaft gewinnen kirchliche Trauerräume an Bedeutung, da sie einen konfessionell geprägten Rahmen für Abschied und Gedenken bieten. Gleichzeitig ermöglichen sie es der Kirche, ihre Präsenz in der Gesellschaft zu stärken, indem sie sich als Ort der Begleitung in existenziellen Fragen positioniert.

Die Entscheidung, ein Kolumbarium in einer bestehenden Kirche einzurichten, zeigt auch einen innovativen Umgang mit dem kirchlichen Immobilienbestand. Statt leerstehender Kirchen aufzugeben oder umzufunktionieren, die nicht mehr dem ursprünglichen Zweck entsprechen, wird hier ein Weg gewählt, der den sakralen Charakter des Ortes bewahrt, während gleichzeitig eine neue, zeitgemäße Nutzung hinzukommt.

Die Integration des Kolumbariums in den Kirchenraum ermöglicht es auch, den Glauben direkt mit dem Thema Tod und Auferstehung zu verbinden. Die Urnen werden in unmittelbarer Nähe zum Altar und zum Tabernakel aufbewahrt, was eine symbolische Verbindung zwischen dem Leben der Gläubigen und ihrem hoffnungsvollen Ende schafft.

Öffentliche Reaktion und Nutzung

Nach Abschluss der Umbauarbeiten wurde die St. Elisabeth-Kirche als Bremens erste Kolumbariumskirche eröffnet. Der ursprünglich geplante Eröffnungsgottesdienst musste wegen der Corona-Krise abgesagt werden, doch die Kirche öffnete dennoch ihre Türen für die Öffentlichkeit.

Die Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr zugänglich und bietet damit einen festen Zeitraum, in dem Menschen für Gebet und stilles Gedenken kommen können. Diese regelmäßige Öffnungszeit schafft eine verlässliche Anlaufstelle für Trauernde, unabhängig von konkreten Beisetzungsfeiern.

Die Nutzung des Raumes erfolgt auf zweifache Weise: Einerseits dient er weiterhin als Gottesdienstraum der Hastedter Gemeinde, andererseits finden dort Trauerfeiern und Beisetzungen statt. Aufgrund der Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus wurden die Trauerfeier zunächst nur in kleinstem Rahmen durchgeführt, doch langfristig bietet die Kirche einen multifunktionalen Raum für verschiedene Anlässe.

Die Umwandlung in eine Kolumbariumskirche stellt eine innovative Antwort auf die veränderten Bestattungsgewohnheiten dar. Während traditionelle Friedhöfe und Grabstätten an Bedeutung verlieren, gewinnen Bestattungsformen an Bedeutung, die weniger Platz benötigen und flexibler gestaltet werden können. Das Kolumbarium in St. Elisabeth bietet eine würdevolle Alternative, die gleichzeitig den christlichen Glauben zum Ausdruck bringt.

Vergleichbare Projekte und Zukunftsperspektiven

Die Umwandlung der St. Elisabeth-Kirche in ein Kolumbarium ist Teil eines größeren Trends der Neugestaltung kirchlicher Gebäude in Deutschland. Viele Gemeinden stehen vor der Herausforderung, ihre Immobilienbestände an veränderte gesellschaftliche Bedingungen anzupassen.

Vergleichbare Projekte gibt es bereits in anderen Teilen Deutschlands, doch die Kombination aus Kirchennutzung und Kolumbarium ist noch relativ neu. Die meisten Kolumbarien wurden entweder als eigenständige Bauten errichtet oder in profanen Gebäuden untergebracht. Die Integration in einen bestehenden Sakralraum stellt eine Besonderheit dar, die sowohl architektonische als auch theologische Herausforderungen mit sich bringt.

Für die Zukunft könnten solche Projekte an Bedeutung gewinnen, da sie einen Weg aufzeigen, wie Kirchen ihre Funktion in der Gesellschaft neu definieren können. Statt sich auf rein liturgische Funktionen zu beschränken, können sie sich zu Orten der Begleitung in allen Lebensphasen entwickeln – von der Taufe bis zur Bestattung.

Die St. Elisabeth-Kirche in Bremen könnte damit als Vorbild für ähnliche Umbauprojekte in anderen Gemeinden dienen. Sie zeigt auf, dass Innovation und Tradition keine Gegensätze sein müssen, sondern sich ergänzen können, wenn sorgfältig geplant und umgesetzt wird.

Fazit

Die Umwandlung der katholischen Kirche St. Elisabeth in Bremen in ein Kolumbarium ist ein gelungenes Beispiel für zeitgemäße Kirchenarchitektur und pastorale Innovation. Nach gut einem Jahr Umbauzeit steht nun ein multifunktionaler Raum zur Verfügung, der sowohl als Gottesdienstraum als auch als Ort der Trauerpastoral dient.

Das Projekt, das von dem Architekturbüro Ahrens + Pörtner geplant wurde, hat rund 1200 Kammern für Urnen geschaffen, die würdevolle Bestattungsmöglichkeiten unter einem christlichen Dach bieten. Mit Kosten von rund 1,6 Millionen Euro wurde das Vorhaben durch das Bistum Osnabrück und das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken gefördert.

Die Kirche bleibt weiterhin als Gebets- und Gottesdienstraum der Hastedter Gemeinde erhalten, während sie gleichzeitig neue Funktionen übernimmt. Die tägliche Öffnung von 10 bis 17 Uhr ermöglicht Raum für Gebet und stilles Gedenken, was die Bedeutung des Ortes als zentrale Anlaufstelle für Trauernde unterstreicht.

Das Projekt zeigt, wie kirchliche Gebäude an veränderte gesellschaftliche Bedingungen angepasst werden können, ohne ihren sakralen Charakter zu verlieren. Es ist ein Beispiel für gelungene Innovation, die Tradition und Modernität verbindet und der Kirche neue Möglichkeiten eröffnet, ihre gesellschaftliche Funktion zu erfüllen.

Quellen

  1. aussicht.online - St. Elisabeth öffnet täglich
  2. Caritas Bremen - Haus St. Elisabeth
  3. Wettbewerbe aktuell - Teilnutzung der Pfarrkirche
  4. Caritas - Haus St. Elisabeth Bremen

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