St. Nikolaus in Burkhardsrieth: Historische Renovierungen und bauliche Entwicklung

Einleitung

Die Expositurkirche St. Nikolaus im Gemeindeteil Burkhardsrieth der oberpfälzischen Stadt Pleystein stellt ein bemerkenswertes Beispiel für die bauliche Entwicklung und historische Renovierung einer ländlichen Kirchengebäude dar. Mit einer Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, hat das Bauwerk zahlreiche Veränderungen erfahren. Dieser Artikel untersucht die wichtigsten Renovierungsmaßnahmen und baulichen Entwicklungen der Kirche, basierend auf verfügbaren historischen Aufzeichnungen und Baubefunden. Von der Erweiterung des Friedhofs über die Innenrenovierung bis hin zur Erneuerung der Glockenanlage – die verschiedenen Bauphasen spiegeln nicht nur architektonische Trends wider, sondern auch das Engagement der Gemeinde für den Erhalt ihres kulturellen Erbes.

Historischer Kontext

Die römisch-katholische Expositurkirche St. Nikolaus gehört zur Expositur Burkhardsrieth der Pfarrei Pleystein im Dekanat Leuchtenberg des Bistums Regensburg. Die historische Bedeutung des Bauwerks zeigt sich bereits in den frühesten Aufzeichnissen: In dem ältesten Pfarrverzeichnis der Diözese Regensburg von 1326 wird Burkhardsrieth als eigene Pfarrei vermerkt. Damals gehörte sie zum Dekanat Altendorf und blieb bis zur Gegenreformation eigenständig. Ab 1627 wurde sie zur Filiale von Pleystein, bevor ab 1722 ein eigener Koordinator installiert wurde. 1936 erhielt Burkhardsrieth den Status einer exponierten Kooperatur.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Baubestand wider. Die Kirche ist als Saalkirche mit einem abgewalmten Satteldach konzipiert. Der abgesetzte Chorturm verweist auf eine ältere Bauphase und wird von einem spitzen Pyramidenturm gekrönt. Im hinteren Teil des Anbaus befindet sich seit 1970 ein Leichenaufbewahrungsraum. Die von einer Bruchsteinmauer umgebene Friedhofsanlage wurde 1947 erweitert und ausgebessert, was auf die kontinuierliche Pflege des gesamten Ensembles hindeutet.

Renovierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert

Renovierung von 1964

Eine bedeutende Renovierung der Kirche wurde 1964 unter der Leitung von Architekt Heinz Meckler aus Weiden durchgeführt. Diese Maßnahme markiert einen wichtigen Eingriff in das Erscheinungsbild des Innenraums und spiegelt die ästhetischen Vorstellungen der damaligen Zeit wider. Während die genauen Details der Umbauten nicht vollständig dokumentiert sind, lässt sich aus den verfügbaren Informationen ableiten, dass es sich um eine umfassende Modernisierung des Kircheninneren gehandelt haben muss.

Besonders bemerkenswert ist der Austausch des Hauptträgers der Empore durch einen Eisenträger während dieser Renovierungsphase. Diese technische Veränderung deutet auf eine strukturelle Verstärkung hin, möglicherweise bedingt durch veränderte statische Anforderungen oder den Wunsch nach mehr Raum unter der Empore. Der Einsatz von Stahlträgern statt traditionellem Holz entsprach dem damaligen technischen Standard und ermöglichte größere Spannweiten und schlankere Konstruktionen.

Innenraumgestaltung nach der Renovierung

Nach der Renovierung von 1964 präsentiert sich die Kirche im Inneren in schlichtem Weiß. Diese zurückhaltende Farbgebung betont die architektonischen Formen und schafft eine ruhige, meditative Atmosphäre. Die Gestaltungselemente dieser Zeit lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Hauptaltar mit Überdachung, ausgestattet mit einem Holzrelief und einer Statue des Kirchenpatrons hl. Nikolaus, gestaltet vom Bildhauer Mauermann aus Weiden
  • Altarraum und Fußboden aus Kleinziegenfelder Dolomit
  • Verkleidung von Decke und Empore mit Oregon Pine
  • Kirchenstühle, gefertigt von Bruno Janisch aus Waidhaus

Die Materialwahl für diese Elemente ist aufschlussreich: Während der Dolomit für den Altarraum und den Fußboden eine zeitlose, robuste Qualität bietet, verleiht das Oregon-Pain (amerikanische Kiefernart) Decke und Empore eine warme, natürliche Ausstrahlung. Die Kirchenstühle von Bruno Janisch aus Waidhaus repräsentieren handwerkliche Qualität aus der Region und zeigen die Verbindung zwischen lokaler Handwerkstradition und kirchlicher Ausstattung.

Entdeckung historischer Grabsteine während der Renovierung

Eine bemerkenswerte Entdeckung während einer der Renovierungsmaßnahmen war das Auffinden historischer Grabsteine. Unter dem Altar wurde der Grabstein des Hammermeisters Willibald Castner von Pfrentsch mit der Inschrift "Willibald Castner von Unterschnaittenbach zu Pfrentsch im 65 Jahr – welchem Gott und uns allen eine fröhliche Auferstehehung verleihen wolle, Amen" gefunden. Dieser wertvolle historische Zeuge wurde in eine Wand der neu geschaffenen Taufkapelle eingelassen.

Zwei weitere Steine der Familie Kastner und eines weiteren Hammerherren aus dem Jahr 1546 befinden sich rechts und links des Hauptportals. Diese Entdeckungen unterstreichen die historische Bedeutung des Ortes und die Verbindung zwischen Kirche und lokaler Adels- und Hammerherrenfamilien. Die bewusste Integration dieser historischen Elemente in die renovierte Kirche zeigt den Respekt vor der Geschichte und die Absicht, die Kontinuität des Ortes sichtbar zu machen.

Dorferneuerung und Außenanlagen

Brunneninstallation 2011

Zum Abschluss der Dorferneuerungsmaßnahmen von Burkhardsrieth wurde am 27. Juli 2011 ein Brunnen am Kirchenvorplatz aufgestellt. Diese Maßnahme steht im Zusammenhang mit der allgemeinen Dorfentwicklung und zeigt, wie kirchliche und kommunale Projekte zusammenwirken können. Der Brunnen dient nicht nur der ästhetischen Aufwertung des Kirchenvorplatzes, sondern auch als symbolischer Verweis auf das Wasser als christliches Symbol der Taufe und des Lebens.

Die Installation des Brunnens im Rahmen der Dorferneuerung unterstreicht die zentrale Rolle der Kirche im dörflichen Leben und die Anerkennung ihrer Bedeutung für die Identität des Ortes. Solche Maßnahmen sind typisch für Dorfentwicklungsprojekte, die den öffentlichen Raum als lebendigen Gemeinschaftsort gestalten und die historische Bausubstänz in ein zeitgemäßes Umfeld integrieren.

Friedhofserweiterung und Mauerinstandsetzung

Um die Kirche herum befindet sich ein von einer Bruchsteinmauer eingehegter Friedhof. Eine Erweiterung und Ausbesserung dieser Mauer fand 1947 statt, was auf die Notwendigkeit hinweist, die Bausubstanz des gesamten Kirchengevierts kontinuierlich zu erhalten. Bruchsteinmauern sind typisch für ländliche Friedhöfe in der Region und stellen eine traditionsverbundene Bauweise dar, die sich harmonisch in die Landschaft einfügt.

Die Instandsetzung der Mauer im Jahr 1947 fällt in die unmittelbare Nachkriegszeit, eine Periode, in der viele Gemeinden ihre baulichen Anlagen nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wiederherstellten oder instand hielten. Die Wahl des Materials und der Bauweise zeigt den Bestreben, die traditionelle Erscheinung zu bewahren, während gleichzeitig die Funktionalität und Dauerhaftigkeit gesichert wurde.

Glockenanlage und ihre Geschichte

Nach dem Kirchenbrand

Die Geschichte der Glocken von St. Nikolaus ist eng mit einem Kirchenbrand verbunden, dessen genaues Datum in den Quellen nicht genannt wird. Nach dem Brand wurden drei Glocken von Joseph Anton Spannagl aus Regensburg gegossen. Die große Glocke mit einem Gewicht von 555,73 kg trägt die Aufschrift "Incendio ecclkesiae 1879 diruta in honorem St. Nicolai Anno 1882 restituta sono die Gloriam". Diese Inschrift dokumentiert eindrücklich die Zerstörung der Kirche im Jahr 1879 und ihre Wiederherstellung drei Jahre später.

Die große Glocke repräsentiert das Gießerhandwerk des späten 19. Jahrhunderts und zeigt die kunstvolle Verbindung von technischer Meisterleistung und religiöser Symbolik. Das Gewicht von über 500 kg deutet auf eine imposante Größe hin und unterstreicht die akustische Präsenz des Instruments im dörflichen Raum.

Erneuerung der Glocken im 20. Jahrhundert

Zwei der drei kleineren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg als Metallspende für die Rüstungsproduktion abgeliefert werden. Dies war ein Schicksal, das viele Kirchenglocken in Deutschland während dieser Zeit ereilte und einen erheblichen Verlust für das kulturelle Erbe darstellte.

Als Ersatz wurden 1952 zwei neue Glocken von der Glockengießerei Hamm angeschafft. Die Wahl dieses traditionsreichen Gießereibetriebs aus Frankenthal (Pfalz) zeigt das Bemühen um handwerkliche Qualität und akustische Eignung. Die Neuanschaffung der Glocken nach dem Krieg stellt einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung der kirchlichen Tradition und des dörflichen Lebens dar, das eng mit dem Glockengeläut verbunden ist.

Finanzierung und Wirtschaftlichkeit historischer Baumaßnahmen

Die Finanzierung der Kirche und ihrer Unterhaltung basierte über Jahrhunderte auf einem komplexen System von Einnahmen und Abgaben. Die Einnahmen der Kirche wurden aus Zins- und Zehntzahlungen aus einer Vielzahl von Orten erzielt, darunter Miesbrunn, Pfrentsch, Spielhof, Lohma, Isgier sowie verschiedenen Mühlen wie Bodenmühle, Finstermühle, Marxmühle, Pielmühle, Papiermühle bei Ödenkührieth Thomasgschieß, Trutzhofmühle und Zengerhof.

Diese Diversifizierung der Einnahmequellen zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Kirche in der Region und ihre Verflechtung mit den umliegenden Siedlungen und Wirtschaftsbetrieben. Die Mühlen, als wichtige Gewerbebetriebe, trugen durch ihre Abgaben zur Unterhaltung der Kirche bei, während die Kirche ihrerseits geistliche und soziale Dienste für diese Orte erbrachte.

Übergang vom Natural- zum Geldzehnt

Eine bedeutende wirtschaftliche Veränderung erfolgte ab 1852, als der Zehnt nicht mehr in Naturalabgabe, sondern als Geldleistung erhoben wurde. Diese Modernisierung des Abgabensystems ermöglichte eine flexiblere Verwaltung der Einnahmen und passte sich den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen an.

Die Umstellung auf Geldzahlungen hatte unmittelbare Auswirkungen auf die baulichen Anlagen der Kirche: Der Zehntstadel am 17. August 1851 an August Lang von Burkhardsrieth versteigert und abgebrochen. Dieser Vorgut zeigt die direkte Verbindung zwischen wirtschaftlichen Veränderungen und baulichen Konsequenzen. Der Verlust des Speichers, der vermutlich für die Lagerung der Naturalabgaben diente, war das sichtbare Ergebnis der Umstellung auf Geldwirtschaft.

Pfarreigründe und ihre Bewirtschaftung

Die Pfarrgründe, bestehend aus Äckern, Wiesen und Wald, wurden bis 1627 vom Pfarrer bzw. seinen Knechten selbst bestellt. Ab diesem Zeitpunkt wurden sie an Bauern verpachtet. Diese Änderung in der Bewirtschaftungspraxis spiegelt die Entwicklung hin zu einer spezialisierten Landwirtschaft wider und zeigt, wie die Kirche als Grundherr agierte.

Die Pachtung der Ländereien an Bauern sicherte der Kirche Einkünfte, während gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung fachgerecht erfolgte. Dieses System der Verpachtung war typisch für geistliche Grundherrschaften und ermöglichte eine nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen.

Fazit

Die Renovierungen und baulichen Entwicklungen der St.-Nikolaus-Kirche in Burkhardsrieth spiegeln die historische Entwicklung des Dorfes und die Anpassungsfähigkeit einer ländlichen Kirchengemeinde an veränderte Bedingungen wider. Von den Anfängen als eigenständige Pfarrei im 14. Jahrhundert über die verschiedenen Bauphasen bis hin zu den Renovierungen des 20. Jahrhunderts zeigt das Bauwerk eine beeindruckende Kontinuität.

Die Renovierung von 1964 unter Architekt Heinz Meckler markiert einen wichtigen Eingriff in das Erscheinungsbild, bei dem bewusst moderne Elemente wie der Eisenträger für die Empore mit traditionellen Materialien wie Kleinziegenfelder Dolomit und Oregon Pine kombiniert wurden. Die Entdeckung historischer Grabsteine während der Arbeiten zeigt den Respekt vor der Geschichte und die bewusste Integration von Zeugen der Vergangenheit in den renovierten Raum.

Die Außenanlagen, insbesondere die Friedhofsmauer von 1947 und der Brunnen von 2011, demonstrieren die kontinuierliche Pflege des gesamten Ensembles und die Verbindung zwischen kirchlicher und kommunaler Entwicklung. Die Geschichte der Glockenanlage, von den Spannagl-Glocken von 1882 über die Verluste im Ersten Weltkrieg bis zu den Ergänzungen durch die Glockengießerei Hamm im Jahr 1952, dokumentiert den Widerstandsfähigkeit der Gemeinde gegenüber Verlusten und ihr Engagement für den Erhalt ihrer kulturellen Identität.

Die wirtschaftlichen Grundlagen der Kirche, von den Naturalabgaben des Zehnts bis zur Umstellung auf Geldleistungen und die damit verbundenen baulichen Konsequenzen wie den Abriss des Zehntstadels, zeigen die enge Verbindung zwischen kirchlicher Institution und wirtschaftlicher Entwicklung der Region.

Die St.-Nikolaus-Kirche in Burkhardsrieth steht somit nicht nur als religiöser Ort, sondern auch als Zeugnis der Geschichte und Entwicklung des Dorfes und seiner Bewohner. Die verschiedenen Renovierungsmaßnahmen haben nicht nur den Erhalt des Bauwerks sichergestellt, sondern auch seine Bedeutung als kulturelles und identitätsstiftendes Element im dörflichen Leben unterstrichen.

Quellen

  1. St. Nikolaus (Burkhardsrieth) - Wikipedia

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