Turmsanierung und Zukunftskonzept: Die Restaurierung von St. Peter und Paul in Bad Camberg

Einleitung

Die frühbarocke Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Bad Camberg steht derzeit im Fokus bedeutender Sanierungsmaßnahmen, insbesondere an ihrem markanten Turm. Diese Bautätigkeit stellt nicht nur eine technische Herausforderung dar, sondern ist auch Teil eines umfassenden Zukunftskonzepts der katholischen Pfarrei. Die Renovierung des Turmdachs, bei der erhebliche Kosten von geschätzte 500.000 bis 1.000.000 Euro anfallen, wird größtenteils vom Bistum getragen, während die örtliche Kirchengemeinde zehn Prozent der Kosten übernimmt. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Aspekte der aktuellen Sanierung, die historische Bedeutung des Bauwerks und die zukünftige Planung für die kirchlichen Immobilien in Bad Camberg.

Die Turmsanierung in Bad Camberg

Aktuelle Baumaßnahmen am Kirchturm

Die Bauarbeiten am Turm von St. Peter und Paul in Bad Camberg haben bereits begonnen und sind weithin sichtbar. Das markante Bauwerk ist derzeit eingerüstet, um die dringend notwendige Sanierung des Turmdachs durchzuführen. Wie der Vorsitzende des Ortsausschusses Bad Camberg, Dominik Martin, berichtet, haben sich bereits zahlreiche Privatleute und Organisationen mit Spenden an der Finanzierung beteiligt. Bisher sind 18.200 Euro an außerordentlichen Spenden eingegangen.

Die Fachleute haben bei der Begutachtung des Turms erhebliche Schäden festgestellt, insbesondere an den Holzkonstruktionen. Wie in den Dokumenten beschrieben, "zerbröseln" Holzteile teilweise schon unter den Händen. Das Schieferdach muss komplett neu eingedeckt werden, vorher ist jedoch eine umfassende Sanierung des Dachstuhls erforderlich. Die ersten Kostenschätzungen lagen zwischen einer halben und einer Million Euro, was den erheblichen Aufwand unterstreicht.

Technische Details und Ausmaße des Turms

Der Kirchturm von St. Peter und Paul ist mit einer Gesamthöhe von etwa 50 Metern ein prägendes Wahrzeichen der Stadt. Wie Architekt Reinhard Spiekermann vom Büro Dreier in Niederbrechen berichtet, setzen sich diese 50 Meter aus 22 Metern gemauertem, unterem Teil und 28 Metern für das Turmdach zusammen. Der Zugang zum obersten Bereich des Turms erfordert 133 Stufen, die zum vierten und höchsten Geschoss in der Türmerwohnung führen.

Die Sanierungsarbeiten sind gut im Zeitplan. Die Zimmerarbeiten im Dachstuhl sollen im September beginnen, und bis zum Frühjahr soll alles fertig sein – natürlich abhängig von der Witterung und dem bevorstehenden Winter. Die Arbeiten werden von erfahrenen Fachkräften durchgeführt, die mit den Besonderheiten historischer Baukonstruktionen vertraut sind.

Denkmalschutz und Herausforderungen bei der Sanierung

Die Kirche St. Peter und Paul steht unter Denkmalschutz, was bei der Sanierung besondere Herausforderungen mit sich bringt. Wie im KIS-Projekt (Kirchliche Immobilienstrategie) festgestellt wurde, stehen von den insgesamt 40 betrachteten Gebäuden der Pfarrei 22 unter Denkmalschutz. Diese Statistik unterstreicht die historische Bedeutung der Anlage in Bad Camberg.

Die Sanierung muss daher nicht nur technische Anforderungen erfüllen, sondern auch den strengen Auflagen des Denkmalschutzes genügen. Dies betrifft sowohl die Materialwahl als auch die handwerklichen Techniken, die bei der Restaurierung zum Einsatz kommen. Die Fachleute müssen eine Balance finden zwischen der Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes und der Einführung moderner Materialien und Methoden zur langfristigen Erhaltung des Bauwerks.

Historische Bedeutung von St. Peter und Paul

Frühbarocke Wallfahrtskirche als Wahrzeichen

Die frühbarocke Wallfahrtskirche St. Peter und Paul ist das Wahrzeichen der Stadt Bad Camberg. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Die Kapelle wurde 1682 auf einem Berg östlich der Stadt erbaut und 1725 vom ursprünglich achteckigen Bauwerk zum kreuzförmigen Bauwerk erweitert. Wie die historischen Dokumentationen belegen, geht der Bau auf die Familie Freiherr von Hohenfeld zurück.

Seit 1924 ist die Kirche im Besitz der Pfarrei, die seither für ihren Erhalt und ihre Pflege verantwortlich ist. Die Kirche ist den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht, die als Leitfiguren der frühen Kirche gelten. Petrus leitete die junge Kirche, während Paulus sich für die Verbreitung der Botschaft Jesu einsetzte. Das Patrozinium wird am 29. Juni gefeiert, die Kirchweih (Kerb) am 2. Sonntag im Oktober.

Kreuzkapelle und ihre Entwicklung

Eine besondere historische Bedeutung hat die Kreuzkapelle, die ebenfalls Teil des kirchlichen Erbes in Bad Camberg ist. Die Kapelle wurde 1682 erbaut und 1725 erweitert. Bereits 1974 wurde vor der Kapelle das erste Kreuzkapellenfest gefeiert, das seitdem eine jährliche Tradition bildet.

Seit 1975 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt, darunter die Errichtung der Mauer, Innenrenovierung, Restaurierung der Statuen, Erneuerung des Außenputzes, Trockenlegung des Mauerwerks sowie die Herstellung von Wasser- und Stromanschlüssen. Diese Maßnahmen zeigen den kontinuierlichen Einsatz für den Erhalt dieser historischen Stätte.

Besonders bemerkenswert ist der Kreuzweg, der den Weg von der Stadt bis zur Kapelle um 1700 mit den Sieben Fußfällen schmückt. In den Sommermonaten organisieren Ehrenamtliche die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen, so dass Wanderer, Touristen und Gläubige die Möglichkeit haben, die Kapelle zu besichtigen und mehr über die Geschichte des Ortes zu erfahren.

Bad Camberger Stadtgeschichte und die Kirche

Die Kirche St. Peter und Paul ist tief in die Geschichte von Bad Camberg eingebettet. Die erste Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1000 n. Chr., als Kaiser Otto III. den 'Königshof Cagenberg' dem Kloster Burtscheid schenkte. 1281 erhielt Camberg die Stadtrechte, und zwischen 1365 und 1380 wurde die Stadtmauer mit 13 Türmen erbaut. Ab 1420 stand Camberg unter verschiedenen Zwei- und Dreiherrschaften.

Die Kirche St. Peter und Paul hat sich in dieser wechselhaften Geschichte als konstantes religiöses Zentrum etabliert. Ihre Entwicklung spiegelt wider, wie sich die Stadt und ihre Bewohner über die Jahrhunderte hindurch identifiziert und verändert haben. Heute ist sie nicht nur ein religiöser Ort, sondern auch ein kulturelles und historisches Wahrzeichen, das die Identität von Bad Camberg prägt.

Zukunftskonzept der Pfarrei St. Peter und Paul

Das Projekt "Die Siedler von St. Peter und Paul"

Die Pfarrei St. Peter und Paul in Bad Camberg hat sich intensiv mit ihrer zukünftigen Entwicklung beschäftigt. Im Rahmen des Projekts "Die Siedler von St. Peter und Paul" wurde die zentrale Frage untersucht: Wie würde die katholische Kirche in der Pfarrei 2040 aussehen, wenn Menschen in das Gebiet kämen und noch nichts vorfinden würden?

Mit diesem "Grüne Wiese"-Ansatz beschäftigten sich Menschen unterschiedlichen Alters, Berufe und Interessen und erarbeiteten Leitlinien für die Pfarrei. Zusammen mit den bistumsweiten Leitlinien der Kirchlichen Immobilienstrategie (KIS) bildeten sie die Grundlage zur Bewertung des pfarreieigenen Gebäudebestands. Die Ergebnisse wurden am 4. September 2023 den Gremien der Pfarrei vorgestellt.

Das Projekt wurde bereits im April 2018 vom Verwaltungsrat initiiert. Im ersten Schritt wurden alle Gebäude der Pfarrei besichtigt und bewertet. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde das Projekt unterbrochen, da die wichtigen Diskussionen nicht in virtuellen Sitzungen geführt werden sollten. Die eigentlich für die zweite Jahreshälfte 2020 vorgesehene zweite Phase konnte daher erst im ersten Halbjahr 2023 durchgeführt werden.

Ergebnisse der KIS-Bewertung

Die im Rahmen des KIS-Projekts durchgeführte Bewertung des Gebäudebestands lieferte klare Vorgaben für die Zukunft der kirchlichen Immobilien in Bad Camberg. Insgesamt wurden 40 Gebäude (Kirchen, Pfarrhäuser, Pfarrheime, Kapellen, Büro-/Wohnhäuser ohne die Kindertagesstätten) betrachtet.

Die Bewertung ergab folgende Verteilung: - 16 Gebäude bleiben erhalten bzw. sollen aufgrund einer zukunftsfähigen Profilierung nach Möglichkeit erhalten bleiben - 9 Gebäude werden solange erhalten wie Drittmittel vorhanden sind - 6 Gebäude bedürfen der Projektentwicklung und sind mittelfristig für die Abgabe vorgesehen - 7 Gebäude sollen kurzfristig für den Verkauf vorbereitet werden - 2 weitere Gebäude werden als Sonderfälle im Gebäudebestand bleiben

Besonders hervorzuheben ist, dass 22 der betrachteten Gebäude unter Denkmalschutz stehen, was bei allen Zukunftsplanungen berücksichtigt werden muss.

Fokussierung auf drei Schwerpunktzentren

Nach der Überarbeitung der Gebäudestruktur wird in der Pfarrei weiterhin das gesamte Angebot beibehalten, jedoch nicht mehr an allen Standorten. Bezogen auf das Gottesdienstangebot wird sich die Pfarrei langfristig auf drei Schwerpunktzentren fokussieren:

  1. Bad Camberg als zentraler Ort der Pfarrei
  2. Niedersellers, verkehrsgünstig an der B8 gelegen
  3. Haintchen als "Kirche auf dem Berg"

In diesem Dreieck sind die Entfernungen für die Gläubigen auf maximal 17 km zwischen den Orten und einer Kirche beschränkt. Diese Konzentration soll sicherstellen, dass die kirchlichen Angebote auch in Zukunft gut erreichbar und wirtschaftlich betrieben werden können.

Trotz dieser Fokussierung wird das kirchliche Leben in den anderen sieben Kirchorten weiterhin gestaltet und gelebt werden. Die Pfarrei strebt eine Balance zwischen notwendiger Konzentration und lokaler Verankerung an.

Fazit

Die Sanierung des Turmdachs von St. Peter und Paul in Bad Camberg ist ein wichtiges Projekt, das nicht nur technische, sondern auch kulturhistorische und zukunftsorientierte Aspekte vereint. Die geschätzten Kosten von 500.000 bis 1.000.000 Euro werden größtenteils vom Bistum getragen, während die lokale Gemeinschaft mit 10 % und privaten Spenden mit bereits 18.200 Euro beteiligt ist.

Die Kirche als frühbarockes Wallfahrtsgebäude ist ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt und steht unter Denkmalschutz. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Entwicklung von Bad Camberg verbunden. Die aktuelle Turmsanierung stellt eine weitere Etappe in der kontinuierlichen Pflege dieses historischen Bauwerks dar.

Gleichzeitig zeigt das KIS-Projekt, dass die Pfarrei St. Peter und Paul proaktiv ihre Zukunft gestaltet. Die Konzentration auf drei Schwerpunktzentren bei gleichzeitiger Beibehaltung des kirchlichen Lebens in allen Ortsteilen stellt einen sinnvollen Kompromiss dar, der sowohl Wirtschaftlichkeit als auch lokale Präsenz sicherstellt.

Die Sanierung des Turms und die zukunftsorientierte Planung der Pfarrei unterstreichen die Bedeutung von St. Peter und Paul als religiöses und kulturelles Zentrum von Bad Camberg – eine Bedeutung, die auch in den kommenden Jahrhunderten erhalten bleiben soll.

Quellen

  1. Neues Turmdach für St. Peter und Paul in Bad Camberg
  2. Pfarrei St. Peter und Paul Bad Camberg baut an der Zukunft
  3. Bad Camberg - Kirchorte
  4. Pfarrei St. Peter und Paul Bad Camberg

Ähnliche Beiträge