Einleitung
Das Konzerthaus im Kieler Schloss stellt seit seiner Eröffnung im Jahr 1965 einen kulturellen Mittelpunkt der Stadt dar. Nach rund 58 Jahren intensiver Nutzung ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude jedoch dringend sanierungsbedürftig. Die umfangreiche Renovierung, die seit Ende 2021 läuft, soll das architektonische Meisterwerk der 60er Jahre nicht nur erhalten, sondern für zukünftige Generationen zugänglich und funktional machen. Dieser Artikel beleuchtet die umfassende Sanierungsmaßnahme, die Ziele, den aktuellen Stand und die besonderen Herausforderungen bei der Modernisierung eines denkmalgeschützten Bauwerks.
Historischer Hintergrund und architektonische Bedeutung
Der Konzertsaal am Kieler Schloss ist ein architektonisches Unikat, das in den 1960er Jahren erbaut wurde. Die klaren Linien der Moderne, geprägt von den Architekten Herbert Sprotte und Peter Neve, machen das Gebäude zu einem besonderen Beispiel der Nachkriegsmoderne. Das Konzerthaus wurde 1965 als Teil eines Ensembles eröffnet, das das im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte Kieler Schloss wieder vollständig zusammensetzte. Seit 2005 steht die Konzerthalle unter Denkmalschutz, was bei der Sanierung besondere Herausforderungen mit sich bringt.
Das Gebäude ist nicht nur architektonisch wertvoll, sondern auch kulturell von großer Bedeutung für die Stadt Kiel. Es dient als vielfältig genutzter Ort der Begegnung und als Aushängeschild der Kieler Kultur. Einzigartige Akustik und besondere räumliche Qualitäten machen es zu einem Kleinod der Kieler Altstadt.
Renovierungsplanung und Ziele
Die Planungen für die Sanierung des Konzerthauses begannen bereits vor mehreren Jahren. Ein entscheidender Meilenstein war die Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Kiel am 26. Mai 2020, auf der die grundlegenden Ziele und Maßnahmen der Sanierung vorgestellt wurden. Die belegten Flächen durch den NDR sollten freigegeben werden, damit das Gebäude optimal genutzt werden kann. Gleichzeitig war es wichtig, die betrieblichen Abläufe erheblich zu verbessern und die Barrierefreiheit des gesamten Gebäudes sicherzustellen.
Das erklärte Ziel des Projekts ist es, das 1965 eröffnete Gebäude im originalen Stil der sechziger Jahre zu renovieren und gleichzeitig die Technik sowie den Hinterbühnenbereich auf den neusten Stand zu bringen. Dabei muss der besondere Denkmalschutzstatus berücksichtigt werden, der eine behutsame Erneuerung erfordert.
Ein weiteres wichtiges Ziel ist die energetische Ertüchtigung der ikonischen Gebäudehülle, um zukünftigen Umweltanforderungen gerecht zu werden. Gleichzeitig sollen die einzigartigen architektonischen Qualitäten des Gebäudes erhalten und herausgearbeitet werden.
Bauprozess und Zeitplan
Die Bauarbeiten begannen offiziell Ende November 2021. Zunächst fand der nicht statische Rückbau und die damit in Teilen verbundene Schadstoffsanierung statt. Die aufgefundenen Schadstoffe erforderten nur ein übliches Maß an Sanierungsmaßnahmen, was eine positive Entwicklung darstellte.
Ab dem Frühjahr 2022 lief der statische Abbruch und die Vorbereitung der neuen Ein- und Ausbauten. Dieser Teil des Projekts gestaltete sich jedoch komplexer als erwartet. Besonders die Natursteinvorhangfassade erwies sich als problematisch: Der Rohbau erwies sich trotz umfangreicher Voruntersuchungen als nicht ausreichend tragfähig für den geplanten Wiedereinbau der Natursteinplatten und musste nachträglich ertüchtigt werden.
Der ursprünglich geplante Zeitplan wurde mehrfach angepasst. Zunächst war eine Eröffnung im späten Sommer 2025 vorgesehen, doch nun soll der Konzertsaal erst Anfang 2026 wiedereröffnet werden. Der Saal wird bereits im September 2025 bezugsfertig sein, das Eröffnungskonzert ist für den 11. Januar 2026 geplant. Die Installation des hochwertigen historischen Gestühls, die Ende 2025 erfolgte, markierte einen entscheidenden Meilenstein in der finalen Phase der Sanierung.
Verschiedene externe Faktoren trugen zu den Verzögerungen bei. Wie viele andere Bauprojekte ist auch die Sanierung des Konzertsaals am Kieler Schloss von den Auswirkungen der Pandemie, des Kriegs in der Ukraine, des Fachkräftemangels sowie den Rahmenbedingungen der öffentlichen Förderung betroffen. Trotz dieser Herausforderungen liegt das Projekt jedoch im finanziell abgesteckten Rahmen, was eine bemerkenswerte Leistung aller Beteiligten darstellt.
Finanzierung und Budget
Die Sanierung des Konzerthauses am Kieler Schloss ist ein kostspieliges Unterfangen. Gemäß der Kalkulation von Mai 2020 belaufen sich die Kosten inklusive 15% Projektrisikokosten auf 40.825.000€. Andere Quellen nennen eine Summe von "rund 40 Millionen Euro", was den Angaben aus den Planungsunterlagen entspricht.
Als Kostenträger dieses Sanierungsprojekts sind die Eigentümerin, die Stadt Kiel, das Land Schleswig-Holstein und der Förderverein beteiligt. Die breite finanzielle Basis ermöglicht eine umfassende Sanierung, die über die reinen Instandhaltungsmaßnahmen hinausgeht und auch eine Modernisierung der technischen Infrastruktur beinhaltet.
Die Stadt Kiel sucht bereits jetzt mit Beginn der Eröffnungsspielzeit 2025/26 für die Bewirtung der Veranstaltungsgäste des Konzertsaals einen motivierten und innovativen Catering-Betrieb. Interessierte haben die Möglichkeit, ihre Bewerbungen bis zum 14. Juli einzureichen. Die Stadt Kiel plant ab Herbst 2025 einen Pachtvertrag für das Catering des neuen Konzertsaales abzuschließen, zunächst für zwei Jahre mit der Option auf Verlängerung um jeweils ein weiteres Jahr.
Technische Modernisierungen
Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von technischen Modernisierungen, die den Konzertsaal für die Zukunft rüsten. Die Raumakustik wurde durch den Einbau von Akustiksegel verbessert, was die hohe musikalische Qualität des Saals sicherstellt und weiter optimiert.
Die Bühnentechnik wird komplett erneuert und auf den neusten Stand der Technik gebracht. Dies ist eine besondere Herausforderung, da die historische Bühnentechnik den heutigen Anforderungen an Sicherheit, Flexibilität und Effizienz nicht mehr gerecht wurde. Gleichzeitig wird die Haustechnik modernisiert, um den Energieverbrauch zu senken und die Betriebssicherheit zu erhöhen.
Die umfangreiche Haus- und Bühnentechnik des Komplexes mit seinen 1.400 Sitzplätzen, den Foyers, Garderoben und der zugehörigen Infrastruktur war nach fast 60 Jahren stark sanierungsbedürftig und wurde nun vollständig erneuert.
Verbesserungen im Innenbereich
Die Innenräume des Konzerthauses werden umfassend modernisiert und funktional verbessert. Im Parkett werden die betrieblichen Abläufe durch ausreichend Garderoben und beidseitigen Bühnenzugang erheblich verbessert. Dies verbessert nicht nur die Besuchererfahrung, sondern auch die Arbeitsbedingungen für das Personal.
Im Foyer wird die Zugangssituation zum Saal zwischen Gastronomie und Garderoben räumlich entzerrt, was für eine bessere Besucherführung und mehr Komfort sorgt. Die Gastronomiebereiche werden neu gestaltet und optimiert, um den Anforderungen eines modernen Kulturhauses gerecht zu werden.
Für den zukünftigen Betrieb des Konzerthauses sind alle erforderlichen Büroflächen geplant, die in der Vergangenheit oft improvisiert und nicht optimal angeordnet waren. Die Neuordnung und Verbesserung der WC-Situation, inklusive barrierefreier Ausstattung, ist ein weiteres wichtiges Element der Sanierung.
Außenbereich und Fassade
Die Westfassade des Gebäudes wird nach historischem Vorbild neu geordnet. Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, da einerseits der Denkmalschutz berücksichtigt werden muss, andererseits energetische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle spielen. Die gesamte Außenfassade des Gebäudes wird nach energetischen Gesichtspunkten saniert, um den Umweltanforderungen der Zukunft genügen zu können.
Ein zusätzlicher Zu- und Ausgang wird unter den Fördeterrassen geschaffen, der die Besucherströme entlastet und die Barrierefreiheit verbessert. Die Anbindung einer attraktiven, wettergeschützten Außenfläche an das Foyer schafft zusätzlichen Raum für Veranstaltungen und Pausenbereiche.
Die Natursteinvorhangfassade erwies sich als besondere Herausforderung. Der Rohbau erwies sich trotz umfangreicher Voruntersuchungen als nicht ausreichend tragfähig für den geplanten Wiedereinbau der Natursteinplatten und musste nachträglich ertüchtigt werden. Diese Maßnahme führte zu Verzögerungen im Zeitplan, ist aber für die langfristige Erhaltung des denkmalgeschützten Baus unbedingt erforderlich.
Barrierefreiheit
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Umsetzung vollständiger Barrierefreiheit. Der ins Gebäudeinnere verlegte Aufzug erreicht zukünftig barrierefrei alle Geschosse, was einen entscheidenden Fortschritt für die Zugänglichkeit des gesamten Gebäudes darstellt.
Die Neuordnung und Verbesserung der WC-Situation sieht durchgängig barrierefreie Ausstattungen vor. Auch die Zugänglichkeit zum Saal und zu allen anderen Bereichen wird verbessert, sodass das Konzerthaus für alle Besucher zugänglich sein wird.
Zukünftige Nutzung und Programm
Der renovierte Konzertsaal wird Platz für bis zu 1.300 Besucher bieten. Neben Konzerten ist die Nutzung für unterschiedliche künstlerische Formate geplant. Die Stadt Kiel rechnet mit circa jährlich 200 unterschiedlichen Veranstaltungen wie Theater-, Kabarett- und Comedy-Darbietungen sowie Konzerten unterschiedlichster Art.
Der Ganzjahresbetrieb im Fördefoyer für Besucher mit circa 40 Plätzen schafft zusätzliche flexible Nutzungsmöglichkeiten. Das Konzerthaus soll als Ort der Begegnung und kulturelles Zentrum der Stadt weiterentwickelt werden, das die vielfältigen kulturellen Interessen der Kieler Bevölkerung widerspiegelt.
Fazit
Die Sanierung des Konzerthauses am Kieler Schloss ist ein herausforderndes Projekt von großer Bedeutung für die Stadt und ihre Kultur. Die Balance zwischen Denkmalschutz und Modernisierung erfordert besondere Sorgfalt und Fachwissen. Trotz erheblicher Herausforderungen, einschließlich der Auswirkungen der Pandemie, des Kriegs in der Ukraine und des Fachkräftemangels, liegt das Projekt im finanziell abgesteckten Rahmen.
Die Modernisierung des denkmalgeschützten Bauwerks wird sicherstellen, dass das architektonische Meisterwerk der 60er Jahre mit seiner einzigartigen Akustik auch zukünftig als kulturelles Zentrum dienen kann. Die Verbesserungen der Barrierefreiheit, der technischen Ausstattung und der Funktionalität machen das Gebäude für zukünftige Generationen zugänglich und nutzbar.
Mit der geplanten Eröffnung im Januar 2026 wird der Kieler Schloss-Konzertsaal eine neue Ära beginnen, die die bewährten Qualitäten des historischen Gebäudes mit den Anforderungen eines modernen Kulturhauses verbindet. Die Sanierung ist somit nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine Investition in die kulturelle Zukunft Kiels.