Landesmuseum Hannover: Zehnjähriger Umbau schafft moderne Kunsterlebniswelten

Einleitung

Nach über einem Jahrzehnt intensiver Umbauarbeiten präsentiert sich das Landesmuseum Hannover nun als vollständig modernisiertes WeltenMuseum. Mit der Eröffnung der letzten Räume im zweiten Obergeschoss am 25. September ist der lange Transformationsprozess abgeschlossen. Auf nun 2.500 Quadratmetern können Besucherinnen und Besucher eine beeindruckende Sammlung europäischer Kunst vom Mittelalter bis zu den "Neuen Meistern" entdecken – eine Zeitreise von 800 Jahren europäischer Kunstgeschichte. Die Umgestaltung, die aufwendig geplant und umgesetzt wurde, verbindet denkmalpflegerische Rücksichtnahme mit innovativen musealen Konzepten. Dieser Artikel beleuchtet die entscheidenden Aspekte dieser umfassenden Renovierung, von den gestalterischen Ideen über die technischen Innovationen bis hin zu den neuen digitalen Angeboten, die das Museum zu einem zeitgemßen Ort der Kunstvermittlung machen.

Der lange Weg zur Neueröffnung

Die Umgestaltung des Landesmuseums Hannover war ein Marathonprojekt, das mehr als zehn Jahre in Anspruch nahm. Der finale Abschnitt dieser Transformation markierte die Eröffnung der KunstWelten, womit das gesamte Vorhaben abgeschlossen wurde. Museumsdirektorin Prof. Dr. Katja Lembke beschrieb diesen Meilenstein bei einer Pressekonferenz als Wendepunkt: "Die Besucher finden nun ein ganz neues Landesmuseum vor", so die Direktorin. Die frisch konzipierte Ausstellung folgt einem klaren Leitbild: Kunst soll für alle zugänglich sein und bewusst elitäre Barrieren abbauen. "Die Landesgalerie soll kein elitärer Raum sein. Kunst ist für alle da", betonte Lembke diese Philosophie, die dem gesamten Umbau zugrunde liegt.

Die Neukonzeption der Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit der international renommierten Agentur "facts and fiction", die seit 2013 am innovativen Gestaltungskonzept mitwirkte. Dieses Konzept sollte nicht nur die Sammlungen des Hauses neu präsentieren, sondern auch ein zeitgemäßes Besuchserlebnis schaffen. Besonders bemerkenswert ist der Ansatz, die verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte durch Farbgebung zu unterscheiden: Weinrot dominiert den Raum, wobei unterschiedliche Farben in der Galerie die Kunst verschiedener Epochen seit dem 12. Jahrhundert markieren. Dunklere Töne stehen für ältere, hellere für jüngere Zeiten der Kunstgeschichte. Diese visuelle Codierung ermöglicht den Besuchern eine intuitive Orientierung durch die Jahrhunderte der europäischen Kunstgeschichte.

Technische Innovationen und denkmalpflegerische Herausforderungen

Der Umbau des Landesmuseums Hannover stellte die Planer vor die besondere Herausforderung, historische Bausubstanz mit modernen musealen Anforderungen zu verbinden. Besonders komplex war die Sanierung der historischen Glasdächer, die durch eine lichtundurchlässigere, energieeffizientere Konstruktion ersetzt wurden. Diese Maßnahme diente nicht nur der besseren Klimatisierung der Räume, sondern auch dem Schutz der ausgestellten Kunstwerke vor schädlicher UV-Strahlung.

Ein weiteres Highlight der technischen Neuerung sind die speziell für das Landesmuseum Hannover entwickelten Lichtdecken. Diese erzeugen in den Oberlichtsällen die Illusion von Tageslicht, während gleichzeitig ein optimales Raumklima geschaffen wird. Diese Kombination aus ästhetischer Wirkung und technischer Funktionalität ermöglicht es den Meisterwerken, mit neuem Raumgefühl, Lichtstimmung und strahlenden Farben zur Geltung zu kommen. Die neuen Säle bieten damit eine ideale Präsentationsplattform für die wertvollen Exponate des Museums.

Die Reduzierung von Zwischenwänden schafft einen helleren, offeneren Raum, der durch neue Sichtachsen gezielt den Blick auf ausgewählte Werke lenkt. Diese offene Gestaltung fördert nicht nur die ästhetische Wirkung der ausgestellten Kunst, sondern verbessert auch die Besucherströme und ermöglicht den Besuchern verschiedene Wege durch die Ausstellung zu wählen. Gleichzeitig wurde das Tageslicht durch ein gleich bleibendes, künstliches Oberlicht ersetzt, das eine konsistente Beleuchtungsbedingungen für die Kunstwerke gewährleistet – eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt dieser Kulturgüter.

Die KunstWelten: 800 Jahre europäische Kunst neu inszeniert

Das Herzstück der renovierten Ausstellung sind die KunstWelten, die auf 2.500 Quadratmetern europäische Kunst vom Mittelalter bis zu den "Neuen Meistern" präsentieren. Die Sammlung der Neuen Meister zählt dabei "zu den größten und bedeutendsten weltweit", wie das Museum in einer Pressemitteilung betont. Sie umfasst Werke von namhaften Künstlern wie Caspar David Friedrich, Claude Monet, Auguste Rodin und Paula Modersohn-Becker. Besonders hervorgehoben wird die umfangreiche Präsentation des "Dreigestirns des deutschen Impressionismus" mit Gemälden von Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt.

Ein Schwerpunkt der Dauerausstellung in diesem Jahr liegt auf den Kunstwerken von Lovis Corinth, einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus. Diese thematische Vertiefung ermöglicht es dem Museum, nicht nur die kunsthistorische Bedeutung einzelner Künstler zu beleuchten, sondern auch spezifische Stilrichtungen und ihre Entwicklung im Detail zu zeigen.

Besonders bemerkenswert ist der Umgang des Museums mit aktuellen Fragen der Provenienzforschung. In den neu gestalteten Räumlichkeiten finden Besucherinnen und Besucher viele Hinweise zu den Herkunftsgeschichten der Kunstwerke. "Es gibt mehrere Spuren, die heute für das Verständnis einer Sammlung viel wichtiger sind, als sie es früher waren", erklärt Kuratorin Antje-Fee Köllermann. "Beispielsweise, wo kommen diese Objekte eigentlich her, wie oft haben sie ihre Besitzer gewechselt und unter welchen Voraussetzungen haben sie ihre Besitzer gewechselt." Da es nicht möglich ist, an jedem Bild lange Beschriftungstafel anzubringen, können Interessierte ausgewählte Kunstwerke in einer digitalen Bildergalerie eingehend erforschen. Diese moderne Form der Kunstvermittlung ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit den Werken und deren Geschichte.

Der WeltenRaum: Zentrum der digitalen Transformation

Ein besonderes Highlight des renovierten Museums ist der neue WeltenRaum, der in der repräsentativen Kuppelhalle des Museums eingerichtet wurde. Dieser Raum nimmt nicht nur eine zentrale Rolle in der Digitalisierungsstrategie des Landesmuseums Hannover ein, sondern ist durch seine prominente Platzierung zugleich ein wichtiger Teil einer sozialräumlichen Öffnungsstrategie des WeltenMuseums. "Im Rahmen der Neukonzeption der Landesgalerie zu den KunstWelten wird die Kuppelhalle zu einem »Dritten Raum« umgestaltet, dessen Aufenthaltsqualität durch das neue immersive Erlebnis gesteigert werden soll", so das Museum in einer Pressemitteilung.

Die Entwicklung und Realisierung des WeltenRaums wurde großzügig mit rund 1,1 Millionen Euro seitens des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln des Programms "zukunft.niedersachsen" der VolkswagenStiftung gefördert. Diese Investition unterstreicht die Bedeutung, die das Museum der digitalen Transformation einräumt.

Im WeltenRaum ist das Landesmuseum in einer 3-D-Grafik mit der im Krieg zerstörten Kuppel zu sehen. Die Frage, ob geplant sei, diese historische Kuppel wiederherzustellen, beantwortete Museumsdirektorin Prof. Dr. Katja Lembke mit einem klaren "Aktuell nicht". Gleichzeitig fügte sie hinzu: "Aber man werde ja noch träumen dürfen." Diese Haltung spiegelt den respektvollen Umgang des Museums mit seiner historischen Bausubstanz wider, die bewusst zwischen Erhalt und Neuerung vermittelt.

Barrierefreiheit und Bildungsauftrag

Der Umbau des Landesmuseums Hannover wurde bewusst mit einem starken Fokus auf die Bedürfnisse aller Besuchergruppen konzipiert. Besonders die Jüngsten waren bei der Planung mitgedacht worden. Mit Hilfe eines Audioguides und eines eigenen Vermittlungsraums mit Mitmachstationen können Kinder auf kindgerechte Weise Kunst entdecken und dabei spielerisch lernen, welche Berufe es im Museum gibt und wie etwa das Sekret der Purpurschnecke rotviolette Farbtöne hervorbringt.

Diese pädagogischen Angebote unterstreichen den Bildungsauftrag des Museums, der sich nicht nur an Fachpublikum, sondern an alle Altersgruppen richtet. Die interaktiven Elemente fördern die aktive Auseinandersetzung mit Kunst und ermöglichen ein nachhaltiges Lernerlebnis. Das Museum versteht sich damit nicht nur als Ausstellungsort, sondern als lebendiger Bildungsort, der Neugier weckt und zum Mitmachen einlädt.

Kosten und Finanzierung des Umbaus

Der umfassende Umbau des Landesmuseums Hannover erforderte erhebliche finanzielle Mittel. Die Gesamtkosten für den Umbau werden auf 1,6 Millionen Euro geschätzt, finanziert durch den Bund und das Land sowie zu 10-15 Prozent von Stiftungen. Museumsdirektorin Katja Lembke bestätigte, dass diese Rechnung aufgegangen sei, was auf eine sorgfältige Planung und effiziente Umsetzung des Projekts hindeutet.

Besonders der WeltenRaum mit seinen digitalen Elementen wurde separat gefördert: rund 1,1 Millionen Euro stellte das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln des Programms "zukunft.niedersachsen" der VolkswagenStiftung zur Verfügung. Diese getrennte Finanzierung ermöglichte es, für den digitalen Bereich spezifische Mittel bereitzustellen, die über den regulären Museumsbudget hinausgehen.

Die Investition von insgesamt rund 2,7 Millionen Euro (1,6 Millionen Euro für den Hauptumbau und 1,1 Millionen Euro für den WeltenRaum) hat sich gelohnt: Das Landesmuseum Hannover präsentiert sich heute als modernes, zukunftsweisendes Museum, das seine Aufgabe als Bewahrer und Vermittler von Kulturgut im 21. Jahrhundert erfüllt. Die positive Resonanz auf die Neueröffnung, die viele Besucher lockte, bestätigt diesen Weg.

Fazit

Der zehnjährige Umbau des Landesmuseums Hannover stellt ein beeindruckendes Beispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Museumsarchitektur dar. Mit den KunstWelten präsentiert sich das Museum als offener, zugänglicher Ort der Kunstvermittlung, der bewusst Barrieren abbaut und ein breites Publikum anspricht. Die technischen Innovationen, von den speziell entwickelten Lichtdecken bis hin zur digitalen Bildergalerie für Provenienzforschung, zeigen, wie moderne Technik im Dienst der Kunst stehen kann.

Der neue WeltenRaum als zentraler Ort immersiver Erlebnisse unterstreicht das Bemühen des Museums, die digitale Transformation aktiv zu gestalten und neue Formen des Kunstgenusses zu ermöglichen. Gleichzeitig bewahrt das Museum durch den respektvollen Umgang mit seiner historischen Bausubstanz seinen charakteristischen Charakter.

Die Neukonzeption folgt einem klaren pädagogischen Ansatz, der nicht nur Fachpublikum, sondern insbesondere auch junge Besucher und Familien anspricht. Die bewusste Entscheidung, Kunst für alle zugänglich zu machen und elitäre Barrieren abzubauen, entspricht modernen musealen Konzepten und stellt sicher, dass das Landesmuseum Hannover auch in Zukunft eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der Stadt einnehmen wird. Nach Abschluss des langen Umbaus steht nun fest: Das Warten hat sich gelohnt, und das Museum ist bereit, die nächsten Kapitel seiner Geschichte zu schreiben.

Quellen

  1. MyHeimat: Landesmuseum Hannover eröffnet nach Umbau den modernen Teil seiner Kunstwelten
  2. NDR: Neuen Kunstwelten im Landesmuseum locken viele Besucher
  3. Stadtreporter: Im Landesmuseum gibt es jetzt den Weltenraum
  4. Hannover.de: Neuer "WeltenRaum" im Landesmuseum Hannover eröffnet
  5. Radio Hannover: Nach langer Bauphase Landesmuseum wird WeltenMuseum Kunstwelten eröffnen

Ähnliche Beiträge