Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße: Barrierefreiheit und Komfort für Fahrgäste

Einleitung

Die S-Bahn-Station St. Martin-Straße in München durchläuft derzeit eine umfassende Modernisierung, mit der die Barrierefreiheit und der Komfort für die Fahrgäste erheblich verbessert werden sollen. Dieser Umbau ist Teil eines größeren Programms zur Modernisierung der S-Bahn-Stationen in Bayern, das von der Deutschen Bahn (DB) und dem Freistaat Bayern gemeinsam finanziert wird. Die Station, die vor der Pandemie von täglich etwa 5.600 Fahrgastinnen und Fahrgast genutzt wurde, wird nach Abschluss der Arbeiten vollständig barrierefrei zugänglich sein und das Signet "Bayern barrierefrei" erhalten. Dieser Artikel beleuchtet die Details des Umbaus, die getroffenen Maßnahmen, die Auswirkungen auf den Fahrgastverkehr und die Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in der Region.

Hintergrund und Investitionen

Die Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße ist Teil eines umfassenden Investitionsprogramms der Deutschen Bahn und des Freistaates Bayern in die Bahninfrastruktur. Insgesamt investierten beide Partner rund 15 Millionen Euro in die Umgestaltung der Station. Diese Investition ist eingebettet in eine größere Strategie zur Modernisierung der Schieneninfrastruktur in Bayern, für die die DB im Jahr 2020 etwa 1,7 Milliarden Euro in moderne Schienen, Technik, Bahnhöfe und Energieanlagen investierte.

Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter in Bayern, betonte die Bedeutung dieser Investitionen: "Wir investieren heuer für die Bahninfrastruktur im Freistaat mehr als 2,35 Mrd. Euro. Der barrierefreie Ausbau von Stationen ist dabei ein wichtiger Baustein. Bayern braucht eine starke Schiene, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein – und darum sind wir dankbar für den finanziellen Rückenwind von Freistaat und Bund, der auch in diesen Zeiten Investitionen ermöglicht."

Die Station St. Martin-Straße ist damit Teil eines größeren Fortschritts bei der Barrierefreiheit im S-Bahn-Netz Bayerns. Mit Abschluss der Arbeiten an der Station St. Martin-Straße sind nun 121 von 150 S-Bahnhöfen in Bayern komplett oder teilweise barrierefrei. Dies bedeutet, dass rund 90 Prozent der S-Bahn-Kunden in Bayern barrierefrei zu ihren Zügen gelangen können.

Technische Maßnahmen und Verbesserungen der Barrierefreiheit

Die Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße umfasst eine Reihe technischer Maßnahmen, die die Barrierefreiheit und den Komfort für Fahrgäste erheblich verbessern:

Bahnsteigerhöhung

Ein zentrales Element des Umbaus ist die Erhöhung des Bahnsteigs auf 96 Zentimeter. Diese Maßnahme stellt sicher, dass ein stufenfreier Ein- und Ausstieg in die S-Bahn-Züge möglich ist. Die Höhe von 96 Zentimetern entspricht der standardisierten Bahnsteighöhe moderner S-Bahn-Fahrzeuge, die einen barrierefreien Übergang ermöglicht und insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen, Reisende mit Gepäck, Fahrrädern oder Kinderwagen eine erhebliche Erleichterung darstellt.

Aufzuginstallation

Als weitere wichtige Maßnahme installiert die DB Station&Service einen Aufzug, der die St. Martin-Straße direkt mit dem Bahnsteig verbindet. Dieser Aufzug ermöglicht es mobilitätseingeschränkten Fahrgästen sowie Personen mit Gepäck, Fahrrädern oder Kinderwagen, die Station ohne Barrieren zu erreichen. Die Installation des Aufzugs ist ein wesentlicher Beitrag zur vollständigen Barrierefreiheit der Station und stellt sicher, dass alle Bereiche der Station für alle Fahrgastgruppen zugänglich sind.

Leitsysteme für sehbehinderte Reisende

Ein neues Blindenleitsystem wurde installiert, das sehbehinderten und blinden Reisenden die Orientierung in der Station erleichtert. Dieses System besteht aus taktilen Bodenplatten und Führungsstreifen, die eine sich Navigation durch die Station ermöglichen. Die Kombination aus erhöhtem Bahnsteig, Aufzug und speziellem Leitsystem stellt sicher, dass die Station für Menschen mit verschiedenen Mobilitätseinschränkungen vollständig zugänglich ist.

Modernisierung der Zugänge und Dächer

Die Zugänge zur Station wurden vollständig erneuert, um einen modernen und einladenden Eingangsbereich zu schaffen. Zwei neue Bahnsteigdächer schützen die wartenden Fahrgäste vor Witterungseinflüssen wie Regen, Schnee und Sonne. Diese Dächer erhöhen nicht nur den Komfort für die Reisenden, sondern tragen auch zur Lärmminderung bei, insbesondere bei der Durchfahrt der Züge.

Beleuchtung und Informationssysteme

Die Station wurde mit umweltfreundlicher LED-Beleuchtung ausgestattet, die nicht nur energieeffizienter ist, sondern auch eine bessere und gleichmäßigere Ausleuchtung der Bereiche gewährleistet. Neue Infodisplays informieren die Fahrgäste über aktuelle Abfahrten, Störungen und andere wichtige Informationen. Diese modernen Informationssysteme verbessern die Orientierung und erhöhen die Attraktivität des Nahverkehrs.

Weitere Ausstattungsmerkmale

Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen wurden moderne Sitzmöglichkeiten, Vitrinen und verbesserte Wegeleitungen installiert. Diese Elemente tragen dazu bei, die Aufenthaltsqualität in der Station zu erhöhen und die Navigation für alle Fahrgäste zu erleichtern. Die Gesamtkonzeption der Modernisierung zielt darauf ab, eine moderne, benutzerfreundliche und vollkommen barrierefreie Station zu schaffen, die den Anforderungen des modernen Nahverkehrs gerecht wird.

Bauablauf und Auswirkungen auf den Fahrgastverkehr

Die Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße erfolgte in mehreren Phasen, die teilweise zu erheblichen Einschränkungen für den Fahrgastverkehr führten. Die DB wies darauf hin, dass Anwohner während der gesamten Baumaßnahme mit einem erhöhten Lärmaufkommen rechnen mussten.

Bauarbeiten im Herbst 2020

Während der Herbstferien vom 30. Oktober, 22 Uhr, bis 9. November, 4 Uhr, fanden umfangreiche Bauarbeiten statt, die eine vollständige Sperrung der Strecke zwischen Ostbahnhof und Giesing für den S-Bahn-Verkehr erforderlich machten. In diesem Zeitraum wurden die Züge der Linien S 3 und S 7 durch Busse im Schienenersatzverkehr (SEV) ersetzt.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Ersatzbusse aufgrund der Bauarbeiten an der S-Bahn-Station St. Martin-Straße dort nicht halten konnten. Fahrgäste, die zwischen Ostbahnhof und Giesing reisten, nutzten daher die Ersatzbusse ohne Halt, während Fahrgäste für die Station St. Martin-Straße auf die Busse der MVG-Buslinie 54 ausweichen mussten.

In Giesing wurden die Abfahrten der Züge der Linien S 3 Richtung Holzkirchen und S 7 Richtung Kreuzstraße einige Minuten vorverlegt, um die Anschlüsse im Rahmen des Ersatzverkehrs zu gewährleisten.

Digitales Informationsangebot

Um die Fahrgäste während der umfangreichen Baumaßnahmen zu informieren, bot die S-Bahn München ein digitales Informationspaket an. Dieses umfasste aktuelle Informationen zu Fahrplanänderungen, Ersatzverkehrsleistungen und alternative Reiseoptionen. Die digitale Informationsbereitstellung war besonders wichtig, um die Fahrgäste über die komplexen Änderungen im Reiseangebot zu informieren und Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten.

Bauablauf in Phasen

Der barrierefreie Ausbau der Station wurde in mehreren Phasen durchgeführt, um die Auswirkungen auf den Fahrgastverkehr so gering wie möglich zu halten. Während der Herbstferien begann der Bau der neuen Bahnsteigdächer, während gleichzeitig an den Treppenzugängen, am Aufzugschacht sowie am südlichen Bahnsteig weitergearbeitet wurde.

Diese phasweise Vorgehensweise ermöglichte es, die Arbeiten fortlaufend durchzuführen, ohne die Station für längere Zeiträume vollständig sperren zu müssen. Dennoch waren erhebliche Einschränkungen für die Fahrgäste und Anwohner unvermeidlich, was die Notwendigkeit umfassender Kommunikation und guter Organisation unterstrich.

Abschluss und Anerkennung

Nach Abschluss der umfangreichen Bauarbeiten wurde die modernisierte S-Bahn-Station St. Martin-Straße offiziell als barrierefrei anerkannt. Anlässlich der Fertigstellung überreichte die Bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer im Beisein von Bahnhofsmanagerin Mareike Schoppe und Stadtbaurätin Prof. Elisabeth Merk das Signet "Bayern barrierefrei" an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel.

Das Signet "Bayern barrierefrei" ist ein offizielles Qualitätssiegel, das für vollständig barrierefreie Einrichtungen im Freistaat vergeben wird. Die Verleihung dieses Signets unterstreicht die hohe Qualität der durchgeführten Arbeiten und die erfolgreiche Umsetzung der Barrierefreiheitsstandards in der Station St. Martin-Straße.

Die fertiggestellte Station bietet nun einen vollständig barrierefreien Zugang zu den S-Bahn-Zügen, verbesserte Wartebereiche, modernste Informationssysteme und einen ansprechenden architektonischen Gesamteindruck. Die Kombination aus funktionaler Verbesserung und ästhetischer Aufwertung macht die Station zu einem Vorzeigeprojekt für die Modernisierung von Bahnanlagen im 21. Jahrhundert.

Bedeutung für die zukünftige Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs

Die Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße ist mehr als nur eine einzelne Baumaßnahme – sie ist Teil einer umfassenden Strategie zur Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in München und ganz Bayern. Die Investition in barrierefreie Zugänge und moderne Infrastruktur hat mehrere wichtige Implikationen:

Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs

Durch die Modernisierung werden Fahrgäste aller Altersgruppen und Mobilitätsprofile an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Insbesondere ältere Menschen, Familien mit Kinderwagen und Menschen mit Behinderungen, die oft auf individuelle Verkehrsmittel angewiesen waren, können die S-Bahn nun komfortabel und ohne Barrieren nutzen. Dies trägt zur Entlastung der Straßen bei und erhöht die Attraktivität des Schienenverkehrs als umweltfreundliche und effiziente Verkehrsalternative.

Demografischer Wandel und Barrierefreiheit

Die Maßnahmen in der Station St. Martin-Straße reagieren auf die demografischen Veränderungen in der Gesellschaft. Mit einer alternden Bevölkerung steigt der Bedarf an barrierefreien Infrastrukturen. Die Modernisierung der Station stellt sicher, dass auch in Zukunft alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer körperlichen Konstitution den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Dies fördert die gesellschaftliche Teilhabe und erhöht die Lebensqualität für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Beitrag zur Verkehrswende

Die Modernisierung der Station St. Martin-Straße leistet einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende in Deutschland und Bayern. Durch die Verbesserung des Angebots im öffentlichen Nahverkehr wird der Umstieg vom Individualverkehr auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel erleichtert. Die vollständige Barrierefreiheit der Station trägt dazu bei, dass die S-Bahn für noch mehr Menschen eine attraktive Alternative zum eigenen Auto darstellt.

Vorbildfunktion für zukünftige Bauprojekte

Die in der Station St. Martin-Straße umgesetzten Maßnahmen können als Vorbild für zukünftige Bauprojekte im Schienenverkehr dienen. Die Kombination aus funktionaler Verbesserung, ästhetischer Aufwertung und konsequenter Umsetzung von Barrierefreiheitsstand demonstrates, wie moderne Infrastruktur aussehen kann. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können auf andere Stationen und Strecken übertragen werden, um die Qualität des gesamten Bahnnetzes zu verbessern.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Investition von 15 Millionen Euro in die Station St. Martin-Straße hat nicht nur verkehrliche, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Die Bauarbeiten schufen Arbeitsplätze in der Region, und die modernisierte Station verbessert die Erreichbarkeit der umliegenden Gewerbe- und Wohngebiete. Eine gut an den öffentliche Nahverkehr angeschlossene Infrastruktur steigert die Attraktivität von Immobilien und stärkt die lokale Wirtschaft.

Fazit

Die Modernisierung der S-Bahn-Station St. Martin-Straße ist ein gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung barrierefreier Zugänge im öffentlichen Nahverkehr. Die Kombination aus Bahnsteigerhöhung auf 96 Zentimeter, Installation eines Aufzugs, modernen Leitsystemen für sehbehinderte Reisende und einer umfassenden Modernisierung der übrigen Infrastruktur hat zu einer vollständig barrierefreien Station geführt, die nun das Signet "Bayern barrierefrei" trägt.

Die Investition von rund 15 Millionen Euro durch den Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn hat nicht nur die Zugänglichkeit für mobilitätseingeschränkte Personen erheblich verbessert, sondern auch die Attraktivität der Station für alle Fahrgäste gesteigert. Mit den neuen Bahnsteigdächern, der umweltfreundlichen LED-Beleuchtung, den modernen Infodisplays und den verbesserten Wegeleitungen wurde eine moderne und einladende Schaltstelle im Münchner Nahverkehrsnetz geschaffen.

Die Herausforderungen während der Bauzeit, insbesondere die umfangreichen Sperrungen während der Herbstferien 2020, wurden durch ein gut organisiertes Ersatzkonzept und ein umfassendes digitales Informationsangebot gemeistert. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können als Vorlage für zukünftige Bauprojekte im Schienenverkehr dienen.

Die Station St. Martin-Straße ist damit mehr als nur eine modernisierte Haltestelle – sie ist ein wichtiger Baustein für eine inklusive, zukunftsfähige und attraktive Bahninfrastruktur in Bayern, die den Anforderungen des demografischen Wandels und der Verkehrswende gerecht wird. Mit 121 von 150 barrierefrei oder teilweise barrierefreien S-Bahnhöfen in Bayern zeigt die Deutsche Bahn und der Freistaat deutlich, dass sie auf dem richtigen Weg sind, um den öffentlichen Nahverkehr für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen.

Quellen

  1. Barrierefreier Ausbau der Station St.-Martin-Straße geht in die nächste Runde: Ersatzverkehr auf S3 und S7 zwischen Giesing und Ostbahnhof in den Herbstferien
  2. Bayern: S-Bahn-Station St.-Martin-Straße erhält nach Umbau das Signet "Bayern barrierefrei"

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