Einleitung
Im Süden der Kanarischen Insel Fuerteventura, im Ortsteil Morro Jable, erhebt sich eine der beeindruckendsten, aber auch mysteriösesten Bauruinen Europas: das ehemalige Stella Canaris. Nach Jahren des Stillstands und des Verfalls scheint das Projekt nun wieder Bewegung zu bekommen, doch die Informationen über den aktuellen Stand der Sanierung sind spärlich. Dieser Artikel untersucht die Geschichte des Luxushotels, die Hintergründe seiner Schließung, die Pläne für seine Wiederbelebung und die aktuellen Herausforderungen bei der Umsetzung des Großprojekts.
Geschichte des Stella Canaris
Das Stella Canaris war einst ein Vorzeigeprojekt auf Fuerteventura, das von deutschen Urlaubern sehr geschätzt wurde. Der Unternehmer Hossein Sabet ließ an der Küste von Morro Jable dieses riesige Hotel errichten, das sich schnell zu einem beliebten Reiseziel entwickelte. Das Hotel wurde mit einem gewaltigen tropischen Garten mit über 20.000 Palmen angelegt, in dem zahlreiche exotische Vögel wie Papageien, Tukane und Pfauen angesiedelt wurden. Dieser Teil der Anlage entwickelte sich schließlich zu einem vollwertigen Zoo, in dem sogar Großtiere wie Giraffen und Elephants untergebracht waren.
Die Anlage galt bald mit ihrem einzigartigen Zoo und erstklassigem Service zu den besten Hotels der kanarischen Inseln. Die Betreiber erweiterten das Hotel kontinuierlich und begannen sogar mit den Arbeiten an einem Hotel namens Stella Paradise und einem Delphinarium in den Bergen hinter dem bestehenden Hotel. Die Ruinen dieser Projekte sind bis heute erhalten.
Die Erfolgsgeschichte des Hotels endete jedoch abrupt. Als der Gründer Hossein Sabet seine Zahlungen einstellte, wurde dem Hotel und dem damit verbundenen Zoo die Versorgung abgestellt. Die Tiere konnten nicht mehr gepflegt werden und wurden von Tierschutzvereinen und der Polizei evakuiert. Einige der Tiere fanden im Oasis Zoo auf der Insel ein neues Zuhause.
Das Hotel selbst wurde geschlossen und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem "Schandfleck" der Kanareninsel Fuerteventura. Die große, verlassene Anlage mit dem verwilderten Zoo und den abbruchreifen Erweiterungsprojekten wurde zu einem der größten verlassenen Hotelkomplexe Europas.
Übernahme durch die FTI Group und erste Sanierungspläne
Im Jahr 2016 erwarb die FTI Group, zu der auch die Marke Meeting Point Hotels gehört, das seit Jahren geschlossene Anlage Stella Canaris. Das Unternehmen plante eine umfassende Sanierung und Modernisierung des Geländes. Die ursprünglichen Pläne sahen einen Umbau bereits für das Jahr 2019 vor, doch dieser stockte aus bislang nicht vollständig geklärten Gründen.
Nach Informationen aus dem Jahr 2019 sollte das zukünftige "Eco Resort Stella Canaris" nach seiner Fertigstellung weiterhin eine der größten Hotelanlagen Europas bleiben. Für das Projekt war eine Gesamtinvestition von rund 200 Mio. Euro geplant. Die Gemeinde Pájara zeigte großes Interesse am Projekt, da es erhebliche wirtschaftliche Vorteile für die Region bringen sollte.
Die Planungen sahen vor, dass auf der Baustelle bis zu 1.000 Menschen beschäftigt werden sollten. Die Gemeinde hatte bereits dazu aufgerufen, sich bei ihr zu melden, wenn man auf der Baustelle arbeiten wollte.
Neustart der Bauarbeiten 2022
Nach vielen Jahren des Stillstands kam im Juli 2022 offenbar wieder Bewegung in das Renovierungsprojekt. Mit erstaunlich wenig Aufhebens verkündete die Gemeinde Pájara am 12. Juli 2022, dass der Bürgermeister und der stellvertretende Bürgermeister von Pájara sich mit dem CEO von Meeting Point Spain, Ángel Rivero, und dem Architekten Hermenegildo Dominguez anlässlich des Baubeginns in der vergangenen Woche auf der Baustelle getroffen hätten.
Seitens des Unternehmens wurde nur das obligatorische Baustellenschild am Eingang des Hotelkomplexes aufgestellt, darüber hinaus jedoch nichts weiter publiziert. Selbst auf Anfrage bei der Pressestelle des FTI-Konzerns erhielten die Medien keine detaillierten Informationen. Man teilte lediglich mit:
"Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir freuen uns, dass wir nach einer längeren Pause am Bau von Stella Canaris nun wieder die Arbeit am Hotelkomplex aufnehmen können. Das Projekt nimmt nun wieder Fahrt auf und wir gehen zusammen mit der Stadtverwaltung Párajas die Sanierung an.
Da wir uns aktuell noch mit allen beteiligten Parteien in Detailplanungen befinden, können wir zum jetzigen Stand darüber hinaus noch nicht mehr verkünden. Wir werden uns jedoch zeitnah bei Ihnen melden, wenn wir zum Stella Canaris Neuerungen zu vermelden haben. Bis dahin bitten wir Sie noch um ein wenig Geduld."
Diese ungewöhnliche Funkstille angesichts eines so großen Projekts wirft viele Fragen auf. Informationen über den Zeitrahmen für die Fertigstellung oder konkrete Details zum Projekt wurden nicht veröffentlicht.
Übergang zum Projekt Labranda World
Während die FTI Group über die Sanierung des Stella Canaris schwieg, zeigte sich eine neue Gesellschaft mit Plänen für das Gelände. Das Stella Canaris Fuerteventura hatte zwar seinen Gründer als Betreiber verloren, doch es stand bereits eine neue Gesellschaft in den Startlöchern für ein noch größeres Projekt auf dem Areal.
Das neue Projekt trägt den Namen "Labranda World Fuerteventura" bzw. "Labranda World Jandia Fuerteventura". Auf einer großen Leinwand, die vor dem ehemaligen Haupteingang des Stella Canaris steht, wird das Projekt von MP Hotels vorgestellt. Demnach soll ein neues Hotel "El Palmeral" mit fünf Sternen auf dem Gelände in Jandía entstehen, das von CONSTRUPLAN errichtet werden soll.
Das ehemalige Stella Canaris Resort scheint damit Geschichte zu werden und durch die neue Marke Labranda World ersetzt zu werden. Ob dieses Projekt jedoch mit dem ursprünglichen FTI-Plan identisch ist oder sich davon unterscheidet, bleibt unklar.
Aktueller Stand und Herausforderungen
Seit dem Baubeginn, den die Gemeinde Pájara im Juli 2022 verkündet hatte, hat sich auf dem Gelände nicht viel getan. Ob und wie es weitergeht, kann zurzeit wohl niemand mit Gewissheit sagen. Die ungewöhnliche Zurückhaltung des Unternehmens wirft Fragen über die Ernsthaftigkeit der Pläne auf.
Besonders besorgniserregend ist die finanzielle Situation des FTI-Konzerns. Die finanzielle Krise des Konzerns, zu dem auch die Marke Meeting Point Hotels gehört, dürfte sich wohl auch auf die Zukunft des Mega-Projekts auswirken. Im Juni 2024 wurde berichtet, dass die FTI Group in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und Hoteliers und Ausflugsanbieter auf Fuerteventura länger auf ihre Gelder warten müssen oder diese gar ganz abschreiben müssen.
Diese Entwicklung ruft bei manchen Unternehmen auf Fuerteventura Erinnerungen an die Thomas-Cook-Pleite wach. Es besteht die berechtigte Sorge, dass das Projekt möglicherweise wieder ins Stocken geraten oder ganz eingestellt werden könnte.
Wirtschaftliche Bedeutung für die Region
Unabhängig von den aktuellen Unsicherheiten bleibt das Projekt von erheblicher Bedeutung für den Süden von Fuerteventura und den FTI-Konzern. Die Sanierung des Stella Canaris würde nicht nur eine der größten Hotelanlagen Europas wiederbeleben, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze schaffen und die touristische Infrastruktur der Region verbessern.
Die Gemeinde Pájara zeigt großes Interesse am Projekt, da es erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringen würde. Die ursprünglichen Planungen sahen vor, dass auf der Baustelle bis zu 1.000 Menschen beschäftigt werden könnten. Nach der Fertigstellung würden zudem zahlreiche Dauerarbeitsplätze im Hotelbetrieb entstehen.
Technische Aspekte des Projekts
Die technischen Details des Projekts sind aufgrund der mangelnden Kommunikation durch das Unternehmen spärlich. Bekannt ist, dass das neue Hotel "El Palmeral" als Fünf-Sterne-Hotel konzipiert ist und von der Firma CONSTRUPLAN errichtet werden soll.
Die ursprünglichen Pläne für das "Eco Resort Stella Canaris" sahen eine umfassende Sanierung des gesamten Geländes vor, einschließlich der Wiederherstellung der tropischen Gartenanlage. Es ist jedoch unklar, inwiefern die Zoo-Elemente des ursprünglichen Hotels in die neuen Pläne einfließen werden.
Fazit
Die Sanierung des Stella Canaris in Fuerteventura ist ein Projekt mit bewegter Geschichte und ungewissem Ausgang. Was einst als eines der führenden Luxushotels der Kanaren mit einem der größten Zoos Europas galt, entwickelte sich nach seiner Schließung zu einer der beeindruckendsten Bauruinen des Kontinents.
Nach der Übernahme durch die FTI Group im Jahr 2016 und ersten gescheiterten Sanierungsversuchen im Jahr 2019 scheint das Projekt nun 2022 wieder an Fahrt aufgenommen zu haben. Die ungewöhnliche Zurückhaltung des Unternehmens und die aktuellen finanziellen Schwierigkeiten des FTI-Konzerns werfen jedoch ernsthafte Fragen über die Realisierbarkeit des Projekts auf.
Die Umwandlung in das Projekt "Labranda World" mit dem Hotel "El Palmeral" deutet darauf hin, dass das Konzept möglicherweise angepasst wurde. Ob diese Pläne jedoch weiterhin verfolgt werden und wann mit einer Fertigstellung zu rechnen ist, bleibt ungewiss.
Für die Gemeinde Pájara und die gesamte Region Fuerteventura wäre die Fertigstellung des Projekts ein wirtschaftlicher Segen. Die aktuelle Entwicklung macht jedoch deutlich, dass bei einem so ambitionierten Großprojekt zahlreiche Herausforderungen zu überwinden sind – sowohl technischer als auch finanzieller Natur.
Quellen
- Baubeginn des Megakomplex Stella Canaris im Süden von Fuerteventura
- Stella Canaris - Pfändung und Schließung – Hotel wird zum Lost Place
- Finanznot bei FTI - müssen Hotels und Ausflugsanbieter auf Fuerteventura länger auf ihr Geld warten?
- Fuerteventura: Das hat FTI mit dem Mega-Resort Stella Canaris vor