Die Restaurierung des Straßburger Münsters: Historische Bauwerke im modernen Gewand

Einleitung

Das Straßburger Münster, offiziell Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg, zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der europäischen Architekturgeschichte und ist eines der größten Sandsteinbauten der Welt. Als romanisch-gotische Basilika vereint es deutsche und französische Kultureinflüsse und stellt ein architektonisches Meisterwerk dar. Wie viele historische Bauwerke bedarf das Münster kontinuierlicher Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten, um seine Substanz zu erhalten und zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Restaurierungsprojekte am Straßburger Münster, von historischen Bauphasen bis zu modernen Sanierungstechniken, und zeigt auf, wie traditionelles Handwerk mit zeitgemäßen Methoden verbunden wird, um dieses architektonische Erbe zu bewahren.

Historische Entwicklung des Straßburger Münsters

Die Geschichte des Straßburger Münsters reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1007 schlug ein Blitz in die bereits wiederhergestellte Kirche ein. Der Schaden wurde zunächst repariert, doch erst 1015 leitete Bischof Wernher den Bau einer überaus groß dimensionierten, dreischiffigen Basilika ein. Diese wurde von mehreren Bränden, zuletzt 1176, beschädigt. Das Wernher-Münster wurde renoviert und mit neuen Glasfenstern versehen. Bei Bauarbeiten auf dem südlich vom Münster gelegenen Schlossplatz wurden 2012 in drei Metern Tiefe die Reste eines Kalkofens von gewaltigen Ausmaßen (7 Meter Durchmesser) ausgegraben, der vermutlich beim Bau des Wernher-Münsters eingesetzt wurde.

Um 1190 begann man in spätromanischem Stil mit einem Neubau. Die Krypta wurde westwärts erweitert und es entstanden Apsis, Chor und Querschiff, alles noch dem Grundriss des Vorgängerbaus entsprechend. Durch die Übernahme der Fundamente des Vorgängerbaus ergaben sich Unregelmäßigkeiten, die für eine Einwölbung notwendige Mittelpfeiler im Querhaus hervorbrachten. Welche Bauteile außer den Fundamenten noch vom Bau Wernhers übernommen wurden, ist unklar. Sicher können nur ein Pilaster in der nördlichen Kapelle seitlich der Apsis sowie zwei Pilaster in der Krypta dem ottonischen Bau zugeordnet werden.

Um 1245 wurde der Bau des Langhauses im hochgotischen Stil begonnen. Die befensterten Triforien sind nach der französischen Phaseneinteilung der Gotik ein Kennzeichen des Rayonnantstils. Das Langhaus des Wernherbaus wurde abgerissen, und 1275 war das neue Langhaus vollendet. Am 2. Februar 1276 legten die Bauleute die Fundamente und am 25. Mai 1277 den Grundstein der Westfront des Straßburger Münsters. Erwin von Steinbach begann im Auftrag des Bischofs Konrad III. von Lichtenberg mit dem Bau der Fassade, gefolgt nach seinem Tod am 17. Januar 1318 durch seinen Sohn Johannes. Die ursprünglich zweitürmig geplante Fassade wurde nur bis zur Fertigstellung des sogenannten Rosengeschosses in Anlehnung an den ursprünglichen Entwurf ausgeführt. Schon in der Art der Abgrenzung zwischen Eingangs- und Rosengeschoss sind Unterschiede zwischen Plan und Ausführung zu erkennen, ebenso bei den Turmfenstern. Die daraufgesetzten Turmgeschosse weichen noch stärker ab. 1365 waren die Türme bis zur Höhe der heutigen Plattform auf 66 Metern errichtet. Dann verband Meister Michael von Freiburg 1383–88 sie durch ein dazwischen gesetztes Glockengeschoss, so dass ein gleichmäßig hoher, querriegelartiger Fassadenblock entstand. Die Gliederung der Fassade in neun große Rechtecke erinnert an Notre-Dame de Paris.

Sanierungsarbeiten im 20. Jahrhundert

Im Jahr 1910 wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben und Firmen zur Mitarbeit bei der Sanierung aufgefordert. Gewinner waren die Firmen Th. & Ed. Wagner und Eduard Züblin & Comp in Straßburg. Nachdem die Fundamente bis auf die Rheinschotter ausgegraben worden waren, wurde dieser Kies zunächst mit injiziertem Beton weiter verfestigt. Um das Fundament des absinkenden südöstlichen Pfeilers des Nordturms wurde ein knapp fünf Meter breiter und vier Meter hoher Fundamentring aus Stahlbeton gegossen, der nach außen eine zusätzliche Ummantelung aus Eisenbeton als Widerlager erhielt. Der historische Pfeiler wurde im Bereich unmittelbar über dem Fundament mit einem etwa 10 Meter hohen Eisenbetonmantel umgeben, der auf hydraulischen Pressen ruhte. Dieser nahm das gesamte Gewicht des Pfeilers auf und übertrug dessen Last exakt gleichmäßig auf den Fundamentring. Damit war es möglich, das marode mittelalterliche Fundament herauszunehmen und darunter ein stabiles Betonfundament zu setzen. Nachdem dieses ausgehärtet war, konnte das Gewicht des Pfeilers darauf abgesetzt und der Betonmantel, der den Pfeiler umgab, entfernt werden. Diese Sanierung dauerte Jahre und war erst 1926 abgeschlossen.

Aktuelle Restaurierungsarbeiten

In jüngerer Zeit wurde die Vierungskuppel des Straßburger Münsters umfassend restauriert. An diesem Projekt waren Fachhandwerker über einen Zeitraum von drei Jahren beteiligt. Unter ihnen war Adrien Schaaff, ein 37-jähriger Maurer, der sich auf Baudenkmäler spezialisiert hat. Für Schaaff war die Arbeit am Straßburger Münster bislang das mit Abstand großartigste Projekt, an dem er beteiligt war. In seiner langen Karriere, die ihn an viele Schlösser und historische Gebäude führte, stellte die Restaurierung der Kuppel eine besondere Herausforderung dar. Die präzise Arbeit in den oberen Bereichen des Münsters erfordert nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein tiefes Verständnis für die historischen Baumethoden und Materialien.

Technologische Innovationen im Denkmalschutz

Bei Renovierungsarbeiten an historischen Gebäuden spielt der Schutz der Handwerker vor gesundheitsschädlichen Substanzen eine entscheidende Rolle. Dies zeigt sich am Beispiel der Renovierung des Portals St. Laurent, bei der auch das Straßburger Münster berücksichtigt werden kann. Für diese Renovierung wurde eine zentrale Staubsaugeranlage entwickelt, die in Frankreich einzigartig ist. Um einen optimalen Schutz der Steinmetze zu gewährleisten, installierte das Unternehmen OberA einen Staubabscheider Dustomat 4.24 mit Rohrsystem, um mehrere Steinmetze auf verschiedenen Etagen des St. Lawrence Portals auszustatten. Die Anlage ermöglicht den gleichzeitigen Betrieb von bis zu 3 Steinmetzen und reduziert die Staubbelastung erheblich. Solche technologischen Innovationen sind bei der Restaurierung historischer Bauten von großer Bedeutung, da sie nicht nur die Gesundheit der Handwerker schützen, sondern auch die Qualität der Arbeit verbessern, da Staub die Bearbeitung von Stein beeinträchtigen kann.

Der "Grüne Strahl" und kulturelle Aspekte

Bei Restaurierungsarbeiten wurde das grüne Glasstück im Fuß der Figur König Juda im Münster verdunkelt, so dass der sogenannte "grüne Strahl" nicht mehr beobachtet werden kann. Dieser Lichteffekt hatte eine besondere kulturelle und symbolische Bedeutung. Eine im Mai 2018 erschienene Untersuchung von Oliver Wießmann kommt zu dem Ergebnis, dass der grüne Lichtstrahl eine absichtsvolle Inszenierung darstellt. Der Baumeister Gustave Klotz habe sich bei der Rekonstruktion der Fenster des Südtriforiums 1872 nach alten Plänen des heute verschollenen Baumeisterarchivs gerichtet. Bereits im historischen Aufriss der Kanzel von 1484 sei konstruktiv der Kreisbogen angelegt, den der grüne Strahl über die Kanzelfiguren beschreibt. Deswegen erscheine der Aufriss dem heutigen Betrachter merkwürdig gestaucht. Der Strahl selbst sei zu verstehen als himmlische Leiter, auf welcher König Juda steht.

Eine Petition und auch die Klage des Entdeckers des "grünen Strahls", Maurice Rosart, vor dem Verwaltungsgericht blieben erfolglos. Ein weiterer Lichtstrahl bescheint zur Zeit der Wintersonnenwende ebenfalls den Baldachin über der Christusfigur. Diese Lichtphänomene zeigen, dass bei der Restaurierung historischer Bauten nicht nur die materielle Substanz, sondern auch die symbolische und kulturelle Bedeutung von Elementen berücksichtigt werden muss.

Herausforderungen bei der Restaurierung historischer Kathedralen

Die Restaurierung eines Bauwerks wie des Straßburger Münsters stellt besondere Herausforderungen an die beteiligten Handwerker und Ingenieure. Einerseits müssen die historischen Materialien und Techniken respektiert werden, andererseits müssen moderne Sicherheitsstandards und Erkenntnisse aus der Denkmalpflege berücksichtigt werden. Dies erfordert ein tiefes Verständnis sowohl für historische als auch für zeitgemäße Baumethoden.

Besonders schwierig ist die Arbeit in großen Höhen, wie bei der Restaurierung der Kuppel oder der Türme. Hier sind nicht nur handwerkliche Fähigkeiten gefragt, sondern auch Kenntnisse in der Arbeit mit Gerüsten und Sicherungssystemen, die sowohl für die Handwerker als auch für das Bauwerk selbst sicher sind.

Ein weiteres Problem ist die Beschaffung geeigneter Materialien. Für die Restaurierung historischer Bauten werden oft Materialien benötigt, die nicht mehr hergestellt werden oder deren Eigenschaften nicht mehr exakt nachvollzogen werden können. Dies erfordert oft aufwändige Recherche und Anpassung der Verarbeitungstechniken.

Fazit

Die Restaurierung des Straßburger Münsters ist ein kontinuierlicher Prozess, der über Jahrhunderte stattgefunden hat und auch in Zukunft weitergehen wird. Von den ersten Reparaturen nach dem Blitzschlag im Jahr 1007 über den Neubau im romanischen und gotischen Stil bis hin zu den Sanierungsarbeiten im 20. und 21. Jahrhundert zeigt sich, wie wichtig die Pflege und Erhaltung dieses architektonischen Meisterwerks ist.

Moderne Restaurierungstechniken wie die Staubabsaugung bei Steinmetzarbeiten oder die Verwendung von Stahlbeton zur Fundamentverstärkung ermöglichen eine schonendere und effektivere Sanierung historischer Bauten. Gleichzeitig bleibt das Wissen um historische Handwerkstechniken und Materialien unerlässlich, um die Authentizität des Bauwerks zu bewahren.

Die Auseinandersetzung mit symbolischen Elementen wie dem "grünen Strahl" zeigt, dass bei der Restaurierung nicht nur die materielle, sondern auch die kulturelle und spirituelle Bedeutung von Bauwerken berücksichtigt werden muss. Die Balance zwischen Bewahrung der Tradition und Innovation bleibt die größte Herausforderung für zukünftige Restaurierungsprojekte am Straßburger Münster.

Quellen

  1. Badische Zeitung - Restaurierung gibt dem Straßburger Münster neue Strahlkraft
  2. Wikipedia - Straßburger Münster
  3. OberA - Ratschläge - Poussiere de silice renovation du portail St Laurent de la cathedrale de Strasbourg

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