TAG Wohnen revolutioniert Wohnungssanierung: Effizienzsteigerung für 2.500 Wohnungen in Sachsen-Anhalt

Einleitung

Die TAG Wohnen, drittgrößter Vermieter in Deutschland mit 85.000 Wohnungen, startet ein wegweisendes Sanierungsprojekt in Sachsen-Anhalt. In der Stadt Merseburg werden bis 2033 zwischen 300 und 400 Wohnungen auf ein zukunftsfähiges Komfortniveau angehoben. Dieses Projekt ist ein Meilenstein in der Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens und demonstriert, wie Bestandsgebäude schnell, wirtschaftlich und mieterfreundlich saniert werden können. Besonders bemerkenswert ist der Ansatz der seriellen Sanierung, der eine Verkürzung der Bauzeit um bis zu 75 Prozent ermöglicht. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte dieses innovativen Sanierungskonzepts.

Das Konzept der seriellen Sanierung

Das serielle Sanieren ist ein innovativer Ansatz, der digitale Planung, automatisierte Vorfertigung und standardisierte Prozesse kombiniert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sanierungsmethoden, die oft individuell auf jedes Gebäude zugeschnitten sind, ermöglicht das serielle Sanieren eine effizientere und schnellere Umsetzung. Durch die standardisierten Prozesse können Fachkräfte effektiver eingesetzt werden, sodass mehr Gebäude in kürzerer Zeit energetisch modernisiert werden können.

Laut Portfolioanalysen der Deutschen Energie-Agentur (dena) sind rund 30 Prozent aller Mehrfamilienhäuser optimal für diesen innovativen Sanierungsansatz geeignet. Dies eröffnet die Möglichkeit, einen erheblichen Teil des deutschen Wohnungsbestands mit dieser effizienten Methode zu sanieren.

Ein weiterer Vorteil des seriellen Sanierens ist die verbesserte Planungssicherheit. Durch standardisierte Prozesse und Materialien können Unvorhergesehenheiten minimiert und Kosten besser kalkuliert werden. Dies ist besonders für große Wohnungsunternehmen wie die TAG Wohnen von Bedeutung, die über umfangreiche Portfolios verfügen und eine planbare Modernisierung benötigen.

Das Projekt in Merseburg: Zahlen und Fakten

Das Projekt in Merseburg ist die erste serielle Sanierung in Sachsen-Anhalt und hat als Pilotvorhaben eine besondere Bedeutung. Insgesamt investiert die TAG Wohnen 4,6 Millionen Euro in dieses Vorhaben. Das Projektgebiet konzentriert sich auf den Stadtteil Merseburg-Süd, in dem sich von den insgesamt 2.500 TAG-Wohnungen in Merseburg 1.000 Wohnungen befinden.

Merseburg-Süd ist ein Stadtteil mit hoher Leerstandsquote, in dem viele Haushalte mit niedrigem Einkommen wohnen. Dementsprechend begrenzt sind die finanziellen Spielräume für Wohnungsunternehmen, die energetische Modernisierung durch Mietanpassungen zu refinanzieren. Hier eröffnet das serielle Sanieren neue Perspektiven in der klima- und sozialverträglichen Bestandssanierung.

Die Sanierung umfasst mehrere Maßnahmen. Dazu gehören die Dämmung der obersten Geschoss- und Kellerdecke sowie die Erneuerung der Balkone und Hauseingänge. Diese Maßnahmen komplettieren die Modernisierung und führen zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz. Nach der Sanierung wird sich die Energieeffizienz des Gebäudes von der drittschlechtesten Klasse F auf B verbessern. Der Wärmeenergiebedarf und CO2-Ausstoß reduzieren sich um circa 50 Prozent.

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Sanierung in bewohntem Zustand umgesetzt wird. Dies ist möglich, da sich die Bauzeit im Vergleich zu einer konventionellen Sanierung um bis zu 75 Prozent verkürzt. Die Bewohner können also während der Sanierung in ihren Wohnungen bleiben, was besonders für sozial sensible Projekte von Vorteil ist.

Soziale und ökologische Aspekte der Sanierung

Die TAG Wohnen legt großen Wert auf ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und soziale Verträglichkeit. "Quartiersentwicklung beschränkt sich bei uns nicht nur auf den Bestand, sondern schließt die Bewohnenden mit ein. Wir verstehen uns als Vermieter mit Herz, der den Menschen ein lebenswertes Zuhause gibt", erklärt Claudia Becker, Leiterin Immobilienmanagement der TAG-Niederlassung in Leipzig.

Um dem Leerstand in Merseburg-Süd zu begegnen, wird die TAG Wohnen die Bestandsgebäude nicht nur energetisch sanieren, sondern auch umfassend modernisieren. Mit zeitgemäßen Grundrissen und einer attraktiven Ausstattung will man vor allem Singles, Paare und junge Familien ansprechen. Durch die Ansiedlung neuer Unternehmen in der Nähe des Hochschulcampus und der Chemiestandorte erwartet die Stadt Merseburg in den nächsten Jahren einen verstärkten Zuzug junger Fachkräfte.

"Damit der strukturwandelbedingte Stadtumbau gelingt, braucht es Partner, die eine ähnliche Vision von der Zukunft haben. Passend zum Leitbild der Stadt Merseburg steht auch für die TAG der Mensch im Mittelpunkt. Mit zahlreichen Angeboten für Jung und Alt im Mehrgenerationentreff sowie der Unterstützung der sozialen Träger Jumpers und Sempers leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt im Quartier", betont Oberbürgermeister Sebastian Müller-Bahr.

Die ökologischen Aspekte des Projekts sind ebenfalls erheblich. Durch die Verbesserung der Energieeffizienz von Klasse F auf B wird der Wärmeenergiebedarf und CO2-Ausstoß um circa 50 Prozent reduziert. Dies trägt erheblich zur Dekarbonisierungsstrategie der TAG Wohnen bei. Das Unternehmen hat bereits erreicht, dass mehr als 60 Prozent seines Bestands über Energieausweise in den vier besten Kategorien A+ bis C verfügen. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren kontinuierlich erhöht werden.

Wirtschaftlichkeit und Finanzierungsmöglichkeiten

Ein zentrales Ziel des seriellen Sanierens ist es, dass sich Sanierungsinvestitionen größtenteils über eingesparte Energie- und Instandhaltungskosten refinanzieren. Hinzu kommen weitere kostensenkende Faktoren wie eine schnellere Umsetzung, Planungssicherheit, höhere Qualität, eingesparte CO2-Kosten und die Wertsteigerung der Immobilie.

Die durchschnittlichen Kosten pro Quadratmeter einer umfassenden Kernsanierung ab 2024 liegen grob zwischen 1.200 und 2.500 Euro. Diese Angabe dient jedoch als Richtwert, da individuelle Gegebenheiten wie Denkmalschutzauflagen oder besondere Umweltstandards die Kosten beeinflussen können.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kosten bei einer Kernsanierung zu sparen. Eine sorgfältige Planung, das Einholen mehrerer Angebote, die Abwägung von Materialqualität gegenüber Kosten und die Nutzung staatlicher Förderprogramme können Einsparungen ermöglichen.

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und lokale Förderprogramme der Bundesländer bieten Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen für energetische Sanierungen und Modernisierungsmaßnahmen an. Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) unterstützt bestimmte Energieeffizienzmaßnahmen. Eine frühzeitige Recherche nach passenden Förderprogrammen und die Beratung durch Experten für Fördermittel können die Kostenbelastung mildern.

Die Entscheidung, ob Eigenleistung erbracht werden soll oder eine Fachfirma beauftragt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eigenleistung kann Kosten sparen, birgt jedoch Risiken in Qualität und Gewährleistung. Fachfirmen gewährleisten eine fachgerechte Ausführung der Arbeiten und bieten Expertise, Garantien und Versicherungen.

Vergleich mit konventionellen Sanierungsmethoden

Der größte Vorteil des seriellen Sanierens im Vergleich zu konventionellen Methoden ist die erhebliche Zeitersparnis. Während herkömmliche Sanierungen oft mehrere Monate oder sogar Jahre dauern können, verkürzt das serielle Sanieren die Bauzeit um bis zu 75 Prozent. Dies ist besonders bei bewohnten Gebäuden von Vorteil, da die Belastung für die Mieter minimiert wird.

Ein weiterer Vorteil ist die Standardisierung der Prozesse. Durch die Verwendung standardisierter Bauteile und Prozesse können Fehler minimiert und Qualitätssicherungsmaßnahmen einfacher umgesetzt werden. Dies führt in der Regel zu einer höheren Bauqualität und geringeren Folgekosten.

Die Wirtschaftlichkeit des seriellen Sanierens ist ebenfalls ein entscheidender Vorteil. Durch die schnellere Umsetzung, die bessere Planungssicherheit und die Kosteneffizienz bei Material und Arbeit können die Gesamtkosten einer Sanierung reduziert werden. Dies macht die Sanierung auch für Gebäude in Stadtteilen mit niedrigen Mietniveaus wirtschaftlich machbar.

Ein Nachforderung des seriellen Sanierens könnte sein die geringere Individualität im Vergleich zu maßgeschneiderten Sanierungslösungen. Allerdings bietet das Konzept genug Flexibilität, um auf die spezifischen Bedürfnisse der Gebäude und Bewohner einzugehen, wie das Beispiel in Merseburg zeigt.

Fazit

Das Projekt der TAG Wohnen in Merseburg zeigt, wie serielle Sanierung ein wirksames Instrument für die klimaneutrale Transformation des Wohnungsbestands sein kann. Durch die Kombination aus digitaler Planung, automatisierter Vorfertigung und standardisierten Prozessen können Gebäude schnell, wirtschaftlich und mieterfreundlich saniert werden. Die Verbesserung der Energieeffizienz von Klasse F auf B und die Reduzierung des Wärmeenergiebedarums und CO2-Ausstoßes um 50 Prozent zeigen den ökologischen Mehrwert des Ansatzes.

Besonders hervorzuheben ist die soziale Verträglichkeit des Konzepts. Die Sanierung in bewohntem Zustand und die Fokussierung auf die Schaffung von attraktivem Wohnraum für Singles, Paare und junge Familien tragen zur Belebung von Stadtteilen mit hoher Leerstandsquote bei. Das Projekt in Merseburg ist somit ein Vorbild für eine klima- und sozialverträgliche Bestandssanierung.

Mit dem Ziel, bis 2033 zwischen 300 und 400 Wohnungen in Merseburg auf ein zukunftsfähiges Komfortniveau anzuheben, leistet die TAG Wohnen einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel in der Region. Gleichzeitig zeigt das Unternehmen, dass wirtschaftliche Interessen und ökologische sowie soziale Verantwortung nicht im Widerspruch stehen müssen.

Quellen

  1. Energiesprong - Erste serielle Sanierung in Sachsen-Anhalt gestartet
  2. Vermieter-Ratgeber - 4,6 Millionen Euro für den Effizienzsprung von F auf B
  3. GroundHeroes - Kernsanierung Kosten Haus Wohnung

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