Einleitung
Die Sanierung des Augsburger Staatstheaters ist eines der umstrittensten und teuersten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt. Was ursprünglich als notwendige Maßnahme aufgrund von Brandschutzmängeln begann, die zur Schließung des historischen Theaters im Jahr 2016 führte, hat sich zu einem komplexen Großprojekt entwickelt, das durch erhebliche Kostensteigerungen und Verzögerungen in die Schlagzeilen gerät. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand des Projekts, die technischen Herausforderungen, die politischen Kontroversen und die finanziellen Auswirkungen dieser ambitionierten Sanierungs- und Baumaßnahme.
Projektumfang und Geschichte
Die Sanierung des Augsburger Staatstheaters umfasst die Generalsanierung des historischen Theatergebäudes im Zentrum von Augsburg sowie den Neubau weiterer, angrenzender Gebäude für das Augsburger Staatstheater. Bei den Neubauten handelt es sich um eine zweite, kleinere Bühne, Proberäume, Werkstätten, Büros und Lagerflächen. Das Projekt gliedert sich in zwei Hauptbauteile: das Große Haus (der historische Theaterbau) und den Nordtrakt mit den Ergänzungsbauten.
Die Bauarbeiten begannen vor mittlerweile acht Jahren und sollen nun voraussichtlich 2030 abgeschlossen werden. Seit 2019 wird das Große Haus umfassend saniert, während gleichzeitig die Neubauten entstehen. Vor Baubeginn fanden 2015 und 2016 mehrere öffentliche Workshops im Rahmen einer Bürgerwerkstatt statt, deren Vorschläge und Ideen in die Bauplanungen mit aufgenommen und nun umgesetzt werden.
Kostenentwicklung und Finanzierung
Die Kosten des Projekts haben sich seit Beginn der Planungen dramatisch entwickelt. Ursprünglich war eine Kalkulation von 186 Millionen Euro vorgesehen. Mittlerweile werden jedoch Ausgaben von nahezu 420 Millionen Euro erwartet. Diese Kostenexplosion hat das Projekt in die öffentliche Kritik gebracht, insbesondere vom Bund der Steuerzahler, der die "kostspielige Sanierung" mehrfach als Steuerverschwendung kritisiert hat.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch eine Kombination aus städtischen und staatlichen Mitteln. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt sehr beträchtlich und übernimmt 75 Prozent der förderfähigen Kosten, was etwa 54 bis 56 Prozent der tatsächlichen Gesamtkosten entspricht. "Der Freistaat fördert uns sehr beträchtlich und übernimmt 75 Prozent der förderfähigen Kosten, was etwa 54 bis 56 Prozent der tatsächlichen Gesamtkosten entspricht", erklärt Kulturreferent Enninger. "Dafür sind wir sehr dankbar. Das ist eine starke Verpflichtung für das Staatstheater hier in Augsburg."
Der Rest der Kosten muss von der Stadt Augsburg getragen werden. Zusätzlich zu den direkten Baukosten entstehen auch erhebliche Ausgaben für die derzeitigen Ausweichquartiere des Theaters im Textilviertel und im früheren Gaswerk, wo die "brechtbühne" untergebracht ist. Diese kosten nach Angaben von Jürgen Enninger etwa 1,4 Millionen Euro jährlich. Jede weitere Bauzeitverzögerung würde diese Kosten entsprechend erhöhen.
Planungswechsel und Bauverzögerungen
Das Projekt ist von zahlreichen Planungswechseln und Bauverzögerungen geprägt. Vor kurzem beendete die Stadt Augsburg die Zusammenarbeit mit der Münchner Architekturfirma Arge und schreibt den Auftrag nun für neue Objektplanungsbüros aus. Für die Teilbaustelle II – das sogenannte Kleine Haus und das Betriebsgebäude – hatte sich die Stadt bereits im vergangenen Sommer von dem Münchner Planungsunternehmen Arge getrennt. Die Bauarbeiten am Bauteil II laufen seither unter dem neuen Architekturbüro Henn weiter.
Ein kürzlicher Wassereinbruch im denkmalgeschützten Gebäude hat zu weiteren Bauverzögerungen geführt. Diese Verzögerungen haben nicht nur zeitliche Konsequenzen, sondern führen auch zu zusätzlichen Kosten durch die länger genutzten Ausweichquartiere.
Die Stadt Augsburg hat künftig das Münchner Architekturbüro Henn für das Gesamtprojekt zuständig gemacht, wie der Stadtrat beschlossen hat. Diese Entscheidung soll Ruhe in das umstrittene Projekt bringen, das bisher von enormen Kostensteigerungen und Verzögerungen geprägt war.
Bürgerbeteiligung und Planungskonzept
Vor Baubeginn fanden 2015 und 2016 mehrere öffentliche Workshops im Rahmen einer Bürgerwerkstatt zum zukünftigen Theater statt. Die dabei eingebrachten Vorschläge und Ideen wurden in die Bauplanungen mit aufgenommen und nun umgesetzt. Beispiele für umgesetzte Bürgerideen sind:
- Zugänglichkeit von öffentlichen Bereichen auch unabhängig von Vorstellungszeiten
- Kulturelle Teilhabe für alle
- Bessere Vernetzung von Augsburger (Kultur-)einrichtungen mit dem Staatstheater
- Eine dritte Spielstätte auch für die Freie Szene
- Städtebauliche Neugestaltung des Umfelds (Verkehrsachsen, verkehrsberuhigte Zonen, mehr Grün, konsumfreie Orte mit Aufenthaltsqualität)
Diese Bürgerbeteiligung war ein wesentlicher Aspekt, der die Entscheidung für die Sanierung in der Innenstadt mit einschloss, jedoch nur unter der Bedingung, dass auch das Kleine Haus fertiggestellt wird.
Das neue Kleine Haus und Betriebsgebäude
Seit 2019 wird das Große Haus des Augsburger Staatstheaters umfassend saniert. Zusätzlich entstehen zwei Neubauten. Im neuen Kleinen Haus entsteht eine Multifunktionsbühne, Café/Bar und ein Glas-Übergang zum Großen Haus, der als "Connector" auch als Präsentationsfläche für die Digitalsparte genutzt wird.
Im neuen Betriebsgebäude werden Probenräume, Werkstätten, Verwaltungsräume, Räume für Theatervermittlung und Workshops, eine öffentliche Theaterkantine, der Ticketshop, sowie die 3. Spielstätte Metropol (ehemals Hofmannkeller) gebaut. Diese Erweiterungen sollen das Theaterbetrieb moderner und vielseitiger machen und die Verbindung zur Freien Szene stärken.
Kritik und Kontroversen
Das Projekt ist von heftiger öffentlicher und politischer Kritik begleitet. Der Augsburger Stadtrat Roland Wegner, ehemals Sozialdemokrat, jetzt in der "Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer", wetterte in einer Pressemitteilung, die Baumaßnahmen bei der Theatersanierung müssten "unverzüglich eingestellt" werden. Er verwies auf einen "Rekordschuldenstand" der Stadt und bezweifelte die offiziellen Begründungen für die Kostensteigerungen: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass im Jahr 2024 auf Grund schwachen Baunachfrage und wieder gesunkenen Energiekosten die Baupreise überall rückläufig sind und ausgerechnet in Augsburg die Preise in eine ganz andere Richtung gehen. Dieses Argument ist für mich wenig glaubwürdig."
Zudem hat die Stadt Augsburg im Zuge der umstrittenen Sanierung des Staatstheaters eine eigene PR-Stelle im Kulturreferat eingerichtet, die ergänzend zu einer bereits beauftragten externen Agentur die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Die Stelle ist als befristete 30-Stunden Teilzeitstelle mit Entgeltgruppe 9b ausgewiesen – das entspricht einem Jahresgehalt von etwa 47.000 bis 52.000 Euro Vollzeitäquivalent. Ihre Aufgabe umfasst strategische Kampagnenentwicklung zur Theatersanierung sowie Presse- und Social-Media-Arbeit im Rahmen des Großprojekts.
Die Entscheidung sorgt in der Rathausopposition für heftige Kritik. Vertreter von FDP, Pro Augsburg und Freien Wählern bemängeln, dass die neue Stelle kein Zeichen von Transparenz, sondern vielmehr Ausdruck von Hilflosigkeit und Kommunikationsnotstand sei. Auch wird kritisiert, dass gerade bei einem Haushaltsdruck und Kostenexplosionen des Theaters ein derartiger Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit als Priorität gesetzt werde. Durch Vergleiche mit anderen Städten wurde hervorgehoben, dass Augsburg pro Kopf deutlich mehr für Öffentlichkeitsarbeit ausgibt als andere vergleichbare Kommunen.
Mehrere Parteien werfen der Stadt Augsburg vor, die Schwierigkeiten bei dem Projekt durch Hochglanzbilder verschleiern zu wollen. Diese Kritik unterstreicht die tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung über das Projekt und seine Steuerung.
Technische und politische Herausforderungen
Eine "Abspecken" des Projekts, wie etwa bei den Planungen zum neuen Münchner Konzertsaal, ist nach Angaben von Kulturreferent Jürgen Enninger nicht mehr möglich. Dies habe technische und politische Gründe: "Eine weitere Re-Dimensionierung ist aktuell nicht mehr denkbar, weil dadurch die Gewerke, die im Theater eine große Rolle spielen, etwa die Bühnentechnik, die Garderoben und die sonstige Technik und das Digitaltheater gemeinsam funktionieren müssen. Vor allen würden dann auch die Ergebnisse des Bürgerbegehrens nicht umgesetzt."
Die Theatersanierung wurde auch ermöglicht, weil sich viele Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld eingebracht haben und die Stadt auf der Basis dieses Begehrens dann entschieden hat, die Sanierung in der Innenstadt umzusetzen, aber nur, wenn auch das Kleine Haus fertiggestellt wird. Diese politische Verpflichtung macht eine Reduzierung des Projekts schwierig, auch wenn die Kosten explodieren.
Finanzielle Ausblick
So wie es aussieht, muss die Stadt Augsburg in den Haushaltsjahren 2027 und 2028 deutlich mehr Geld für die Theatersanierung aufwenden. Dem Vernehmen nach soll das etwa zur Hälfte durch Rücklagen und Kreditaufnahmen finanziert werden. Was die verbleibenden Ausschreibungen betrifft, etwa für die Bühnentechnik, wird sich zeigen, ob der Kostenrahmen realistisch ist.
Die hohe finanzielle Belastung wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit solcher Großprojekte auf, insbesondere in Zeiten steigender Zinsen und knapper kommunaler Kassen. Gleichzeitig unterstreicht die starke finanzielle Beteiligung des Freistaats die kulturelle Bedeutung des Projekts für die gesamte Region.
Aktuelle Stand und Zukunftsaussichten
Das Projekt bleibt nach wie vor eine der bekanntesten Dauerbaustellen Augsburgs. Nachdem die Stadt die Zusammenarbeit mit der Münchner Architekturfirma Arge beendet hat, wird nun der Auftrag für neue Objektplanungsbüros ausgeschrieben. Während die Bauarbeiten am Bauteil II (das Kleine Haus und das Betriebsgebäude) unter dem neuen Architekturbüro Henn weiterlaufen, folgt nun im April auch die Neuausschreibung der Objektplanung für Bauteil I, das Große Haus.
Obwohl das Projekt weiterhin von erheblichen Herausforderungen geprägt ist, gibt es auch Fortschritte. Die Stadt hofft, dass mit dem neuen Planungsteam Ruhe in das Projekt gebracht werden kann und die für 2030 anvisierte Fertigstellung diesmal erreicht wird.
Die Einrichtung einer eigenen PR-Stelle durch die Stadt zeigt, wie sensibel das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Gleichzeitig unterstreicht dies auch die Bedeutung des Projekts für die kulturelle Infrastruktur der Stadt und den Willen der Verwaltung, die Kommunikation zu verbessern.
Fazit
Die Sanierung des Augsburger Staatstheaters ist ein Paradebeispiel für ein Großbauprojekt, das durch Kostensteigerungen, Verzögerungen und politische Kontroversen in die Schlagzeilen gerät. Was ursprünglich als notwendige Sanierung aufgrund von Brandschutzmängeln begann, hat sich zu einem der teuersten Bauprojekte in der Geschichte der Stadt entwickelt.
Die Kosten sind von ursprünglich geplanten 186 Millionen Euro auf fast 420 Millionen Euro gestiegen, und die Fertigstellung hat sich von zunächst geplanten auf nun voraussichtlich 2030 verschoben. Zahlreiche Planungswechsel, zuletzt der Wechsel vom Architekturbüro Arge zu Henn, und unvorhergesehene Ereignisse wie der Wassereinbruch haben zu den Verzögerungen beigetragen.
Dennoch hat das Projekt auch positive Aspekte: Durch die Bürgerbeteiligung wurden viele innovative Ideen umgesetzt, die das Theater zukunftsgerichter und zugänglicher machen. Die Erweiterung um ein Kleines Haus mit Multifunktionsbühne und ein Betriebsgebäude mit modernen Einrichtungen wird dem Theaterbetrieb neue Möglichkeiten eröffnen.
Die Finanzierung des Projekts ist durch eine starke Unterstützung des Freistaats Bayern gesichert, der etwa 56% der Kosten trägt. Dennoch bleibt die finanzielle Belastung für die Stadt Augsburg erheblich, besonders in den Jahren 2027 und 2028.
Ob das Projekt in der geplanten Form und Zeit fertiggestellt werden kann, bleibt abzuwarten. Die Einrichtung einer eigenen PR-Stelle durch die Stadt zeigt, wie sensibel das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Gleichzeitig unterstreicht dies auch die Bedeutung des Projekts für die kulturelle Infrastruktur der Stadt.