Thermalbäder im Wandel: Modernisierung, Neubau und die Zukunft der Kurortinfrastruktur

Einleitung

Thermalbäder spielen eine zentrale Rolle in der Infrastruktur von Kurorten und tragen wesentlich zum Tourismus sowie zur Lebensqualität der Bevölkerung bei. In ganz Deutschland befinden sich zahlreiche Anlagen, die aufgrund ihres Alters einer grundlegenden Erneuerung bedürfen. Die vorliegenden Fallstudien der Meersburger Therme am Bodensee und der Spessart-Therme in Bad Soden-Salmünster verdeutlichen die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Zukunftssicherung dieser wichtigen Einrichtungen. Während Meersburg in eine umfassende Modernisierung investierte, entschied sich Bad Soden-Salmünster für einen kompletten Neubau. Beide Projekte verdeutlichen die finanziellen, technischen und strategischen Herausforderungen, mit denen Kommunen bei der Entwicklung ihrer Thermalbad-Infrastruktur konfrontiert sind.

Die Meersburger Therme: Modernisierung mit 11 Millionen Euro

Die Meersburger Therme nach ihrem Umbau repräsentiert ein Beispiel für eine erfolgreiche Modernisierung bestehender Thermalbad-Infrastruktur. Nach rund einem Jahr Schließzeit und fünf Jahren politischer Diskussion öffnete das beliebte Bad am Bodensee wieder seine Türen. Die Eröffnungsfeier stand unter dem Motto "Eintauchen, um Einblicke zu gewinnen" und markierte den Abschluss eines ambitionierten Umbaus mit einer Gesamtinvestition von elf Millionen Euro.

Finanzierung des Projekts

Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch eine Kombination aus öffentlichen Fördermitteln und Eigenmitteln der Stadt und der Betreibergesellschaft. Aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes Baden-Württemberg flossen 2,5 Millionen Euro Fördergeld in die Sanierung der Meersburger Therme. Die restliche Summe wurde von der Stadt und der Therme GmbH aufgebracht, die damit sowohl Sanierung und Technikerneuerung als auch die Erweiterung und konzeptionelle Neuausrichtung der Sauna finanzierten.

Regierungspräsident Klaus Tappeser lobte den Mut zur Erneuerung und betonte: "Auch so eine Stadt wie Meersburg benötigt hin und wieder ein Facelift. Was Sie hier hinbekommen haben, ist weit mehr." Er hob hervor, dass im Tourismus eine ständige Weiterentwicklung verbunden mit Einsatz und Investitionen erforderlich sei.

Architektonische und funktionale Veränderungen

Bei der Modernisierung wurde besonderer Wert auf den Erhalt der charakteristischen Elemente der Anlage gelegt. Die drei charakteristischen Pfahlbau-Saunen sind erhalten geblieben und wurden durch neue Bio- und Niedertemperatursaunas sowie ein Dampfbad ergänzt. Der Gastronomiebereich wurde auf 180 Quadratmeter verdoppelt und bietet damit nun doppelt so viel Platz wie zuvor.

Das Thermalbad wurde um ein Textildampfbad und eine Textilsauna erweitert. Neu hinzugekommen sind Sinnesräume mit Soleinhalation, Aroma- und Lichttherapie, die zum Verweilen einladen. Die Massageräume wurden verlegt und befinden sich nun näher am Eingang, um auch für externe Gäste leichter zugänglich zu sein.

Ein neuer Anbau zwischen dem Thermalbecken und den charakteristischen Pfahlbau-Saunen beherbergt nun eine Saunalounge mit Bar sowie einen Ruheraum mit Panoramablick auf den Bodensee und die Alpen. Die Betreiber setzten bei der Modernisierung auf ein modernes Design, nachhaltige Architektur und ein erweitertes Wellnessangebot.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Architekt Jonas Neusch zeigte sich erleichtert über den fristgerechten Abschluss des Projekts. Die vergangenen Monate seien für sein gesamtes Team mitunter sehr anstrengend gewesen, auch in Hinblick auf die komplexen Vergabeverfahren bei kommunalen Bauvorhaben. Diese Aussage verdeutlicht die bürokratischen Herausforderungen, mit denen derartige öffentliche Bauprojekte oft verbunden sind.

Die Eröffnung der modernisierten Therme wurde durch eine Feierstunde begleitet, bei der auch Pfarrer Matthias Schneider dem Projekt Gottes Segen spendete. Dabei kam eine Extra-Ladung Weihwasser für Therme-Geschäftsführer Fabian Dalmer und sein Team stilecht aus der Spritzpistole.

Der Meersburger Bürgermeister Robert Scherer betonte in seiner Rede die vielen Funktionen der Therme: als Ort der Erholung, als Begegnungsstätte, als Gesundheitszentrum, als Wirtschaftsfaktor und als Arbeitgeberin. Mit der Modernisierung sei ein zentraler Baustein für die Zukunft des Tourismus in Meersburg gesetzt worden.

Die Spessart-Therme: Neubau statt Sanierung

Im Gegensatz zur Meersburger Lösung entschied sich die Stadt Bad Soden-Salmünster für einen kompletten Neubau der Spessart-Therme. Zum 50-jährigen Jubiläum sind die Tage der alten Spessart-Therme gezählt. Die Stadt hat beschlossen, das Bad zurückzubauen und durch einen Neubau zu ersetzen.

Entscheidungsfindung und Variantenanalyse

Die Entscheidung für einen Neubau markiert das Ende eines langen Prozesses. Seit 2017 befasst sich die Stadt mit der Zukunft der Therme. Neben Ideen zur Sanierung stand zwischenzeitlich auch eine Schließung im Raum. Eine solche Entscheidung hätte jedoch "eine deutliche Reduzierung des Kurstadt-Angebots" bedeutet und das Risiko bedeutet, dass die Stadt ihr Prädikat als Kurort verlieren könnte.

Für einen Neubau der Spessart-Therme haben sich die Verantwortlichen elf Varianten erarbeiten lassen. Drei Varianten wurden zur Entscheidungsgrundlage ausgewählt:

  • Bei der kleinsten Variante würde nur ein Sole-Innenbecken erhalten bleiben. Die Kosten dafür wurden auf 38 Millionen Euro geschätzt.
  • Bei der größten Variante würden sechs Becken inklusive Dampfbad, Sauna-Außenbereich und Sole-Außenbecken entstehen. Die Kosten beliefen sich auf 50 Millionen Euro.

Bürgermeister Dominik Brasch und Kurdirektor Stefan Ziegler plädierten für die teuerste Neubau-Option, da diese auf lange Sicht die beste und wirtschaftlichste Option für die Stadt sei. Die Stadtverordneten stimmten dieser Vorgehensweise mit großer Mehrheit zu.

Berücksichtigung aller Optionen

Bürgermeister Brasch betonte die Notwendigkeit, alle Optionen zu prüfen: "Vor einer Entscheidung ist jede Fragestellung zulässig und notwendig. Unser Ziel bleibt die Weiterführung und Weiterentwicklung der Spessart-Therme. Doch wir müssen unvoreingenommen alle Optionen prüfen und sowohl betriebwirtschaftliche als auch volkswirtschaftliche Überlegungen einbeziehen."

Er fügte hinzu: "Es ist unverzichtbar, dass bei Investitionen dieser Größenordnung alle Varianten intensiv diskutiert werden: von einer möglichen Schließung der Therme bis zu einem umfassenden Umbau mit Sole-Außenbecken, unterschiedlich gestalteten Innenbecken, einem Bewegungsbad und einer modernen Sauna-Anlage."

Dieser Prozess sei notwendig, um die langfristige Zukunft des Kurstandorts Bad Soden-Salmünster, zahlreiche Arbeitsplätze und die Interessen der Bürger zu sichern. Die Stadt werde die Entscheidung gründlich vorbereiten und sie anschließend offen und ehrlich mit allen Beteiligten kommunizieren.

Finanzierung des Neubaus

Für den Neubau der Spessart-Therme nimmt die Stadt rund 50 Millionen Euro in die Hand, laut Bürgermeister Dominik Brasch die größte Eigeninvestition in der Geschichte der Kommune. Brasch hofft noch auf Fördergelder von Bund und Land: "Im Zweifel kann sich die Stadt die Therme aber auch alleine leisten."

Zeitplan für den Neubau

Das 1975 eröffnete Bad soll zunächst komplett zurückgebaut werden. Die jetzige Therme soll allerdings noch bis 2028 geöffnet bleiben - dann wird das Gelände zur Baustelle. Der Neubau wird dann etwa zwei bis drei Jahren dauern, die Neueröffnung ist für 2031 geplant. Nach der Entscheidung für den Neubau geht es nun an die Planung und dann an die Ausschreibungen für den Neubau.

Finanzielle Aspekte großer Thermalbad-Projekte

Beide Fallstudien verdeutlichen die erheblichen finanziellen Aufwendungen, die mit der Erneuerung von Thermalbad-Infrastruktur verbunden sind. Während die Meersburger Therme für elf Millionen Euro modernisiert wurde, beläuft sich die Investition für den Neubau der Spessart-Therme auf rund 50 Millionen Euro. Beide Projekte stellen damit die größten Einzelinvestitionen in der Geschichte ihrer jeweiligen Kommunen dar.

Fördermöglichkeiten

Die Meersburger Therme profitierte von Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 2,5 Millionen Euro aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm. Auch für den Spessart-Therme-Neubau hofft die Stadt auf Fördergelder von Bund und Land, sieht sich aber imstande, das Projekt auch ohne externe Finanzierung zu realisieren.

Wirtschaftliche Betrachtungen

Bürgermeister Brasch betont bei der Spessart-Therme, dass die teuerste Neubau-Variante auf lange Sicht die wirtschaftlichste Option sei. Diese Aussage verdeutlicht, dass bei derartigen Großprojekten nicht nur die unmittelbaren Baukosten, sondern auch die langfristigen Betriebs- und Unterhaltskosten eine entscheidende Rolle spielen.

Die Meersburger Lösung zeigt, dass auch eine Modernisierung im Vergleich zum Neubau kostengünstiger sein kann, jedoch möglicherweise nicht alle gewünschten Erweiterungen und Modernisierungen ermöglicht. Die Meersburger Lösung bewahrte die charakteristischen Elemente der Anlage, während die Spessart-Therme komplett neu konzipiert werden kann.

Technische und konzeptionelle Aspekte der Thermalbad-Modernisierung

Erhalt von Bausubstanz versus Neukonzeption

Bei der Meersburger Therme wurde besonderer Wert auf den Erhalt der charakteristischen Bausubstanz gelegt. Die drei Pfahlbau-Saunen blieben erhalten und wurden in das neue Konzept integriert. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, dass die historische und identitätsstiftende Elemente der Anlage bewahrt werden können.

Bei der Spessart-Therme wurde dagegen auf einen kompletten Neubau gesetzt, der mehr Flexibilität bei der Gestaltung und der Umsetzung modernster technischer Standards ermöglicht. Die neue Anlage kann vollständig auf aktuelle Anforderungen ausgerichtet werden, was insbesondere im Bereich der Energieeffizienz und Barrierefreiheit von Bedeutung ist.

Erweiterung des Angebots

Beide Projekte sehen eine Erweiterung des Angebots vor. In Meersburg wurde das Thermalbad um ein Textildampfbad und eine Textilsauna erweitert. Neu hinzugekommen sind Sinnesräume mit Soleinhalation, Aroma- und Lichttherapie. Der Gastronomiebereich wurde verdoppelt.

Die Spessart-Therme im Neubau soll je nach Variante zwischen einem und sechs Becken umfassen, darunter auch ein Sole-Außenbecken, unterschiedliche Innenbecken und ein Bewegungsbad. Auch eine moderne Sauna-Anlage ist geplant.

Zugänglichkeit und Service

In Meersburg wurde die Lage der Massageräume verändert, um sie näher am Eingang zu platzieren und so auch für externe Gäste leichter zugänglich zu machen. Diese Maßnahme verdeutlicht die Bedeutung von Serviceorientierung und Kundenzugang bei der Planung von Thermalbädern.

Entscheidungsmethodik für Großprojekte in der öffentlichen Hand

Die beiden Fallstudien zeigen eindrücklich, aufwendig die Entscheidungsfindung für Großprojekte in der öffentlichen Hand sein kann. In Bad Soden-Salmünster beschäftigte sich die Stadt seit 2017 mit der Zukunft der Therme, wobei neben Sanierungskonzepten auch die Option einer Schließung diskutiert wurde.

Einbeziehung aller Optionen

Bürgermeister Brasch betont die Notwendigkeit, alle denkbaren Optionen zu prüfen: von einer möglichen Schließung bis zu einem umfassenden Umbau. Diese umfassende Betrachtung ist wichtig, um keine potenziell bessere Lösung zu übersehen.

Bürgerbeteiligung und Transparenz

Beide Projekte zeigen die Bedeutung von Bürgerbeteiligung und Transparenz bei der Planung öffentlicher Großprojekte. In Meersburg wurden fünf Jahre politisch diskutiert, bevor der Umbau beschlossen wurde. In Bad Soden-Salmünster stimmten die Stadtverordneten dem Neubau zu, nachdem verschiedene Varianten intensiv diskutiert wurden.

Langfristige Planung

Beide Projekte zeugen von einer langfristigen Planungsperspektive. Während die Meersburger Therme nach einer einjährigen Bauzeit wiedereröffnet wurde, ist für die Spessart-Therme ein Zeitraum von etwa drei Jahren von der Baustart bis zur Neueröffnung vorgesehen. Diese langen Planungs- und Bauzeiten unterstreichen die Notwendigkeit einer vorausschauenden Infrastrukturplanung.

Fazit

Die Modernisierung und Neukonzeption von Thermalbädern stellt eine der größten Herausforderungen für Kurorte dar. Die Fallstudien der Meersburger und Spessart-Therme zeigen unterschiedliche Lösungsansätze auf, die beide ihre Berechtigung haben können.

Die Meersburger Lösung beweist, dass eine Modernisierung vorhandener Bausubstanz kostengünstiger sein kann als ein kompletter Neubau. Gleichzeitig ermöglicht der Erhalt charakteristischer Elemente die Bewahrung der Identität der Anlage. Die Investition von elf Millionen Euro, wovon 2,5 Millionen Euro Fördermittel waren, hat zu einer zeitgemäßen Erweiterung des Angebots geführt, ohne den Charakter der Anlage zu verlieren.

Die Spessart-Therme zeigt dagegen die Vorteile eines kompletten Neubaus auf. Die Investition von 50 Millionen Euro ermöglicht eine vollkommen neue Konzeption, die modernsten Standards entspricht und langfristig wirtschaftlich sein soll. Die Einbeziehung verschiedener Varianten in die Planung, von der Schließung bis zum umfassenden Neubau, zeigt die gründliche Vorgehensweise der Stadt.

Beide Projekte verdeutlichen die Bedeutung von langfristiger Planung, Bürgerbeteiligung und transparenter Kommunikation bei der Realisierung öffentlicher Großprojekte. Sie zeigen zudem, dass Thermalbäder als zentrale Infrastruktur für Kurorte unverzichtbar sind und als Wirtschaftsfaktor sowie als Ort der Gesundheitsvorsorge und Erholung eine wichtige Rolle spielen.

Die Zukunft der Thermalbad-Infrastruktur in Deutschland liegt in einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Entwicklung, die sowohl die Bedürfnisse der Gäste als auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kommunen berücksichtigt. Die beiden vorgestellten Projekte können hierbei als wertvolle Orientierung dienen.

Quellen

  1. Schwäbische: Elf Millionen modernisiert: Therme Meersburg startet neu durch
  2. FFH: Zukunft der Spessart-Therme: Stadtverordnete entscheiden
  3. Fuldaer Zeitung: Rückbau, Investition: Zukunft von Spessart-Therme steht zur Debatte
  4. Hessenschau: Abriss und Neubau der Spessart-Therme in Bad Soden-Salmünster
  5. GNZ: Bad Soden-Salmünster: Wie geht es mit der Spessart-Therme weiter?

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