Einleitung
Die Geschichte des Jugendhauses Trockendock in Marienfeld ist eine bemerkenswerte Entwicklung, die von Zwängen und Notwendigkeiten geprägt war, aber letztendlich zu einer modernen und adäquaten Lösung für die Jugendarbeit in der Region führte. Nachdem das ursprüngliche Domizil aufgrund von Platzbedarf einer Kita geräumt werden musste, fand das Jugendhaus eine provisorische Bleibe im Dachgeschoss des katholischen Pfarrheims St. Marien. Dieser Übergang währte jedoch nur kurz, bevor ein neuer, dauerhafter Standort bezogen werden konnte. Dieser Artikel beleuchtet den gesamten Prozess der Standortsuche, Planung und Realisierung des neuen Jugendhauses, das heute den Namen "Ankerplatz" trägt, und zeigt auf, wie ein komplexes infrastrukturelles Problem durch Kooperation verschiedener Akteure gelöst werden konnte.
Die Ausgangssituation: Platznot und ungewisse Zukunft
Das Jugendhaus Trockendock in Marienfeld befand sich ursprünglich an der Bussemasstraße und verfügte über rund 200 Quadratmeter Fläche. Diese Räumlichkeiten standen der evangelischen Kirchengemeinde als Träger des Jugendhauses vollständig zur Verfügung. Die Situation änderte sich jedoch im November 2016, als die Kita "Himmelszelt", ebenfalls in evangelischer Trägerschaft, denselben Standort bezog. Fortan standen dem Jugendhaus nur noch 140 Quadratmeter zur Verfügung.
Im Mai 2018 musste das Jugendhaus dann vollständig die angestammten Räume verlassen. Der Grund: Der Kindergarten an diesem Standort benötigte mehr Platz, was zu einer drastischen Reduzierung der verfügbaren Fläche für die Jugendarbeit führte. Dieser Umzug stellte das Jugendhaus vor eine existenzielle Herausforderung, da es dringend neue Räumlichkeiten benötigte, um seine Arbeit fortsetzen zu können.
Als Übergangslösung fand das Trockendock vorübergehend Asyl im katholischen Pfarrheim St. Marien am Klosterhof. Im Dachgeschoss stand den Kindern und Jugendlichen ein gut 22 Quadratmeter großer Raum zur Verfügung. Diese Lösung, die im beispielhaften ökumenischen Geist ermöglicht wurde, war jedoch nur als Provisorium gedacht. Die beengten Verhältnisse erschwerten die Arbeit des Jugendhauses erheblich und machten einen dauerhaften Standort unumgänglich.
Gleichzeitig zeigte sich in Marienfeld ein wachsender Bedarf an Kindergartenplätzen. Statistisch betrachtet fehlen in der Gemeinde 54 Kindergartenplätze, ein Problem, das sich noch verschärfen wird, da in den neuen Baugebieten noch kein Spatenstich gesetzt wurde. Die Stadt Harsewikel sah sich daher gezwungen, einen neuen Kindergarten an der Bussemasstraße zu planen, dem bisherigen Standort des Jugendhauses.
"Das Trockendock-Grundstück ist das einzige Grundstück in ganz Marienfeld, das aktuell für einen neuen Kindergarten geeignet ist", betonte Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide im Sozialaussuss. Diese Feststellung unterstrich die Dringlichkeit, eine neue Heimat für das Jugendhaus zu finden, während gleichzeitig der Bedarf an Kita-Plätzen stieg.
Die Suche nach einem neuen Standort
Die Suche nach einem adäquaten Standort für das Jugendhaus gestaltete sich als komplexes Unterfangen. Verschiedene Optionen wurden diskutiert, letztendlich fiel die Entscheidung auf einen Neubau an der Straße Im Kreuzteich in unmittelbarer Nähe zur Marienschule. Dieser Standort bot mehrere Vorteile: Er war zentral gelegen, gut erreichbar und bot ausreichend Platz für einen Neubau.
Die Entscheidung für den Neubau fiel nicht leicht. Über Jahre hinweg hatten die Politiker über die Zukunft des Jugendhauses Trockendock diskutiert. Im Sommer 2019 war jedoch klar geworden, dass für die Realisierung eines 156 Quadratmeter großen Neubaus an der Sporthalle der Marienschule Bundes- und Landesmittel in Höhe von 313 000 Euro bewilligt wurden. Diese Fördermittel waren ein entscheidender Durchbruch für das Projekt und machten den Neubau erst möglich.
Die Wahl des Standorts in direkter Nachbarschaft zur Marienschule erwies sich als besonders vorteilhaft. Die neue Rektorin der Marienschule, Daniela Rauh, zeigte sich von der Aussicht begeistert, ein Jugendhaus in der Nachbarschaft zu haben: "Auch für die Kinder ist das schön, wenn das Trockendock gleich um die Ecke ist", betonte Daniela Rauh. Diese räumliche Nähe ermöglichte eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhaus und bot den Schülern zusätzlichen Freiraum für ihre Freizeitgestaltung.
Planung und Finanzierung des Neubaus
Mit der Standortsicherung begann die intensive Planungsphase für den Neubau des Jugendhauses. Die Gesamtkosten für den Neubau an der Straße Im Kreuzteich wurden auf 398 000 Euro veranschlagt. Diese Summe war jedoch kein unüberwindliches Hindernis, da erhebliche Fördermittel bewilligt wurden.
Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch mehrere öffentliche Stellen: - Das Land Nordrhein-Westfalen bezuschusst das Projekt mit 52 000 Euro - Der Bund beteiligt sich mit 261 000 Euro - Der Kreis Gütersloh stellt einen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro bereit - Die Stadt Harsewinkel muss den verbleibenden Betrag von 35 000 Euro aufbringen
Die hohe Förderquote von rund 90 % durch Bund und Land machte das Projekt erst realisierbar. Die Fördermittel des Landes wurden über das Investitionspaket "Soziale Integration im Quartier" bewilligt, wie das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung mitteilte. Diese Förderung zielte darauf ab, soziale Einrichtungen zu schaffen, die den Bedürfnissen der Gemeinschaft entsprechen und soziale Integration fördern.
Die Pläne für den Neubau wurden bereits Mitte Januar 2019 vorgestellt, doch die eigentlichen Bauarbeiten begannen erst im Sommer desselben Jahres. Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide zeigte sich über die Bewilligung der Fördermittel hocherfreut: "Das ist eine tolle Nachricht. Ich muss jetzt direkt die Fraktionssprecher darüber informieren", sagte sie bei Bekanntgabe der positiven Entscheidung.
Bauprozess und Realisierung
Mit der Sommerpause 2019 begannen die Bauarbeiten für den Neubau des Jugendhauses. Auf der Baustelle neben der neueren Sporthalle der Marienschule versammelten sich zahlreiche Beteiligte, um den Start des Projekts zu feiern. Anwesend waren unter anderem die Rektorin der Marienschule Daniela Rauh, Architekt Thomas Herzog, Pfarrer Jörg Eulenstein, Bauunternehmer Andreas Gerhard, Jugendhaus-Leiterin Anna-Katharina Lindemann, Peter Gödde von der Stadtverwaltung, Pfarrer Martin Liebschwager, Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide und Baggerfahrer Ulrich Eggelbusch.
Die Bauarbeiten sollten ursprünglich in etwa zehn Monaten abgeschlossen sein, "wenn es rund läuft und das Wetter mitspielt", wie es in einer damaligen Meldung hieß. Die Fläche war bereits geebnet, und der Bau konnte beginnen.
Allerdings gab es bei der Planung des Zeitplans eine gewisse Unsicherheit. "Es ist aber aufgrund der Auftragslage nicht vorauszusehen, wann der Bau fertiggestellt werden kann", so Sabine Amsbeck-Dopheide. Diese Einschätzung spiegelte die allgemeine Situation im Baugewerbe wider, wo Auftragslagen oft zu Verzögerungen führen können.
Der Neubau sollte auf 156 Quadratmetern Platz für zwei Aufenthaltsräume, einen Kicker-Raum, eine Abstellkammer und ein Büro für die Leiterin Anna-Katharina Lindemann und ihr Betreuerteam bieten. Diese Aufteilung entsprach den Bedürfnissen der Jugendarbeit und sollte allen Möglichkeiten zur Entfaltung bieten.
Die Umbenennung von "Trockendock" zu "Ankerplatz"
Während des Umzugs in die neuen Räumlichkeiten vollzog sich eine bemerkenswerte Veränderung: Das Jugendhaus erhielt einen neuen Namen. Statt "Trockendock" heißt es nun "Ankerplatz". Diese Entscheidung fiel, nachdem das Jugendhaus in den Herbstferien vom Pfarrheim St. Marien in den Neubau umgezogen war.
"Wir haben jetzt einen Ankerplatz", sagte die Jugendhausleiterin Anna-Katharina Lindemann im Gespräch mit der Presse. Die Entscheidung für den neuen Namen war mehrfach begründet: Der Name "Trockendock" sei durch das ganze Hin und Her in der Standortfrage negativ besetzt. "Außerdem konnten die Kinder und Jugendlichen eigentlich gar nichts mit dem Namen anfangen", so Lindemann weiter.
Dennoch sollte das Alte nicht vollständig verschwinden. Im neuen "Ankerplatz" heißt ein Raum nun bewusst "Trockendock". Die Jugendlichen haben dafür extra ein Schild gestaltet. "Das Alte bleibt immer noch ein Teil vom Neuen", freut sich die Jugendhausleiterin über den Neustart in den eigenen Räumlichkeiten.
Diese Umbenennung symbolisierte einen Neubeginn für das Jugendhaus, während gleichzeitig die Kontinuität der Arbeit bewahrt wurde. Der neue Name "Ankerplatz" sollte den Jugendlichen ein Gefühl von Stabilität und Geborgenheit vermitteln, nachdem sie in den vergangenen Jahren mehrere Standortewechsel hatten hinnehmen müssen.
Fertigstellung und Inbetriebnahme
Nach Abschluss der Bauarbeiten und der Innenausstattung stand dem Regelbetrieb im neuen Jugendhaus "Ankerplatz" nichts mehr im Weg. Die Wandfarben waren längst getrocknet, der Fußboden mit der Musterung "Asian Tiger" frisch gefeuelt. Fehlen nur noch die Jugendlichen, um das Haus zum Leben zu erwecken.
Der Regelbetrieb im neuen Jugendhaus sollte voraussichtlich nach den Herbstferien losgehen. Zweieinhalb Jahre, nachdem die Kinder und Jugendlichen aus ihrem Paradies an der Bussemasstraße vertrieben worden waren, fanden sie nun endlich wieder eine Anlaufstelle, die ihren Bedürfnissen entsprach. "Die Durststrecke ist überwunden", sagte Pfarrer Martin Liebschwager bei der Besichtigung der neuen Räumlichkeiten.
Die neuen Einrichtungen boten auf 156 Quadratmetern Nutzfläche alle Möglichkeiten zur Entfaltung. Zwei Aufenthaltsräume, ein Kicker-Raum, eine Abstellkammer und ein Büro für die Leiterin Anna-Katharina Lindemann und ihr Betreuerteam schufen eine ideale Umgebung für die Jugendarbeit. Im Vergleich zu den beengten 22 Quadratmetern im Dachgeschoss des Pfarrheims war dies ein gewaltiger Fortschritt.
Die Eröffnung des neuen Jugendhauses fiel in eine Zeit des personellen Umbruchs im Projekt. Für den bisherigen Leiter Sven Jacobsen stellte die Ev. Kirche als Träger der Einrichtung die junge Anna-Katharina Lindemann ein. Sie brachte frischen Wind und neue Ideen mit in die Jugendarbeit. "Sie ist der Knaller", lobten Liebschwager und Jörg Eulenstein die engagierte 24-Jährige, die das Jugendhaus in eine neue Zukunft führen sollte.
Fazit
Die Geschichte des Jugendhauses "Ankerplatz" (ehemals "Trockendock") in Marienfeld ist ein Beispiel dafür, wie durch beharrliches Engagement und gute Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren eine schwierige Situation in eine positive Lösung verwandelt werden kann. Ausgangspunkt war eine existenzielle Krise, als das Jugendhaus seinen Standort räumen musste und nur eine provisorische Notlösung fand.
Durch die konsequente Suche nach einem dauerhaften Standort, die Sicherung erheblicher Fördermittel und die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kirchengemeinden und anderen Partnern konnte ein modernes und adäquates Jugendhaus geschaffen werden. Die umbenannte Einrichtung "Ankerplatz" bietet nun den Kindern und Jugendlichen Marienfelds einen stabilen und ansprechenden Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen und sich entfalten können.
Die positive Entwicklung des Projekts zeigt auch, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen – nicht nur bei der Gestaltung der Räumlichkeiten, sondern auch bei der Namensgebung. Die Umbenennung in "Ankerplatz" und die bewusste Beibehaltung des Namens "Trockendock" für einen Raum demonstrieren, wie Tradition und Neuanfang sinnvoll miteinander verbunden werden können.
Der Neubau des Jugendhauses ist nicht nur eine Lösung für die Platzprobleme der Jugendarbeit in Marienfeld, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur sozialen Infrastruktur des gesamten Stadtteils. Die enge Lage zur Marienschule schafft Synergien und bietet den Schülern zusätzliche Möglichkeiten für ihre Freizeitgestaltung.
Die Geschichte des "Ankerplatz" wird hoffentlich eine lange und erfolgreiche sein, da sie auf soliden finanziellen Grundlagen, guter Planung und der engagierten Arbeit der pädagogischen Kräfte basiert. Das Jugendhaus hat eine schwierige Phase überstanden und ist nun gestärkt in eine Zukunft gestartet, in der es die Kinder und Jugendlichen Marienfelds begleiten und unterstützen kann.