Umbau und Erweiterung des Tropical Islands: Von der Luftschiffwerft zum modernen Erlebnisresort

Einleitung

Das Tropical Islands in Brandenburg stellt seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 ein einzigartiges Freizeit- und Erlebnisresort dar. Was ursprünglich als Luftschiffwerft geplant war, entwickelte sich zu einem der größten Indoor-Erlebniszentren Europas. Aktuell durchläuft die Anlage eine umfassende Renovierungs- und Erweiterungsphase, die sowohl die Infrastruktur als auch die Erlebnisbereiche für Besucher grundlegend verändert. Dieser Artikel beleuchtet die geplanten und bereits umgesetzten Baumaßnahmen, die technischen Herausforderungen und die Zukunftsperspektiven des Resorts.

Historischer Hintergrund: Vom Luftschiffhangar zum Tropenparadies

Die Geschichte des Tropical Islands ist eng mit der wechselvollen Nutzung des Gebäudes verbunden. Im Jahr 1999 errichtete das Unternehmen Cargolifter die riesige Halle im brandenburgischen Krausnick-Groß Wasserburg, ursprünglich als Produktionsstätte für das innovative Transportluftschiff "Cargolifter CL160". Nach der Insolvenz von Cargolifter im Jahr 2002 erwarb die malaysische Unternehmensgruppe Tanjong die ungenutzte Halle ein Jahr später.

Im Dezember 2004 wurde die künstliche Tropenwelt eröffnet und damit eine der größten freitragenden Hallenkonstruktionen der Welt für einen völlig neuen Zweck genutzt. Die Halle, die eine Fläche von etwa 66.000 Quadratmetern überspannt, bietet Platz für eine spektakuläre Erlebnislandschaft mit Pools, Saunen, Fitnessbereichen, Bars und Restaurants sowie zahlreiche tropische Pflanzen.

2019 wechselte die Anlage erneut den Besitzer und gehört nun zur spanischen Firmengruppe Parques Reunidos, die weltweit über 60 Parks betreibt. Mit täglich bis zu 6.500 Gästen und jährlich etwa 1,2 Millionen Besuchern hat sich das Tropical Islands zu einem der bedeutendsten Tourismusmagneten in der Region entwickelt.

Aktuelle Bauprojekte: Mehrere Großprojekte gleichzeitig

Das Tropical Islands befindet sich derzeit in einer der größten Umbauphasen seit seiner Eröffnung. Gleichzeitig werden mehrere Großprojekte realisiert, die das Erscheinungsbild und die Funktionalität des Resorts grundlegend verändern werden.

Neues Wasserareal "Aguas Azules"

Eines der ambitioniertesten Vorhaben ist der Bau einer dritten Badelandschaft innerhalb der Halle. Das neue Wasserareal, das den Namen "Aguas Azules" (Blaues Wasser) tragen soll, soll in der östlichen Hälfte der Anlage entstehen, zwischen der bereits bestehenden "Südsee"-Badefläche und der künstlichen Lagune.

Für dieses Projekt ist zunächst der Rückbau des bestehenden Kinderspielbereichs Tropino erforderlich, der an einer anderen Stelle neu errichtet werden muss. Die Bauarbeiten werden sich über die kommenden zwei Jahre erstrecken und werden für Gäste mit Einschränkungen verbunden sein, da teilweise Baustellenatmosphäre herrschen wird.

Besonders bemerkenswert ist, dass es sich um die erste Erweiterung der Wasserlandschaft im Inneren des Domes seit 20 Jahren handelt. Zwar wurde der Tropenpark seit seiner Eröffnung kontinuierlich ausgebaut, darunter eine große Außenlandschaft mit mehreren Badebereichen, zahlreiche Bungalows und zuletzt ein Hotel, die Kernbereiche der Wasserlandschaft im Inneren blieben jedoch seit 2004 unverändert.

Hotelexpansion: Modulbauweise beschleunigt den Ausbau

Parallel zum Ausbau der Wasserbereiche wird auch die Übernachtungskapazität des Resorts deutlich erweitert. Im April 2024 wurde ein neuer Hotelkomplex mit rund 150 Zimmern eröffnet, der die Bettenzahl auf fast 3.500 erhöht. Damit ist das Tropical Islands einer der größten Übernachtungsbetriebe in Deutschland.

Das Besondere an diesem Bauprojekt ist die Bauweise: Das neue Hotel wurde in Modulbauweise errichtet, bei der fertige Raumzellen auf dem Gelände aufeinander gestapelt wurden. Jedes der Zimmer misst 12 mal 3 Meter und wurde vor Ort montiert. Diese Bauweise ermöglichte eine beeindruckende Geschwindigkeit – vom ersten Spatenstich im Juni 2023 bis zur Eröffnung vergingen weniger als ein Jahr.

Die Erweiterung um 500 zusätzliche Schlafplätze kostete rund 25 Millionen Euro und wurde von der spanischen Muttergesellschaft Parques Reunidos finanziert. Gleichzeitig mit dem Hotel entstand auch ein neues Restaurant mit 170 Plätzen, eine Bar sowie ein Entertainment-Bereich mit Billiard, Bowling-Bahnen und Air-Hockey.

Steigende Nachfrage aus dem Ausland

Die Hotelexpansion ist direkt mit den wachsenden Besucherzahlen verbunden, insbesondere aus den Nachbarländern wie Polen, den Niederlanden und Dänemark. Laut Unternehmensangaben kommen immer mehr internationale Gäste ins Tropical Islands, was die Notwendigkeit zusätzlicher Übernachtungskapazitäten rechtfertigt.

Die spanische Parques Reunidos Group hat insgesamt 33 Millionen Euro in die jüngsten Ausbaumaßnahmen investiert und dadurch 25 neue Arbeitsplätze geschaffen. Mit fast 550 Mitarbeitern ist das Tropical Islands zudem einer der größten Arbeitgeber in der Region Dahme-Spreewald.

Technische Herausforderungen: Sanierung der denkmalgeschützten Halle

Neben den sichtbaren Erweiterungsprojekte stellt auch die Sanierung der denkmalgeschützten Halle eine große technische Herausforderung dar. Das Gebäude, das als eines der größten freitragenden Hallenbauwerke der Welt gilt, wurde ursprünglich 1999 für die Produktion von Luftschiffen konzipiert und muss heute völlig anderen Anforderungen genügen.

Dämmung der Toranlagen

Ein Schwerpunkt der Sanierungsarbeiten liegt auf den zwölf undurchsichtigen Toren des Hangars. Diese erhielten eine zeitgemäße Dämmung aus Steinwolle-Platten, die die Energieeffizienz des Gebäudes verbessert und gleichzeitig den Komfort für Besucher erhöht. Die Dämmmaßnahmen sind Teil eines schrittweisen Sanierungsplans, der die Gebäudehülle des Resorts schrittweise modernisiert.

Kondensationsprobleme

Eine der größten Herausforderungen bei der Nutzung der Halle als tropisches Erlebnisresort sind die zunehmenden Kondensatprobleme. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit, die für ein tropisches Klima notwendig ist, bilden sich an den kälteren Bauteilen der Halle häufig Kondenswassertröpfchen. Diese führen nicht nur zu Wasserflecken und möglichen Bauschäden, sondern stellen auch ein Sicherheitsrisiko für Besucher dar.

Die Sanierungsarbeiten zielen daher darauf ab, durch verbesserte Dämmung und eine optimierte Lüftungstechnik die Kondensationsbildung zu minimieren. Gleichzeitig wird versucht, das tropische Klima aufrechtzuerhalten, das für das besondere Erlebnis im Tropical Islands essenziell ist.

Zukunftsperspektiven: Bis 2026 entsteht ein neues Resort

Die aktuellen Bauprojekte sind nur der Beginn einer umfassenden Modernisierung des Tropical Islands. Langefristig soll das Resort bis 2026 zu einem noch größeren und vielfältigeren Erlebnisziel werden.

Zeitplan der Baumaßnahmen

Die Bauarbeiten für das neue Wasserareal "Aguas Azules" werden voraussichtlich bis Mitte 2025 andauern. Nach dem geplanten Abschluss dieser Phase soll das gesamte Projekt im Jahr 2026 fertiggestellt sein. In den Monaten Juni bis September 2024 finden bereits die ersten Abrissarbeiten statt, um Platz für die neuen Wasserbereiche zu schaffen.

Vision für das Tropical Islands 2026

Mit den abgeschlossenen Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen soll das Tropical Islands nicht nur seine Kapazitäten erweitern, sondern auch die Qualität der Besuchererlebnisse deutlich verbessern. Die Kombination aus erweiterten Wasserbereichen, zusätzlichen Übernachtungsmöglichkeiten und verbesserten technischen Voraussetzungen soll das Resort zu einem der führenden Freizeitdestinationen in Europa machen.

Die spanische Eigentümergruppe Parques Reunidos zeigt mit den Investitionen ihr Vertrauen in den Standort und die Zukunft des Tropical Islands. Gleichzeitig trägt der Ausbau zur Stärkung des Tourismus in der Region Brandenburg bei und sicherte und schuf zahlreiche Arbeitsplätze.

Fazit

Die aktuelle Umbau- und Erweiterungsphase des Tropical Islands stellt eines der größten Bauprojekte in der Region Brandenburg dar. Was mit der Sanierung der denkmalgeschützten Halle begann, hat sich zu einem umfassenden Modernisierungsprogramm entwickelt, das sowohl die Infrastruktur als auch die Erlebnisbereiche für grundlegend verändert.

Die Kombination aus traditionellen Handwerkstechniken und moderner Bauweise – wie bei dem in Modulbauweise errichteten Hotel – zeigt, wie historische Bausubstanz für neue Nutzungen adaptiert werden kann. Gleichzeitig adressiert die Sanierung technische Herausforderungen wie Kondensationsprobleme, die bei der Umwandlung eines Luftschiffhangars in ein tropisches Erlebnisresort auftreten.

Die Investitionen der spanischen Parques Reunidos Group unterstreichen das Potenzial des Standorts und sichern die Zukunftsfähigkeit des Resorts. Für Besucher bedeutet die Bauphase zwar kurzfristig Einschränkungen, langfristig versprechen die Erweiterungen jedoch ein noch attraktiveres und vielfältigeres Erlebnis.

Das Tropical Islands zeigt eindrucksvoll, wie sich ehemalige Industriebauten zu modernen Freizeit- und Erlebniszentren entwickeln können und welche technischen und gestalterischen Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen. Die Transformation vom Luftschiffhangar zum tropischen Paradies ist damit ein gelungenes Beispiel für innovative Umnutzung und nachhaltige Entwicklung.

Quellen

  1. Maz-Online: Tropical Islands will dritte Badelandschaft Aguas Azules 2026 eröffnen
  2. Berlin-Live: Tropical Islands Wasserpark Erweiterung Gäste Besucher Bau
  3. RBB24: Brandenburg Hotelkomplex Tropical Islands eröffnet
  4. Baustoffwissen: Neue Dämmung für die Tropical Islands
  5. Tropical Islands Blog: Abrissarbeiten

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