Sanierung und Modernisierung der Universitätsbibliothek Heidelberg: Lesesäle im Fokus der Baumaßnahmen

Einleitung

Die Universitätsbibliothek Heidelberg, eines der bedeutendsten historischen Bibliotheksgebäude Deutschlands, durchläuft seit 2008 eine umfassende Sanierungs- und Modernisierungsphase. Nach rund 30 Jahren ohne größere Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen begann die grundlegende Ertüchtigung und Erweiterung des Hauptgebäudes in der Heidelberger Altstadt. Die Maßnahmen konzentrieren sich insbesondere auf die Lesesäle, die sowohl funktional als auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Dieser Artikel beleuchtet die umfassenden Baumaßnahmen, die Ziele der Sanierung und die besonderen Herausforderungen bei der Modernisierung dieser historischen Bausubstanz.

Die Gesamtsanierung der Universitätsbibliothek

Ausgangssituation und Baubeginn

Nach etwa drei Jahrzehnten ohne nennenswerte Sanierungsarbeiten startete 2008 das größte Bauprojekt in der Geschichte der Heidelberger Universitätsbibliothek. Das Vorhaben umfasste die grundlegende Ertüchtigung und Erweiterung des Hauptgebäudes mit einer Investitionssumme von rund 21 Millionen Euro und einer Nutzfläche von 7.100 Quadratmetern. Die Maßnahme konzentrierte sich auf die Norderweiterung der Universitätsbibliothek mit der Sanierung der oberen vier Geschosse des angrenzenden Triplex-Gebäudes.

Die Bauphasen der Gesamtsanierung

Die Sanierungsarbeiten wurden in mehreren Bauabschnitten durchgeführt:

  1. Bauabschnitt UB-Altbau I-III (2009-2015):

    • Neugestaltung eines Handschriftenlesesaals im Ostflügels des Altbaus
    • Sanierung der Ausleihe im Westflügels
    • Generalüberholung von Geschossflügeln der Freihandmagazine
    • Brandschutztechnische Ertüchtigung von Treppenhäusern und Aufzügen
  2. Bauabschnitt IV UB-Altbau (2016-2019):

    • Sanierung des Südflügels mit Informationszentrum und Multimediazentrum
    • Entfernung der Stahlgalerien aus den 1980er Jahren
    • Grundlegende Sanierung der beiden großen Funktionsräume und des Kellergewölbes
  3. Aktuelle Bauphase (ab 2021):

    • Sanierung der markanten Sandsteinfassade des Südflügels
    • Instandsetzung der Dächer über dem historischen Gebäude

Die Gesamtkosten für die Altbausanierung in den ersten vier Bauabschnitten beliefen sich auf 14 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg investierte.

Der neue Lesesaal im Triplex-Gebäude

Entstehung und Konzeption

Die bedeutendste Maßnahme der Gesamtsanierung war die Norderweiterung der Universitätsbibliothek durch die Sanierung des Triplex-Gebäudes aus den 1970er Jahren. Das Gebäude wurde zu einem modernen Lesesaal mit rund 1.000 Arbeitsplätzen und Büroflächen für etwa 80 Mitarbeiter umgestaltet. Die offizielle Eröffnung des sanierten Triplex erfolgte am 29. Juli 2015 nach einer Bauzeit von zwei Phasen (2009-2012 und 2013-2015).

Ausstattung und technische Ausstattung

Der neue Lesesaal im Triplex-Gebäude besticht durch seine moderne funktionale Architektur und eine großzügig bemessene Lese- und Lernlandschaft. Die Hauptnutzfläche für die Lesebereiche beträgt 6.500 m² und ist barrierefrei auf drei Ebenen im Triplex-Bereich (2., 3. und 4. OG) verteilt. Die Lesesaalebene ist über das 1. OG des Altbaus angebunden.

Die Ausstattung umfasst:

  • 500 Stellmeter mit 3.000 Fachbodenmeter Regale für bis zu 90.000 Bände Präsenzbestand
  • 560 Stellmeter mit 3.700 Fachbodenmeter Regale für 110.000 Bände Zeitschriften
  • 1.000 Lernarbeitsplätze
  • 18 Einzelarbeitskabinen/Carrels zur exklusiven Nutzung
  • 15 Gruppenarbeitsräume
  • 2 Schulungsräume
  • 1 Eltern-Kind-Raum

Die technische Ausstattung umfasst Funk-LAN in allen Lesebereichen sowie eine Lüftungsanlage mit Temperierung und hoher Frischluftzufuhr, die für ein angenehmes Raumklima sorgt.

Betriebliche Aspekte

Die Lesesäle im Triplex-Gebäude sind täglich geöffnet: - Montag bis Freitag: 8:30 Uhr – 1:00 Uhr - Samstag und Sonntag: 9:00 Uhr – 1:00 Uhr

Die Bauverantwortung lag bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Mannheim und Heidelberg. Die Ausführung wurde von der Heidelberger Architektenpartnerschaft ap88 übernommen.

Die Sanierung des Südflügels (2016-2019)

Historischer Kontext

Der Südflügel mit seiner prächtigen Sandsteinfassade bildet das Zentrum der vierflügeligen schlossartigen Anlage. Im nördlichen Teil dieses Südflügels waren nach dem Abriss des Historischen Lesesaals in den Jahren 1953–1956 zwei Säle entstanden, die seitdem verschiedene Nutzungen erfuhren. In den 1980er Jahren wurden die Räume durch den Einzug von Stahlgalerien weiter verdichtet.

Zwischen 1985 und 1987 wurden in beiden Sälen Stahlgalerien eingezogen. Aus statischen Gründen war das Einbringen weiterer Stahlträger erforderlich, die bis in das Sockelgeschoss reichten. Diese Maßnahme war Teil umfangreicher Sanierungsarbeiten (1979–1987), mit denen man die wichtigsten baulichen Mängel beheben und behelfsmäßig auf den gesteigerten Platzbedarf reagieren wollte.

Ziele der Sanierung

Die Sanierung des Südflügels zwischen September 2016 und April 2019 verfolgte drei Hauptziele:

  1. Behebung baulicher Mängel: Im Mittelpunkt stand die Beseitigung baulicher Defekte, insbesondere brandschutztechnischer Mängel. Hierzu diente unter anderem der Ausbau der Galerien ab August 2017.

  2. Energetische Sanierung: Zentral war die energetische Optimierung, die insbesondere durch die komplette Neugestaltung der Nordfassade sowie den Einbau einer Belüftungsanlage erreicht wurde.

  3. Verbesserung der Funktionalität: Letztendlich ging es darum, die Funktionalität und Aufenthaltsqualität der Räumlichkeiten zu verbessern.

Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf sechs Millionen Euro. Die Bauzeit von zweieinhalb Jahren konnte planmäßig eingehalten werden, und die feierliche Eröffnung fand am 2. Mai 2019 statt.

Durchführung der Sanierungsmaßnahmen

Die Bauleitung lag, wie bei der Sanierung des Triplex-Lesesaals, bei Vermögen und Bau Baden-Württemberg – Amt Mannheim und Heidelberg. Die Ausführung wurde erneut der Heidelberger Architektenpartnerschaft ap88 anvertraut.

Die drei Stockwerke im Südflügel inklusive der Galerien wurden bis 2015 mehrfach an die sich ändernden Gegebenheiten und Erfordernisse angepasst. Im Erdgeschoss befanden sich bis 2003 die Katalogauskunft, die alphabetischen und systematischen Zettelkataloge, die Kataloge der Sonderbestände der UB sowie Katalogrecherche-PCs für den ersten elektronischen Bibliothekskatalog. Im Obergeschoss befanden sich zunächst die bibliografische Auskunft, die Fernleihannahme, die überregionalen Kataloge und die Fachbibliografien. Im Gewölbe im Untergeschoss wurde der Gesamtkatalog der Institutsbestände aufgestellt, bis dort 1995 der erste größere CIP-Pool mit 30 teilweise multimedialen PC-Arbeitsplätzen eingerichtet wurde, ergänzt um den Bereich AV-Medien mit 10 Video- und Ton- sowie 6 Mikroformarbeitsplätzen.

Die aktuelle Nutzung des Südflügels nach der Sanierung dient als Informationszentrum und Multimediazentrum der Universitätsbibliothek.

Aktuelle Sanierungsphase: Fassade und Dächer (2021-2023)

Ausgangssituation

Seit September 2021 läuft die nächste Phase der Vollsanierung der Universitätsbibliothek Heidelberg, die sich auf die markante Fassade des schlossartigen Südflügels sowie die Dächer über dem historischen Gebäude konzentriert. Die Arbeiten sollen bis Mitte 2023 abgeschlossen werden.

Sanierung der Sandsteinfassade

Für die Sanierung der Sandsteinfassade sind Steinmetz- und Kunstschlosserarbeiten erforderlich. Um den passenden Sandstein für die notwendigen Ausbesserungen zu finden, wurden Steinbrüche ermittelt, deren Stein hinsichtlich Struktur und Farbton möglichst exakt mit der Fassade der Universitätsbibliothek von 1905 übereinstimmt.

Bei kleineren schadhaften Stellen kommt spezielles Mörtelmaterial zum Einsatz, bei größeren Schäden werden ganze Steinblöcke ausgetauscht. Die Arbeiten erfordern höchste Präzision und Fachkenntnis, um die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig die Langlebigkeit der Fassade zu gewährleisten.

Instandsetzung der Dächer

Die Erneuerung des Dachstuhls startete mit dem Südflügel. Auf den Dächern des historischen Gebäudes mit Ost-, West- und Südflügel befinden sich Kunstwerke aus Stein und Eisen von hoher Qualität. Die Sanierung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz nach der Maßgabe, dass Erhaltung Vorrang hat.

Was auf Grund des hohen Schädigungsgrades nicht erhalten werden kann, wird von Kunsthandwerkern nachgebildet und ersetzt. Das Dach wird originalgetreu neu eingedeckt, wie bisher mit dunklem Schiefer. Diese Maßnahme stellt eine besondere Herausforderung dar, da sowohl die statische Sicherheit als auch die historische Authentizität gewahrt werden müssen.

Herausforderungen der Sanierung

Umgang mit historischer Bausubstanz

Die Sanierung der Universitätsbibliothek Heidelberg stellt besondere Anforderungen aufgrund des historischen Charakters des Gebäudes. Besonders beim Altbau von 1905 wurde bei den Sanierungsmaßnahmen behutsam eingegriffen, um, wo immer möglich, Mobiliar und bauliche Elemente aus der Entstehungszeit zu bewahren bzw. dem ursprünglichen Charakter entsprechend neu zu gestalten.

Balance zwischen Modernisierung und Denkmalschutz

Bei allen Maßnahmen musste eine Balance zwischen notwendiger Modernisierung und dem Schutz der denkmalgeschützten Bausubstanz gefunden werden. Besonders bei der aktuellen Sanierungsphase der Fassade und der Dächer zeigt sich dies deutlich. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz nach der Maßgabe, dass Erhaltung Vorrang hat.

Nutzerfreundlichkeit während der Bauarbeiten

Die Durchführung der Sanierungsarbeiten bei laufendem Betrieb der Bibliothek stellte eine besondere logistische Herausforderung dar. Die Maßnahmen mussten so geplant und durchgeführt werden, dass der Betrieb der Bibliothek für die Nutzer so wenig wie möglich beeinträchtigt wurde.

Fazit

Die umfassende Sanierung und Modernisierung der Universitätsbibliothek Heidelberg stellt ein herausragendes Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz im 21. Jahrhundert dar. Die Maßnahmen, die seit 2008 durchgeführt werden, haben nicht nur die baulichen und brandschutztechnischen Mängel behoben, sondern auch die Funktionalität und Energieeffizienz der Gebäude entscheidend verbessert.

Besonders hervorzuheben ist die gelungene Verbindung von historischer Architektur und moderner Nutzungskonzeption. Während der Altbau von 1905 behutsam saniert wurde, um den ursprünglichen Charakter zu bewahren, bietet das modernisierte Triplex-Gebäude einen zeitgemäßen Lern- und Arbeitsplatz für Studierende und Forschende.

Die aktuelle Sanierungsphase der Fassade und Dächer unterstreicht den besonderen Stellenwert, der auf den Erhalt der historischen Bausubstanz gelegt wird. Die Arbeiten, die voraussichtlich Mitte 2023 abgeschlossen sein werden, werden dazu beitragen, die Universitätsbibliothek Heidelberg auch für zukünftige Generationen zu erhalten und zu einem attraktiven Ort der Wissenschaft und des Lernens zu machen.

Mit einer Gesamtinvestition von rund 14 Millionen Euro für die Altbausanierung und weiteren Investitionen in die Erweiterungsbauten hat das Land Baden-Württemberg gezeigt, welchen Stellenwert die Universitätsbibliothek Heidelberg als wissenschaftliche und kulturelle Einrichtung einnimmt. Die Maßnahmen haben nicht nur die bauliche Substanz verbessert, sondern auch die Qualität der Arbeits- und Lernbedingungen für Nutzer nachhaltig gesteigert.

Quellen

  1. Universitätsbibliothek Heidelberg - Sanierung und Erweiterung
  2. Universitätsbibliothek Heidelberg - Informationen zur Erweiterung
  3. Universitätsbibliothek Heidelberg - Sanierung Dach und Fassade

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