U-Bahnhof Marienplatz: Modernisierung mit Geschichte und Zukunft

Einführung

Der U-Bahnhof Marienplatz in München ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt und täglich von bis zu 200.000 Fahrgästen frequentiert. Seit 2011 befindet sich der Bahnhof in einer umfassenden Modernisierungsphase, die von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und den Stadtwerken München (SWM) gemeinsam durchgeführt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, den aktuellen Stand und die Zukunft des Umbaus dieses zentralen Verkehrsdrehkreuzes, das seit über 50 Jahren das Münchner U-Bahn-Netz prägt.

Historischer Hintergrund

Der U-Bahnhof Marienplatz wurde im Jahr 1971 eröffnet und ist einer der ersten Stationen des Münchner U-Bahn-Netzes. Was ihn von den anderen damaligen Bahnhöfen unterscheidet, ist sein einzigartiges Design, das vom ursprünglichen Architekten Alexander von Branca stammt und vom sogenannten "Nestlerschen Gestaltungsmuster" abweicht. Der Bahnhof setzt im Untergrund einen städtebaulichen Akzent, der der Bedeutung des Marienplatzes an der Oberfläche gerecht wird.

Die Gestaltung des Bahnhofs ist markant geprägt durch Wandpaneele in kräftigem Orange an den 22 bis 23 Meter tief gelegenen Bahnsteigen, kombiniert mit ultramarinblauen Fliesen an den Wänden der sonstigen Bahnhofsflächen. Am Aufgang zum Marienhof kommen stattdessen dunkelgrüne Fliesen zum Einsatz. Die weißen Decken des Bahnhofs reflektieren sämtliches Licht auf die gesamten Verkehrsflächen und tragen so zu einer hellen und freundlichen Atmosphäre bei.

Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung zeigten sich jedoch Probleme mit der ursprünglichen Deckenverkleidung, die im Jahr 1979 teilweise ersetzt werden musste, da sich Teile lösten und herausbrachen. Eine umfassende Neugestaltung erfolgte dann in den Jahren 2003 bis 2006 im Zuge der Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Erweiterung und Entlastungstunnel

Im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Fußballstadions in Fröttmaning beschloss die Stadt München, den stark frequentierten U-Bahnhof Marienplatz durch zusätzliche Fußgängertunnel zu entlasten. Zwischen dem Baubeginn am 27. Mai 2003 und der Eröffnung am 29. Mai 2006 wurden neben den bestehenden Bahnsteigen zwei jeweils etwa 100 Meter lange Fußgängertunnel im bergmännischen Vortrieb gegraben. Diese Tunnel sind durch 11 Mauerdurchbrüche galerieartig mit dem bisherigen Bahnsteig verbunden.

Die technischen Herausforderungen bei diesem Projekt waren erheblich. Um die Fertigstellung rechtzeitig zur WM 2006 gewährleisten zu können, kam ein spezielles Tunnelbauverfahren zum Einsatz. Zunächst wurden auf dem Marienhof zwei bis zu 30 Meter tiefe Startschächte ausgehoben, von denen aus über den beiden künftigen Fußgängertunneln jeweils ein Pilotstollen 16 Meter unter der Erdoberfläche vorgetrieben wurde. Im Rohrvortrieb mit Haubenschild unter Druckluft und hydraulischer Förderung konnten diese Röhren schnell erstellt werden. Der Kern des Spezialverfahrens war die Bodenvereisung, die den notwendigen Halt für die weitere Bauarbeit sicherstellte.

Die Gestaltung der neuen Tunnel erfolgte im Einverständnis mit dem ursprünglichen Architekten Alexander von Branca und wurde weitgehend in den bestehenden Farb- und Gestaltungskonzept integriert. Die neuen Tunnel wurden in das orange gehaltene Farbkonzept des Bahnsteigs eingepasst und weitgehend mit den gleichen orangefarbenen Wandverkleidungen gestaltet. Eine besondere gestalterische Idee waren die verspiegelten Flächen an den Stützpfeilern, die dem Betrachter den Eindruck der Mächtigkeit nehmen und die Pfeiler "leichter" wirken lassen sollen.

Gleichzeitig mit den Tunnelbauarbeiten wurden die Bahnsteige mit neuen Bodenbelägen versehen, die etwa 4 Zentimeter höher sind als bisher. Diese Maßnahme ermöglichte erstmals einen barrierefreien Einstieg in die U-Bahnen und verbesserte damit deutlich die Barrierefreiheit des gesamten Bahnhofs.

Aktuelle Modernisierung seit 2011

Im Jahr 2011 begann die umfassende Modernisierung des U- und S-Bahnhofs Marienplatz, die bis heute andauert. Dieses Großprojekt wird von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und den Stadtwerken München (SWM) gemeinsam getragen und zielt darauf ab, die Abnutzungserscheinungen aus rund 40 Jahren Dauerbetrieb zu beseitigen.

Die Bauarbeiten umfassen die Sanierung der Zugänge, Betonfugen und des gesamten Zwischengeschosses. Besondere Herausforderung dabei ist, dass alle Arbeiten bei laufendem Bahnbetrieb durchgeführt werden müssen. Der Bahnhof Marienplatz ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, der für die Münchner Bevölkerung und Touristen unverzichtbar ist. Die Bauarbeiter sind dabei größtenteils hinter Absperrungen versteckt arbeiten und sind für die Fahrgäste kaum sichtbar, was die Beeinträchtigungen für den täglichen Betrieb minimiert.

Mattias Korte, einer der Projektleiter, erklärte: "Weil der Bahnhof Marienplatz mit seinen U- und S-Bahnlinien natürlich erreichbar bleiben muss. Das war von Anfang an so geplant." Negative Auswirkungen auf die laufenden Arbeiten habe dieser Umstand angeblich nicht, so Korte weiter.

Sanierung der Hintergleiswände

Eine der wichtigsten Maßnahmen der aktuellen Modernisierung ist die Sanierung der Wände hinter den Gleisen. Im Jahr 2022 wurden die alten Verkleidungen an den Hintergleiswänden entfernt, um darunter liegende Betonschäden zu beheben. Im Jahr 2024 wurden dann die Betonwände saniert und gereinigt. Danach wurde der Stationsname wieder aufgebracht.

Für eine Übergangsphase fehlen jedoch die Fliesen hinter den Gleisen. Um die Gestaltung des Bahnhofs nicht zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen, wurden die nackten Betonwände mit oranger Farbe gestrichen. Seit Anfang 2024 erstrahlt alles wieder in gewohnter Optik - nur dass statt der Fassaden übergangsweise orangene Farbe an den Hintergleiswänden zu sehen ist. Ab 2026 sollen die Paneele dann wieder montiert werden.

Für die Malerarbeiten der Interimsgestaltung waren übrigens keine Sperrungen notwendig, was die kontinuierliche Nutzung des Bahnhofs während der gesamten Bauphase sicherstellt.

Neugestaltung des Zwischengeschosses

Ein zentraler Bestandteil der aktuellen Modernisierung ist die Neugestaltung des Zwischengeschosses am Marienplatz. Dieses soll nach Fertigstellung hell, strukturiert und freundlich wirken und deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten bieten als bisher. Geplant sind außerdem neue Informationsschalter, ein Kundencenter und barrierefreie Ein- und Ausgänge.

Besonderes Augenmerk wird auf die Deckenbeleuchtung gelegt. MVG und SWM planen umweltfreundliche und hellere LED-Lampen anstelle der bisherigen Halogenleuchten zu installieren. "Ein markanter Blickpunkt wird die rote Deckengestaltung des Lichtdesigners Ingo Maurer im Zentralbereich des Zwischengeschosses", verspricht Korte. Die Umgestaltung erfolgt laut Korte ganz im Zeichen der guten Orientierung und Übersichtlichkeit: "Die Fahrgäste werden mit Abschluss des Umbaus ein übersichtliches Gebäude erleben."

Die charakteristischen blauen Fliesen im Rolltreppenbereich werden übrigens erhalten bleiben, um die historische Identität des Bahnhofs zu wahren.

Anbindung an die S-Bahn

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Modernisierung ist die verbesserte Anbindung des U-Bahnhofs an das S-Bahn-Netz. Mit dem Bau der 2. S-Bahn-Stammstrecke werden neue Übergangsmöglichkeiten zum S-Bahnhof am Marienhof geschaffen.

Im Sperrengeschoss unter dem Marienhof werden breite Treppenanlagen ins Sperrengeschoss des S-Bahnhofs führen, von dort gelangt man weiter zu den Bahnsteigebenen. Von der Bahnsteigebene der U3 und U6 aus gelangt man über die bis 2006 errichteten Paralleltunnel und deren Startschächte zur Verteilerebene des S-Bahnhofs, von wo aus man nach unten auf die Bahnsteigebene des S-Bahnhofs gelangen kann.

Die bereits 2003-2006 errichteten Entlastungstunnel werden nach Fertigstellung der 2. S-Bahn-Stammstrecke am nördlichen Ende in einen neuen S-Bahnhof Marienhof münden. Diese neue Anbindung wird die Umsteigemöglichkeiten zwischen den verschiedenen Verkehrsmassen erheblich verbessern und zur Entlastung des gesamten Bahnhofs beitragen.

Zeitplan und Zukunftsaussichten

Die Modernisierung des U-Bahnhofs Marienplatz dauert bereits seit 2011 an und hat sich als eine der langwierigsten Baustellen Münchens erwiesen. "Wir sind auf der Zielgeraden", so Mattias Korte im Jahr 2015, doch ein konkreter Termin für die Fertigstellung wurde damals noch nicht genannt. Man hielt jedoch daran fest, den Umbau möglichst noch im Herbst 2015 abschließen zu wollen. Wie aus den aktuellen Informationen hervorgeht, waren diese Pläne jedoch zu optimistisch, da die Arbeiten offensichtlich weiter andauern.

Das nächste Großprojekt ist bereits in Planung: Nach dem Marienplatz soll der U-Bahnhof Sendlinger Tor an die Substanz gehen - ebenfalls im Bahnsteigbereich. Laut Korte war der erste Spatenstich für dieses Projekt noch für das selbe Jahr geplant.

Die langen Bauzeiten sind bei einem so komplexen und zentral gelegenen Projekt wie dem Marienplatz unvermeidlich. Die Herausforderungen reichen von der Koordination von Arbeiten bei laufendem Betrieb über die Sanierung historischer Bausubstanz bis zur Integration neuer technischer Systeme und die Anbindung an die zukünftige 2. S-Bahn-Stammstrecke.

Fazit

Die Modernisierung des U-Bahnhofs Marienplatz ist ein Mammutprojekt, das von der historischen Bedeutung des Bahnhofs und seiner zentralen Lage in der Münchner Innenstadt geprägt ist. Seit über einem Jahrzehn wird an der Sanierung und Neugestaltung des Verkehrsknotenpunkts gearbeitet, der täglich von Hunderttausend Menschen genutzt wird.

Das Projekt verbindet die Bewahrung des historischen Erbes mit den Anforderungen an moderne Barrierefreiheit, effiziente Verkehrsführung und ansprechende Architektur. Die orangefarbenen Wandpaneele und die blauen Fliesen bleiben ebenso erhalten wie der von Alexander von Branca geprägte Charakter des Bahnhofs.

Gleichzeitig wird der Bahnhof für die Zukunft gerüstet: mit LED-Beleuchtung, barrierefreien Zugängen, verbesserten Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn und einer übersichtlicheren Gestaltung des Zwischengeschosses.

Trotz der langen Bauzeiten und der unvermeidlichen Beeinträchtigungen während der Arbeiten zeigt das Projekt, wie sensible Modernisierung im Bestand gelingen kann. Wenn der Umbau schließlich abgeschlossen sein wird, wird der Marienplatz nicht nur ein besser funktionierender, sondern auch ein ästhetisch ansprechender Verkehrsknotenpunkt sein - ein würdiger Eingang zur Münchner Innenstadt.

Quellen

  1. MVG - Modernisierung U-Bahn
  2. tz.de - Baustelle Marienplatz
  3. U-Bahn München - Bahnhof Marienplatz

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