Modernisierung des Uniklinikums Münster: 370-Millionen-Euro-Investition für die Zukunft der medizinischen Versorgung

Einleitung

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) erlebt derzeit eine der größten Modernisierungsmaßnahmen in seiner Geschichte. Mit einer Investitionssumme von 370 Millionen Euro durch das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) wird das Klinikum für die Zukunft der medizinischen Versorgung umgestaltet. Diese Finanzierung ist Teil des landesweiten "Medizinischen Modernisierungsprogramms" (MedMoP), das bis zum Jahr 2020 rund 2,2 Milliarden Euro in die Universitätskliniken in NRW investiert. Die Modernisierung umfasst elf Großprojekte, die das Klinikum nicht nur baulich, sondern auch funktional auf den neuesten Stand bringen sollen. Besonderes Augenmerk liegt auf den seit 1983 in Betrieb befindlichen "Bettentürmen", die eine umfassende Sanierung erhalten. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick über die geplanten Maßnahmen, den Zeitplan und die Auswirkungen auf Patienten und Personal.

Gesamtmodernisierungsplan

Die Modernisierung des UKM ist ein umfassendes Projekt, das auf dem Masterplan "Universitätsmedizin Münster 2025" basiert. Das Land NRW stellt die erhebliche Summe von 370 Millionen Euro bereit, um das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät mit knapp einem Dutzend Bau- und Modernisierungsvorhaben fit für die Zukunft zu machen. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) legte persönlich den Grundstein für den Bau eines Rechenzentrums und eines Eltern-Kind-Zentrums mit Geburtsklinik als Erweiterungsbau am Klinikum.

Insgesamt werden bis zum Jahr 2020 elf Bauprojekte auf dem Albert-Schweitzer-Campus realisiert. Wie Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des UKM, betont: "Jedes Projekt ist ein Meilenstein für uns und von großer Bedeutung für Patienten und Mitarbeiter". Die Maßnahmen sollen nicht nur den baulichen Zustand verbessern, sondern auch die medizinische Versorgung effizienter gestalten.

Die Modernisierung erfolgt größtenteils im laufenden Betrieb, was besondere Herausforderungen an die Bauplanung stellt. Der erste sichtbare Schritt war die Sanierung der Außenfassaden der Bettentürme, die bis Ende 2018 eine mattweiße Außenfassade erhalten und energetisch aufgearbeitet wurden.

Der neue Erweiterungsbau (IEZ)

Ein zentraler Bestandteil der Modernisierung ist der neue Interdisziplinäre Erweiterungsbau (IEZ). Dieser Bau wurde bereits fertiggestellt und Teile des Gebäudes sind bereits in Betrieb. Der erste Eindruck des neuen Gebäudes ist stimmungsvoll mit großen Säulen, hellen Lichthöfen, einer Rolltreppe und einem gläsernen Fahrstuhl – wenig an ein traditionelles Krankenhaus erinnernd.

Der IEZ beherbergt bereits mehrere Kliniken auf drei Ebenen: - Die Klinik für Frauenheilkunde (Gynäkologie) - Das Brustzentrum (Sektion Senologie) - Die Pränatalambulanz - Die Klinik für Neurologie/Institut für Translationale Neurologie - Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Weitere Kliniken werden in den kommenden Wochen und Monaten folgen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Patientenzimmer gelegt, die fast alle über eigene, großflächige Balkone verfügen. Langlebige technische Neuerungen wurden ebenfalls verbaut, um die Funktionalität und Langlebigkeit des Gebäudes zu gewährleisten.

Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor am UKM, äußerte sich zur Inbetriebnahme: "Die Inbetriebnahme ist für uns ein langersehnter Meilenstein und ich freue mich sehr, dass wir nun sowohl unseren Patientinnen und Patienten als den Mitarbeitenden ein modernes und zeitgemäßes Ambiente bieten können". Der neue Erweiterungsbau stellt einen deutlichen Qualitätssprung für die Patientenversorgung dar.

Erweiterung des Zentralklinikums

Neben dem neuen Erweiterungsbau plant das UKM die umfassende Erweiterung des Zentralklinikums. Dieses Vorhaben hat eine Zentralisierung des Klinikstandortes mit einer räumlichen Konzentration von Fachkliniken, Operationssälen und Krankenversorgung in einem Erweiterungsbau an der Albert-Schweitzer-Straße zum Ziel.

Dabei sollen folgende Abteilungen an einem Neubau an der Albert-Schweitzer-Straße zusammengeführt werden: - Dermatologie (bisher Von-Esmarch-Straße) - Hals-Nasen-Ohren-Klinik - Chirurgie (bisher Waldeyerstraße)

Mit dieser räumlichen Konzentration sollen auch die Operationssäle des Klinikums und die Intensivkrankenversorgung hier gebündelt werden.

Für die Planung dieses Großprojekts hat das UKM 2016 einen international besetzten städtebaulichen Wettbewerb durchgeführt, aus dem der Entwurf des Büros ingenhoven architects aus Düsseldorf als Sieger hervorging. Die Planung sieht, neben der Großstruktur des bestehenden Klinikums mit den Bettentürmen, einen langgestreckten Baukörper parallel zum Klinikum vor.

Die Erschließung des Klinikums wird neugeordnet und bietet mehrere unabhängige Zufahrten von der Albert-Schweitzer-Straße für Notfälle, Patienten, Besucher, Mitarbeiter und Radfahrer. Statt der bisherigen Parkpalette soll ein neues Parkhaus entstehen, und der Hubschrauberlandeplatz wird künftig auf das Dach des Klinikums verlegt.

Dieser massive Bauprojekt erfordert eine Änderung des Bebauungsplans. Zu diesem Zweck fand am 2. Februar 2023 eine Informations- und Diskussionsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger im Lehrgebäude A6 am Albert-Schweitzer-Campus statt. Der neue Bebauungsplan soll voraussichtlich im 3. Quartal 2023 beschlossen werden, das gesamte Projekt dann bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein.

Die geplante Erweiterung am Standort der heutigen "Bettentürme" wird gewaltig ausfallen: Es soll ein rund einen halben Kilometer langer und bis zu 32 Meter hoher Anbau entstehen, in dem verschiedene Abteilungen des Universitätsklinikums Münster gebündelt werden. Über einem viergeschossigen Bau mit Operations- und Technikgeschossen ist ein zweigeschossiger Intensivbettenbereich über einem offenen Gartengeschoss vorgesehen.

Sanierung der Bettentürme

Die Bettentürme des Zentralklinikums sind seit Eröffnung 1983 in Betrieb und daher dringend einer umfassenden Sanierung bedürftig. Nachdem die Außenfassaden bereits in einem ersten Schritt energetisch saniert und mit einer neuen, mattweißen Fassade versehen wurden, steht nun die Innensanierung im Fokus.

Seit Anfang November haben die ersten Umzüge für die nachfolgende Innensanierung des Ostturms begonnen. Damit erfolgt ein entscheidender Schritt in der Weiterentwicklung des universitären Medizinstandorts Münster. Ziel des Projekts ist es, die baulichen und funktionalen Strukturen nachhaltig zu modernisieren, um optimale Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende und eine zeitgemäße Unterbringung für Patientinnen und Patienten zu schaffen.

Die Innensanierung wird etappenweise erfolgen: Der Ostturm soll bis Ende 2027 ebenenweise geräumt und in den Folgejahren saniert werden. "Mit der Innensanierung der Türme legen wir den baulichen Grundstein für ein modernes Zentralklinikum – für bessere Arbeitsbedingungen, zeitgemäße Abläufe und eine noch bessere Aufenthaltsqualität für unsere Patientinnen und Patienten", sagt Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor des UKM.

Die Sanierung der Türme ist dabei weit mehr als ein reines Bauprojekt, wie es in einer Pressemitteilung des UKM heißt: "Sie ist ein Meilenstein für die Zukunft unserer Patientenversorgung". Die Maßnahme stellt einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung des gesamten Klinikums dar und wird als entscheidender Schritt für die Weiterentwicklung des medizinischen Standorts Münster gesehen.

Spezifische Sanierungsprojekte

Innerhalb des umfassenden Modernisierungsprogramms gibt es mehrere spezifische Sanierungsprojekte, die besondere Aufmerksamkeit verdienen:

Brandschutzsanierung Zentralklinikum Die bestehende, 40 Jahre alte technische Infrastruktur des Zentralklinikums muss dringend erneuert werden. Im Rahmen dieses Projekts werden Teilbereiche des Flachbaus schadstoffsaniert und an die heutigen baulichen Brandschutzanforderungen angepasst. Es erfolgt eine bauliche Neuordnung diverser Ambulanzbereiche. Die Baukosten für dieses Projekt belaufen sich auf 24.694.000 Euro, zusätzlich sind Ersteinrichtungskosten in Höhe von 1.828.000 Euro veranschlagt.

Aufzugsmodernisierung Zentralklinikum Die Modernisierung der Aufzüge ist eine Generalsanierung der aus den 80er Jahren stammenden Förderanlagen des Ost- und Westbettenturms. Mit der Modernisierung wird den gestiegenen gesetzlichen, technischen und energetischen Anforderungen sowie den gestiegenen Patienten-, Personal- und Warentransporten eine zukunftsorientierte Basis geboten. Die Baukosten für dieses Projekt betragen 6.963.000 Euro.

Sanierung und Umstrukturierung der Hautklinik Entsprechend der Masterplanung "Universitätsmedizin Münster 2025" wird die Klinik für Hautkrankheiten am jetzigen solitären Standort an der Von-Esmarch-Straße verbleiben. Dies bedingt eine umfangreiche Sanierung und Umstrukturierung des Gebäudes, um den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Klinik gerecht zu werden. Die Baukosten für dieses Projekt liegen bei 23.565.000 Euro, mit zusätzlichen Ersteinrichtungskosten von 3.355.000 Euro.

Diese Projekte sind nur einige der Maßnahmen, die im Rahmen der Gesamtmodernisierung durchgeführt werden. Sie zeigen den systematischen Ansatz, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich das Klinikum zu modernisieren und den Anforderungen der modernen Medizin anzupassen.

Auswirkungen auf Patienten und Personal

Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen haben direkte Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen des Personals und die Aufenthaltsqualität der Patienten. Durch die Modernisierung der Patientenzimmer, die nun oft über Balkone verfügen, und die Schaffung moderner Arbeitsbereiche werden die Rahmenbedingungen für beide Gruppen deutlich verbessert.

Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass die Modernisierung größtenteils im laufenden Betrieb erfolgt. Dies erfordert eine präzise Planung der Umzüge und Logistik, um die Versorgung der Patienten nicht zu beeinträchtigen. Gleichzeitig bietet die Gelegenheit, Abläufe zu optimieren und die räumliche Anordnung der Abteilungen an die modernen medizinischen Anforderungen anzupassen.

Die neue räumliche Konzentration von Fachabteilungen, Operationssälen und Intensivstationen soll nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Wege für Patienten und Personal verkürzen. In einem so großen Klinikum wie dem UKM können dadurch wertvolle Zeit gespart werden.

Zeitplan und Zukunftsaussichten

Die Modernisierung des UKM ist ein langfristiges Projekt mit einem klar definierten Zeitplan. Während einige Maßnahmen wie die Fassadensanierung bereits abgeschlossen sind, stehen noch viele große Projekte bevor.

Der neue Bebauungsplan für die Erweiterung des Zentralklinikums soll voraussichtlich im 3. Quartal 2023 beschlossen werden. Daraufhin können die konkreten Baumaßnahmen für die Erweiterung beginnen, die bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein sollen.

Die Innensanierung des Ostturms wird bis Ende 2027 erfolgen, wobei die Arbeiten etappenweise durchgeführt werden, um den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten. Der Westturm wird in der Folge ebenfalls saniert werden.

Neben den baulichen Maßnahmen wird auch das medizinische Angebot weiterentwickelt. Das geplante Medizinische ForschungsCentrum "MedForCe", in dem hochmoderne Räumlichkeiten und Labore der Institute für Mikrobiologie, Virologie und Hygiene entstehen, ist ein wichtiger Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Münster.

Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, betont die Bedeutung der Investition: "Wir sind sehr dankbar, dass die Notwendigkeit der Modernisierungen hier in Münster, aber auch die angespannte finanzielle Lage der Universitätskliniken im Allgemeinen erkannt wurden und wir nun die drängendsten Projekte angehen können". Die Modernisierung wird dem UKM ermöglichen, auch in Zukunft eine hochwertige medizinische Versorgung, Forschung und Lehre anzubieten.

Fazit

Die Modernisierung des Universitätsklinikums Münster ist ein ehrgeiziges und notwendiges Projekt, das mit einer Investitionssumme von 370 Millionen Euro durch das Land NRW möglich wird. Die Maßnahmen umfassen elf Großprojekte, die das Klinikum sowohl baulich als auch funktional auf den neuesten Stand bringen sollen.

Von der Sanierung der Bettentürme über den Neubau des interdisziplinären Erweiterungsbaus bis hin zur umfangreichen Erweiterung des Zentralklinikums werden alle Bereiche des Klinikums erfasst. Die Maßnahmen werden größtenteils im laufenden Betrieb durchgeführt, was besondere Herausforderungen an die Planung stellt.

Die Modernisierung wird nicht nur den baulichen Zustand verbessern, sondern auch die medizinische Versorgung effizienter gestalten. Durch die räumliche Konzentration von Fachabteilungen, Operationssälen und Intensivstationen werden Wege verkürzt und Abläufe optimiert. Gleichzeitig werden durch moderne Patientenzimmer und Arbeitsbereiche die Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen für Patienten und Personal deutlich verbessert.

Mit einem geplanten Abschluss der Gesamtmassnahmen bis zum Jahr 2030 wird das UKM nach Abschluss der Modernisierung als modernes, zukunftsfähiges Universitätsklinikum dastehen, das den hohen Anforderungen der medizinischen Versorgung, Forschung und Lehre gerecht wird.

Quellen

  1. DZ Online: So wird die Uniklinik in Münster modernisiert
  2. Münstersche Zeitung: UKM-Sanierung, Erweiterung, Umbau
  3. Stadt Münster: Bebauungsplanung 144 Zentralklinikum
  4. Münster-Blick: Uniklinik stellt gewaltige Umbaupläne vor
  5. UKM: Die Sanierung des Ostturms ist weit mehr als ein Bauprojekt
  6. Medizinische Fakultät Münster: 370 Millionen für neue Bauprojekte der Universitätsmedizin NRW

Ähnliche Beiträge