Einleitung
Die VBW Bauen und Wohnen GmbH, mit Sitz in Bochum, spielt eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung und Wohnraumversorgung. Als größter Wohnungsanbieter der Stadt versorgt das Unternehmen, das 1916 als Bochumer Heimstätten GmbH gegründet wurde, über 40.000 Bochumer*innen mit Wohnraum. Insgesamt verwaltet die VBW mehr als 13.000 eigene und 178 fremdverwaltete Wohnungen. Neben dem Neubau legt das Unternehmen auch großen Wert auf innovative Renovierungskonzepte, die nicht nur den Wohnwert verbessern, sondern auch einen Beitrag zur Energiewende leisten. Besonders hervorzuheben ist hierbei das vom Unternehmen implementierte Energiesprong-Prinzip, das eine revolutionäre Methode der seriellen Sanierung im Zeitalter der Digitalisierung darstellt.
VBW als städtischer Wohnraumversorger
Die VBW Bauen und Wohnen GmbH ist weit mehr als nur ein klassischer Wohnraumversorger. Das Positioniert sich als Quartiers- und Stadtentwickler, der mit gezielten Maßnahmen die soziale Durchmischung in Bochums Stadtteilen fördert. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist der bewusste Mix aus öffentlich gefördertem und freifinanziertem Wohnraum. Im Neubau verfolgt die VBW eine klare 50/50-Strategie – genau die Hälfte der neu geschaffenen Wohnungen wird öffentlich gefördert, die andere Hälfte ist freifinanziert. Dieser Ansatz stellt sicher, dass Menschen mit unterschiedlichen Einkommensverhältnissen gemeinsam in den Quartieren leben können.
Darüber hinaus leistet die VBW mit rund 40 Prozent Bestandswohnungen, die einer festen Mietpreisbindung unterliegen, einen erheblichen Beitrag zur sozial verantwortungsvollen Wohnraumversorgung in Bochum. Das Unternehmen versteht sich als Teil der Lösung für die wachsenden Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt und setzt dabei auf nachhaltige und zukunftsfähige Konzepte.
Das Energiesprong-Konzept: Revolutionierung der Renovierung
Eines der innovativsten Projekte der VBW im Bereich Renovierung ist die Umsetzung des Energiesprong-Prinzips. Dieser Ansatz, dessen Name aus dem Niederländischen stammt ("sprong" bedeutet "Sprung"), wurde bereits in zwei Pilotprojekten im Ruhrgebiet erfolgreich umgesetzt: in der Mörikestraße (Fertigstellung 2022) und der Wichernstraße (Fertigstellung 2023). Als Teil des EU-Projektes Interreg Nordwesteuropa "Mustbe0" positioniert sich die VBW damit als einer der Haupttreiber des Prinzips und des Themas CO2-neutrale Gebäude in Deutschland.
Das Besondere an dieser Sanierungsmethode ist der konsequente Einsatz digitaler Technologien, die den Renovierungsprozess beschleunigen und optimieren. Jedes Gebäude wird zunächst per 3D-Scan millimetergenau erfasst und in Form eines CAD/CAM-Modells als digitaler Zwilling abgebildet. Auf dieser Grundlage erfolgt die präzise Planung der neuen Gebäudehülle, inklusive Dachelementen mit Photovoltaik und Fassadenelementen mit integrierten Fenstern, elektrischen Rollläden und Lüftungssystemen.
Digitale Technologien im Renovierungsprozess
Die Digitalisierung verändert nicht nur die Planungsphase von Renovierungsprojekten, sondern den gesamten Prozess. Durch den Einsatz von digitalen Zwillingen können Planer und Handwerker exakt arbeiten und Materialien präzise zuschneiden. Reduziert dies nicht nur den Materialverschwand, sondern ermöglicht auch eine schnellere und qualitativ hochwertigere Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen.
Die Technologie ermöglicht zudem eine bessere Simulation und Planung energetischer Maßnahmen. Bevor mit den tatsächlichen Umbauarbeiten begonnen wird, können verschiedene Szenarien durchgespielt werden, um die energetisch und wirtschaftlich optimale Lösung zu finden. Dieser datenbasierte Ansatz führt zu effizienteren und nachhaltigeren Ergebnissen.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in Renovierungen
Ein zentraler Aspekt der Renovierungsstrategie der VBW ist die Energieeffizienz. Die Projekte werden konsequent auf Energieeffizienz ausgelegt, mit dem Ziel, Gebäude auf das höchste energetische Niveau zu heben. So erreichen die sanierten Gebäude typischerweise die Energieeffizienzklasse A+, was für die Mieter nicht nur eine bessere Wohnqualität, sondern auch deutlich geringere Energiekosten bedeutet.
Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Projekt "Alte Stadtgärtnerei" im OSTPARK, bei dem neben der energetischen Sanierung auch eine Dachbegrünung und eine PV-Anlage installiert wurden. Diese Maßnahmen führen zu einer CO₂-Einsparung von 68 Tonnen jährlich und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität im Gebäudesektor.
Soziale Aspekte der Renovierungsprojekte
Die VBW versteht Renovierung nicht nur als technische Maßnahme, sondern auch als Chance für die soziale Entwicklung von Stadtteilen. Bei der Planung der Maßnahmen wird großer Wert auf die Beibehaltung und Förderung der sozialen Mischung gelegt. Durch die Kombination von öffentlich gefördertem und freifinanziertem Wohnraum in den Quartieren wird sichergestellt, dass Menschen mit unterschiedlichen Einkommensverhältninen und Lebensentwürfen gemeinsam leben können.
Ein Beispiel hierfür ist das neue Ensemble in der "Alten Stadtgärtnerei", das aus drei Hauseingängen mit insgesamt 45 Wohnungen besteht. Die Wohnungsgrößen bewusst von kompakten 1-Raum-Wohnungen mit rund 40 Quadratmetern bis hin zu großzügigen 5-Raum-Wohnungen mit bis zu 116 Quadratmetern Wohnfläche variieren. Diese Mischung soll Jung und Alt, Singles und Families gleichermaßen ansprechen und ein lebendiges Quartier für alle Generationen schaffen.
Darüber hinaus unterstützt die VBW Stiftung seit 2016 gemeinnützige Projekte in den Quartieren, um das soziale Miteinander zu fördern. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Jugend- und Altenhilfe, Bildung und Erziehung sowie dem Wohlfahrtswesen.
Zukunftsperspektiven: Renovierung als Teil der Wachstumsstrategie
Die VBW hat sich für die nächsten fünf Jahre das Ziel gesetzt, rund 1.500 neue Wohnungen in Bochum zu errichten. Dieser Neubau wird jedoch durch gezielte Renovierungsmaßnahmen ergänzt, um den Bestandswohnungen den Anforderungen der Zukunft anzupassen. Ein aktuelles Beispiel ist der Abriss der nicht mehr zukunftsfähigen Häuser aus den 50er-Jahren am Lennershof, um Raum für attraktive und barrierefreie Wohnungen zu schaffen.
Das Investitionsvolumen der VBW allein für die ersten Neubaumaßnahmen beläuft sich auf rund 100 Millionen Euro, davon entfallen allein auf die Baumaßnahmen am Lennershof 25 Millionen Euro. Die VBW platziert derzeit die Ausschreibungen am Markt, und der Baubeginn für die ersten Maßnahmen soll bereits Ende dieses Jahres erfolgen.
Fazit
Die VBW Bauen und Wohnen GmbH zeigt mit ihren innovativen Renovierungskonzepten, wie technischer Fortschritt, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können. Durch den konsequenten Einsatz digitaler Technologien wie dem Energiesprong-Ansatz und digitalen Zwillingen gelingt es dem Unternehmen, Renovierungsprozesse zu beschleunigen und die energetische Qualität der Gebäude deutlich zu verbessern. Gleichzeitig stellt die VBW mit ihrem 50/50-Mix aus öffentlich gefördertem und freifinanziertem Wohnraum sicher, dass Renovierung nicht nur technische, sondern auch soziale Fortschritte bringt. So trägt die VBW maßgeblich dazu bei, Bochum als lebenswerte Stadt für alle Generationen zu entwickeln und gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende und Klimaneutralität zu leisten.