Sanierung des Heiligenborner Eisenbahnviadukts in Waldheim: Ein modernes Denkmal erhält eine neue Zukunft

Einleitung

Das Heiligenborner Eisenbahnviadukt in Waldheim (Mittelsachsen) stellt ein bedeutendes technisches und historisches Bauwerk dar, das derzeit einer umfassenden Modernisierung unterzogen wird. Die Deutsche Bahn investiert rund 13 Millionen Euro in die Sanierung dieser denkmalgeschützten Gewölbebrücke, die seit 1852 die Eisenbahnstrecke zwischen Riesa und Chemnitz überspannt. Das Projekt umfasst die Erneuerung des Gleistragwerks, die Sanierung der Entwässerungseinrichtungen sowie eine grundlegende Instandsetzung des Mauerwerks. Während der Arbeiten, die seit Juli 2019 laufen, wird der Zugverkehr aufrechterhalten, indem jeweils nur ein Gleis gesperrt wird. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technischen Aspekte und den Ablauf dieser bedeutenden Baumaßnahme.

Historische Bedeutung des Heiligenborner Viadukts

Das Heiligenborner Viadukt ist ein äußerst imposantes Bauwerk mit reicher Geschichte. Die 1852 erbaute Gewölbebrücke gehört zu den drei bedeutenden Eisenbahnbrücken in Waldheim, die für die Eisenbahnstrecke Chemnitz-Riesa errichtet wurden. Mit einer Länge von 180 Metern und einer Höhe von etwa 40 Metern ragt sie majestätisch über das Tal. Auf ihren 12 Pfeilern aus Stein erheben sich 36 kleinere Bögen, die das charakteristische Erscheinungsbild der Brücke prägen. Das Mauerwerk der Gewölbe und die Brückenpfeiler bestehen aus einer Kombination aus Natursteinen und Ziegeln, was die handwerkliche Qualität des 19. Jahrhunderts widerspiegelt.

Waldheim kann insgesamt drei beeindruckende Eisenbahnbrücken vorweisen, die unterschiedliche technische und gestalterische Merkmale aufweisen. Aus Richtung Chemnitz kommend überfährt man zuerst den 210 Meter langen und 41 Meter hohen Heiligenborner Viadukt. Nach dem Halt im Bahnhof Waldheim folgt der mit 153 Metern Länge kürzere, aber mit 52 Metern Höhe höhere Diedenhainer Viadukt. Weiter in Richtung Döbeln würde man den die Zschopau überspannenden Limmritzer Viadukt mit einer Länge von 270 Metern und einer Höhe von 34 Metern passieren. Im Gegensatz zu diesen beiden Steinbrücken existiert in Waldheim noch ein drittes Viadukt auf der Strecke Waldheim-Kriebstein, das als kühne Stahlkonstruktion mit einer Länge von 171 Metern und einer Höhe von 31 Metern über der Bachsohle erbaut wurde.

Gründe für die umfassende Sanierung

Die Sanierung des Heiligenborner Viadukts war aufgrund erheblicher Schäden unumgänglich geworden. Wie Thorsten Schwalbe, Planungsingenieur der Deutschen Bahn, erläuterte, weist das Viadukt massive Abdichtungsschäden auf. Im Laufe der Zeit waren große Mengen Wasser in das Bauwerk eingedrungen, was die Konstruktion zusätzlich schädigte. Die Feuchtigkeit hatte nicht nur das Abdichtungssystem beeinträchtigt, sondern auch das Gemäuer aus Ziegel und Naturstein stark in Mitleidenschaft gezogen.

Diese Wasserschäden führten zu einer fortschreitenden Zerstörung der Bausubstanz und gefährdeten die Standsicherheit des Bauwerks. Gleichzeitig genügte die Anlage nicht mehr den modernen Anforderungen an den Bahnbetrieb. Eine umfassende Sanierung war daher notwendig, um die Sicherheit des Bahnverkehrs langfristig zu gewährleisten und das historische Bauwerk für zukünftige Generationen zu erhalten.

Projektüberblick der Sanierung

Die Baumaßnahmen an dem 170 Meter langen und 40 Meter hohen Viadukt begannen im Frühjahr 2019 und wurden im Dezember 2020 nach fast fünf Jahren des anspruchsvollen Planens und Bauens erfolgreich abgeschlossen. Das gesamte Baumanagement von der Planung über den Bau bis zum Abschluss der Gesamtmaßnahmen wurde im Auftrag der DB Netz AG von der DB Engineering & Consulting durchgeführt. Weitere Planungsleistungen wie Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausschreibungsplanung, Gutachten im Bereich Baugrund und Umwelt sowie Bauüberwachungsleistungen wurden federführend durch die Region Südost der DB Engineering & Consulting erstellt.

Das Projekt gliedert sich in mehrere Hauptbereiche: die Erneuerung des Gleistragwerks (Fahrbahnplatte), die Sanierung der Entwässerungseinrichtungen und die grundlegende Instandsetzung der Natur- und Ziegelsteinflächen der Gewölbe, Stirnmauern und Pfeiler der Unterbauten. Besonders anspruchsvoll war der Teilersatzneubau der Fahrbahnwanne, der ab Oktober 2019 in zwei Bauzuständen mit jeweils mehrmonatiger halbseitiger Streckensperrung durchgeführt wurde.

Technische Aspekte der Sanierung

Die technischen Anforderungen an die Sanierung waren vielfältig und komplex. Da die signaltechnischen Voraussetzungen für die Bauzustände im Streckenbereich zwischen Waldheim und Mittweida nicht gegeben waren, war es notwendig, umfangreiche Planungs- und Bauarbeiten der Leit- und Sicherungstechnik in den Stellwerken Waldheim und Mittweida sowie des Kabeltiefbaus im 15 Kilometer langen Streckenbereich durchzuführen.

Insgesamt wurden dabei beachtliche Mengen an Material und Technik verbaut: - Ca. 28 Kilometer Kabel in der Außenanlage - 34 Kilometer Schaltdraht - 23 Relaisgruppen und 851 Relais - Ca. 7.000 Meter Kabeltrog

In zwei Bauabschnitten wurde jeweils pro Richtungsgleis die vorhandene gemauerte Fahrbahnwanne abgebrochen und durch eine neue regelkonforme Fahrbahnwanne aus Stahlbeton ersetzt. Parallel dazu erfolgte eine Gesamtsanierung des Bauwerks. Diverse planungs- und baubegleitende Maßnahmen waren für die Umsetzung der Arbeiten an den Oberleitungs-, Oberbau-, Sicherungs- und Kabelanlagen erforderlich.

Besondere Herausforderungen ergaben sich aus der Tatsache, dass während der gesamten Bauzeit der Zugverkehr aufrechterhalten werden musste. Dies wurde dadurch erreicht, dass jeweils nur ein Gleis gesperrt und auf der anderen Seite gearbeitet wurde. Ein kompletter Streckenunterbrechung konnte so vermieden werden, was die Komplexität der Logistik und Organisation erheblich erhöhte.

Zeitlicher Ablauf der Bauarbeiten

Die Sanierung des Heiligenborner Viadukts folgte einem genau geplanten Zeitplan, der mehrere Phasen umfasste:

  1. Juli/August 2019: Herstellung der Baustraßen und Baustelleneinrichtung im Tal sowie für die Modernisierung des Gleises Mittweida–Waldheim bei Heiligenborn. In dieser Phase wurden auch die Gerüstbauarbeiten durchgeführt.

  2. September 2019 bis April 2020: Intensive Arbeiten an der Fahrbahnplatte des Gleises Mittweida-Waldheim. Während dieser Zeit war dieses Gleis gesperrt, während der Zugverkehr auf dem anderen Gleis aufrechterhalten wurde.

  3. April 2020: Herstellung der Baustraßen und Baustelleneinrichtung für die Modernisierung des Gleises Waldheim–Mittweida im Stadtgebiet Waldheim.

  4. Mai 2020 bis Mitte Dezember 2020: Arbeiten an der Fahrbahnplatte des Gleises Waldheim–Mittweida. Parallel dazu wurden die Instandsetzungsarbeiten am Mauerwerk des Viaduktes fortgesetzt.

  5. Dezember 2020: Zum Fahrplanwechsel wurden das Eisenbahnviadukt in Heiligenborn und die beiden überführten Gleise der Strecke Riesa – Chemnitz zwischen Waldheim und Mittweida erfolgreich in Betrieb genommen.

Die Bauarbeiten wurden niemals auf beiden Gleisen gleichzeitig durchgeführt, sodass es zu kein Zeitpunkt zu einer vollständigen Sperrung der Strecke zwischen Mittweida und Waldheim kam. Lediglich für bestimmte Zeitabschnitte, wie vom 30. September bis zum 9. Oktober 2020, kam es zu Verzögerungen im Bahnverkehr. Auch zwischen April und Mai 2020 war die Strecke zwischen den Bahnhöfen Mittweida und Döbeln von Arbeiten betroffen.

Herausforderungen während der Sanierung

Die Sanierung des denkmalgeschützten Viadukts stellte alle Beteiligten vor erhebliche Herausforderungen. Neben den technischen Schwierigkeiten bei der Erneuerung eines historischen Bauwerks mussten auch die Belange des laufenden Bahnverkehrs berücksichtigt werden. Besonders anspruchsvoll war die Koordination der Arbeiten, um eine maximale Betriebssicherheit während der gesamten Bauzeit zu gewährleisten.

Eine weitere Herausforderung stellten die Auswirkungen auf die Anwohner dar. So hatten beispielsweise die Kleingärtner vom Pfaffenberg viele Fragen bezüglich des Bauablaufs: Wo würde die Baustraße entlang führen, mit welchen Baufahrzeugen war zu rechnen und mussten sie mit Lärmbelästigungen rechnen? Thorsten Schwalbe von der Deutschen Bahn und Toralf Pönisch vom Tiefbauamt der Stadtverwaltung Waldheim informierten die Anlieger über die ersten Pläne und beantworteten deren Fragen.

Besonders komplex gestaltete sich die Sanierung des Mauerwerks, das aus einer Kombination aus Natursteinen und Ziegeln besteht. Die Fachleute mussten sicherstellen, dass die historische Substanz erhalten bleibt, während gleichzeitig die statische Sicherheit und die Dichtigkeit des Bauwerks wiederhergestellt werden. Dies erforderte eine sorgfältige Abstimmung zwischen Denkmalschutzauflagen und technischen Notwendigkeiten.

Investitionen und Finanzierung

Die Sanierung des Heiligenborner Viadukts ist ein bedeutendes Investitionsprojekt im Eisenbahnnetz. Bund und Deutsche Bahn investieren gemeinsam rund 13 Millionen Euro in die Erneuerung des historischen Bauwerks. Diese erhebliche Summe unterstreicht die Bedeutung der Maßnahme für die Infrastruktur in Sachsen und die Notwendigkeit, das denkmalgeschützte Viadukt zu erhalten.

Die Finanzierung solcher Großprojekte erfolgt typischerweise im Rahmen der Bundesschienenwegeausbaugesetze und ist Teil der langfristigen Erhaltungsstrategie für die Eisenbahninfrastruktur in Deutschland. Die Investitionen fließen nicht nur in die unmittelbare Sanierung des Bauwerks, sondern auch in die notwendige Anpassung der Leit- und Sicherungstechnik sowie in die Infrastruktur für den Bahnbetrieb.

Auswirkungen auf den lokalen Verkehr und die Gemeinde

Die Sanierungsarbeiten hatten trotz der gewährleisteten Durchgängigkeit der Strecke Auswirkungen auf den Zugverkehr. Zwischen dem 3. Mai und dem 12. Dezember 2020 kam es auf der Strecke RB 45 Chemnitz–Elsterwerda durch die Sperrung eines Gleises zu Einschränkungen im Zugverkehr. Für Fahrgäste bedeutete dies, mit Verspätungen und möglichen Ausfällen rechnen zu müssen.

Die Stadt Waldheim und die Deutsche Bahn bemühten sich um eine transparente Information der Bevölkerung über die anstehenden Maßnahmen und deren Auswirkungen. Informationsveranstaltungen, wie die für die Kleingärtner vom Pfaffenberg, trugen dazu bei, das Verständnis für die notwendigen Baumaßnahmen zu fördern und mögliche Unannehmlichkeiten zu minimieren.

Gleichzeitig bietet die erfolgreiche Sanierung des Viadukts langfristige Vorteile für die Region: Die Sicherheit des Bahnverkehrs wird erhöht, die Fahrzeiten können durch eine modernisierte Infrastruktur optimiert werden, und das historische Bauwerk bleibt erhalten. Dies trägt zur Attraktivität der Region bei und stärkt den Tourismus, der auch die drei beeindruckenden Viadukte in Waldheim als Sehenswürdigkeiten nutzt.

Fazit

Die Sanierung des Heiligenborner Eisenbahnviadukts in Waldheim ist ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz im Kontext moderner Infrastrukturanforderungen. Das 1852 erbaute denkmalgeschützte Bauwerk wurde in einer Planungs- und Bauzeit von nur fünf Jahren umfassend erneuert und saniert. Mit Investitionen von rund 13 Millionen Euro durch Bund und Deutsche Bahn wurde nicht nur die Sicherheit des Bahnverkehrs langfristig gewährleistet, sondern auch ein bedeutendes technisches Denkmal für zukünftige Generationen erhalten.

Die Herausforderungen der Maßnahme waren vielfältig: Von der Koordination der Bauarbeiten bei aufrechterhaltenem Bahnbetrieb über die komplexe Erneuerung der historischen Gewölbe bis zur Anpassung der signaltechnischen Anlagen. Die Lösung dieser Aufgaben unterstreicht die hohe Kompetenz der am Projekt beteiligten Ingenieure und Facharbeiter.

Die Sanierung des Viadukts zeigt, wie historische Bauwerke mit modernen Anforderungen in Einklang gebracht werden können. Das Heiligenborner Viadukt wird auch in Zukunft als imposantes Zeugnis des 19. Jahrhunderts die Eisenbahnstrecke zwischen Riesa und Chemnitz überspannen und dabei höchsten Sicherheitsstandards genügen. Für Waldheim und die Region bedeutet dies den Erhalt eines wichtigen Infrastrukturknotens und eines architektonischen Wahrzeichens.

Quellen

  1. Sachsen: Deutsche Bahn modernisiert Heiligenborner Eisenbahnviadukt in Waldheim
  2. Waldheim.Seit Juli werden die ersten Vorbereitungen für das Großbauprojekt am Heiligenborner Eisenbahnviadukt getroffen
  3. Die Baumaßnahmen im Überblick
  4. Waldheim. Die Kleingärtner vom Pfaffenberg haben viele Fragen
  5. Waldheimer Viadukte

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