Sanierung des Viktualienmarkts München: Behutsame Modernisierung in Phasen geplant

Einleitung

Der Viktualienmarkt, das historische Herz Münchens und einer der bekanntesten Lebensmittelmärkte Deutschlands, steht vor einer dringend notwendigen Sanierung. Nach über 75 Jahren Betrieb zeigen sich an vielen der 140 Stände erhebliche bauliche und technische Mängel. Während der Münchner Stadtrat bereits 2018 eine umfassende Modernisierung beschlossen hatte, hat sich die Finanzlage der Stadt seitdem deutlich verschlechtert. Aus diesem Grund wird nun ein schrittweiser Ansatz verfolgt, der den Betrieb des Marktes so wenig wie möglich einschränken soll. Die Sanierung soll unter dem Motto "behutsam, sanft und liebevoll" erfolgen, um den typischen Charakter des beliebten Marktes zu bewahren. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, den aktuellen Stand und die geplanten Maßnahmen der Viktualienmarkt-Sanierung.

Historie und Bedeutung des Viktualienmarkts

Der Viktualienmarkt ist mehr als nur ein Lebensmittelmarkt – er ist ein lebendiges Kulturgut Münchens mit einer über 200-jährigen Geschichte. Auf den zwei Hektar Gelände nahe dem Marienplatz haben sich über 140 Händler etabliert, die frische Lebensmittel und Spezialitäten anbieten. Für viele Münchner und Touristen ist der Markt der Ort, an dem man die Stadt "erlebbar, fühlbar, echt" (Quelle 1) machen kann.

Die Bedeutung des Marktes spiegelt sich auch in den Worten der 1. Werkleiterin Kristina Frank wider: "Es stimmt mehr denn je: Das Herz Münchens schlägt am stärksten am Viktualienmarkt!" (Quelle 1). Diese besondere Stellung macht die geplante Sanierung zu einem sensiblen Unterfangen, bei dem nicht nur technische Aspekte, sondern auch die Erhaltung des traditionellen Charakters im Vordergrund stehen.

In den letzten Jahren hat sich der Markt zunehmend zu einer Art Food-Court mit vielfältigen Essensangeboten und einem starken Fokus auf Getränkeangebote entwickelt. Diese Entwicklung wird von Traditionalisten kritisch als "Fressmeile und Saufmarkt" (Quelle 3) betrachtet, was die Notwendigkeit unterstreicht, bei der Sanierung den authentischen Marktcharakter zu bewahren.

Sanierungsbedarf: Ein dringendes Problem

Die Liste der Defizite am Viktualienmarkt ist lang und nachweislich über 75 Jahre Betriebszeit entstanden. Laut dem Kommunalreferat, das bereits 2011 den maroden Zustand der Bausubstanz feststellte (Quelle 3), müssen folgende dringende Probleme gelöst werden:

  • Die Keller der Stände sind niedrig und feucht
  • Fenster und Türen sind sanierungsbedürftig
  • Versorgungs- und Abwasserleitungen sind veraltet und marode
  • Es fehlen Toiletten für Händler und Besucher
  • Lagerflächen sind unzureichend
  • Es fehlt Personalräume für die Händler

Marco Stohr, Sprecher der Interessengemeinschaft Viktualienmarkt (IGV) und Inhaber eines Obst- und Gemüsestands, beschreibt die Situation aus Sicht der Händler: "Mein Keller ist viel zu klein und zu niedrig, die ganze Technik ist kaputt und veraltet. Und jeden Tag stehen hier Leute und fragen nach Toiletten." (Quelle 3)

Diese Probleme sind nicht nur für die Händler belastend, sondern auch für die Besucher des Marktes. Die unzureichende Infrastruktur beeinträchtigt die Attraktivität des traditionellen Marktes und steht im Widerspruch zu seinem Status als Münchner Kulturgut. Die dringende Notwendigkeit einer Sanierung ist daher unbestritten, auch wenn die genaue Umsetzung lange Zeit unklar war.

Entwicklung der Sanierungspläne

Die Diskussionen um eine Sanierung des Viktualienmarkts reichen bereits Jahre zurück. Bereits 2011 stellte das Kommunalreferat den maroden Zustand der Bausubstanz fest (Quelle 3). Fünf Jahre später, im Jahr 2018, beschloss der Münchner Stadtrat eine umfassende Sanierung des gesamten Geländes (Quelle 2, 3).

Dieser ursprüngliche Plan sah eine große, umfassende Modernisierung vor, die jedoch aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt nicht umgesetzt werden konnte. Wie die Quellen berichten, "hat die Stadtkasse sich zwischenzeitlich merklich geleert" (Quelle 2), und das Vorhaben wurde aus dem Haushalt gestrichen.

Die Märkte München (MM), ein dem Kommunalreferat zugeordneter kommunaler Eigenbetrieb, wurden daraufhin beauftragt, die Kosten zu senken und eine alternative Lösung zu erarbeiten (Quelle 2). Das Ergebnis ist ein Phasenplan, der die Sanierung in mehreren Schritten vorsieht.

Der neue Phasenplan

Anstelle einer großen Sanierung wird nun ein schrittweiser Ansatz verfolgt. Dieser Plan wurde von der grün-roten Rathausmehrheit im Dezember 2024 beschlossen, wobei die CSU gegen die Finanzierung für das Jahr 2025 stimmte (Quelle 4).

Der erste Sanierungsabschnitt soll 2027 in Abteilung 2 beginnen, dem Bereich rund um das "Café Nymphenburg" im Westen des Areals (Quelle 2, 3, 4). Die Wahl dieses Bereichs hat praktische Gründe: Die Stadtwerke München (SWM) planen für Frühjahr 2027 den Verlegung von Fernwärmeleitungen unter dieser Abteilung, was ohnehin zu einer Bodenöffnung führen wird (Quelle 2, 4).

Nach der Verlegung der Fernwärmeleitung soll mit dem Bau neuer Kellerräume in diesem Bereich begonnen werden. Diese dienen nicht nur der Verbesserung der Bausubstanz, sondern schaffen auch dringend benötigte zusätzliche Flächen für Toiletten und Lager (Quelle 2, 3).

Die Umsetzung dieses ersten Abschnitts ist jedoch komplexer als zunächst angenommen. Bodenproben haben belastetes Material ergeben, das ausgetauscht werden muss (Quelle 2). Dies erfordert zusätzliche Planungen und Kosten.

Nach Abschluss des ersten Abschnitts sollen schrittweise die anderen Abteilungen des Marktes folgen. Marco Stohr unterstützt diesen Ansatz, da er gewährleistet, dass "der Betrieb am Viktualienmarkt ohne allzu große Einschränkungen gewährleistet" bleibt und gleichzeitig "ein Zeichen an die Händler" ist, "dass endlich was passiert" (Quelle 3).

Kosten und Finanzierung

Die geschätzten Kosten für den neuen Phasenplan belaufen sich auf bis zu 20 Millionen Euro (Quelle 2, 3). Diese Summe ist für die bereits angespannte Stadtkasse eine erhebliche Belastung, was zu weiteren Verzögerungen führte.

Die Stadtkämmerei hat das Vorhaben zunächst abgelehnt (Quelle 3), was die Entscheidung über die Renovierung verzögerte. Die Rathaus-Grünen betonen in einer Mitteilung: "Entzerren darf aber nicht bedeuten, das Projekt zu begraben." Sie fordern stattdessen "einen klugen und tragfähigen Fahrplan" für die Sanierung (Quelle 4).

Um die Finanzierung sicherzustellen, hat die grün-rote Rathausmehrheit im Dezember 2024 den Wirtschaftsplan 2025 beschlossen, um die Finanzierung der Märkte München für das nächste Jahr zu sichern (Quelle 4). Langfristig muss jedoch eine tragfähige Finanzierungslösung für die gesamte Sanierung gefunden werden.

Leitprinzipien der Sanierung

Die Sanierung des Viktualienmarkts soll nicht nur technische und bauliche Mängel beheben, sondern auch den besonderen Charakter des traditionellen Marktes bewahren. Diesem Ziel dienen die Leitprinzipien, die bereits 2017 im Rahmen eines breit angelegten Bürgergutachtens erarbeitet wurden: "behutsam, sanft und liebevoll" (Quelle 1, 4).

Diese Herangehensweise spiegelt die besondere Bedeutung des Viktualienmarkts für Münchner und Touristen wider. Wie Kristina Frank, 1. Werkleiterin und oberste Marktfrau, betont: "Manche Standl sind einfach in die Jahre gekommen und brauchen eine Frischzellenkur. Deswegen werden wir behutsam, sanft und liebevoll sanieren." (Quelle 1)

Das Kommunalreferat hat zudem den Auftrag bekommen, im nächsten Jahr einen detaillierteren Plan vorzulegen, wie der Viktualienmarkt schrittweise auf einen modernen Stand gebracht werden kann, dabei den typischen Charakter des Marktes zu erhalten (Quelle 4).

Herausforderungen und Kritik

Die Sanierung des Viktualienmarkts steht vor mehreren Herausforderungen. Neben den finanziellen Schwierigkeiten gibt es auch Kritik von verschiedenen Seiten:

  1. Finanzielle Herausforderungen: Die geschätzten Kosten von 20 Millionen Euro belasten die Stadtkasse erheblich. Die Ablehnung durch die Stadtkämmerei zeigt, dass die Finanzierung noch nicht gesichert ist (Quelle 3).

  2. Betriebseinschränkungen: Selbst bei schrittweiser Sanierung ist mit Einschränkungen für die Händler und Besucher zu rechnen. Die Sicherstellung des laufenden Betriebs während der Bauphasen ist eine logistische Herausforderung.

  3. Erhalt des Markcharakters: Die Balance zwischen notwendiger Modernisierung und Bewahrung des traditionellen Charakters ist schwierig zu finden. Die Entwicklung des Marktes zu einer "Fressmeile und Saufmarkt" (Quelle 3) zeigt, dass dieser Aspekt bereits vor der Sanierung problematisch war.

  4. Verzögerungen: Der ursprünglich für 2021 geplante Start der Sanierung (Quelle 1) wurde bereits mehrmals verschoben. Der Beginn des ersten Abschnitts ist nun für 2027 vorgesehen, was die Dringlichkeit des Vorhabens infrage stellt.

Zeitplan und nächste Schritte

Der aktuelle Zeitplan für die Sanierung des Viktualienmarkts sieht wie folgt aus:

  • 2025: Das Kommunalreferat soll einen detaillierteren Plan für die schrittweise Modernisierung vorlegen (Quelle 4).
  • Frühjahr 2027: Die Stadtwerke München beginnen mit der Verlegung von Fernwärmeleitungen unter Abteilung 2 (Quelle 2, 4).
  • Nach 2027: Beginn der Sanierungsarbeiten in Abteilung 2 mit dem Bau neuer Kellerräume, unter anderem für Toiletten und Lager (Quelle 2, 3).
  • Danach: Schrittweise Sanierung der anderen Abteilungen des Marktes.

Die Entscheidung über die Renovierung wurde zunächst vom Kommunalausschuss des Stadtrats vertagt und soll nun in der Vollversammlung Ende Juli entschieden werden (Quelle 3). Diese Entscheidung wird entscheidend für die weitere Planung und Umsetzung der Sanierung sein.

Fazit

Die Sanierung des Viktualienmarkts München ist ein dringend notwendiges und gleichzeitig sensibles Projekt. Nach über 75 Jahren Betrieb weisen die 140 Stände erhebliche bauliche und technische Mängel auf, die die Attraktivität des traditionellen Marktes beeinträchtigen. Während der Münchner Stadtrat ursprünglich eine umfassende Sanierung beschlossen hatte, hat die angespannte Finanzlage der Stadt zu einem schrittweisen Ansatz geführt.

Der neue Plan sieht vor, die Sanierung in mehreren Phasen durchzuführen, beginnend 2027 mit dem Bereich um das "Café Nymphenburg". Die geschätzten Kosten von bis zu 20 Millionen Euro belasten die Stadtkasse erheblich und führen zu weiteren Verzögerungen. Dennoch betonen die Verantwortlichen die Notwendigkeit des Projekts und versprechen, den Betrieb so wenig wie möglich einzuschränken und den typischen Charakter des Marktes "behutsam, sanft und liebevoll" zu erhalten.

Die Zukunft des Viktualienmarkts hängt nun von der endgültigen Entscheidung des Stadtrats und der erfolgreichen Finanzierung des Projekts ab. Sollte die Sanierung gelingen, wird das historische Herz Münchens auch in Zukunft als lebendiger Lebensmittelmarkt und Kulturgut bestehen können.

Quellen

  1. Die Sanierung des Viktualienmarkts: Behutsam und Standl für Standl
  2. Für bis zu 20 Millionen Euro: Sanierung des Viktualienmarktes in München soll in Schichten erfolgen
  3. Viktualienmarkt München: Sanierung verzögert sich, Stadtkasse bremst
  4. Viktualienmarkt München: Stadt München beschließt Zeitplan zur Sanierung

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