Einleitung
Das Westbad in Ulm ist seit über 50 Jahren ein integraler Bestandteil der städtischen Schwimm- und Badekultur. Als Sportbad im Ulmer Westen bietet es nicht nur öffentliche Badezeiten, sondern dient auch als Austragungsort für Schulschwimmen, Vereinstrainings und verschiedene Veranstaltungen. In den letzten Jahren hat das Bad jedoch nicht nur bauliche Veränderungen erfahren, sondern steht auch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die Umgestaltung des Umfelds des Westbads zwischen 2015 und 2018 sowie die aktuellen Herausforderungen im Badebetrieb, basierend auf den verfügbaren Informationen.
Die Umgestaltung des Westbad-Umfelds (2015-2018)
Planungs- und Ausführungsphase
Die Umgestaltung des Umfelds des Westbads erfolgte in einem klar definierten Zeitrahmen. Die Planungsphase erstreckte sich von 2015 bis 2018, gefolgt von der Ausführung im Jahr 2018. Bauherr des Projekts war die Sanierungstreuhand Ulm, die für das gesamte Projekt verantwortlich zeichnete. Die Leistungsumfang umfasste alle acht Leistungsphasen, von der Grundlagenermittlung bis zur Bauüberwachung.
Ziele der Umgestaltung
Die Umgestaltung war notwendig geworden, da sich das Umfeld des Westbads durch den Neubau eines Wohn- und Geschäftsgebäudes in der Moltkestraße verändert hatte. Die Neugestaltung sollte mehreren Zielen dienen:
- Schaffung eines barrierefreien Zugangs zum Westbad
- Anlage eines Vorplatzes mit hoher Aufenthaltsqualität
- Herstellung einer Verbindung zum Quartiersplatz am Weststadthaus
- Neugestaltung des gesamten Areals entsprechend den sich verändernden Anforderungen
Kunst im öffentlichen Raum
Ein besonderes Augenmerk lag auf der Integration von Kunst im öffentlichen Raum. Die Skulptur "Windfahnen II" des Künstlers Tomitaro Nachi wurde im Zuge der Umgestaltung an einem neuen Standort platziert. Dies zeigt, dass bei der Umgestaltung nicht nur praktische Aspekte, sondern auch ästhetische und kulturelle Elemente berücksichtigt wurden.
Aktuelle Ausstattung und Betrieb des Westbads
Becken- und Anlagenausstattung
Das Westbad bietet eine vielfältige Ausstattung für unterschiedliche Bedürfnisse:
- Ein 25-Meter-Sportbecken mit 6 Bahnen für ernsthaftes Schwimmen und Training
- Ein separates Nichtschwimmerbecken für weniger geübte Schwimmer
- Ein 3-Meter-Sprungturm (ohne separates Sprungbecken)
- Eine Dampfgrotte für Entspannung
- Ein separates Baby-Planschbecken für Familien mit Kleinkindern
Öffnungszeiten und Badebetrieb
Die Öffnungszeiten des Westbads sind differenziert nach Wochentagen und Zielgruppen:
Öffentlicher Badebetrieb: - Montag: 10:30-13:30 Uhr (Frauenschwimmen) - Mittwoch: 07:00-21:30 Uhr - Freitag: 07:00-21:30 Uhr - Samstag: 12:00-18:00 Uhr - Sonntag: 09:00-15:00 Uhr
Schulschwimmen: - Montag: 13:30-17:00 Uhr - Dienstag: 07:30-17:00 Uhr - Donnerstag: 07:30-17:00 Uhr
Kurs- und Trainingsbetrieb der Vereine: - Montag: 17:00-21:30 Uhr - Dienstag: 17:00-22:00 Uhr - Donnerstag: 17:00-22:00 Uhr
Besonders hervorzuheben ist die traditionell seit über 10 Jahren stattfindende Frauenschwimmenzeit montags vormittags. Zudem bietet das Bad erweiterte Öffnungszeiten in den Schulferien.
Besondere Angebote und Veranstaltungen
Neben dem regulären Badebetrieb dient das Westbad als Austragungsort verschiedener Veranstaltungen und Wettbewerbe. Dazu gehören:
- Der Rhein-Main-Donau-Schulcup
- Die Veranstaltung "Jugend trainiert für Olympia"
Diese Veranstaltungen unterstreichen die Bedeutung des Westbads als sportliche Einrichtung in Ulm.
Kooperationen und Partnerschaften
Das Westbad pflegt Partnerschaften mit verschiedenen Organisationen:
- Offizieller Partner von URBAN SPORTS CLUB
- Kooperation mit EGYM WELLPASS
Diese Partnerschaften bieten Besuchern zusätzliche Vorteile und erweitern das Angebot des Bades.
Finanzierung und Nutzungskonzepte
Voraussetzungen für die Nutzung durch Vereine
Der Kurs- und Trainingsbetrieb im Westbad ist grundsätzlich nur für eingetragene Ulmer Vereine gestattet. Die Beantragung der Nutzung erfolgt über das Online-Formular "Belegung städtischer Bäder". Wichtig ist hierbei, dass Dauerbelegungen maximal für einen Zeitraum von einem Jahr möglich sind, danach muss ggf. eine Neubeantragung erfolgen. Der Antrag stellt jedoch noch keine Zusage dar; diese erfolgt erst nach Prüfung in Form einer schriftlichen Nutzungsgenehmigung.
Kosten für Vereinsnutzung
Die Kosten für den Kursbetrieb der Vereine im Westbad betragen je Bahn 22,50 Euro netto pro Stunde, unabhängig davon, wie viele Personen die Bahn nutzen. Sollte es zu erheblichen Verunreinigungen kommen, behält sich die Stadt Ulm vor, eine Sonderreinigung in Rechnung zu stellen.
Interessant ist jedoch, dass der klassische Sportvereinstrainingsbetrieb unter die Sportförderung der Stadt Ulm fällt. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen werden die Kosten direkt von der Stadt übernommen.
Anforderungen an Nutzer und Leitung
Für die Nutzung des Westbads durch Vereine und Gruppen gelten bestimmte Anforderungen:
- Auf- und Abbau sind, falls erforderlich, vom Nutzer selbst und auf eigene Kosten durchzuführen
- Sorgfalter Umgang mit dem Edelstahlbecken und Einrichtungsgegenständen ist verpflichtend
- Beschädigungen sind sofort zu melden und gehen zu Lasten des Nutzers
- Müll muss in den vorgesehenen Behältern entsorgt werden; übermäßiger Müll muss vom Nutzer selbst entsorgt werden
Die Aufsichtspflicht während des gesamten Kurs- und Trainingsbetriebs liegt beim Nutzer. Die Leitung vor Ort muss mindestens das Rettungsschwimmabzeichen in Silber besitzen und dieses der Abteilung Bildung und Sport vorlegen. Die Verantwortung der Leitung umfasst Beckenaufsicht, Wasserrettung, Wiederbelebung, Erste Hilfe und das Absetzen des Notrufs.
Finanzielle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Aktuelle Defizitsituation
Der Betrieb des Westbads stellt die Stadt Ulm vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Aus dem vergangenen Jahr resultiert ein Defizit von 1,7 Millionen Euro. Besonders besorgniserregend ist, dass die Erlöse gerade einmal 16,4 Prozent der Kosten decken. Dies zeigt, dass das Bad stark subventioniert werden muss, um den Betrieb aufrechterhalten zu können.
Diskussionen über Preiserhöhungen
Angesichts dieser finanziellen Situation möchte die Stadtverwaltung die Eintrittspreise erhöhen. Im jüngsten Bildungsausschuss wurde ein entsprechender Vorschlag eingebracht, der jedoch abgelehnt wurde. Die meisten Räte fanden die vorgeschlagenen Erhöhungen als zu heftig bewertet.
Interessant ist, dass die neuen Preise nach zehn Jahren ohne Erhöhung eigentlich längst fällig wären. Dies deutet darauf hin, dass die Preisstruktur des Westbads seit längerem nicht mehr den tatsächlichen Kosten entspricht.
Besucherzahlen
Trotz der finanziellen Herausforderungen hat das Westbad seine Attraktivität bewahrt. Laut einem Bericht vom Mai 2025 kommen längst wieder so viele Besucher wie vor der Pandemie ins Westbad. Dies zeigt, dass das Bad trotz der Defizite bei den Ulmern und Gästen nach wie vor sehr beliebt ist.
Fazit
Die Umgestaltung des Westbad-Umfelds zwischen 2015 und 2018 hat wichtige Verbesserungen für die Nutzer gebracht. Die Schaffung eines barrierefreien Zugangs, eines ansprechenden Vorplatzes und die Verbindung zum Quartiersplatz am Weststadthaus haben die Aufenthaltsqualität deutlich verbessert. Die Neuplazierung der Skulptur "Windfahnen II" zeigt, dass auch kulturelle Aspekte bei der Umgestaltung berücksichtigt wurden.
Aktuell steht das Westbad jedoch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Das Defizit von 1,7 Millionen Euro und die Tatsache, dass nur 16,4 Prozent der Kosten durch Erlöse gedeckt werden, machen eine Neukonzeption der Finanzierung notwendig. Die Diskussionen um Preiserhöhungen nach zehn Jahren ohne Anpassung zeigen, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.
Dennoch bleibt das Westbad ein wichtiger kultureller und sportlicher Standort in Ulm. Die hohe Besucherzahl nach der Pandemie unterstreicht die Bedeutung des Bades für die Stadt und ihre Bürger. Die Zukunft des Westbads wird davon abhängen, wie die Stadt Ulm die Balance zwischen Erhalt des Angebots, Finanzierbarkeit und sozialer Verträglichkeit der Preise schafft.