Die Restaurierung Quedlburgs: Millioneninvestitionen in das UNESCO-Welterbe

Einführung

Quedlinburg stellt ein einzigartiges Beispiel für gelungene Stadtsanierung nach der Wende dar. Die Altstadt mit ihren rund 2000 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten wurde vor dem drohenden Abriss bewahrt und zu einem der größten Flächendenkmale Deutschlands. Die Restaurierungsmaßnahmen nach 1989 entwickelten sich zu einer Jahrhundertaufgabe, die bis heute andauert. Dieser Artikel beleuchtet die finanziellen Aspekte der Sanierung, die Herausforderungen für die Stadt und die bisher erreichten Ergebnisse.

Die Ausgangslage vor 1989

Die historische Altstadt Quedlinburgs befand sich vor der Wende in einem desolaten Zustand. Die DDR-Ober hatten die Altstadt faktisch aufgegeben, und es drohte ein Flächenabriss. "Ruinen schaffen ohne Waffen", nennt Bürgermeister Eberhard Brecht diese Situation. Die Pläne sahen vor, die historische Bebauung durch sozialistische Plattenbauten zu ersetzen. Diese Vorhabene scheiterten zwar in den 60er Jahren am Geldmangel, jedoch setzte sich der Verfall der Bausubstanz fort.

Erst das Wendejahr 1989 brachte die Rettung für die gefährdete Altstadt. "Das war in Quedlinburg bei den ersten Demonstrationen und Versammlungen in der Wendezeit ein ganz wichtiges Thema", erinnert sich Christa Rienäcker. "Die Leute haben sich aufgelehnt und gesagt: Wir müssen sofort diesen Abriss stoppen!" Dieser zivilgesellschaftliche Widerstand markierte den Beginn einer neuen Ära für die Erhaltung des historischen Stadtbildes.

Beginn der strukturierten Sanierung

Im Jahr 1991 wurde das "Sanierungsgebiet Quedlinburger Innenstadt" förmlich festgelegt. Damit begann eine strukturierte Stadtsanierung auf breiter Front. In dieses Sanierungsgebiet seither viele Millionen Euro Städtebaufördermittel für die Modernisierung von Häusern, Straßen und öffentlichen Anlagen geflossen. Die damit erreichten Verbesserungen sind überall in der Stadt sichtbar geworden.

Die Sanierungsmaßnahmen konzentrierten sich besonders auf die Erhaltung der über 1300 Fachwerkhäuser, unzähligen Jugendstilgebäuden sowie Bauten aus der Romanik und Gotik. "In einer Stadt wie Quedlinburg mit 1300 Fachwerkhäusern, unzähligen Jugendstilgebäuden, Romanik, Gotik, Historie pur", resümiert Thomas Bracht, Geschäftsführer der Tourismus-Marketing GmbH, "da wirst du im Prinzip nie fertig."

Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen

Die Finanzierung der umfangreichen Sanierungsarbeiten stellt die Stadt Quedlinburg vor erhebliche Herausforderungen. Die Stadt muss einen Eigenanteil von maximal 10 Prozent dazuschießen, wenn Bund und Land Geld für die Sanierung geben - und schon das schafft das Städtchen mit seinen 21.000 Einwohnern kaum. "In einem Erker des historischen Rathauses war in früheren Jahrhunderten die Stadtkasse untergebracht. Doch da habe er leider keine Geldvorräte mehr gefunden, seufzt Brecht mit einem Anflug von Galgenhumor."

Die finanzielle Unterstützung durch Bund und Land hat sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. "Dieser Mittelzufluss, der mal in vollem Schwall geflossen ist, tröpfelt nur noch, und die Stadt hat auch das Problem, die Eigenmittel aufzubringen", erklärt Bürgermeister Brecht. Die westlichen Bundesländer melden ebenfalls eigenen Bedarf an, was die Konkurrenz um die verfügbaren Mittel erhöht.

Die Sanierung kostet weiterhin Millionen Euro, die finanzielle Belastung für die Stadt bleibt hoch. Gleichzeitig fehlt es an Industrie, die Steuereinnahmen generieren könnte. "Noch zahlen die Hoteliers und Restaurantbesitzer ihre Kredite ab und daher kaum Steuern. Industrie gibt es kaum, und so hat Bürgermeister Eberhard Brecht 'ein ganz ernstes Problem', wie er sagt."

Die Ergebnisse der Sanierung

Trotz der finanziellen Herausforderungen konnte in den vergangenen 20 Jahren beachtliches erreicht werden. Allein 700 Fachwerkhäuser wurden wieder instand gesetzt, viele von Privatleuten. Die damit erreichten Verbesserungen sind überall in der Stadt sichtbar geworden.

Die Bemühungen wurden international anerkannt: Die UNESCO erklärte Quedlinburg 1994 zum Weltkulturerbe. "Das ist das höchste touristische Label, das man überhaupt weltweit bekommen kann", sagt Thomas Bracht. "Das ist eine unglaubliche PR-Geschichte für uns, die man nicht bezahlen könnte."

Diese Auszeichnung hat Quedlinburg zu einem internationalen Touristenmagnet gemacht. Inzwischen bringt die Stadt es auf 1,5 Millionen Tagestouristen im Jahr. "Das schafft zwar Arbeitsplätze, spült aber bisher nur wenig Geld in die leeren Stadtkassen", so die Einschätzung der Verantwortlichen.

Bodenwerterhöhungen und Ausgleichsbeträge

Eine besondere finanzielle Herausforderung stellen die Bodenwerterhöhungen durch die Sanierungsmaßnahmen dar. Die Durchführung städtebaulicher Maßnahmen führt zu einer Werterhöhung der Grundstücke. Dieser Bodenwertunterschied, zwischen Beginn und Ende der Sanierung, wird als Ausgleichsbetrag bezeichnet.

Spätestens nach Aufhebung des Sanierungsgebietes - voraussichtlich im Jahr 2036 - müssen Grundstückseigentümer gemäß BauGB einen Ausgleichsbetrag für die Bodenwerterhöhungen zahlen. Diese Werterhöhung ist vom Eigentümer an die Gemeinde zu entrichten.

Die Bodenwertsteigerungen in der Welterbestadt Quedlinburg liegen in den einzelnen Bodenrichtwertzonen zwischen 4 Euro und 23 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Die bereits durchgeführten Sanierungsmaßnahmen sowie die beschlossenen Sanierungsziele wurden bei der Bewertung berücksichtigt.

Vorzeitige Zahlung von Ausgleichsbeträgen

Das Baugesetzbuch ermöglicht auch eine Zahlung des Ablösebetrages auf Basis freiwilliger Ablösevereinbarung. Der Stadtrat hat seit 2013/2014 bisher für 14 Bodenrichtwertzonen im Sanierungsgebiet der Welterbestadt die vorzeitige und freiwillige Ablöse beschlossen. Für vier dieser Zonen kann aktuell ein Rabatt in Anspruch genommen werden.

Grundstückseigentümer, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, können dabei sparen. Grundlage für die Berechnung ist ein Gutachten, welches durch den Gutachterausschuss des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation erstellt wird. Diese Möglichkeit bietet den Eigentümern Planungssicherheit und finanzielle Vorteile.

Aktuelle Sanierungsprojekte

Zurzeit wird der Schlossberg stabilisiert, der aus weichem, empfindlichem Sandstein besteht. Diese Maßnahme ist besonders aufwendig und teuer, da es sich um ein technisch anspruchsvolles Projekt handelt.

Parallel dazu werden weiterhin einzelne Fachwerkhäuser saniert und öffentliche Anlagen modernisiert. "Schritt für Schritt wird weiter saniert", beschreibt Christa Rienäcker den Prozess. Sie ist froh, dass ihre Stadt zu neuem Leben erweckt wurde: "Ich freue mich über jedes Haus, das in Ordnung kommt".

Die Zukunft der Sanierung

Die Sanierungsarbeiten in Quedlinburg werden voraussichtlich bis zum Jahr 2036 andauern. Bis dahin werden weitere Millionen Euro investiert werden müssen. Die Stadt hofft, dass sich Industriebetriebe ansiedeln und der Stadt Steuereinnahmen bringen, um die finanziellen Herausforderungen zu bewältigen.

Tourismus-Fachmann Bracht wünscht sich neue Hotels mit vielen Betten, denn an den Wochenenden reichen die gegenwärtigen Kapazitäten nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Diese Erweiterungen könnten zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und die wirtschaftliche Basis der Stadt stärken.

Fazit

Die Sanierung der Quedlinburger Altstadt nach 1989 stellt eine der größten Restaurierungsmaßnahmen in Deutschland dar. Seit 1991 wurden viele Millionen Euro Städtebaufördermittel in die Modernisierung der Fachwerkhäuser, Straßen und öffentlichen Anlagen investiert. In den vergangenen 20 Jahren konnten allein 700 Fachwerkhäuser wieder instand gesetzt werden, viele von Privatleuten.

Die Stadt muss dabei einen Eigenanteil von maximal 10 Prozent der Kosten aufbringen, was für die Kleinstadt mit ihren 21.000 Einwohnern eine erhebliche finanzielle Belastung darstellt. Die Sanierungsarbeiten sollen voraussichtlich im Jahr 2036 abgeschlossen sein, wonach Grundstückseigentümer einen Ausgleichsbetrag für die Bodenwerterhöhungen zahlen müssen.

Die UNESCO-Auszeichnung von 1994 machte Quedlinburg zu einem internationalen Touristenmagnet mit 1,5 Millionen Tagesbesuchern im Jahr. Während dies zwar Arbeitsplätze schafft, fließt bisher nur wenig Geld in die leeren Stadtkassen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Stadt ihre wirtschaftliche Basis stärken kann, um das einzigartige Welterbe auch langfristig zu erhalten.

Quellen

  1. UNESCO-Weltkulturerbe und Besuchermagnet
  2. Sanierungsgebiet - Ausgleichsbetrag
  3. Quedlinburg am Harz – Nordrand

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