Sanierung und Erweiterung des Wilhelmsgymnasiums München: Eine Symbiose aus Historie und Moderner Schularchitektur

Einleitung

Das Wilhelmsgymnasium München, als ältestes Gymnasium der Stadt mit einer 450-jährigen Geschichte, durchlief in den Jahren 2015 bis 2018 eine umfassende Sanierung und Erweiterung. Dieses prestigeträchtige Bauprojekt stellt eine gelungene Symbiose zwischen historischer Bausubstanz und moderner Schularchitektur dar. Nach vierjähriger Bauzeit wurde das Gebäudeensemble mit Ausnahme der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses vollständig entkernt und modernisiert. Die Sanierung war überfällig, da massive Feuchtigkeitsschäden, veraltete Haustechnik, fehlender Brandschutz und eine kaum noch funktionierende Heizung eine grundlegende Erneuerung erforderten. Mit Gesamtkosten von rund 53,6 Millionen Euro, davon 46,3 Millionen Euro für die Bauarbeiten und 7,3 Millionen Euro für das Ausweichquartier, wurde das Projekt im geplanten Zeitrahmen und sogar mit einer Million Euro Rückzahlung aus der Risikoreserve abgeschlossen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses bemerkenswerten Bauprojekts, von den historischen Wurzeln der Institution bis zu den modernen architektonischen und pädagogischen Lösungen.

Historischer Hintergrund und Baugeschichte

Die Anfänge und der Neubau im 19. Jahrhundert

Das Wilhelmsgymnasium München blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Als ältestes Gymnasium der Stadt mit 450 Jahren Tradition hat es bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht, darunter bekannte Namen wie Roland Berger, Carl Spitzweg, Ludwig Thoma, Konstantin Wecker, Julian Nida-Rümelin und Klaus Mann, aber auch die kontroversen Figuren wie Heinrich Himmler. Die Schule hat eine humanistische Ausrichtung, die sich auch in der Architektur und Gestaltung des Gebäudes widerspiegelt.

Als die Räume in der Herzogspitalstraße 18 zu klein geworden waren, wurde ein Neubau erforderlich. Die Kritik an den unzumutbaren Bedingungen der provisorischen Unterbringung und die Anforderungen eines umfassenderen Bildungsbegriffs beschleunigten Mitte des 19. Jahrhunderts das Projekt. Mit finanzieller Unterstützung König Ludwigs II. wurde nach den Plänen Karl von Leimbachs in den Jahren 1875 bis 1877 der Neubau im Stil der Neorenaissancefassade im Münchner Lehel errichtet. Dieser Baustil prägt bis heute das Erscheinungsbild des historischen Teils des Gebäudes.

Zerstörung und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Wilhelmsgymnasium schwer beschädigt. In der Nachkriegszeit erfolgte in den Jahren 1952 bis 1958 ein stark veränderter Wiederaufbau der Anlage. Diese Bauphase prägte das Erscheinungsbild des Gebäudes für die folgenden Jahrzehnte.

Seit Beginn der 1970er Jahre werden Mädchen an der Schule aufgenommen, was den Beginn der Koedukation markierte. Ende der 1980er Jahre wurde das Treppenhaus in Form und Farbgestaltung rekonstruiert, um den historischen Charakter des Gebäudes wiederherzustellen. Parallel dazu wurde der Schulhof umgestaltet, und im Jahr 2006 wurde ein neuer Aufenthaltsraum für die G8-Schüler geschaffen. Diese Maßnahmen zeigen die kontinuierliche Anpassung der Schule an sich verändernde pädagogische Anforderungen und bauliche Gegebenheiten.

Die umfassende Sanierung 2015-2018

Notwendigkeit und Umfang der Sanierung

Im August 2015 begann eine der umfassendsten Sanierungsmaßnahmen in der Geschichte des Wilhelmsgymnasiums. Die Sanierung war überfällig, da der Zahn der Zeit an dem Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäude nagte: Massive Feuchtigkeitsschäden, eine veraltete Haustechnik, fehlender Brandschutz und eine kaum noch funktionierende Heizung forderten zwingend eine komplette Sanierung. Um den Schulbetrieb während der Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, wurde der Unterricht des Wilhelmsgymnasiums in eine Containerburg in Nachbarschaft des Chinesischen Turmes im Englischen Garten verlegt, wo sich derzeit die Städtische Helen-Keller-Realschule München befindet.

Im Zuge der Umbauarbeiten entstanden unter anderem eine Sporthalle unterhalb des Pausenhofs und ein neues Stockwerk über dem Ostflügel des Gebäudes. Während der Bauzeit wurde das Gebäude im Rahmen der umfassenden Sanierung mit Ausnahme der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses vollständig entkernt. Diese Maßnahme ermöglichte eine grundlegende Modernisierung der Räumlichkeiten und Infrastruktur, während das historische Erbe der Schule bewahrt blieb.

Finanzierung und Zeitplan

Der Stadtrat München bewilligte für das Großprojekt Baukosten in Höhe von 46,34 Millionen Euro. Hinzu kamen noch Kosten von über sieben Millionen Euro für das Ausweichquartier an der Oettingenstraße, wo die Schüler während der Sanierung Unterschlupf fanden. Damit beliefen sich die Gesamtkosten auf rund 53,6 Millionen Euro.

Das Projekt wurde im geplanten Zeitrahmen realisiert, wie auch die Baukosten. "Gut eine Million Euro aus der Risikoreserve geht sogar zurück an die Stadt", so Detlev Langer, Hauptabteilungsleiter Hochbau im Baureferat. Diese positive Finanzentwicklung unterstreicht die professionelle Planung und Durchführung des Bauprojekts durch die Stadtverwaltung München.

Architektonische Besonderheiten der Sanierung

Erhalt des historischen Erbes

Die Sanierung des Wilhelmsgymnasiums zeichnet sich durch eine bewusste Balance zwischen historischer Substanz und moderner Architektur aus. Vom Schultrakt entlang der Maximilianstraße blieb nur die Fassade stehen – ein bewusster Entscheid zum Erhalt des historischen Charakters. Das Gebäude dahinter war nicht denkmalgeschützt und konnte daher vollständig modernisiert werden.

Im Eingangsbereich des sanierten Gymnasiums bietet sich ein krasser Gegensatz: Marmorsäulen, eine Tafel mit eingravierter lateinischer Schrift, dazu ein imposantes Eisentor vor dem Treppenhaus. Nur ein Kopfschwenk nach rechts zeigt das genaue Gegenteil: einen hellen, weißen Gang, der schnörkellos und beinahe steril wirkt. Hier treffen Historie und Moderne aufeinander, wie es das Leitbild des 450 Jahre alten humanistischen Gymnasiums vorsieht.

Raumneugestaltung und -erweiterung

Die Architekten nutzten die Sanierung, um das Raumangebot der Schule deutlich zu erweitern. Im nicht denkmalgeschützten Trakt wurde ein Stockwerk mehr als bisher untergebracht. Insgesamt verfügt das dreizügige Wilhelmsgymnasium mit seinen 560 Schülern nun über 1650 Quadratmeter zusätzliche Fläche, was fünf zusätzlichen Klassenzimmern sowie neuen Fachlehrsälen entspricht.

Die Klassenzimmer wurden neu eingerichtet, mit Whiteboard und Beamer statt grüner Tafel vorn und "hinten einer Magnet-Pinnwand mit Akustikfunktion", wie es heißt. Diese spezielle Ausstattung soll den Geräuschpegel im Raum senken. Die moderne technische Ausstattung der Unterrichtsräume entspricht den pädagogischen Anforderungen des 21. Jahrhunderts und schafft eine optimale Lernumgebung für die Schüler.

Einzigartige Gestaltungselemente

Besonders sichtlich stolz ist Schulleiter Michael Hotz auf die 21 mächtigen Statuen, die in einem Flur auf 30 Meter Länge aufgestellt sind. Es handelt sich um Kopien von Figuren aus dem Zeustempel im antiken Olympia, die 1972 im Deutschen Museum ausgestellt waren, 1976 in einem Lager verschwanden und nun als Dauerleihgabe im Wilhelmsgymnasium zu sehen sein werden. Diese Kunstschätze verleihen der Schule einen besonderen kulturellen Charakter und unterstreichen die humanistische Tradition der Anstalt.

Besonders bemerkenswert ist auch die neue Pausenhalle, die erstmals im Obergeschoss über der Sporthalle entstand. Diese Maßnahme schafft den Schülern bei Regenwetter einen adäquaten Aufenthaltsraum, so dass sie sich nicht mehr nur in den Gängen herumdrücken müssen. Von der gläsernen Pausenhalle führt eine Treppe hinab in die Turnhalle. Es gibt noch eine zweite Treppe, schon wegen des Brandschutzes. "Und einen Aufzug gibt es natürlich auch, wegen der Barrierefreiheit", merkt Stadtschulrätin Beatrix Zurek an.

Die neue Sporthalle im Untergeschoss

Innovative Konstruktion und Ausstattung

Eine der bemerkenswertesten Neuerungen der Sanierung ist die neue Sporthalle, die sich in elf Metern Tiefe unterhalb des Pausenhofs befindet. Diese innovative Konstruktion ermöglichte die Schaffung einer modernen Sportstätte ohne wertvollen Platz auf dem Schulgelände zu opfern.

Um beim Sportunterricht keine Bunker-Stimmung aufkommen zu lassen, sorgen spezielle LED-Lampen für einen Tageslicht-Eindruck. Diese durchdachte Beleuchtungslösung schafft eine angenehme Atmosphäre für den Sportunterrieb und hebt sich positiv von der typischen düsteren Wirkung von unterirdischen Räumen ab.

Anbindung an das bestehende Gebäude

Die neue Sporthalle ist optimal in das bestehende Gebäudeensemble integriert. Von der gläsernen Pausenhalle führt eine Treppe hinab in die Turnhalle. Aus Brandschutzgründen wurde eine zweite Treppe installiert. Für die Barrierefreiheit wurde selbstverständlich auch ein Aufzug in das Baukonzept integriert. Diese durchdachte Erschließung gewährleistet einen barrierefreien Zugang zu allen Bereichen der Schule und erfüllt somit die aktuellen Anforderungen an moderne Schularchitektur.

Moderne Infrastruktur und pädagogische Konzepte

Technische Ausstattung der Klassenzimmer

Die sanierten Klassenzimmer des Wilhelmsgymnasiums entsprechen modernen pädagogischen Anforderungen. Anstelle der traditionellen grünen Tafeln wurden Whiteboards und Beamer installiert. Zusätzlich wurde hinten im Raum eine Magnet-Pinnwand mit Akustikfunktion angebracht, die den Geräuschpegel im Raum senken soll. Diese technische Ausstattung unterstützt die moderne Unterrichtsgestaltung und schafft eine optimale Lernumgebung für die Schüler.

Gemeinschaftsräume und Pausenbereiche

Die Sanierung schuf auch verbesserte Gemeinschaftsräume und Pausenbereiche für die Schüler. Insbesondere die neue Pausenhalle, die erstmals im Obergeschoss über der Sporthalle entstand, bietet den Schülern bei Regenwetter einen adäquaten Aufenthaltsraum. Die gläserne Gestaltung dieser Halle schafft eine helle und freundliche Atmosphäre und fördert so das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern.

Ein weiteres Highlight des renovierten Gebäudes ist die Möglichkeit, die Kantine der Regierung von Oberbayern mitzubenutzen, wie Schulleiter Michael Hotz erklärt. "Die Kantine der Regierung von Oberbayern, bei der seine Schule mitversorgt wird, erfülle alle Ansprüche", so Hotz. Diese Lösung vermeidet die Notwendigkeit einer eigenen Schulmensa und ermöglicht den Schülern dennoch eine hochwertige Verpflegung während der Schulzeit.

Bewertung und Fazit der Sanierung

Erfolgreiche Umsetzung des Projekts

Die Sanierung des Wilhelmsgymnasiums München wird von allen Beteiligten als voller Erfolg angesehen. "Wenn wir bauen, dann bauen wir gescheit", so Münchens dritte Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die eine der großen Befürworterinnen des Großprojekts war. Ihr Fazit nach der Besichtigung der renovierten Räume: "Hier kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen."

Schulleiter Michael Hotz äußerte sich ebenfalls positiv: "Das Ergebnis der Sanierung toppt alles", sagte er. Diese positive Einschätzung unterstreicht die gelungene Umsetzung des Projekts und die hohe Qualität der Arbeiten.

Balance zwischen Tradition und Moderne

Die Sanierung gelingt insbesondere in der Balance zwischen Bewahrung historischer Substanz und Einführung moderner Elemente. Die denkmalgeschützte Fassade und das rekonstruierte Treppenhaus bewahren den historischen Charakter der Schule, während die neuen Räumlichkeiten und die moderne Ausstattung den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechen. Diese Balance entspricht dem Leitbild des 450 Jahre alten humanistischen Gymnasiums und schafft eine Identität behaltende, aber dennoch zukunftsorientierte Lernumgebung.

Wirtschaftliche und pädagogische Effizienz

Das Projekt wurde nicht nur ästhetisch und funktional erfolgreich umgesetzt, sondern auch wirtschaftlich effizient realisiert. Mit einer Gesamtkosten von rund 53,6 Millionen Euro und einer Rückzahlung von einer Million Euro aus der Risikoreserve an die Stadt zeigt das Projekt eine hohe Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig verbessert die Sanierung die pädagogischen Bedingungen für die 560 Schüler des Wilhelmsgymnasiums nachhaltig und schafft so einen langfristigen Mehrwert für die Bildungseinrichtung.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung des Wilhelmsgymnasiums München stellt ein herausragendes Beispiel für die gelungene Verbindung von historischer Bausubstanz und moderner Schularchitektur dar. Nach vierjähriger Bauzeit wurde das Gebäudeensemble mit Ausnahme der denkmalgeschützten Fassade und des Treppenhauses vollständig entkernt und modernisiert. Die Schaffung zusätzlicher 1650 Quadratmeter Fläche, darunter fünf neue Klassenzimmer und Fachlehrsäle, sowie die innovative unterirdische Sporthalle in elf Metern Tiefe haben die räumlichen und pädagogischen Bedingungen der Schule nachhaltig verbessert.

Das Projekt wurde im geplanten Zeitrahmen und sogar mit einer Million Euro Rückzahlung aus der Risikoreserve abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 53,6 Millionen Euro, davon 46,3 Millionen Euro für die Bauarbeiten und 7,3 Millionen Euro für das Ausweichquartier. Die Balance zwischen Erhalt des historischen Erbes und Einführung moderner Elemente entspricht dem Leitbild des 450 Jahre alten humanistischen Gymnasiums und schafft eine Identität behaltende, aber dennoch zukunftsorientierte Lernumgebung.

Die positive Bewertung durch die Schulleitung, die Stadtverwaltung und die Schüler zeigt, dass die Sanierung nicht nur baulich, sondern auch pädagogisch erfolgreich war. Das Wilhelmsgymnasium München präsentiert sich heute als moderne Bildungseinrichtung, die ihre historische Würde bewahrt hat und gleichzeitig den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Dieses Projekt dient als Vorbild für zukünftige Sanierungsprojekte an historischen Schulgebäuden in ganz Deutschland.

Quellen

  1. Wiedereröffnung Wilhelms-Gymnasium München
  2. Wilhelmsgymnasium München
  3. Münchens schönste Schule: Renovierung am Wilhelmsgymnasium abgeschlossen
  4. Wilhelmsgymnasium im Lehel: Münchens ältestes Gymnasium sieht aus wie neu

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