Sanierung von Zechenhäusern: Wohnen im historischen Erbe mit hohem Erhaltungsaufwand und attraktiven Fördermöglichkeiten

Die Sanierung von Zechenhäusern, vor allem jener aus der Zeit um 1900, ist in Deutschland ein etabliertes und nach wie vor wachsendes Themenfeld innerhalb des Immobilienmarktes. Diese Gebäude, die einst als Heim für Bergleute in bergbautreibenden Regionen wie dem Ruhrgebiet entstanden, genießen heute ein starkes Image als Wohnsitz mit einzigartiger Atmosphäre, historischem Charme und hohem Erhaltungswert. Die Quellenmaterialien legen eindeutig nahe, dass die Sanierung solcher Häuser nicht nur möglich, sondern in vielen Fällen sogar wirtschaftlich sinnvoll ist – insbesondere bei Nutzung von Fördertöpfen und regionalen Förderprogrammen. Dieser Artikel beleuchtet die wirtschaftlichen, baulichen und sozialen Rahmenbedingungen für die Sanierung von Zechenhäusern, wobei die Aussagen ausschließlich auf den bereitgestellten Quellen basieren.

Historische Bedeutung und heutiger Stellenwert von Zechensiedlungen

Zechenhäuser gelten in weiten Teilen Deutschlands – insbesondere im Ruhrgebiet – als Synonym für sozialen Wandel und industrielle Geschichte. Als ehemalige Wohnsiedlungen für Bergleute wurden sie in den 1920er und 1930er Jahren erbaut, um den Bedarf an Wohnraum in engen räumlichen Nähe zu den Gruben zu decken. Diese Gebäude, die meist in Reihenbauweise errichtet wurden, zeichnen sich durch einen charakteristischen, schlichten Bausatz aus. Laut den Quellen war die ursprüngliche Planung solcher Siedlungen eng mit der sozialen Struktur der Bergbaugesellschaften verknüpft.

Bis in die 1970er und 1980er Jahre galten Zechensiedlungen den meisten Städten und Politikern als Schandfleck. Die Ansiedlung war geprägt durch mangelhafte Instandhaltung, hohe Feuchtigkeitswerte, mangelhafte Bausubstanz und eine abgenutzte Wohnqualität. Viele Ortschaften wollten deshalb die gesamten Siedlungen abreißen, um Neubaugebiete zu schaffen – ein Konzept, das in Teilen des Ruhrgebiets, wie in Gelsenkirchen-Ückendorf, sogar in den Planungen stand. Dort sollte das Flöz Dickebank-Gebiet, das 1900 bezogen wurde, durch Hochhäuser ersetzt werden, um dem „Bedarf an moderner Wohnraumnutzung“ zu entsprechen. Die Bewohner leisteten jedoch Widerstand. Über einen Zeitraum von zwei Jahren leisteten sie Widerstand gegen Zwangsräumungen und versuchten, die Erhaltung ihrer Heimat zu sichern. Dieser Bürgerwille setzte sich letztlich durch – die Siedlung blieb erhalten und wurde schließlich saniert.

Die heutige Sichtweise ist eine andere. Heute gelten sanierte Zechenhaus-Siedlungen als begehrt. Besonders in Städten wie Oberhausen, Bottrop oder Herten genießen solche Wohnungen und Häuser ein hohes Ansehen. Sie gel gelten als Synonym für Wohnqualität, Ruhe und Nähe zur Natur, verbunden mit der Atmosphäre einer Kleinsiedlung. In Herten beispielsweise erhielt die Familie Kempf für die Sanierung der Fassade ihres Steigerhauses aus dem Jahr 1920 einen Zuschuss von 50 Prozent. Dieses Förderprogramm der Stadt Herten ist ein Beleg dafür, dass Städte nunmehr aktiv in die Erhaltung und Sanierung historischer Gebäude investieren, um so soziale und städtebauliche Ziele zu verfolgen. Die Bewohner berichten, dass sie sich wie auf dem Land fühlen – mit engem sozialen Miteinander, wo jeder jeden kennt.

Bauzustand und Sanierbedarf: Typische Bauteile im Fokus

Die Sanierung von Zechenhäusern setzt in der Regel einen umfassenden Erneuerungsbedarf an allen Bauteilen voraus, da viele Gebäude seit der Fertigstellung vor mehr als 100 Jahren keiner umfassenden Modernisierung unterzogen wurden. Laut den Quellen ist ein solcher Erhaltungsbedarf bei vielen Häusern nicht nur gegeben, sondern oft bereits im Kaufpreis verankert. Im Fall des hier als Beispiel dienenden Hauses in Bockum-Hövel, das rund 115 m² Wohnfläche aufweist, ist ein umfassender Sanierungsbedarf festzustellen.

Besonders betroffen sind die folgenden Bauteile: - Fenster: Die Fenster sind im Bestand nicht mehr energetisch ausreichend. Laut Quelle 1 sind sie zu ersetzen. - Heizung: Auch die Heizungsanlage ist nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz und Energieeinsparung genügend. Sie bedarf einer Modernisierung oder Neuinstallation. - Elektrik: Die elektrische Installation ist ebenfalls alt und muss auf den heutigen Stand gebracht werden. Dies ist notwendig, um die Anforderungen an den sicheren Betrieb von Haushaltsgeräten, insbesondere in Kombination mit modernen Heizsystemen, zu erfüllen. - Badezimmer und Gäste-WC: Diese Räume erfordern einen optischen und funktionalen Neuausbau. Die Bäder und sanitären Einrichtungen sind altbacken und bieten keinen modernen Wohnkomfort. - Böden und Wände: Auch die Innenwände und Bodenbeläge bedürfen der Pflege oder Neuverlegung. Die Böden sind meist aus Holz oder alten Fliesen, die nicht mehr den heutigen Belastungsanforderungen genügen.

Besonders hervorgehoben wird in Quelle 4, dass die Kosten für Bodenarbeiten nicht pauschal ermittelt werden können. Das bedeutet, dass die Kosten für Bodenbeläge, Estricharbeiten, Bodenheizungen oder die Sanierung von Dielen je nach Ausgangszustand, Materialart und Flächengröße stark variieren. Dieses hohe Kostenpotential führt dazu, dass die Gesamtsanierungskosten eines solchen Hauses zwischen 121.000 und 208.000 Euro liegen können.

Zusätzlich zu diesen Innenbaumaßnahmen ist auch die Außensanierung von Bedeutung. So erhielt die Familie Kempf in Herten für die Fassadensanierung einen Zuschuss von 50 Prozent. Dieser Betrag wurde über ein Förderprogramm der Stadt gewährt. Die Fassade ist dabei ein zentraler Punkt, da sie das Erscheinungsbild eines Hauses bestimmt. Eine Fassadensanierung umfasst meist die Dämmung der Fassade, die Verkleidung mit modernen Materialien wie Holz- oder Fassadenplatten und gegebenenfalls die Neugestaltung von Fenstern und Türen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Preise, Kosten und Förderungen

Die Wirtschaftsrechnung für die Sanierung von Zechenhäusern ist in mehreren Schritten zu betrachten. Die Quellen deuten auf eine deutliche Spannweite der Kosten hin, die je nach Zustand des Hauses, Ausmaß der Sanierung und Standortlage variieren. So liegen die Preise für sanierte Zechenhäuser nach Angaben aus Quelle 2 zwischen 900 und 1150 Euro je Quadratmeter. Dieser Bereich gilt als Niveau für Immobilien, die bereits saniert wurden, aber dennoch im Einklang mit dem historischen Charakter erhalten blieben.

Für den Fall, dass eine umfassende Sanierung notwendig ist, ist die Gesamtkostenübersicht erheblich höher. Laut Quelle 4 belaufen sich die Gesamtkosten für die Sanierung eines Beispielfalls auf 121.000 bis 208.000 Euro. Diese Summe schließt die Kosten für Heizung, Elektrik, Bad, Einbauküche, Bodenbeläge und Fassadensanierung ein. Die Kostenspanne ist breit bemessen, da die Art der Materialien, die Ausführungshöhe und die Marktpreise für Handwerkerleistungen stark variieren.

Ein besonderer Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist die Förderung durch Kommunen. So erhielt die Familie Kempf in Herten 50 Prozent Zuschuss für die Fassadensanierung. Dieses Programm war ab dem Jahr 2023 bis zum Sommer 2024 laufend und wurde nach Antragstellung gewährt. Solche Maßnahmen sind kein Einzelfall. In anderen Städten wie Oberhausen oder Bottrop gibt es vergleichbare Programme. In Oberhausen wurde beispielsweise die Sanierung des ehemaligen Bergarbeiterquartiers in Stemmersberg über ein Projekt der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) finanziert. Dafür wurden insgesamt rund 38 Millionen Euro in 396 Wohnungen investiert. Trotz dieser hohen Summe blieb die Miete moderat – knapp über vier Euro je Quadratmeter.

Ein weiterer Faktor für die Wirtschaftlichkeit ist die Eigenleistung der Käufer. In einigen Fällen, wie bei der Phoenixstraße in Oberhausen, übernahm das Immobilienunternehmen lediglich die Außenarbeiten, während die Innenräume von den Eigentümern selbst gestaltet wurden. Dieses Modell ermöglicht es, die Kosten zu senken. Die Anschaffungskosten für das Grundstück lagen bei rund 90.000 Euro, die Innenbaumaßnahmen – inklusive Heizung und Einbauküche – wurden mit 30.000 bis 50.000 Euro veranschlagt. Damit ergibt sich ein Gesamtaufwand von etwa 120.000 bis 140.000 Euro, der über die Kosten der reinen Fassadensanierung hinausgeht.

Zusätzlich zu diesen reinen Sanierungskosten ist die Instandhaltung und der Erhalt der Innenräume zu berücksichtigen. In einigen Fällen wird die Sanierung von Innenräumen von den Eigentümern selbst durchgeführt, um die Kosten zu senken. Dieses Vorgehen erfordert jedoch eine hohe Eigenleistung und Kenntnisse im Baugewerbe. Insbesondere bei der Sanierung von Böden, Wänden und Decken sind Fachkenntnisse nötig, da es oft um die Erhaltung historischer Elemente gehen kann.

Fördertöpfe und kommunale Förderprogramme: Wie nutzen?

Die Bereitstellung von Fördermitteln durch Kommunen ist ein zentraler Schlüssel für die Sanierung von Zechenhäusern. Ohne solche Zuschüsse wäre die Sanierung vieler Gebäude wirtschaftlich nicht tragbar. In Herten beispielsweise wurde ein Fördertopf für die Fassadensanierung eingerichtet. Die Familie Kempf erhielt dafür 50 Prozent Zuschuss. Das Programm war bis zum Sommer 2024 laufend. Die Antragsstellung war nach erteilter Denkmalschutzgenehmigung möglich. Dies zeigt, dass kommunale Förderungen nicht automatisch, sondern an Bedingungen geknüpft sind, die eine fachgerechte Sanierung und den Erhalt des Denkmalschutzes sichern sollen.

Solche Programme sind in Städten des Ruhrgebiets verbreitet. In Bottrop beispielsweise wird die Sanierung von Zechenhäusern blockweise durchgeführt – von der Deutschen Annington, die im Auftrag von Stadt und Landesentwicklungsgesellschaften tätig ist. Diese Sanierungsarbeiten sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und stadtbaulich sinnvoll. Sie stellen sicher, dass in Stadtteilen, in denen zuvor Wohnraum fehlte, nunmehr wieder Wohnraum entsteht. Besonders deutlich wird dies in der Siedlung Rheinbaben, in der die Häuser oft unter 70 m² Wohnfläche aufweisen. Diese Fläche ist in der heutigen Wohnraumversorgung gering, aber durch den Ausbau von Dachgeschossen und Kellern kann die Fläche um 20 m² und mehr erhöht werden.

Die Maßnahmen zur Flächensteigerung sind dabei nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um den Bedarf an Wohnraum zu decken. Viele Eigentümer bauen ihre Häuser deshalb selbst aus. Dies geschieht entweder durch Anbau von Dachgeschossen oder durch die Umwandlung von Kellerräumen in genutzte Räume. Diese Maßnahmen sind jedoch mit hohen Baukosten verbunden. Sie erfordern jedoch keine Genehmigung durch die Behörden, solange der Bau den denkmalpflegerischen Vorgaben entspricht.

Ein weiterer Faktor ist die Miete. In einigen Fällen ist die Miete trotz hoher Sanierungskosten niedrig. In Oberhausen lag die Miete bei knapp über vier Euro je Quadratmeter. Dieses Niveau ist im Vergleich zu modernen Neubauten im Ruhrgebiet sehr niedrig. Es spricht dafür, dass die Miete nicht allein auf der Mieteinbruchskostenbasis berechnet wird, sondern dass die öffentliche Förderung auch den Mietern zugutekommt. Dieses Konzept ist besonders für Mieter attraktiv, die auf eine sichere, sichere und soziale Wohnraumversorgung setzen.

Marktchancen und Nachfrage: Warum sind Zechenhaus-Sanierungen erfolgreich?

Die Sanierung von Zechenhäusern ist kein Auslaufmodell, sondern ein etabliertes und wachsendes Geschäftsmodell. In einigen Fällen ist die Nachfrage so hoch, dass es zu Wartelisten kommt. In Oberhausen-Stemmersberg gibt es beispielsweise Wartelisten für sanierte Zechenhäuser, die erstmals 1900 bezogen wurden. Diese Nachfrage ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen.

Erstens ist die historische Atmosphäre ein überzeugendes Argument. Die Bewohner schätzen die Besonderheit der Gebäude, die oft mit hohen Decken, Holzböden, Fachwerkelementen und hohen Fenstern ausgestattet sind. Diese Elemente sind heute sehr begehrt, da sie die Wohnqualität steigern und ein besonderes Raumgefühl vermitteln.

Zweitens sind die Häuser oft mit großen Gärten verbunden. In einigen Fällen sind auch Gartenhäuser im Grundstück enthalten. Diese Flächen sind in Ballungsräumen oft knapp. Ein großes Grundstück mit Garten ist daher ein großer Pluspunkt. Besonders für Familien ist dies ein entscheidendes Argument.

Drittens ist die Lage ein wichtiger Faktor. Viele Zechensiedlungen befinden sich in ruhigen Vierteln, die dennoch an öffentliche Verkehrsanbindungen angebunden sind. In Bockum-Hövel beispielsweise ist eine Bushaltestelle nur wenige Gehminuten entfernt. So ist ein Besuch im Einkaufs- oder Einkaufsviertel innerhalb kürzester Zeit möglich. Dieses Plus an Verkehrsanbindung ist für viele Käufer ein entscheidendes Argument.

Ein weiterer Grund für die hohe Nachfrage ist die soziale Struktur. Die Bewohner berichten, dass sie sich wie auf dem Land fühlen. Sie kennen ihre Nachbarn, helfen sich gegenseitig und pflegen ein enges soziales Gefüge. Dieses Miteinander ist in der heutigen Stadtkultur selten geworden. Es ist daher ein besonderes Merkmal, das viele Käufer anspricht.

Fazit

Die Sanierung von Zechenhäusern ist in Deutschland ein etabliertes und nach wie vor wachsendes Themenfeld innerhalb des Immobilienmarktes. Die Quellen legen nahe, dass historische Gebäude aus der Zeit um 1900 – vor allem in den ehemaligen Bergbaugebieten des Ruhrgebiets – nicht mehr abgerissen, sondern vielmehr erhalten und modernisiert werden. Dieser Wandel ist das Ergebnis eines langen sozialen und politischen Prozesses, der von Bürgerinitiativen und Erhaltungsbemühungen geprägt war.

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Sanierung ist durch die Kombination aus hohen Fördermitteln, kommunalen Förderprogrammen und der hohen Nachfrage gesichert. So erhielt beispielsweise in Herten eine Familie für die Fassadensanierung 50 Prozent Zuschuss. In anderen Fällen wie in Oberhausen wurden über 38 Millionen Euro in die Sanierung von 396 Wohnungen investiert. Die Miete blieb dabei moderat, was die Attraktivität der Häuser für Mieter und Käufer erhöht.

Die Gesamtkosten für die Sanierung liegen je nach Ausmaß zwischen 121.000 und 208.000 Euro. Besonders teuer ist dabei die Innenraumgestaltung, da Böden, Wände, Sanitärräume und Heizung modernisiert werden müssen. Eine Kombination aus Eigenleistung und professioneller Bauleistung ermöglicht es, die Kosten zu senken.

Die Attraktivität der Häuser liegt in der einzigartigen Kombination aus historischem Charme, großer Wohnfläche, großem Garten und sozialer Verbindung. Diese Faktoren sorgen dafür, dass die Nachfrage nach sanierten Zechenhäusern hoch ist – manchmal sogar so hoch, dass es zu Wartelisten kommt.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Sanierung von Zechenhäusern keine Randerscheinung ist, sondern ein etabliertes Konzept, das auf sozialer, ökonomischer und städtebaulicher Ebene Sinn macht. Für Bauherren, Sanierer und Investoren ist es daher eine sinnvolle Investition in die Zukunft, die nicht nur Werte sichert, sondern auch soziale Bindungen stärkt.

Quellen

  1. Immobilienanbieter Damberg
  2. Welt-Online zum Thema Zechenhaus-Sanierung
  3. Hertener Allgemeine: Sanierung zum halben Preis in Herten
  4. Vermietet.de: Sanierungskosten für Häuser

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