Gestaltung von Wänden in den 1920er Jahren: Historische Einblicke und stilistische Merkmale

Die 1920er Jahre, oft als „Goldene Zwanziger“ bezeichnet, markieren eine Phase des kulturellen Aufbruchs und der stilistischen Transformation im Innenarchitektur und Bauwesen. Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs entwickelten sich vielfältige Designströmungen, die die Ästhetik der Wohnräume nachhaltig prägten. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis vorliegender historischer Quellen die spezifischen Merkmale der Wandgestaltung, Verzierungen und architektonischen Details dieser Epoche. Er richtet sich an Eigentümer von Immobilien, Heimwerker und Bauexperten, die ein tieferes Verständnis für die Renovierung und Gestaltung von Räumen aus dieser Zeit gewinnen möchten.

Historischer Kontext und stilistische Strömungen

Die Architektur und Innengestaltung der 1920er Jahre war geprägt von einem Spannungsverhältnis zwischen traditionellen Formen und modernen Bewegungen. Eine bedeutende Quelle hebt hervor, dass der Klassizismus in diesem Jahrzehnt erneut an Popularität gewann. Dieser „neue“ Stil war jedoch stark vereinfacht und verzichtete auf die aufwändigen Dekorationen vergangener Epochen. Stattdessen wurde eine schlichte Formensprache angestrebt, die Einflüsse aus dem 100 Jahre alten schwedischen Reich aufgriff (Quelle 1).

Parallel dazu etablierte sich der Art Déco, ein Stil, der Luxus, Eleganz und Fortschrittlichkeit ausstrahlte. Im Gegensatz zum vereinfachten Klassizismus setzte das Art Déco auf sinnliche Formen, exotische Materialien und kühne Farben. Es war ein Stil, der vorwiegend die Elite der Gesellschaft ansprach und stark von archäologischen Entdeckungen, wie der des Grabes von Tutanchamun im Jahr 1922, inspiriert wurde. Hier wurden Motive vergangener Zivilisationen mit facettenreichen Formen des Kubismus kombiniert (Quelle 2).

Eine weitere prägende Strömung war das Bauhaus, das mit seiner funktionalen und industriell geprägten Gestaltung neue Maßstäbe setzte. Während das Art Déco auf Verzierungen und Luxus setzte, fokussierte sich das Bauhaus auf Klarheit und Zweckmäßigkeit (Quelle 2).

Wand- und Deckengestaltung im Detail

Für die konkrete Umsetzung von Wandgestaltung und Verzierungen in den 1920er Jahren liefern die Quellen spezifische Angaben zu Materialien, Farben und Proportionen.

Bodensockel und Wandverkleidungen

Ein zentrales Merkmal der Wandgestaltung in dieser Zeit sind die Bodensockel und die Auskleidungen von Türen und Fenstern. Im Vergleich zu den 1910er Jahren vollzog sich hier eine deutliche Veränderung hin zu schmalen und schlichten Formen.

  • Bodensockel: Die Sockel waren in den 1920ern „ziemlich niedrig“ und wiesen ein einfaches Profil auf, oft in einer Rokoko-Form. Es ist zu beobachten, dass die bis dahin üblichen hohen Paneele allmählich durch diese niedrigeren, schmalen Bodensockel mit klassizistischen Formen ersetzt wurden. Bis in die 1930er Jahre waren Paneele zwar noch vorhanden, galten dann aber als veraltet und wurden häufig durch Masonit (eine Hartfaserplatte) abgedeckt oder ersetzt (Quelle 1).
  • Tür- und Fensterverkleidungen: Auch hier wurden die Profile schmaler. Die Verkleidungen maßen normalerweise nur noch zwischen 7 und 9 cm. Die sogenannten Perlenprofile wurden ebenfalls schlichter (Quelle 1).

Decken und deren Übergänge zur Wand

Die Deckengestaltung der 1920er Jahre war in der Regel schlicht gehalten, wies aber je nach Wohlstand der Bewohner spezifische Merkmale auf.

  • Standardausführung: Die meisten Decken waren vollständig glatt. Ein charakteristisches Detail war eine weiche Rundung an der Wand, der sogenannte Covel. Die Deckenfarbe war typischerweise weiß und reichte etwa 20 bis 30 cm an der Wand abwärts, bevor die Tapete begann (Quelle 1).
  • Luxuriöse Ausführungen: In teureren, größeren Wohnungen und Häusern kamen ungestrichene Holzdecken vor, die oft in Kassetten unterteilt waren. Dies verlieh den Räumen eine hochwertigere, traditionalistische Note (Quelle 1).

Farben und Oberflächen der Verzierungen

Die Ästhetik der Wandverzierungen wurde stark durch die Farbgebung und Oberflächenbehandlung bestimmt.

  • Holzverkleidungen und Sockel: Die Verzierungen aus Holz wurden in den 1920er Jahren entweder in einem braun-beigen Farbton oder in Cremeweiß gestrichen. Alternativ wurden die Oberflächen mit Maserungen versehen, um die natürliche Holzoptik hervorzuheben (Quelle 1).
  • Wandfarben und Tapeten: Während die Decken weiß gehalten waren, begannen die Tapeten an den Wänden nach dem hellen Streifen an der Decke. Die Quellen geben hier keine detaillierten Tapetenmuster an, betonen aber den Kontrast zur glatten, weißen Decke.

Einflüsse des Art Déco auf die Wandgestaltung

Das Art Déco brachte einen radikal anderen Ansatz für die Gestaltung von Wänden und Oberflächen. Dieser Stil war weniger auf schlichte Klassik, sondern auf Ausdruck und Opulenz ausgerichtet.

Materialien und Farben

Das Art Déco setzte auf reiche Materialien und auffällige Farben, um ein luxuriöses Ambiente zu schaffen. Die Verwendung von Chrom, Glas und Spiegeln war charakteristisch (Quelle 3). Farblich bewegte man sich im Spektrum von Gold, Schwarz und tiefem Grün (Quelle 3). Diese Farben fanden nicht nur bei Möbeln, sondern auch in der Wandgestaltung Anwendung.

Ein besonderes Beispiel für die Verfeinerung von Wänden ist die Verwendung von Lack. Der Schweizer Künstler Jean Dunand, der die Handwerkskunst von dem japanischen Meister Seizo Sugawara erlernte, kombinierte traditionelle asiatische Lackverfahren mit Art-déco-Mustern und -Farben. Lackierte Oberflächen, die in bis zu 100 Arbeitsschritten aufgetragen werden, erzeugten eine glänzende und extrem haltbare Oberfläche (Quelle 2). Solche Techniken wurden für Wandschmuck, Nischen oder auch Türen eingesetzt.

Geometrische Formen und Muster

Wandgestaltung im Art-Déco-Stil ist stark durch Geometrie geprägt. Typische Muster sind Zickzackmuster und Sonnenstrahlenmuster (Quelle 3). Diese Motive fanden sich nicht nur in Teppichen oder Textilien, sondern wurden auch in Verkleidungen oder dekorativen Paneelen integriert.

Ein Beispiel für die Integration von Kunst in die Wandgestaltung ist die Anbringung von Nischen, die mit Blattgold versehen wurden. Solche Nischen dienten als Präsentationsflächen für Kunstgegenstände oder Beleuchtung (Quelle 2). Auch maßgefertigte Wandpaneele über Türen, wie im Artikel erwähnt, waren Teil eines durchdachten Gesamtkonzepts.

Bauhaus und funktionale Wandgestaltung

Im Kontrast zum opulenten Art Déco stand das Bauhaus mit seiner funktionalen Ausrichtung. Während die Quellen keine detaillierten Wandfarben oder -verkleidungen im Bauhaus-Stil nennen, liefern sie Einblicke in die Materialästhetik, die sich auf die Wandgestaltung auswirkte.

Die Verwendung von Materialien wie verchromtem Stahlrohr und Glas, wie bei den Entwürfen von Eileen Gray (z.B. der E1027 Beistelltisch) oder den Bauhaus-Leuchten (z.B. Wagenfeld-Leuchte), impliziert einen klaren, reduzierten Stil. In diesem Kontext würden Wände wahrscheinlich schlicht und in gedeckten Farben gehalten sein, um die funktionalen Designobjekte nicht zu überladen. Die Kombination von weißen Wänden mit industriellen Elementen war charakteristisch für den „Industrial Style“, dem sich Eileen Gray in den 1920er Jahren zuwandte (Quelle 2).

Zusammenfassung der Gestaltungsmerkmale

Um die Unterschiede zwischen den Strömungen und den handwerklichen Details zu verdeutlichen, lässt sich folgende Übersicht erstellen:

Gestaltungselement Klassizismus / Tradition (1920er) Art Déco (1920er)
Bodensockel Niedrig, schmal, einfaches Profil (Rokoko-Form), klassizistisch. Nicht explizit in den Quellen definiert, aber oft integraler Teil von aufwendigen Holzarbeiten.
Decken Glatt, weiche Rundung an der Wand (Covel), Weiß. Kassettenartige Holzdecken in Luxusbauten. Oft dekoriert, Verwendung von Stuck oder Mustern möglich (allgemeiner Stil).
Wandfarben Weiß (Deckenbereich), Tapetenansatz. Braun-beige oder Cremeweiß für Holzelemente. Reiche Farben: Gold, Schwarz, tiefes Grün.
Materialien Holz, Masonit (als Ersatz), Tapete. Lack (oft mit Kunsthandwerk), Chrom, Glas, Spiegel, Blattgold.
Verzierungen Schlichte Profile, Perlen. Geometrische Muster (Zickzack, Sonnenstrahlen), Nischen mit Gold, aufwendige Lackarbeiten.

Renovierung und Rekonstruktion von Wandgestaltung

Für Eigentümer von Häusern aus den 1920er Jahren, die renoviert werden sollen, sind diese Informationen von hoher Relevanz. Das Verständnis der ursprünglichen Proportionen ist entscheidend. Eine Rekonstruktion der schmalen Fenster- und Türverkleidungen (7–9 cm) und der niedrigen Bodensockel kann den historischen Charakter eines Raumes authentisch wiederherstellen.

Die Renovierung von Wänden erfordert oft die Entfernung von Übermalungen oder veralteten Paneelen. Wie in den Quellen erwähnt, wurden Paneele in den 1930er Jahren häufig mit Masonit abgedeckt. Bei der Sanierung sollte überprüft werden, ob darunter originale Holzarbeiten erhalten sind.

Für die Farbwahl bieten die Quellen Anhaltspunkte: Eine Rückkehr zu den braun-beigen oder cremeweißen Tönen für Holzelemente entspricht dem historischen Geschmack. Für die Wände selbst ist die Kombination aus hellen, neutralen Flächen (im Stil des Klassizismus) und Akzenten durch reiche Materialien (im Stil des Art Déco) ein bewährter Weg, um den Geist der 1920er Jahre einzufangen.

Fazit

Die Wandgestaltung der 1920er Jahre ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus schlichtem Klassizismus, opulentem Art Déco und funktionalem Industrialismus. Während der vereinfachte Klassizismus durch niedrige Sockel und schmale Verkleidungen geprägt war, brachte das Art Déco mit Materialien wie Lack, Gold und geometrischen Mustern eine neue Luxus-Ästhetik auf die Wände. Die Bauhaus-Bewegung hingegen etablierte einen reduzierten, materialbetonten Stil. Für die moderne Renovierung bedeutet dies, dass eine genaue Analyse der vorhandenen Bausubstanz notwendig ist, um die ursprüngliche Gestaltungsebene zu erkennen und angemessen zu rekonstruieren oder kreativ weiterzuentwickeln. Die vorliegenden Quellen bieten eine solide Basis, um die charakteristischen Merkmale dieser Epoche zu verstehen und anzuwenden.

Quellen

  1. Sekelskifte.com - Fakten & Verzierungen in den 1920er Jahren
  2. Houzz.de - Stil-Zeitreise: Das ewig moderne Design der 1920er Jahre
  3. Furnwohnen.de - Art Deco: So holen Sie die 1920er Jahre in Ihr Interieur

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