Schadstoffarme Wandgestaltung: Ein umfassender Leitfaden für gesundes Wohnen

Die Gestaltung der eigenen Wände ist ein zentraler Aspekt bei der Renovierung oder im Neubau. Neben ästhetischen Gesichtspunkten gewinnt die gesundheitliche Unbedenklichkeit der verwendeten Materialien immer mehr an Bedeutung. Ein gesundes Wohnklima wird maßgeblich durch die Wahl der Baustoffe und Farben beeinflusst. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte einer schadstoffarmen Wandgestaltung, basierend auf den bereitgestellten Informationen zu Baustoffen, Wandfarben und den entsprechenden Gütesiegeln.

Grundlagen der schadstoffarmen Wandgestaltung

Die Entscheidung für schadstoffarme Materialien ist ein wesentlicher Schritt hin zu einem gesunden Zuhause. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass nicht jedes als "natürlich" oder "nah" deklarierte Produkt auch automatisch frei von schädlichen Substanzen ist. Die Bereitschaft, bei der Auswahl genauer hinzusehen, ist entscheidend.

Die Bedeutung von Deklaration und Qualität

Im Baumarkt oder Fachhandel sollten Verbraucher auf fehlende oder mangelhafte Deklarierung der Produkte verzichten. Billigprodukte, deren Inhaltsstoffe nicht transparent kommuniziert werden, bergen ein unkalkulierbares Risiko. Eine sorgfältige Auswahl der Materialien ist die Grundlage für ein gesundes Zuhause. Dies gilt sowohl für den Neubau als auch für die Sanierung. Die Chance, durch die Wahl der richtigen Konstruktionsweisen und Materialien ein gesundes Zuhause zu schaffen, sollte unbedingt genutzt werden.

Auswahl von schadstoffarmen Wandfarben

Wandfarben sind allgegenwärtig und können, wenn sie ungünstig zusammengesetzt sind, erheblich zur Belastung der Innenraumluft beitragen. Moderne Dispersionsfarben bestehen aus Bindemitteln und Pigmenten, die in Wasser fein verteilt sind. Nach dem Auftrag verdunstet das Wasser, und die übrigen Komponenten bilden einen Film auf der Wand. Alle vier Grundkomponenten von Wandfarben können gesundheitlich bedenklich sein. Dazu gehören Pigmente auf Basis von Blei oder Cadmium, problematische Bindemittel wie Kunstharze und Konservierungsstoffe (Topfkonservierer).

Inhaltsstoffe, die vermieden werden sollten

Für eine bewusste Auswahl ist es wichtig, die Inhaltsstoffe zu prüfen. Speziell für Allergiker und empfindliche Personen wird empfohlen, Farben zu erwerben, die auf Acrylate und Acetate verzichten. Zudem können Hersteller von Naturharz-Dispersionsfarben auf Bio- und Fungizide verzichten. Allerdings können auch natürliche Additive wie Terpene (natürliche ätherische Öle), die als Verlaufshilfen und Filmbildungshilfen eingesetzt werden, die Schleimhäute reizen und allergische Reaktionen auslösen. Eine Beratung im Fachhandel ist hier von Vorteil.

Spezifische Anforderungen bei der Verarbeitung

Die Art der Untergründe beeinflusst die Wahl der Farbe erheblich. Die meisten mineralischen Farben eignen sich nur für mineralische Untergründe und benötigen eventuell eine Grundierung. Auf gipshaltigen Flächen, wie Gipsbauplatten oder mit Gipsmörtel ausgebesserten Wänden, halten reine Silikatfarben nicht, während Naturharz-Dispersionsfarben einwandfrei funktionieren.

Reine Kalkfarben müssen in vier bis sechs Arbeitsgängen aufgetragen werden, Silikatfarben in mindestens drei. Diese Arbeitsschritte führen zu einer meist leicht verwaschenen Anmutung, die den Reiz dieser Naturfarben ausmacht. Auch das sogenannte Auskreiden von Kalk- und Silikatfarben ist ein optisches Merkmal. Um sicherzustellen, dass der Einsatz von Naturfarben auch gesundheitlich ein Vorteil ist, sollten Allergiker die Produktdeklarationen genau lesen und vor dem Kauf Expertenrat einholen.

Gütesiegel als Orientierungshilfe

Da die gesetzlichen Anforderungen an die Gesundheits- und Umweltverträglichkeit von Bauprodukten bisher als unzureichend eingestuft werden, sind verlässliche Siegel eine wichtige Hilfe. Sie bieten Orientierung, wenn es darum geht, emissionsgeprüfte Produkte zu wählen. Zu den relevanten Auszeichnungen für Wandfarben und verwandte Produkte gehören:

  • Der Blaue Engel: Ein bekanntes Umweltzeichen, das auch für Wandfarben vergeben wird.
  • Eco-Institut Gütesiegel für Textilien: Relevant für Tapeten.
  • Natureplus: Ein europäisches Umweltgütesiegel für nachhaltige, umweltverträgliche und gesundheitlich unbedenkliche Wohn- und Bauprodukte.
  • RAL-GZ-479: Ein Prüfzeichen des RAL Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V. für ökologische und gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Diese Siegel können Verbrauchern die Sicherheit geben, dass die Produkte den anerkannten Standards entsprechen.

Tapeten und deren schadstoffarmes Potenzial

Tapeten sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Wandgestaltung. Auch hier gilt es, auf die Inhaltsstoffe zu achten. Besonders bei Metall- oder Effekttapeten werden oft konservierte Kunstharze zugesetzt, um die Klebekraft zu erhöhen. Auch der Normalkleister, dem Dispersionskleber beigemischt wird, weist ein Schadstoffrisiko auf. Eine fachkundige Beratung ist hier unerlässlich, um die richtige Wahl zu treffen.

Baustoffe für Wände: Massive und ökologische Alternativen

Die Wahl der Baustoffe für Wände hat einen entscheidenden Einfluss auf das Raumklima und die Gesundheit der Bewohner. Massive Baustoffe, insbesondere Mauerziegel, sind in Deutschland sowohl im Neubau als auch bei der gesunden Sanierung von hoher Bedeutung. Sie bestehen überwiegend aus mineralischen und anorganischen Rohstoffen, was sie langlebig und weitgehend schadstofffrei macht. Ein wesentlicher Vorteil ist ihre Fähigkeit, Schadstoffe und Feuchtigkeit aufzunehmen.

Mauerziegel aus Ton

Mauerziegel bestehen hauptsächlich aus Ton, der idealerweise in der Nähe des Ziegelwerks und nah an der Oberfläche gewonnen wird. Der Ton wird für die Herstellung der Tonziegel durch Homogenisierung und gegebenenfalls Abmagerung vorbereitet. Diese massive Bauweise trägt zu einem gesunden Wohnklima bei.

Kalksandstein

Kalksandstein ist ein weiterer massiver Wandbaustoff. Aufgrund seiner hohen Dichte besitzt er sehr gute Schallschutzeigenschaften und eine gute Tragfähigkeit. Allerdings ist die Wärmedämmfähigkeit eher gering, weshalb bei Außenwänden aus Kalksandstein eine zusätzliche Dämmebene erforderlich ist. Wie Tonziegel sind Kalksandsteine weitgehend schadstofffrei und bieten weitere Vorteile in der gesunden Sanierung:

  • Geringer Energieaufwand bei der Herstellung
  • Keine Ausgasung von Schadstoffen während der Herstellung und im verbauten Zustand
  • Gesundheitlich unbedenklich
  • Gute Auswirkungen auf das Raumklima
  • Recyclingfähig bei sortenreiner Trennung

Porenbeton

Porenbeton ist ein Leichtbaustein, der aus den Rohstoffen Brandkalk, Zement, Quarzsand und Wasser hergestellt wird. Durch die Zugabe von Aluminiumpulver wird Wasserstoffgas freigesetzt, was für die Porenbildung sorgt. Wie Kalksandstein kommt Porenbeton ohne Brennvorgang bei der Herstellung aus. Das Material ist sehr leicht, hochwärmedämmend und einfach bearbeitbar und verbaubar. Aufgrund der energiearmen Produktionsweise und der weitgehenden Schadstofffreiheit im verbauten Zustand eignet sich Porenbeton gut für die gesunde Sanierung. Er ist als Planstein, Formstein, in Platten oder als Fertigteil (z. B. für Geschossdecken) erhältlich.

Trockenbaustoffe für flexible Innenausbauten

Im Zuge von Sanierungen werden häufig neue Wände eingezogen. Hier ist die Ausführung per Trockenbau oft die ideale Lösung. Kurze Bauzeiten, geringes Gewicht und die Flexibilität sprechen für diese Methode. Zudem wird beim Errichten der Wände keine Feuchte ins Bauwerk eingetragen. Für die Materialwahl gibt es verschiedene schadstoffarme Optionen.

Gipskarton- und Gipsfaserplatten

Ausbauplatten aus Gips gehören zu den beliebtesten Trockenbaustoffen. Sie bestehen entweder aus Naturgips oder aus REA-Gips, einem Restprodukt aus der Rauchgasentschwefelung. Gipsplatten sind gesundheitlich unbedenklich und besitzen positive bauphysikalische Eigenschaften.

Lehmbauplatten

Im ökologischen Innenausbau werden Lehmbauplatten eingesetzt. Diese Platten tragen maßgeblich zu einem angenehmen Innenklima bei. Je nach Stärke sind sie in der Lage, überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft zu binden und bei Bedarf wieder abzugeben. Auf diese Weise entsteht ein dauerhaft optimales Raumklima.

Dämmstoffe im Innenbereich

Besonderes Augenmerk sollte auf im Innenbereich verwendete Dämmstoffe gelegt werden. Schadstofffreiheit ist hier eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes und unbelastetes Wohnklima. Die Auswahl geeigneter Dämmstoffe ist ein entscheidender Faktor für die gesunde Sanierung.

Strategien zur Findung schadstoffarmer Bauprodukte

Die Planung und Durchführung von Bau- oder Renovierungsmaßnahmen erfordert eine proaktive Haltung gegenüber der Materialauswahl.

Vertragliche Vereinbarungen

Es ist sinnvoll, bereits vor Beginn der Arbeiten vertraglich festzuhalten, dass emissionsgeprüfte Produkte verbaut werden. Diese Produkte sind auf ausgasende Chemikalien getestet und entsprechen den Standards anerkannter Siegel. Dies ist besonders wichtig, da die gesetzlichen Anforderungen in diesem Bereich oft als unzureichend bewertet werden. Bodenbeläge wie Teppich oder Laminat müssen beispielsweise nicht auf ausgasende Substanzen getestet werden.

Empfehlenswerte Siegel und Materialien

Zu den empfehlenswerten Siegeln für Bauprodukte gehören das natureplus®-Label, das eco-INSTITUT-Label und der Blaue Engel. Diese Siegel bieten eine Orientierung für emissionsarme Produkte. Es ist jedoch zu beachten, dass Architekt:innen und Handwerker:innen nicht garantieren können, dass am Ende die Richt- und Leitwerte des Umweltbundesamtes für Innenraumluft eingehalten werden, die sich am gesundheitlichen Vorsorgeprinzip orientieren.

Materialien mit einfacher Zusammensetzung

Bei der Planung sollten Produkte mit einfacher, klarer Zusammensetzung Verbundmaterialien vorgezogen werden. Elastische Bodenbeläge aus dem Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid), häufig auch „Vinyl“ genannt, sind beispielsweise nicht empfehlenswert. Dieses Material ist bei den oben genannten Siegeln nicht zugelassen.

Fehlende Siegel – was tun?

Sind keine Produkte mit anspruchsvollen Siegeln verfügbar, sollten nur solche verwendet werden, bei denen alle Inhaltsstoffe angegeben sind oder die auf ausgasende Stoffe geprüft wurden. Eine gründliche Recherche und die Wahl von Anbietern, die Transparenz bieten, sind hier unerlässlich. Auch das eigene Lüftungsverhalten sollte bei der Nutzung des Gebäudes thematisiert werden, um die Innenraumluftqualität zu optimieren.

Fazit

Die schadstoffarme Wandgestaltung ist ein komplexes Thema, das eine sorgfältige Planung und Materialauswahl erfordert. Die Wahl von Baustoffen wie Mauerziegeln, Kalksandstein, Porenbeton, Gipsplatten und Lehmbauplatten bildet die Basis für ein gesundes Raumklima. Bei Wandfarben und Tapeten gilt es, auf transparente Deklaration und anerkannte Gütesiegel wie den Blauen Engel, Natureplus oder RAL-GZ-479 zu achten. Verbraucher sollten sich stets bewusst sein, dass nicht jede natürliche Deklaration eine Garantie für Schadstofffreiheit ist. Durch vertragliche Vereinbarungen und die Wahl von Produkten mit klaren Inhaltsstoffen kann ein gesundes Zuhause geschaffen werden, das dem Wohlbefinden der Bewohner dient.

Quellen

  1. bau-welt.de
  2. sanier.de
  3. verbraucherzentrale.nrw

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