Einleitung
Die deutsche Bauwirtschaft ist ein komplexes Gefüge aus verschiedenen Gewerken, Branchenverbänden und Interessengemeinschaften, die maßgeblich die Rahmenbedingungen für Planer, Handwerker und Investoren prägen. Im Bereich des Trockenbaus und des Innenausbaus nimmt der Bundesverband in den Gewerken Trockenbau und Ausbau e.V. (BIG) eine zentrale Stellung ein. Als „Bundesweite Interessengemeinschaft Trockenbau e.V.“ gegründet, hat sich der Verband seit seiner Entstehung im Jahr 1998 zu einer maßgeblichen Interessenvertretung entwickelt, die die gesamte Wertschöpfungskette der Branche vereint. Der BIG versteht sich nicht nur als Sprachrohr der Branche, sondern auch als Dienstleister für seine Mitglieder, um die Professionalität und Zukunftsfähigkeit des Trockenbaus zu sichern.
Die Bedeutung des Verbandes wird vor allem durch seine Fähigkeit deutlich, unterschiedliche Akteure – von der Industrie über den Handel bis hin zu Fachunternehmen und Sachverständigen – unter einem Dach zu vereinen. Diese breite Aufstellung ermöglicht es dem BIG, fachliche und berufsspezifische Interessen kompetent zu vertreten und den Dialog zwischen den Sektoren aktiv zu gestalten. Angesichts aktueller Herausforderungen, wie der Sicherung der Rohstoffversorgung, ist die Rolle des Verbandes für die Stabilität und Entwicklung der Branche von entscheidender Bedeutung.
Organisationsstruktur und Rechtsform
Der Bundesverband in den Gewerken Trockenbau und Ausbau e.V. ist als eingetragener Verein (e.V.) organisiert und wurde im September 1998 unter dem Namen „BIG - Bundesweite Interessengemeinschaft Trockenbau e.V.“ von führenden Unternehmen der Trockenbaubranche ins Leben gerufen. Seitdem hat sich die Mitgliederbasis kontinuierlich erweitert. Der Verband fungiert als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband, der die fachlichen sowie berufsspezifischen Interessen seiner Mitglieder vertritt.
Eine wesentliche Charakteristik des BIG ist seine Unabhängigkeit. Laut den Verbandsinformationen ist der BIG e.V. vollständig unabhängig und keinem Einfluss zentraler Bau- und Handwerksverbände ausgesetzt. Diese Unabhängigkeit ermöglicht eine fokussierte und spezifische Interessenvertretung, die direkt auf die Bedürfnisse des Trockenbaus und Ausbaus eingeht. Der Sitz des Verbandes befindet sich in Berlin, von wo aus die zentralen Geschäfte geführt werden. Die Kontaktdaten, darunter Telefon, Fax und E-Mail, sind öffentlich zugänglich, um die Erreichbarkeit für Mitglieder und Interessenten zu gewährleisten.
Eine wichtige Organisationsmaßnahme ist die jährliche Mitgliederversammlung, die als zentrales Entscheidungsgremium dient. Hier werden strategische Ausrichtungen besprochen und Vorstandswahlen durchgeführt. Die Mitgliederversammlung 2025 markierte beispielsweise einen personellen Wechsel in der Führungsebene, der die dynamische Entwicklung des Verbandes widerspiegelt.
Mitgliederstruktur: Die gesamte Lieferkette
Ein herausragendes Merkmal des BIG ist die Zusammensetzung seiner Mitgliedschaft. Der Verband vereint die gesamte Lieferkette des Trockenbaus. Dies bedeutet, dass Vertreter aus verschiedenen Sektoren des Bauwesens Mitglied sind:
- Industrie: Hersteller von Gipsplatten, Profilen, Putzsystemen und anderen Baustoffen, die die Grundlage für Trockenbaukonstruktionen bilden.
- Handel: Distributoren und Großhändler, die die Materialien von der Industrie zu den ausführenden Betrieben transportieren.
- Trockenbaufachunternehmen: Handwerksbetriebe, die die Planung und Ausführung übernehmen.
- Sachverständige: Experten, die die Qualität der Arbeiten prüfen und begutachten.
Diese breite Streuung ermöglicht es dem BIG, ein ganzheitliches Bild der Branche zu entwickeln. Besonders hervorzuheben ist, dass sich inzwischen auch zahlreiche Unternehmen des Fachhandels und der Baustoffindustrie dem Verband angeschlossen haben. Diese Symbiose aus Industrie, Handel und Handwerk schafft eine starke Lobby, die in der Lage ist, gemeinsame Interessen effektiv zu vertreten. Ziel ist es, eine professionelle Bewegung im Markt zu etablieren, die durch Vernetzung und Professionalität geprägt ist.
Kernaufgaben und Ziele des Verbandes
Die Arbeit des BIG e.V. erstreckt sich über mehrere strategische Felder, die darauf abzielen, die Rahmenbedingungen für die Branche aktiv mitzugestalten.
Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit
Eine Hauptaufgabe des Verbandes ist die gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Durch diese Maßnahmen soll das Bewusstsein für die Leistungsfähigkeit des Trockenbaus in der Bauwirtschaft und bei Investoren geschärft werden. Der Verband tritt als Ansprechpartner für Investoren und Architekten auf und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber politischen Gremien und der Öffentlichkeit.
Förderung von Dialog und Zusammenarbeit
Ein besonderes Anliegen des BIG e.V. ist die Förderung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen Industrie, Handel, Handwerk und technischen Bildungseinrichtungen. Durch diesen Austausch sollen innovative und praxisnahe Lösungen entwickelt werden, die den Trockenbau nachhaltig weiterentwickeln. Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sichern, indem Synergien genutzt und gemeinsame Ziele definiert werden.
Unterstützung der Mitglieder
Der Verband versteht sich als Dienstleister an der Seite seiner Mitglieder. Er bietet Unterstützung in Bereichen, die für das erfolgreiche „sich professionell im Markt bewegen“ entscheidend sind. Dazu gehören die Ansprache und Information von Investoren und Architekten sowie die Bereitstellung von Plattformen für den fachlichen Austausch.
Tarifpolitische Positionierung
Wichtig ist die Abgrenzung zu klassischen Handwerksverbänden in Bezug auf Tarifverträge. Der BIG e.V. vertritt die Interessen seiner Mitglieder, schließt jedoch selbst keine Tarifverträge ab und vermittelt auch keine Tarifbindung. Dies unterstreicht seine Rolle als Wirtschaftsverband, der sich auf wirtschaftliche und fachliche Rahmenbedingungen konzentriert, anstatt tarifpolitische Organisation zu übernehmen.
Aktuelle Herausforderungen und Branchenengagement
Die Bauwirtschaft steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen, die eine starke Interessenvertretung erfordern. Eine der drängendsten Fragen betrifft die Rohstoffversorgung, insbesondere im Hinblick auf den Kohleausstieg.
Die Sicherstellung der Gipsversorgung
Gips ist ein unverzichtbarer Baustoff im Trockenbau. Der geplante Ausstieg aus der Kohleverstromung wirft Fragen zur Verfügbarkeit von Flugasche auf, die als Nebenprodukt bei der Kohleverbrennung anfällt und für die Gipsproduktion benötigt wird. Der BIG e.V. hat sich gemeinsam mit anderen Verbänden des Trocken-, Aus- und Leichtbaus dieses Themas angenommen.
In einem gemeinsamen Aufruf fordern die Verbände die Sicherstellung der heimischen Gipsversorgung. Die Kernbotschaft lautet: „Wir wollen gemeinsam mit Umwelt- und Klimaschutz Wege finden, unseren bewährten Baustoff Gips weiterhin in der erforderlichen Menge zur Verfügung zu haben.“ Dieses Engagement zeigt, dass der Verband nicht nur reaktiv auf Marktentwicklungen reagiert, sondern proaktiv Lösungsansätze für die Zukunft der Branche sucht. Er positioniert sich hierbei als Partner für Umwelt- und Klimaschutz, um eine nachhaltige Transformation der Materialbasis zu erreichen.
Vorstandschaft und strategische Ausrichtung
Die Führung des Verbandes liegt beim Vorstand, dessen Zusammensetzung regelmäßig durch die Mitgliederversammlung neu gewählt wird. Die Mitgliederversammlung 2025 markierte hier einen wichtigen Meilenstein. Der scheidende Vorsitzende Karl Schlichter übergab die Leitung an einen neuen Vorstand.
Der neue Vorstand
Mitte Mai 2025 wählten die Mitglieder Hendrik Hertgens zum neuen ersten Vorsitzenden. Er umriss die Prioritäten der kommenden Monate: 1. Fokussierung der Verbändezusammenarbeit: Stärkung der Kooperationen innerhalb der Branche. 2. Stärkung wichtiger Branchenveranstaltungen: Unterstützung und Förderung von Messen und Foren, insbesondere des RM Forum Ausbaus. 3. Mitgliedergewinnung: Eine kampagnenunterstützte, gezielte Gewinnung neuer Mitglieder, um die Basis des Verbandes zu verbreitern.
Der Vorstand wird zudem durch die zweite Vorsitzende Stefanie Wäntig, Schatzmeister Ronny Ringel, Rechnungsprüfer Franz Holzner sowie Beisitzer Karl Schlichter, Claudio Liguori und Norbert Meier unterstützt. Diese personelle Besetzung spiegelt die Vielfalt der Branche wider und verspricht eine breite Expertise in der Führungsebene.
Markteinschätzung und Wachstumsperspektiven
Der scheidende Vorsitzende Karl Schlichter nutzte die Mitgliederversammlung für eine kurze Markteinschätzung. Er sprach von der Hoffnung vieler im Bauwesen, dass es der neuen Bundesregierung gelingt, ein moderates Wachstum zu initiieren. Diese Aussage unterstreicht die enge Verflechtung der Branchenpolitik mit der allgemeinen Wirtschafts- und Regierungspolitik. Der BIG positioniert sich hier als Vermittler zwischen den Unternehmen und der politischen Ebene, um die notwendigen Impulse für eine stabile Baukonjunktur zu setzen.
Bedeutung für Planer und Handwerker
Für Architekten, Planer und ausführende Trockenbaufachunternehmen bietet die Mitgliedschaft im BIG e.V. entscheidende Vorteile. Die im Verband zusammengeschlossenen Unternehmen gelten als qualifizierte Partner. Sie zeichnen sich durch Beratungskompetenz, Planungssicherheit und die Fähigkeit aus, moderne Systeme für Ausbau-, Schall- und Brandschutzkonzepte zu realisieren.
Die Vernetzung im Verband fördert den Wissenstransfer. Themen wie Abfallwirtschaft, Recycling, Energieversorgung und Rohstoffe werden in den Rubriken des Verbandsportfolios aufgegriffen. Auch Bereiche wie IT-Dienstleistungen, Personalwesen und Rechts- und Steuerberatung finden Berücksichtigung, was auf ein umfassendes Serviceangebot für die Mitglieder hindeutet. Dies hilft den Betrieben, sich professionell im Markt zu bewegen und die gesetzten Ziele zu erreichen.
Einfluss auf die Ausbildung und Forschung
Die enge Anbindung an technische Bildungseinrichtungen, wie in den Verbandszielen beschrieben, ist ein Indiz dafür, dass der BIG auch eine Rolle in der Aus- und Weiterbildung spielt. Durch die Förderung von Forschung und Entwicklung wird sichergestellt, dass die Branche mit modernsten Technologien und nachhaltigen Materialien arbeitet. Dies ist besonders relevant angesichts der Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaneutralität im Bauwesen.
Fazit
Der Bundesverband in den Gewerken Trockenbau und Ausbau e.V. (BIG) hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1998 als unverzichtbare Säule der deutschen Bauwirtschaft etabliert. Als unabhängiger Wirtschaftsverband gelingt ihm die Kunst, die gesamte Lieferkette des Trockenbaus – von der Industrie bis zum Handwerk – zu vereinen und unter einem Dach zu bündeln. Diese Struktur ermöglicht eine starke Lobby-Arbeit, die nicht nur auf die Vertretung wirtschaftlicher Interessen abzielt, sondern auch den Dialog zwischen den Sektoren aktiv fördert.
Besonders hervorzuheben ist das Engagement des Verbandes in strategisch wichtigen Zukunftsfragen, wie der Sicherung der Gipsversorgung im Zuge des Kohleausstiegs. Hier zeigt der BIG, dass er als Partner für Klimaschutz und nachhaltige Materialwirtschaft agiert. Unter der neuen Führung des Vorsitzenden Hendrik Hertgens wird der Fokus auf eine engere Verbändezusammenarbeit, die Stärkung von Branchenveranstaltungen und eine gezielte Mitgliedsgewinnung gelegt, was die Position des Verbandes in der dynamischen Bauwirtschaft weiter festigen dürfte.
Für Planer, Investoren und Handwerker bleibt der BIG ein wichtiges Qualitätsmerkmal und eine Anlaufstelle für professionelle Beratung und umfassende Informationen zur Trockenbaubranche.