Variotherm ModulWand: Flexibles Trockenbausystem für Heizung und Kühlung in der Renovierung

Die moderne Gebäudetechnik entwickelt sich stetig weiter, mit dem Ziel, Energieeffizienz, Komfort und Flexibilität zu steigern. Besonders im Bereich der Sanierung und des Innenausbaus gewinnen Systeme an Bedeutung, die eine schnelle und trockene Montage ermöglichen. Ein solches System ist die Variotherm ModulWand, ein Plattensystem für den Trockenbau, das sowohl das Heizen als auch das Kühlen von Innenräumen über die Wand- und Deckenflächen realisiert. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Eigenschaften, Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile dieses Systems basierend auf den vorliegenden Herstellerangaben.

Technische Grundlagen und Systemaufbau

Das Kernstück der Variotherm ModulWand ist ein flexibles Plattensystem in Modulbauweise. Es dient dazu, Heizungs- und Kühlungsfunktionen direkt in die Wand- oder Deckenkonstruktion zu integrieren. Die Montage ist an Wänden, Decken sowie an Dachschrägen vorgesehen, was eine hohe Flexibilität in der Planung und Ausführung bietet. Das System ist speziell für fix verschraubte Wandkonstruktionen mit glatter Oberfläche konzipiert.

Die ModulPlatten

Die Basis bilden ModulPlatten, die in der Regel eine Größe von 2000 x 625 mm aufweisen. Die Plattenstärke beträgt 18 mm, was eine platzsparende Integration in bestehende oder neue Wandkonstruktionen ermöglicht. In der Rückseite dieser Platten ist bereits ein 11,6 x 1,5 mm großes VarioModul-Rohr integriert. Dieses Rohr ist ein Alu-Mehrschicht-Verbundrohr, das in einem Rasterabstand von 75 mm verlegt ist. Die Integration des Rohres in die Platte vor der Montage vereinfacht die Handhabung erheblich.

Eine wichtige Detailinformation für die Montage sind die an der Vorderseite der Platte angebrachten Markierungen der Schraubpunkte. Diese vormarkierten Körnungslöcher sorgen für eine präzise Positionierung der Schrauben und verhindern gleichzeitig, dass die integrierten Rohre beim Verschrauben beschädigt werden. Die Lieferpakete enthalten neben den Platten meist auch das benötigte Montagematerial wie Schnellbauschrauben (inkl. Bit), Fugenkleber und Schnellkupplungen für die wasserseitige Verbindung der Module.

Die Rohrtechnik

Das integrierte VarioModul-Rohr ist entscheidend für die Funktion. Es ermöglicht den Transport des Wärmeträgers (Wasser) durch die Platte. Durch die exakt gleichen Abstände der Rohre in der Platte lässt sich der Verlauf mittels eines Variotherm Rohrsuchgerätes leicht lokalisieren. Dies ist ein wesentlicher Vorteil im späteren Gebrauch des Raumes, da es das ungefährte Aufhängen von Bildern oder das Anbringen von Regalen erlaubt, ohne die Rohre zu beschädigen.

Anwendungsbereiche und Montage

Das System ist laut Herstellerangaben optimal geeignet für verschiedene Bauweisen und Situationen: * Holzriegelbau * Fertighausbau * Dachgeschossausbau * Renovierung

Da es sich um ein Trockenbausystem handelt, entfällt die aufwendige und zeitaufwändige Nassbauweise. Die Montage erfolgt auf Metall- oder Holzständerkonstruktionen in gleicher Technik wie beim herkömmlichen Trockenbau. Dies ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte Installation, auch im Nachhinein in einzelnen Räumen. Ein Beispiel hierfür ist das Badezimmer, wo die ModulWand nachträglich installiert werden kann, um eine schnelle Aufheizung zu gewährleisten und beschlagene Spiegel nach dem Duschen zu verhindern.

Integration in bestehende Heizsysteme

Ein häufiges Szenario bei der Renovierung ist der Erhalt der Heizkörper in anderen Räumen. Das Variotherm-System bietet hierfür Lösungen an, die eine Kopplung ermöglichen. Spezielle Komponenten wie die VarioPumpenVerteilerstation oder die PumpenMikrostation verbinden das neue Niedertemperatur-System (Wandheizung) mit dem bestehenden Hochtemperatursystem (z.B. klassische Heizkörper). Dabei können laut Angaben die bestehenden Rohre der Heizkörper genutzt werden, was den Umfang der Umbaumaßnahmen reduziert.

Leistungsmerkmale: Heizen und Kühlen

Das System ist nicht nur eine Heizung, sondern auch eine Kühlung. Diese Dualfunktion ist ein wesentliches Verkaufsargument.

Heizbetrieb

Als Heizsystem arbeitet die Variotherm ModulWand als großflächiges Niedertemperatursystem. Durch die große Oberflächenfläche der Wände oder Decken kann bereits mit niedrigen Vorlauftemperaturen effizient Wärme abgegeben werden. Die Angaben zufolge reicht es meist aus, das Wasser auf Temperaturen zwischen 26 und 38 °C zu erwärmen. Dies führt laut Hersteller zu einer Energieeinsparung von bis zu 25 % beim Heizen im Vergleich zu herkömmlichen Systemen.

Die Wärmeabgabe erfolgt primär durch Strahlungswärme. Diese wird als sehr angenehm und gleichmäßig beschrieben, ähnlich der Sonnenstrahlung. Ein Vorteil dieser Strahlungswärme ist der geringe Konvektionsanteil. Im Vergleich zur Fußbodenheizung, bei der der Mensch direkt auf der beheizten Fläche steht, kann bei der Wandheizung der Abstand zur beheizten Fläche je nach Bedarf gewählt werden. Zudem erwärmt sich der Körper "von innen". Ein weiterer Vorteil gegenüber einer Nassstrich-Fußbodenheizung ist die Reaktionsschnelligkeit. Die Wandheizung kann auf Temperaturschwankungen, beispielsweise durch Sonneneinstrahlung am Nachmittag, schneller reagieren.

Kühlbetrieb

Im Sommer dient das System der passive Kühlung der Räume. Die Kühlung funktioniert laut Beschreibung leise und ohne Zugluft, was den Komfort steigert. Die Möglichkeit, auch Dachschrägen zu kühlen, ist besonders für den Dachgeschossausbau relevant, wo Überhitzung im Sommer ein häufiges Problem ist. Die Energieeinsparung beim Kühlen wird mit bis zu 30 % angegeben.

Die Kombination aus Wand- und Fußbodenheizung wird als ideal für maximalen Komfort ("100 % Behaglichkeit") beschrieben.

Komfort und Alltagstauglichkeit

Neben den technischen Aspekten spielen auch Aspekte der Lebensqualität eine Rolle. Das System ist baubiologisch geprüft. Die verwendeten Platten bestehen aus FERMACELL(R) Gipsfaserplatten, die das IBR-Prüfzeichen des Instituts für Baubiologie Rosenheim tragen.

Inneneinrichtung und Möbelplacement

Ein kritischer Punkt bei Flächenheizungen ist die Möblierung. Werden große Flächen durch Möbel verdeckt, sinkt die Heiz- und Kühlleistung. Die Faustregel besagt, dass maximal 15 % der beheizten Fläche verstellt werden sollten. Kleine Regale oder Sideboards sind geeignet, während große Wohnwände oder Schränke die Leistung stark mindern und daher nicht empfohlen werden. Eine Abstimmung des Raumkonzepts und der Inneneinrichtung ist daher im Vorfeld notwendig.

Oberflächenbehandlung und Ästhetik

Nach der Montage werden die Fugen und Befestigungsmittel verspachtelt (Qualität Q2). Anschließend können die Oberflächen mit handelsüblichen Farben gestrichen werden. Hierbei sind Dispersions-, Latex- oder Lackfarben unproblematisch. Bei mineralischen Anstrichen wie Kalk- oder Silikatfarben muss eine Freigabe durch den Hersteller für die Verwendung auf Gipsfaserplatten vorliegen. Üblicherweise werden zwei Arbeitsgänge für das Streichen empfohlen.

Sicherheitsaspekte und Garantie

Ein wichtiger Aspekt in der Baupraxis ist der Brandschutz. Die Variotherm ModulWand wurde im IBS-Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung in Linz auf Brandschutz geprüft und als Brandschutzplatte zertifiziert. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für die Verwendung in Wohngebäuden.

Zudem gewährt der Hersteller eine 10-jährige Garantie auf das System.

Zusammenfassung der Systemvorteile

Die vorliegenden Informationen fassen die Vorteile des Systems wie folgt zusammen:

  • Flexibilität: Das System kann an Wänden, Decken und Dachschrägen montiert werden und eignet sich für Neubau sowie Renovierung.
  • Geschwindigkeit: Durch die Trockenbauweise ist die Installation schnell und sauber.
  • Dualfunktion: Heizung und Kühlung in einem System.
  • Energieeffizienz: Niedrige Vorlauftemperaturen führen zu Einsparungen von bis zu 25 % (Heizen) bzw. 30 % (Kühlen).
  • Komfort: Strahlungswärme ohne Luftbewegung, schnelle Reaktionszeiten.
  • Sicherheit: Geprüfter Brandschutz und baubiologische Prüfung.

Fazit

Die Variotherm ModulWand im Trockenbau stellt ein vielseitiges System dar, das speziell für die Anforderungen modernisierter Gebäude und Innenausbauten konzipiert wurde. Die Integration von Heiz- und Kühlrohren direkt in die Gipsfaserplatten vereinfacht die Logistik und Montage erheblich. Besonders für Sanierungsprojekte, bei denen eine hohe bauliche Belastung vermieden werden soll, oder für den Ausbau von Dachgeschossen bietet die platzsparende und schnelle Installation klare Vorteile. Die Fähigkeit, sowohl zu heizen als auch zu kühlen, macht es zu einem zukunftsweisenden System im Hinblick auf steigende Anforderungen an die Energieeffizienz und das Raumklima. Planer und Bauherren sollten jedoch die Einschränkungen bei der Möblierung beachten, um die volle Leistungsfähigkeit des Systems zu gewährleisten.

Quellen

  1. Variotherm Wandheizung Paket 12,5 m² ModulWand-Classic Trockenbau
  2. Wandheizung Trockenbau
  3. Variotherm Systemloesungen Wandheizung Kuehlung Trockenbau
  4. Domatherm Wandheizung Trockenbau

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