Die Holzfaserdämmung hat sich in den letzten Jahren zu einem der bedeutendsten Dämmstoffe im modernen Bauwesen entwickelt. Besonders im Trockenbau gewinnen Holzfaserplatten und -matten zunehmend an Bedeutung, da sie eine Kombination aus ökologischer Nachhaltigkeit, hervorragenden Dämmeigenschaften und einfacher Verarbeitung bieten. Für Hausbesitzer, die sanieren, und Bauherren, die nachhaltig neu errichten, stellt sich jedoch die Frage, welche spezifischen Produkte und Verfahren sich für den Trockenbau eignen.
Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften, Herstellungsverfahren und Anwendungsbereiche von Holzfaserdämmstoffen im Trockenbau. Basierend auf technischen Daten und Herstellerangaben wird ein umfassender Überblick über die Möglichkeiten dieser Dämmtechnologie gegeben.
Herstellung und Verfahren von Holzfaserdämmplatten
Holzfaserdämmplatten, oft auch als Holzweichfaserplatten oder Weichfaserplatten bezeichnet, werden aus Restholz hergestellt. Das Ausgangsmaterial ist entrindetes Restholz, das zerkleinert, zerfasert und verpresst wird. Grundsätzlich werden zwei Hauptverfahren unterschieden: das Nassverfahren und das Trockenverfahren.
Das Nassverfahren
Im Nassverfahren wird die Holzfaser bei hohem Druck und hoher Temperatur verpresst. Ein entscheidender Vorteil dieses Verfahrens ist die Nutzung des holzeigenen Bindemittels Lignin. Durch den Druck und die Hitze wird das Lignin freigesetzt, sodass auf künstliche Additive oder Klebstoffe verzichtet werden kann. Dies resultiert in einem besonders ökologischen Produkt. Die Produktion erfolgt durch den Aufschluss des Holzes mittels thermochemischer Verarbeitung. Die entstehende breiige Masse (Holzkuchen) wird unter Hitzeeinwirkung (160 bis 220 Grad Celsius) abgebunden. Während dieses Prozesses übernimmt das Lignin gemeinsam mit Wasser die Aufgabe, die Holzfasern zu binden. Eine Einschränkung des Nassverfahrens ist die maximal erreichbare Plattenstärke. Herstellungsbedingt liegen die Dicken hier meist zwischen 3 und 32 Millimetern, wobei eine maximale Stärke von bis zu 60 Millimetern genannt wird. Dickere Platten sind hier das Ergebnis von schichtweise verklebten Einzelplatten. Die Rohdichte von im Nassverfahren produzierten Platten liegt zwischen 100 und 300 kg/m³.
Das Trockenverfahren
Beim Trockenverfahren werden die aufgeschlossenen Holzfasern erst getrocknet, bevor sie mit einem künstlichen Stoffgemisch beleimt werden. Als Bindemittel kommen hier oft Polymere wie Diphenylmethandiisocyanat (PMDI) zum Einsatz. Dieses Verfahren ermöglicht es, deutlich dickere Plattenstärken zu realisieren. Die Rohdichte dieser Platten liegt zwischen 40 und 230 kg/m³, und sie sind in der Regel etwas leichter als nassverarbeitete Platten. Die Dicken liegen hier meist zwischen 20 und 240 Millimetern.
Eigenschaften und Leistungsmerkmale
Holzfaserdämmstoffe im Trockenbau zeichnen sich durch spezifische technische Kennwerte aus, die für die Planung und Ausführung relevant sind.
Wärmeleitfähigkeit und Dämmwirkung
Die Wärmeleitfähigkeit (Lambda-Wert) einer Holzfaserdämmung liegt laut verschiedenen Quellen zwischen 0,039 und 0,045 W/(m·K). Hochwertige Produkte, wie die flexible Holzfaser-Dämmmatte STEICOflex 036, erreichen einen λD-Wert von 0,036 W/(m*K) und gehören damit zur Spitzenklasse der biobasierten Dämmstoffe. Die hohe spezifische Wärmekapazität der Holzfaser ist ein wesentlicher Vorteil. Sie sorgt für eine träge Temperaturregulierung, was sowohl im Winter als auch im Sommer zu einem angenehmen Raumklima beiträgt.
Sommerlicher Wärmschutz
Ein herausragendes Merkmal der Holzfaserdämmung ist der sommerliche Wärmschutz. Aufgrund ihrer hohen Dichte und spezifischen Wärmekapazität nehmen Holzfaserdämmstoffe unter diesem Aspekt eine Spitzenposition ein. In der Praxis bedeutet dies, dass die Innenraumtemperaturen eines mit Holzfaserplatten gedämmten Dachraums im Vergleich zu einem mit konventionellen Produkten gedämmten Raum um bis zu 6 °C niedriger liegen können. Dies verhindert ein Überhitzen der Innenräume, selbst bei Dachgeschossen im Hochsommer.
Schallschutz und Raumklima
Neben der Wärmedämmung bietet Holzfaser auch exzellenten Schallschutz. Zudem ermöglicht das Material die natürliche Regulierung der Raumfeuchtigkeit, was zu einem gesunden Raumklima führt. Im Vergleich zu konventioneller Glaswolle ist Holzfaser biologisch abbaubar und unbedenklich.
CO2-Speicherung
Ein ökologischer Vorteil ist die CO2-Speicherung. Daten zufolge speichert eine flexible Holzfaser-Dämmmatte etwa 73 kg CO2eq pro Kubikmeter.
Produkte und Systeme für den Trockenbau
Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von spezialisierten Produkten, die für den Trockenbau konzipiert sind. Diese lassen sich nach Anwendungsbereichen und spezifischen Eigenschaften gliedern.
Flexible Dämmplatten und Matten
Besonders für die Zwischensparren- und Aufdachdämmung eignen sich flexible Holzfaserdämmplatten. Produkte wie STEICOflex sind als flexible Wärmedämmung aus 100 % PEFC-zertifizierten Holzfasern konzipiert. Sie verfügen über eine hervorragende Klemmfähigkeit, was eine schnelle und sichere Verlegung zwischen den Sparren ermöglicht. Oft sind diese Platten mit umlaufender Nut und Feder ausgestattet, um Fugen zu vermeiden und die Dämmwirkung zu optimieren.
Lieferbare Breiten sind oft auf die gängigen Systeme abgestimmt: * 575 mm für Holzbausysteme * 625 mm für Metallbausysteme (spart Zuschneidezeit und Abfall)
Diese Matten lassen sich mit speziellen Schneidewerkzeugen (Messer, Sägen, Schneidetische) staubarm und einfach verarbeiten.
Einblasdämmung
Für die nachträgliche Dämmung von Altbauten oder zur Erzielung hoher Energieeffizienzwerte im Neubau eignet sich die Einblasdämmung. Produkte wie STEICOzell oder AGEPAN Einblasdämmung bestehen aus ökologischen Holzfasern und können in bestehende Hohlräume eingeblasen werden. Dies ist eine effiziente Methode, um unzugängliche Bereiche zu dämmen.
Spezialplatten für den Innenausbau
Im Innenausbau werden Holzfaserplatten vielseitig eingesetzt, beispielsweise als Putzträger im Wärmedämmverbundsystem (WDVS) oder zur Schalldämmung. Ein Beispiel aus dem Sortiment ist die Holzfaserdämmplatte WF von Knauf. Diese Platte wird vollflächig aufliegend auf ebenem und tragfähigem Untergrund verlegt. * Anwendung: Trittschallminderung unter Estrichen. * Verlegung: Ein- oder zweilagig unter Fertigteilestrich (z.B. Brio), unter dünnschichtiger Fußbodenheizung oder unter Calciumsulfat- und zementären Estricharten nach DIN 18560. * Abmessungen (Beispiel Knauf WF): Dicke 10 mm, 600 x 1200 mm (genaue Maße: 598 x 1.198 mm). Die Bindung erfolgt hier ebenfalls durch das holzeigene Lignin, produziert nach DIN EN 13986.
Integrierte Systeme: STEICOinstall
Ein innovativer Ansatz für die Vorfertigung ist das System STEICOinstall. Hier werden Installationsebenen (Ständerkonstruktion, Putzträgerplatte, Dämmung) in einem Produkt vereint. Vorgefräste Installationskanäle und Leerrohre erleichtern die Elektro- und SHK-Installation. Das Ergebnis ist ein perfekt gedämmtes Bauteil, das nach Herstellerangaben 50 % schneller und über 25 % günstiger gefertigt werden kann.
Fassadendämmung und Systeme
Für die Fassadendämmung im Trockenbau (z.B. hinterlüftete Fassaden) bieten Hersteller wie AGEPAN spezielle Holzfaserdämmplatten an. Diese sind oft Teil eines abgestimmten Systems für den ökologischen Innenausbau, Neubau und die Sanierung. Waterkamp führt hierzu die AGEPAN-Reihe, die sich durch Funktionalität und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnet.
Verarbeitung und Verlegung im Trockenbau
Die Verarbeitung von Holzfaserdämmstoffen im Trockenbau ist in der Regel unkompliziert, erfordert jedoch die Beachtung spezifischer Hinweise.
- Zuschnitt: Flexible Matten wie STEICOflex lassen sich hautfreundlich und staubarm zuschneiden. Für große Projekte empfehlen Hersteller den Einsatz von Schneidetischen.
- Untergrund: Platten müssen auf ebenem und tragfähigem Untergrund verlegt werden.
- Verlegeart: Bei Trittschalldämmung kann eine zweilagige Verlegung sinnvoll sein, um die Dämmwirkung zu erhöhen. Die Platten werden stumpf gestoßen.
- Systemkomponenten: Um die Funktionalität zu gewährleisten, bieten Hersteller oft passendes Zubehör an, wie Abdichtungen, Luftdichtungs- und Witterungsschutzbahnen (z.B. STEICOmulti).
Vergleich der Herstellungsverfahren und Plattencharakteristika
Um die Unterschiede zwischen den Verfahren übersichtlich darzustellen, hilft folgende Zusammenfassung:
| Merkmal | Nassverfahren | Trockenverfahren |
|---|---|---|
| Bindemittel | Holzeigenes Lignin (keine Additive nötig) | Künstliche Stoffgemische (z.B. PMDI) |
| Maximale Plattenstärke | Bis ca. 60 mm (einfach) | Deutlich dickere Platten möglich (bis 240 mm) |
| Rohdichte | 100 - 300 kg/m³ | 40 - 230 kg/m³ |
| Gewicht | Höher | Etwas leichter |
| Ökologische Bewertung | Sehr hoch (natürliches Bindemittel) | Hoch (Holzanteil), aber mit künstlichen Bindemitteln |
| Typische Produkte | Dünne Platten, Putzträger | Flexible Matten, dicke Dämmplatten, Trittschalldämmung |
Zusammenfassung der Anwendungsbereiche
Holzfaserdämmung im Trockenbau deckt eine breite Palette von Anwendungen ab:
- Dachausbau: Zwischensparren- und Aufdachdämmung mit flexiblen Matten (STEICOflex).
- Innenausbau: Schall- und Wärmeschutz, Putzträgerplatten, Vorfertigung (STEICOinstall).
- Boden: Trittschalldämmung unter Estrichen (Knauf WF).
- Fassade: Hinterlüftete Fassaden und WDVS (AGEPAN).
- Altbausanierung: Einblasdämmung (STEICOzell).
Fazit
Die Holzfaserdämmung im Trockenbau stellt eine zukunftsfähige Lösung dar, die ökologische Ansprüche mit technischen Anforderungen vereint. Durch die zwei unterschiedlichen Herstellungsverfahren (Nass- und Trockenverfahren) stehen Dämmstoffe zur Verfügung, die für nahezu jede Anwendung im Trockenbau – von der Trittschalldämmung über die Fassade bis hin zur Dachdämmung – geeignet sind.
Wesentliche Vorteile liegen in der hohen spezifischen Wärmekapazität, die für exzellenten sommerlichen Wärmschutz sorgt, und der Fähigkeit zur natürlichen Feuchtigkeitsregulierung. Zudem ist der ökologische Fußabdruck durch die CO2-Speicherung und die Verwendung von Restholz positiv zu bewerten. Für Bauherren und Handwerker bedeutet dies: Holzfaserdämmstoffe sind im Trockenbau vielseitig einsetzbar, leicht zu verarbeiten und tragen zu einem hohen Wohnkomfort bei.