Brandschutz im Trockenbau: Systemlösungen und Anforderungen für den Feuerwiderstand EI90

Die Gewährleistung eines effektiven Brandschutzes ist ein fundamentaler Aspekt in der modernen Bauindustrie, insbesondere im Bereich der Innenausbauten und Trockenbauweisen. Der Feuerwiderstand EI90, der einen 90-minütigen Widerstand gegen Feuer und Rauchgasentwicklung bedeutet, stellt hierbei eine hohe Anforderung an die verwendeten Materialien und Konstruktionen. Im Kontext von Immobilien, Renovierung und Neubau ist das Verständnis dieser Systeme entscheidend für die Sicherheit von Bewohnern und die Integrität der Bausubstanz. Die vorliegenden Informationen, zusammengestellt aus Herstellerangaben und technischen Datenblättern, beleuchten verschiedene Aspekte der EI90-Brandwände, von spezialisierten Reinraumkonstruktionen über Kombischott-Systeme bis hin zu Stahlprofilen und Brandschutzklappen.

Grundlagen des Feuerwiderstands im Trockenbau

Der Feuerwiderstand wird in Klassen eingeteilt, wobei die Klasse EI90 bedeutet, dass eine Bauteilprüfung nach den Normen EN 1363-1 und EN 1364-1 bestanden wurde. Dies garantiert, dass die Konstruktion über einen Zeitraum von 90 Minuten die Brandschutzanforderungen in Bezug auf Tragfähigkeit (E) und Dichtigkeit (I) erfüllt. Im Trockenbau erfordern diese Anforderungen spezielle Materialien und Systeme.

Ein zentrales Element in vielen Systemen sind Brandschutzplatten. In diesem Zusammenhang wird in den vorliegenden Daten die Diamant Steel-Platte erwähnt. Es handelt sich hierbei um eine Brandschutzplatte, die mit einer kaschierten Stahlauflage versehen ist und für ihre besondere Stabilität bekannt ist. Sie wird in Kombination mit der KNAUF BRANDWAND W131 eingesetzt. Dieses System bewirkt eine Brandwand der Klasse EI90-M, die eine Wandhöhe von bis zu 9 Metern ermöglicht und einen gleitenden Deckenanschluss bis zu einer Deckendurchbiegung von 40 mm zulässt. Die wirtschaftliche Montage wird als ein weiterer Vorteil dieses Systems genannt.

Systeme für Reinräume und hochsensible Bereiche

Besondere Anforderungen gelten in Bereichen, die nicht nur feuerbeständig, sondern auch partikeldicht und hygienisch sein müssen, wie etwa in Reinräumen. Eine spezifische Lösung für diesen Bereich ist die Reinraumwand EI90. Diese Wände weisen eine Standardwandstärke von 90 mm auf und erreichen eine Höhe von bis zu 3800 mm. Die Breite ist flexibel wählbar, wobei ein Raster von 200 bis 1500 mm möglich ist.

Ein entscheidendes Merkmal dieser Reinraumwand ist die Verglasung. Hier wird ein Brandschutzglas Contraflam mit einer Dicke von 43 mm eingesetzt. Alternativ ist eine Doppelverglasung mit zwei Einscheibensicherheitsgläsern (ESG) à 4 mm möglich. Bei der Variante mit den zwei ESG-Gläsern sind diese außen beidseitig flächenbündig eingeklebt und dauerelastisch verfugt. Ein großer Vorteil ist hierbei, dass ein Austausch der äußeren Verglasung problemlos ohne Ausbau des gesamten Wandelements erfolgen kann. Der Innenraum des Glases wird als dauerhaft staub- und beschlagfrei beschrieben, umrahmt von einem Passepartout in RAL-Farbe nach Wunsch. Medien wie Elektrokabel oder Rohrleitungen dürfen laut den Spezifikationen nicht direkt im Wandelement installiert werden. Optisch gleicht diese EI90-Reinraumbrandschutzwand einer Standard-Reinraumwand (EI00), was die Integration in architektonische Gesamtkonzepte erleichtert.

Abschottungen und Durchdringungen: Kombischott-Systeme

Durchdringungen in Brandwänden – also Öffnungen für Rohre, Kabel oder Leitungen – stellen eine Schwachstelle im Brandschutz dar. Um die Brandsicherheit hier wiederherzustellen, kommen sogenannte Schott-Systeme zum Einsatz. Das HENSOMASTIK® Kombischott EI 90 / EI 120 ist hierfür ein Beispiel.

Es handelt sich um ein System, das aus zwei Mineralfaserplatten besteht, die jeweils eine Dicke von über 50 mm aufweisen. Diese Platten sind auf den Außenseiten mit der Brandschutzbeschichtung HENSOMASTIK® 5 KS viskos beschichtet. Dieses System ist als sogenannte C-FORM Brandschutzaussparung erhältlich und wird für die Abschottung von Metallrohren, brennbaren Rohren und elektrischen Leitungen in Wand- und Deckenkonstruktionen eingesetzt.

Das Beschichtungsprodukt HENSOMASTIK® 5 KS selbst weist charakteristische Eigenschaften auf, die für die Dauerhaftigkeit entscheidend sind: - Es ist lösemittelfrei, APEO-frei, halogen-, borat- und weichmacherfrei. - Es ist wasserundurchlässig nach DIN 1048. - Es ist öl- und benzinresistent. - Es ist wetterfest und UV-beständig nach DIN 53 384. - Es ist alterungsbeständig und mechanisch belastbar. - Selbst bei hoher Schichtdicke bleibt es nach dem Trocknen flexibel.

Diese Materialeigenschaften gewährleisten, dass die Abschottung auch unter Umwelteinflüssen ihre Schutzfunktion behält.

Brandschutzklappen: Wartung und Sicherheit

Oft sind in Brandwänden oder -decken Revisionsklappen notwendig, um Zugang zu Versorgungsschächten, Steigzonen oder Elektroleitungen zu gewährleisten, ohne die Konstruktion zerstören zu müssen. Moderne Brandschutzrevisionsklappen verbinden hier Sicherheitsfunktion und Wartungsfreundlichkeit.

Diese Klappen sind für Trockenbauwände, Massivdecken und Installationsschächte konzipiert. Sie bieten einen geprüften Feuerschutz nach DIN 4102 oder EN 1364-1 / EN 1634-1. Je nach Modell erreichen sie Feuerwiderstandsklassen von EI30, EI60, EI90 oder sogar EI120. Die Klappe ist in einer stabilen Stahlkonstruktion ausgeführt, die entweder pulverbeschichtet oder verzinkt ist. Die Bedienung ist einfach dank Vierkantverschluss oder Sicherheitsschlüssel. Typische Einsatzgebiete sind Mehrfamilienhäuser, Wohnanlagen und Bürogebäude.

Stahlprofile und innovative Brandschutzfüllungen

Eine alternative oder ergänzende Komponente zu den klassischen Gipsfaser- oder Mineralfaserplatten sind Stahlprofile mit speziellen Brandschutzfüllungen. Die Firma Jansen hat hier ein System entwickelt, das die Vorteile von Keramik nutzt.

Die Brandschutzprofile der Janisol C4-Serie (vermutlich im Kontext der Anfrage) erreichen durch eine innovative Brandschutzfüllung Feuerwiderstandsklassen bis EI90. Bemerkenswert ist hier die geringe Bautiefe von nur 70 mm. Trotz dieser Kompaktheit wird hohe Stabilität mit höchsten Brandschutzeigenschaften vereint. Die Profile ermöglichen zudem die einfache Integration von Beschlägen, Schlössern und Zubehör. Solche Systeme eignen sich speziell für den Einsatz in Türen und Fenstern innerhalb von Brandwänden.

Fazit

Die Sicherstellung eines Feuerwiderstandes von EI90 im Trockenbau erfordert ein tiefes Verständnis der eingesetzten Materialien und Systeme. Die bereitgestellten Daten zeigen ein breites Spektrum an Lösungen, die auf die spezifischen Anforderungen des Bauvorhabens zugeschnitten sind.

Für die Tragstruktur und große Wandflächen bieten Systeme wie die KNAUF BRANDWAND W131 mit Diamant Steel-Beplankung eine stabile und montageeffiziente Lösung. Die Möglichkeit, Deckendurchbiegungen auszugleichen, spricht für die Eignung in modernen, dynamischen Gebäudestrukturen.

In sensiblen Umgebungen, wie Reinräumen, wo neben dem Brandschutz auch optische Gleichförmigkeit und Hygiene zählen, bieten spezialisierte Reinraumwände mit integrierten Brandschutzverglasungen und flexiblen Abmessungen eine maßgeschneiderte Lösung. Die Wartbarkeit der Verglasung ist hier ein entscheidender Pluspunkt.

Das Thema Durchdringungen darf nicht vernachlässigt werden. Systeme wie das HENSOMASTIK® Kombischott, basierend auf hochwertigen Mineralfaserplatten und einer viskosen, elastischen Beschichtung, stellen sicher, dass die Schutzwirkung der Wand auch an den Punkten erhalten bleibt, an denen Leitungen geführt werden. Die Materialeigenschaften der Beschichtung (UV- und Wetterbeständigkeit) sind hierbei essentiell für die Langlebigkeit.

Abschließend bieten Brandschutzklappen und Stahlprofile die nötige Flexibilität für den Zugang zu technischen Installationen und die Gestaltung von Öffnungen in Brandwänden. Die Entwicklung von Stahlprofilen mit Keramik-Füllungen, die bei geringer Bautiefe hohe EI-Klassen erreichen, zeigt die Innovationskraft in diesem Sektor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Bau einer EI90-Brandwand im Trockenbau ein komplexes Zusammenspiel aus Tragkonstruktion, Beplankung, Abschottung und Zugangskomponenten erfordert. Die Auswahl der Systeme muss auf die spezifischen Gegebenheiten vor Ort, die zulässigen Deckendurchbiegungen, die gewünschte Optik und die Anforderungen an die Medienführung abgestimmt werden. Eine sorgfältige Planung und die Verwendung geprüfter Komponenten sind die Voraussetzung für eine bauliche Brandschutzeinrichtung, die im Ernstfall ihre Schutzfunktion erfüllt.

Quellen

  1. Brandschutzklappen Revisionsklappen
  2. Hensomastik Kombischott EI 90 EI 120
  3. Reinraumwand Type VST EI90
  4. Brandwand EI90-M Knauf
  5. Brandschutztüre Jansen Janisol C4

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