Trockenbau in Deutschland: Marktentwicklung, Trends und strategische Ausrichtung im Jahr 2020

Einleitung

Der Trockenbau stellt einen fundamentalen Pfeiler der modernen Bauindustrie in Deutschland dar. Im Jahr 2020 zeichnete sich ein Bild einer Branche, die trotz globaler Herausforderungen eine stabile und wachsende Entwicklung aufwies. Die Bereiche Trockenbau und Dämmstoffe generierten signifikante Umsatzsteigerungen, während gleichzeitig strategische Neuausrichtungen bei Fachverbänden und die verstärkte Integration digitaler Prozesse die Zukunftsfähigkeit des Sektors sicherstellten. Dieser Artikel beleuchtet die Marktdaten des Jahres 2020, die Rolle von Fachgruppen wie der EUROBAUSTOFF, den Einfluss der COVID-19-Pandemie auf den Immobiliensektor und die Bedeutung von Vorfertigung und Digitalisierung für die Branche.

Wirtschaftliche Performance des Trockenbaus im Jahr 2020

Das Jahr 2020 war für den deutschen Bauhandel und insbesondere für den Trockenbau ein Jahr des Wachstums. Trotz der einsetzenden Pandemie zeigte der Sektor eine erstaunliche Resilienz.

Umsatzentwicklung und Marktanteile

Die EUROBAUSTOFF, ein bedeutender Einkaufsverbund im Bauhandel, verzeichnete im Jahr 2020 ein Einkaufsvolumen von 7,4 Milliarden Euro mit ihren 453 Gesellschaftern. Dies entspricht einem kumulierten Umsatzplus von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Innerhalb dieses Verbundes entwickelte sich der Warenbereich Trockenbau und Dämmstoffe besonders positiv mit einer Zuwachsrate von 6,3 Prozent.

Das reine Trockenbau-Segment zeigte dabei eine noch stärkere Dynamik und verbuchte ein Plus von 7,1 Prozent. Diese Zahlen belegen, dass die Nachfrage nach Trockenbauleistungen in Deutschland auch in einem Krisenjahr ungebrochen war. Die stabile Entwicklung des Warenbereichs bildete die Grundlage für eine positive Prognose für das Folgejahr.

Konkrete Verbrauchszahlen

Ein Indikator für die physische Nachfrage ist der Verbrauch von Gipskartonplatten. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 110 Millionen Quadratmeter Gipskartonplatten verbaut. Dies markiert einen Anstieg von 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Obwohl dieses Wachstum im Vergleich zum Umsatzplus moderat erscheint, unterstreicht es die stabile Produktionsnachfrage im Baugewerbe.

Der Umsatz im deutschen Trockenbau-Markt belief sich im Jahr 2019 auf rund 2,8 Milliarden Euro. Angesichts der Wachstumsraten von 2020 ist davon auszugehen, dass dieser Wert im Pandemiejahr weiter gestiegen ist.

Die Rolle der EUROBAUSTOFF Fachgruppe Trockenbau

Die EUROBAUSTOFF Fachgruppe Trockenbau fungiert als zentraler Knotenpunkt für Spezialisten im Trockenbau. Ihre Entwicklung im Jahr 2020 spiegelt die Gesundheit des gesamten Sektors wider.

Mitgliederwachstum und Struktur

Ende 2020 bestand die Fachgruppe aus 35 Mitgliedern mit rund 450 Standorten in Deutschland. Diese Größe verleiht der Gruppe eine erhebliche Marktmacht und Schlagkraft. Die Führungsebene setzt sich aus der geschäftsführenden Gesellschafterin Katharina Metzger (Metzger Holding GmbH, Dortmund) und Arnfried Bopp (Mitglied der Geschäftsleitung der Bauzentrum Rüppel GmbH) zusammen. Ein Ausschuss aus sieben weiteren Personen aus den Mitgliedshäusern begleitet die strategische Arbeit.

Neue Mitglieder und Verstärkung

Seit Jahresbeginn 2021 erhielt die Fachgruppe Verstärkung durch drei neue Mitglieder, was die positive Tendenz des Vorjahres bestätigt: * Veeser Bauzentrum Freiburg GmbH & Co. KG (Freiburg) * Kleinlein Bauzentrum GmbH (Waltenhofen) * PriBa Baustoffhandel GmbH (Hamburg)

Diese geografische Streuung – vom Süden (Freiburg, Waltenhofen) bis in den Norden (Hamburg) – unterstreicht die flächendeckende Abdeckung des Fachverbandes.

Strategische Ausrichtung und Reaktion auf die Krise

Die Fachgruppe hat sich in der anhaltenden Corona-Krise auf digitale Formate zum Austausch verlegt. Dieser Schritt war notwendig, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten, insbesondere um die neuen Mitglieder in die bestehenden Strukturen zu integrieren, da Präsenztagungen zunächst nicht möglich waren. Trotz der digitalen Einschränkungen wurde die Agenda für 2021 festgelegt, um die beschriebenen Aktivitäten voranzutreiben.

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Baubereich

Die Pandemie verursachte zwar kurzfristige Einschränkungen im Arbeitsalltag (z. B. Verlegung von Präsenztagungen), bot aber paradoxerweise neue Chancen für den Immobiliensektor und damit für den Trockenbau.

Der Trend zum Homeoffice und Leerstände

Die wachsende Akzeptanz von Homeoffice führte zu Überlegungen bezüglich der Nutzung von Büroflächen. Eine Studie des Verbändebündnisses „Soziales Wohnen“ prognostizierte, dass freiwerdende Büros zu Wohnungen umgebaut werden könnten. Bis 2025 wurde ein Potenzial von 235.000 Wohneinheiten ausgemacht.

Für den Trockenbau ist diese Entwicklung von hoher Relevanz. Umnutzungen von Büro- in Wohngebäude sind klassische Anwendungsfelder für Trockenbausysteme, da sie schnelle, leichte und flexible Raumteilungen ermöglichen. Katharina Metzger (EUROBAUSTOFF) sah hierin ein klares Potenzial, das gezielt vorangetrieben werden sollte.

Sicherung des Bestandsgeschäfts

Neben der Erschließung neuer Felder (Umnutzung) galt es im Krisenjahr, das bestehende Bestandsgeschäft zu sichern. Die Fachgruppe Trockenbau zeigte sich trotz der Herausforderungen „verhalten optimistisch“, gestützt auf die gewonnene Schlagkraft durch Mitgliederzuwachs und die stabile Marktentwicklung.

Trends und Zukunftsfaktoren im Trockenbau

Über die reinen Umsatzzahlen hinaus prägen drei wesentliche Entwicklungen den Trockenbau: Vorfertigung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Vorfertigung von Bauelementen

Ein wesentlicher Trend ist die verstärkte Verwendung vorgefertigter Bauelemente. Hierbei werden Bauteile bereits im Werk nach individuellen Vorgaben gefertigt und lediglich auf der Baustelle montiert. Dieses Verfahren bietet Vorteile in Bezug auf Geschwindigkeit, Qualitätssicherung und den Einfluss von Witterung auf die Baustelle. Die Industrie reagiert hiermit auf den Bedarf an schnellerer Bauausführung.

Digitalisierung und BIM

Die Digitalisierung erfasst auch den Trockenbau. Besonders hervorzuheben ist die Building Information Modeling (BIM). BIM ermöglicht eine exakte Planung und Umsetzung von Bauvorhaben, indem alle beteiligten Parteien (Architekten, Bauleiter, Handwerker) auf eine zentrale Datenbank zugreifen. Dies optimiert den gesamten Bauablauf.

Ein prägnantes Beispiel für den Einsatz von BIM ist das Bauprojekt "The Square" am Frankfurter Flughafen. Hier diente BIM zur Koordination und Optimierung des komplexen Bauablaufs. Für den Trockenbau bedeutet dies, dass Planungsprozesse transparenter werden und Schnittstellenprobleme reduziert werden können.

Nachhaltigkeit und Brandschutz

Zusätzlich zur Vorfertigung und Digitalisierung fokussieren sich die Akteure auf den bautechnischen Brandschutz im Hochbau. Auch der Bereich der Dämmstoffe (im Verbund mit Trockenbau behandelt) spielt eine wichtige Rolle. Beide Felder bieten laut der Fachgruppe viel Potenzial, das gezielt vorangetrieben wird.

Fazit

Das Jahr 2020 war für den Trockenbau in Deutschland ein Jahr der Konsolidierung und des Wachstums. Mit einer Umsatzsteigerung von 7,1 Prozent im Segment der EUROBAUSTOFF und einem Verbrauch von 110 Millionen Quadratmetern Gipskartonplatten zeigte der Sektor eine robuste Performance. Die Fachgruppe Trockenbau stärkte ihre Position durch den Zuwachs neuer Mitglieder und eine strukturierte, wenn auch digitalisierte, Arbeitsweise.

Zukünftige Impulse werden vor allem durch den Strukturwandel im Immobilienbereich (Umwidmung von Büro- zu Wohnraum) sowie durch die fortschreitende Digitalisierung (BIM) und Vorfertigung gesetzt. Die Branche ist somit bestens aufgestellt, um die Anforderungen an moderne, effiziente und nachhaltige Bauweisen zu erfüllen.

Quellen

  1. EUROBAUSTOFF - Drei neue Mitglieder für die Spezialisten im Trockenbau
  2. LinkedIn - Trockenbau Deutschland: Wachstum durch Vorfertigung und Nachhaltigkeit
  3. DIY Online - Eurobaustoff Fachgruppe Trockenbau mit stabiler Entwicklung im Jahr 2020

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