Knauf Cubo Fluchttunnel: Planung, Eigenschaften und baurechtliche Zulassung im Trockenbau

Flucht- und Rettungswege sind in der Bauweise von Gebäuden von entscheidender Bedeutung, insbesondere wenn es darum geht, im Brandfall Menschenleben zu schützen. Trockenbausysteme, die speziell für diese Zwecke entwickelt wurden, bieten hierfür effiziente und zugleich robuste Lösungen. Ein herausragendes Beispiel in diesem Bereich ist das Raum-in-Raum-System Cubo Fluchttunnel von Knauf. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Spezifikationen, die konstruktive Ausführung und die notwendigen baurechtlichen Zulassungen dieses Systems, basierend auf den zur Verfügung gestellten Informationen.

Einführung in das System Cubo Fluchttunnel

Das Cubo Fluchttunnel-System ist ein selbsttragendes Raum-in-Raum-System, das als feuerwiderstandsfähige Wand- und Deckenkonstruktion konzipiert ist. Sein primärer Einsatzzweck ist die Sicherstellung von Rettungswegen, insbesondere in Bereichen, die als Flure fungieren. Es dient als kontrollierter Weg für die Feuerwehr und bietet Schutz vor herabfallenden Bauteilen.

Die Grundidee basiert auf einer speziellen Unterkonstruktion, die hohe Belastbarkeit gewährleistet. Diese wird durch eine mehrschichtige Beplankung ergänzt, die als Schutzhülle fungiert und höchste Anforderungen an Statik, Brandschutz und Stabilität erfüllt. Das System ermöglicht gestalterische Freiheit, da es sowohl in eckigen als auch in runden Formen realisiert werden kann. Es kann als alleinstehende Konstruktion oder angeschlossen an bestehende Bauteile ausgeführt werden.

Technische Spezifikationen und Leistungsmerkmale

Die Leistungsfähigkeit des Cubo Fluchttunnels wird durch spezifische Materialien und Konstruktionsdetails definiert, die in den Quellen explizit genannt werden.

Feuerwiderstand und mechanische Stabilität

Ein Kernmerkmal des Systems ist die hohe Feuerwiderstandsdauer. Laut den vorliegenden Informationen beträgt diese 90 Minuten (F90 nach DIN 4102-2). Dieser Schutz wird durch eine spezifische Schichtaufbau erreicht: * Beplankung: Sowohl die Wände als auch die Deckenunterseite und -oberseite sind zweilagig mit Knauf Fireboard (20 mm) beplankt. * Stahleinlage: Entscheidend für die Stabilität und den Feuerschutz ist eine Lage Stahlblech (t = 0,5 mm). Diese ist bei den Wänden zwischen den Beplankungslagen und bei der Deckenoberseite direkt auf den Tragprofilen angeordnet.

Neben dem Feuerschutz weist das System eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Stoßbeanspruchung auf. Es wird eine mechanische Stabilität für 3000 Nm Stoßenergie nachgewiesen. Dies unterstreicht die Eignung als Schutztunnel vor herabfallenden Bauteilen.

Schallschutz

Je nach Variante und Ausbaustufe können signifikante Schallschutzwerte erreicht werden: * Basis-Variante: Erzielt Schallschutzwerte von mehr als 40 dB. * Spezielle Profile: Durch den Einsatz spezieller Profile ist eine Steigerung auf mehr als 55 dB möglich. * Variante Empore: Diese Sonderausführung kann Schallschutzwerte von bis zu 60 dB erreichen, was „Oasen der Ruhe“ ermöglicht.

Lastannahmen und Belastbarkeit

Für die statische Auslegung gelten klare Grenzen, um die Integrität des Systems zu wahren. Die Decken des Systems sind für bestimmte Lasten ausgelegt: * Punktuale Einzellasten: dürfen 0,5 / 1,0 kN nicht überschreiten. * Flächenhafte Lasten: sind mit 0,5 / 1,0 kN/m² einzuhalten. * Gebäudelasten: Die Einleitung von ständigen Auflasten aus Stützen oder Unterzügen in die Decke des Cubo-Systems ist unzulässig.

Das System ist für Verkehrslasten analog zu Wohnraum, Aufenthaltsräumen, Büros und Fluren (Nutzungskategorie A3 bzw. B1 nach DIN 1055-3 bzw. DIN EN 1991-1-1/NA) zugelassen. Hingegen ist die Anwendung in öffentlich zugänglichen Bereichen explizit unzulässig. Zur Querverteilung der Auflasten dient eine Holzwerkstoffplatte mit einer Dicke von mindestens 22 mm. Bei speziellen Anforderungen (Brand- oder Schallschutz) kommen weitere Beplankungslagen zum Einsatz.

Konstruktive Ausführung und Varianten

Das Cubo-System bietet modular erweiterbare Möglichkeiten, die über einen reinen Fluchtweg hinausgehen.

Die Variante „Empore“

Neben der Standardausführung gibt es die Variante „Empore“. Diese ermöglicht es, die Dachfläche des Raum-in-Raum-Systems nutzbar zu machen. Dies erhöht den Nutzwert und die Wirtschaftlichkeit der Konstruktion. Auch hier sind größere Profile und Spannweiten möglich, wobei die zuvor genannten Lastannahmen und Schallschutzwerte (bis zu 60 dB) beachtet werden müssen.

Montage und Verspachtelung

Die Montage des Systems erfordert eine fachgerechte Ausführung. Die Verspachtelung der Fireboard-Gipsplatten erfolgt gemäß dem Technischen Blatt K466.de („Knauf Fireboard-Spachtel“). Dies umfasst sowohl die Fugenverspachtelung als auch eine vollflächige Verspachtelung, falls eine Oberflächenbeschichtung wie Anstrich, Tapete oder Oberputz geplant ist. Die gesamte Ausführung muss gemäß Knauf Detailblatt K37.de erfolgen, um die geforderten Brandschutzklassen zu gewährleisten.

Baurechtliche Zulassung und Regulierung

Da es sich um eine nichttragende, feuerwiderstandsfähige Konstruktion handelt, die als Begrenzung von Rettungswegen dient, unterliegt das System strengen baurechtlichen Regularien. In Deutschland ist das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) die zuständige Behörde für die Erteilung von Zulassungen.

Allgemeine Bauartgenehmigungen (aBG) und allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen (abZ)

Die vorliegenden Wand- und Deckenbauarten sind nicht abschließend technisch geregelt. Daher benötigen sie eine allgemeine Bauartgenehmigung (aBG) oder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ). Der Antrag erfolgt direkt beim DIBt. Für eine Zulassung sind folgende Informationen erforderlich: * Name und Adresse des Antragstellers. * Beschreibung des Bauprodukts/der Bauart und des Verwendungsbereichs. * Ziel des Antrags (Neuzulassung, Änderung, Ergänzung oder Verlängerung).

Konkrete Zulassungsnummern für das Knauf Cubo System

Aus den Quellen geht hervor, dass für das „System Knauf Cubo“ eine spezifische allgemeine bauaufsichtliche Zulassung existiert. * Regelungsgegenstand: Bauart für feuerwiderstandsfähige Wand- und Deckenkonstruktion "System Knauf Cubo" für Flure als Begrenzung von Rettungswegen der Feuerwiderstandsklassen F 30 bzw. F 90 nach DIN 4102-2. * Zulassungsnummer: Z-19.13-2032. * Zulassungsinhaber: Knauf Gips KG, Am Bahnhof 7, 97346 Iphofen. * Geltungsdauer: Die Zulassung (Z) hat Gültigkeit vom 20.01.2025 bis zum 04.11.2027.

Es ist darauf hinzuweisen, dass für die Ausführung von Brandschutz-Cubos ein zertifiziertes Fachunternehmen erforderlich ist, das beim DIBt registriert ist. Nur solche Unternehmen sind berechtigt, die Zulassungen korrekt umzusetzen und das vorgeschriebene Blechschild im Innenraum des Cubo (unterhalb der Decke an der Wand) dauerhaft und sichtbar zu befestigen. Dieses Schild weist die Brandschutzqualität (F30 oder F90), das Herstellungsjahr, die Zulassungsnummer und die Kennziffer des Herstellers aus.

Zusammenfassung

Das Knauf Cubo Fluchttunnel-System ist ein leistungsfähiges Trockenbausystem, das speziell für die Sicherung von Rettungswegen entwickelt wurde. Durch den Einsatz von Knauf Fireboard-Platten in Kombination mit einer 0,5 mm dicken Stahleinlage wird eine Feuerwiderstandsklasse von F90 (90 Minuten) erreicht. Zudem bietet das System mechanischen Schutz durch eine hohe Stoßwiderstandsfähigkeit.

Für Planer und Bauausführende ist die Einhaltung der statischen Grenzen (Lastannahmen) und der baurechtlichen Vorgaben essenziell. Die notwendige allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (Z-19.13-2032) liegt vor, jedoch erfordert die Umsetzung die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Fachunternehmen. Das System bietet zudem erweiterte Möglichkeiten, wie die Variante „Empore“ für zusätzlichen Nutzraum und hohe Schalldämmwerte bis 60 dB zeigt.

Fazit

Der Cubo Fluchttunnel stellt eine sichere und zugleich flexible Lösung im modernen Trockenbau dar, um die Anforderungen an brandschutztechnische Rettungswege zu erfüllen. Die Kombination aus robuster Unterkonstruktion, mehrschichtiger Beplankung mit Stahleinlage und klaren baurechtlichen Genehmigungen macht es zu einer verlässlichen Wahl für Bauvorhaben, die höchsten Sicherheitsstandards genügen müssen. Die Vielseitigkeit des Systems in Bezug auf Formgebung und zusätzliche Funktionen wie Schallschutz und Nutzflächengestaltung unterstreicht seinen Wert im gewerblichen und industriellen Bauwesen.

Quellen

  1. Knauf - Raum-in-Raum Systeme im Überblick
  2. HK Baudienst - Tragendes Raum-in-Raum System
  3. Roland Stuck - Knauf Fachinhalte Trockenbau
  4. DIBt - Informationsportal Bauprodukte

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