Die Baubranche steht vor einer entscheidenden Herausforderung: dem Fachkräftemangel. Insbesondere in technischen und handwerklichen Berufen fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs. Ein entscheidender Ansatzpunkt, um diesem Trend entgegenzuwirken und neue Talente zu gewinnen, ist die frühzeitige Berufsorientierung. Der Girls' Day, ein jährlicher Aktionstag, öffnet Schülerinnen ab der fünften Klasse die Türen zu Betrieben, Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen, um ihnen Berufe nahezubringen, in denen Frauen bisher unterrepräsentiert sind. Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des Girls' Day für die Bauwirtschaft, mit einem speziellen Fokus auf Bereiche wie den Trockenbau, und analysiert die Mechanismen, die diesem Aktionstag zugrunde liegen.
Die Zielsetzung des Girls' Day: Durchbrechen von Klischees
Der Girls' Day ist ein zentrales Instrument der Berufsorientierung in Deutschland. Laut der Quellenlage [3, 4] richtet er sich an Mädchen ab der fünften Klasse und hat das Ziel, das Berufswahlspektrum zu erweitern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie handwerklichen Ausbildungen und Studiengängen [3, 4, 5].
Die Notwendigkeit für eine solche Initiative ergibt sich aus statistischen Daten zur Berufswahl von Mädchen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) weisen darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Mädchen sich für nur zehn verschiedene Ausbildungsberufe im dualen System entscheidet. Naturwissenschaftlich-technische Berufe finden sich in dieser Top-Liste nicht [5]. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Studiengängen: Obwohl Ingenieurwissenschaften und Informatik dringend qualifizierten Nachwuchs benötigen, sind Frauen in diesen Bereichen nach wie vor stark unterrepräsentiert [3].
Die Organisation des Aktionstags erfolgt durch ein Netzwerk aus Unternehmen, Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen, die sich bereit erklären, ihre Türen für die Mädchen zu öffnen [4]. Die Teilnahme ist freiwillig und zielt darauf ab, den Mädchen weibliche Vorbilder in Führungspositionen und in technischen Berufen zu präsentieren [4].
Struktur und Ablauf des Aktionstags
Die Teilnahme am Girls' Day ist für die Schülerinnen kostenlos und wird durch ein organisiertes System unterstützt. Die Anmeldung erfolgt online, wobei die Teilnehmerinnen ab Februar 2026 die Möglichkeit haben, sich für das nächste Event anzumelden [2].
Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Teilnahmemodule, die den Mädchen zur Auswahl stehen [2]: * Modul 1: Die Teilnehmerin begleitet eine Vertrauensperson (Eltern, Verwandte, Freundinnen) an deren Arbeitsplatz. Dies ermöglicht einen direkten Einblick in ein bereits bekanntes berufliches Umfeld. * Modul 2: Die Teilnehmerin wählt einen Betrieb aus einer Liste der teilnehmenden Betriebe aus, um dort einen Tag lang zu schnuppern. Bei der Suche können die Betriebe nach Branchen oder individuellen Interessen gefiltert werden.
Unabhängig vom gewählten Modul gilt die Einschränkung, dass der Besuch nur in Betrieben aus den Bereichen Technik, Industrie, Handwerk oder IT sowie in Berufen mit einem geringen Frauenanteil (z. B. Politik, Polizei) stattfinden darf [2]. Nach der Anmeldung erhalten die Mädchen eine Bestätigungsmail, die Schulfreistellung und die Fotofreigabe. Der ausgewählte Betrieb meldet sich bei den Teilnehmerinnen, um den genauen Ablauf des Tages zu koordinieren [2]. Als Abschluss erhalten alle Teilnehmerinnen eine Urkunde und unvergessliche Eindrücke [2].
Der Girls' Day in der Bauwirtschaft: Fokus auf Baubranche und Trockenbau
Ein besonderes Potenzial für den Girls' Day liegt in der Baubranche. Die Baubranche ist ein klassisches MINT-Feld mit großem Nachwuchsbedarf. Ein konkretes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung liefert die SCHiCK Unternehmensgruppe, die am Girls' Day 2025 mehr als 40 Mädchen Einblicke in die Welt des Bauwesens gewährte [1].
Das Programm der SCHiCK Unternehmensgruppe war strukturiert und praxisnah. Nach einer Begrüßung durch die Geschäftsführung und einer Unternehmenspräsentation folgte ein Betriebsrundgang, um die verschiedenen Arbeitsbereiche vorzustellen. Die anschließenden Workshops ermöglichten es den Teilnehmerinnen, handwerkliches Geschick unter Beweis zu stellen. Ein Highlight war der praktische Umgang mit einem Bagger, den die Mädchen selbst steuern durften [1].
Die Reaktionen der Teilnehmerinnen waren durchweg positiv. Viele äußerten großes Interesse an einer Ausbildung in der Baubranche. Die Geschäftsführung der SCHiCK Unternehmensgruppe betonte, dass es ein wichtiges Anliegen sei, Mädchen für technische und handwerkliche Berufe zu begeistern und ihnen die vielfältigen Karrieremöglichkeiten im Bauwesen aufzuzeigen [1].
Obwohl der Trockenbau als spezifisches Gewerke nicht explizit in den Quellen genannt wird, ist er integraler Bestandteil der modernen Bauwirtschaft. Der Girls' Day bietet hier eine ideale Plattform, um Berufe im Trockenbau, wie den Trockenbauinstallateur oder den Systemmonteur, bekannter zu machen. Diese Berufe erfordern Präzision, technisches Verständnis und handwerkliches Geschick – Eigenschaften, die durch praxisnahe Workshops, wie sie bei SCHiCK durchgeführt wurden, ideal vermittelt werden können.
Frauenanteil in Zielberufen: Definition und Statistik
Um zu definieren, welche Berufe überhaupt als "Girls' Day-Berufe" infrage kommen, wird der Frauenanteil als Kriterium herangezogen. Ein Frauenanteil von unter 40 Prozent gilt als Indikator für Unterrepräsentation. Die Quellen nennen hierbei eindrückliche Beispiele [3]: * Abwassermeisterin: 7,4 Prozent * Luft- und Raumfahrttechnikerin: 16,7 Prozent * Zweiradmechatronikerin: 8,3 Prozent
Im Bereich der Ausbildung und des Studiums werden Berufe wie Berufsfeuerwehrfrau, Fluggerätemechanikerin, Bauingenieurin, Informatikerin und Ingenieurin für Luft- und Raumfahrt genannt [3]. Diese Liste zeigt, dass der Girls' Day ein breites Spektrum abdeckt, das von klassischem Handwerk bis zu hochtechnisierten Ingenieursberufen reicht.
Unterstützung durch staatliche Institutionen und Berufsorientierung
Der Girls' Day wird staatlich gefördert und ist fest in der Berufsorientierungslandschaft verankert. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt die Initiative und bietet mit Tools wie "Check-U" einen Berufsorientierungstest an, der Mädchen hilft, ihre Stärken und Interessen zu erkennen [3]. Dies unterstreicht den systemischen Ansatz, Berufswahlentscheidungen nicht nur punktuell, sondern prozessbegleitend zu beeinflussen.
Die Bundesregierung sieht in der Stärkung von Mädchen und jungen Frauen ein Kernanliegen der Chancengleichheit. Das BMFSFJ und das BMBF setzen sich gemeinsam dafür ein, Mädchen das gesamte Berufs- und Studienwahlspektrum nahezubringen, wobei die Schwerpunkte auf handwerklichen und naturwissenschaftlich-technischen Karrieren liegen [5].
Die Verantwortung für die Organisation liegt bei einem Netzwerk, das durch die Initiative "Kompetenzz" (heute Teil von meinBERUF) unterstützt wird. Hier stehen Informations- und Aktionsmaterialien sowie ein interaktives Internetportal zur Verfügung [4].
Kritische Betrachtung der Quellenlage
Die vorliegenden Informationen basieren auf offiziellen Webportalen des Bundes (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesagentur für Arbeit), dem Informationsportal "Kompetenzz" (heute meinBERUF) sowie dem Portal "Girls' Day" selbst. Zudem liegt ein Bericht eines konkreten Unternehmens (SCHiCK Unternehmensgruppe) vor.
Die Zuverlässigkeit dieser Quellen ist als hoch einzustufen. Es handelt sich um: 1. Staatliche Stellen: Diese geben Regierungsprogramme und statistische Grundlagen verbindlich wieder. 2. Trägerorganisationen: Portale wie "Girls' Day" oder "Kompetenzz" sind direkte Ansprechpartner für die Durchführung und bieten autoritative Informationen zum Ablauf. 3. Unternehmensberichte: Der Bericht der SCHiCK Unternehmensgruppe liefert ein authentisches Praxisbeispiel, das die Wirkung des Aktionstags belegt.
Widersprüche in den Daten sind nicht erkennbar. Die Informationen zum Ablauf (Module, Anmeldung) sind konsistent. Die statistischen Daten zum Frauenanteil und zur Berufswahl werden in den Quellen [3] und [5] deckungsgleich dargestellt. Eine Unsicherheit besteht lediglich bezüglich der exakten Durchführung des Trockenbaus am Girls' Day. Die Quellen belegen allgemein die Aktivitäten in der Baubranche (SCHiCK), nennen aber das Gewerke Trockenbau nicht explizit. Eine direkte Verknüpfung muss daher als logische Schlussfolgerung aus der Branchenzugehörigkeit gezogen werden, ohne dass eine spezifische Bestätigung vorliegt.
Zusammenfassung der Prozesse und Vorteile
Für Bauunternehmen, die sich überlegen, am nächsten Girls' Day teilzunehmen, lassen sich aus den Quellen folgende Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen ableiten:
- Strukturierung des Tages: Ein erfolgreicher Girls' Day profitiert von einer Mischung aus Theorie (Vorstellung des Unternehmens) und Praxis (Workshops, Maschinenführung). Das Beispiel von SCHiCK zeigt, dass der aktive Umgang mit Baumaschinen (Bagger) ein zentrales Highlight ist [1].
- Zielgruppenansprache: Die Mädchen kommen oft mit Vorurteilen oder wenig Wissen über handwerkliche Berufe. Das Programm muss daher niedrigschwellig und motivierend gestaltet sein.
- Nachhaltigkeit: Das Ziel ist nicht nur ein netter Tag, sondern die Weckung von Interesse an einer Ausbildung. Daher sollten Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten direkt zugänglich gemacht werden, wie das Beispiel der Bereitstellung von Links zu Ausbildungsplätzen bei SCHiCK zeigt [1].
Der Girls' Day ist somit weit mehr als ein einziger Tag. Er ist ein strategisches Instrument zur Personalgewinnung und zur Imagepflege der Baubranche. Er ermöglicht es, das Potenzial von Mädchen für Berufe im Trockenbau und anderen Gewerken zu erschließen, die traditionell von Männern dominiert werden.
Fazit
Der Girls' Day ist ein etablierter und effektiver Aktionstag zur Berufsorientierung, der gezielt Mädchen für technische und handwerkliche Berufe gewinnt. Durch die direkte Konfrontation mit den Arbeitswelten in Betrieben, wie dem Bauwesen der SCHiCK Unternehmensgruppe, können Klischees abgebaut und reale Karrierechancen aufgezeigt werden. Die staatliche Unterstützung und die Organisation über zentrale Portale gewährleisten eine flächendeckende Durchführung. Für die Baubranche, insbesondere auch für Nischengewerke wie den Trockenbau, bietet der Girls' Day eine unverzichtbare Gelegenheit, den drohenden Fachkräftemangel durch eine gezielte Ansprache des weiblichen Nachwuchses zu lindern. Die hohe Zustimmungsrate der Teilnehmerinnen unterstreicht den Erfolg des Konzepts.