Brandschutztechnische Abschottungen für Kabeldurchführungen in Trockenbaukonstruktionen

Die Installation von elektrischen Leitungen, Datenkabeln und anderen technischen Durchführungen stellt in modernen Gebäudekonstruktionen eine wesentliche Herausforderung im baulichen Brandschutz dar. Insbesondere im Trockenbau, bei dem Wände und Decken aus Gipskartonplatten und Metallständerwerken bestehen, müssen brandschutztechnische Anforderungen erfüllt werden, um die Ausbreitung von Feuer und Rauch durch Installationskanäle und Durchdringungen zu verhindern. Zwei etablierte Systeme auf dem Markt sind die Kabel- und Installationskanäle von Rigips, die auf Spezialbrandschutzplatten basieren, und die Kabelboxen von Wichmann, die als mechanische Brandabschottungen fungieren. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Grundlagen, Anwendungsbereiche und Prüfungen dieser Systeme basierend auf den vorliegenden Herstellerangaben.

Grundlagen des Brandschutzes bei Kabelinstallationen

In jeder Immobilie treffen diverse Leitungen auf Bauteile wie Wände und Decken. Sind diese Bauteile brandschutztechnisch zu trennen, müssen auch die Durchführungen entsprechend abgedichtet werden. Unabhängig davon, ob es sich um Stromkabel, Steuerleitungen oder Datenkabel handelt, sind die Ummantelungen dieser Leitungen in der Regel brennbar. Ziel des Brandschutzes ist es, entweder die Installation selbst vor Feuer zu schützen, um deren Funktionstüchtigkeit im Brandfall zu gewährleisten, oder umliegende Räume vor einem ausgehenden Brandgeschehen (z. B. durch einen Kabelbrand) zu sichern.

Im baulichen Brandschutz wird grundsätzlich zwischen zwei Arten von Kanalkonstruktionen unterschieden, die im Trockenbau Anwendung finden:

  • Kabelkanäle zum Funktionserhalt: Diese dienen dem Schutz der Kabelanlage vor Feuer von außen.
  • Installationskanäle: Diese dienen dem Schutz der Umgebung vor Feuer von innen.

Beide Ansätze lassen sich wirtschaftlich und flexibel durch spezielle Trockenbaulösungen umsetzen.

Kabel- und Installationskanäle nach Rigips

Rigips bietet Systeme aus der Spezialbrandschutzplatte „Glasroc F“ vom Typ GM-FH2. Es handelt sich hierbei um vliesarmierte Gipsplatten, die der Norm EN 15283-1 entsprechen. Diese Platten bilden die Basis für Kanalkonstruktionen, die an Tragschienen aus Metall befestigt werden.

Unterscheidung und Schutzziel

Die Systeme von Rigips unterscheiden sich klar in ihrem Schutzziel:

  1. Kabelkanäle (Funktionserhalt):

    • Schutzrichtung: Von außen nach innen.
    • Funktion: Sie schützen die im Kanal verlegten Kabel vor der Einwirkung eines Brandes über einen bestimmten Zeitraum. Das Ziel ist der Erhalt der Funktionstüchtigkeit von betrieblichen Anlagen, Steuerungen, Alarmierungsanlagen, Beleuchtungen und Feuerlöschsystemen auch im Brandfall.
    • Prüfung: Die Prüfung erfolgt nach DIN 4102-12. Dabei wird der Kanal einer Brandbeanspruchung von der Außenseite unterzogen. Als Beurteilungskriterien gelten die Verhinderung eines Kurzschlusses oder eines Leiterbruchs. Die ermittelte Funktionserhaltsklasse trägt das Kurzzeichen „E“.
  2. Installationskanäle:

    • Schutzrichtung: Von innen nach außen.
    • Funktion: Sie schützen vor der Brandübertragung (Ausbreitung) in die Umgebung. Sollte es im Inneren des Kanals zu einem Kabelbrand kommen, werden umliegende Räume, Flure oder Rettungswege zuverlässig vor den Auswirkungen geschützt. Der Kanal schließt das Feuer im Brandfall ein.
    • Prüfung: Die Prüfung erfolgt nach DIN 4102-11. Hierbei wird der Kanal einer Brandbeanspruchung von der Innenseite unterzogen. Beurteilungskriterien sind der Raumabschluss und das Einhalten von Temperaturkriterien auf der Außenseite. Die Feuerwiderstandsklasse trägt das Kurzzeichen „I“.

Bauweise und Planung

Bei der Ausführung der Rigips Kanalkonstruktionen kann zwischen einem festen oder einem losen Deckel gewählt werden. Ein loser Deckel wird empfohlen, wenn zu erwarten ist, dass der Kabelkanal nachträglich belegt oder erweitert werden muss. Für die Planung und Ausführung ist es entscheidend, die Vorgaben des jeweiligen Anwendbarkeitsnachweises zu erfüllen, um die Zulassung der Konstruktion sicherzustellen.

Mechanische Brandabschottungen: Die Wichmann Kabelbox

Das Unternehmen Wichmann hat sich auf mechanische Brandabschottungen spezialisiert, die seit 1985 auf dem Markt sind und deren Grundprinzip Eingang in nationale und europäische Normen gefunden hat. Das System basiert auf einem Gehäuse, das innenseitig mit Brandschutzpaketen ausgekleidet ist. Im Brandfall (ab ca. 100°C) blähen diese Pakete auf und dichten die Durchführung ab, sodass ein Raumabschluss hergestellt wird.

Druckbeständigkeit und Anwendung in Gaslöschanlagen

Ein wesentliches Merkmal der Wichmann Kabelboxen ist ihre Druckbeständigkeit. Dies ist besonders relevant in Räumen, in denen Gaslöschanlagen installiert sind, da diese kurzzeitig Überdruck erzeugen können.

  • Standard-Kabelboxen: Tests durch VDS-Prüfingenieure haben gezeigt, dass die WD90 Kabelbox in einer Massivwand einem Druck von 6000 Pa (60 mbar) und in einer Trockenbauwand einem Druck von 1800 Pa (18 mbar) standhalten kann. Da bei Gaslöschanlagen meist ein Überdruck von bis zu 500 Pa auftritt, bietet diese Bestätigung ein erhebliches Sicherheitspolster (Faktor 2 bis 12 je nach Wandtyp).
  • WD90 DB (Druckbeständig): Für Anwendungen mit extremen Anforderungen wurde eine spezielle Variante entwickelt, die dauerhaften Überdruck von 100 mbar und kurzzeitigem Überdruck von 500 mbar standhält.

Einbauvoraussetzungen und Wanddicken

Die Zulassung der Kabelboxen ist an bestimmte Wand- und Deckenaufbauten gebunden:

  • Wände: Wichmann Kabelboxen dürfen in leichten Trennwänden, Leichtbau- und Massivwänden ab 10 cm Dicke eingebaut werden. Für andere Wandarten ist eine separate Prüfung erforderlich. In „Standardleichtbauwänden“ ist oft keine Laibung erforderlich, in anderen Wandkonstruktionen jedoch schon. Grundsätzlich empfiehlt sich der Einbau einer Laibung zur Absicherung.
  • Decken: Die Boxen sind grundsätzlich für Wände und Decken (WD90) zugelassen. Für den Deckeneinbau gelten folgende Anforderungen: Mindest-Dicke von 15 cm, Ausführung in Beton, Stahlbeton oder Porenbeton. Bei anderen Deckenarten (Holz, Ziegel, Hohlkammer) sind Kompensationsmaßnahmen und eine separate Prüfung nötig.

Montage und Zubehör

Für eine schnelle und sichere Montage bietet Wichmann diverse Systemkomponenten an:

  • EasyFoam: Ein Montageschaum, der das Anmischen von Baustoffen überflüssig macht. Der Schaum wird einfach eingeschäumt und dichtet ab. Er entspricht der Brennbarkeitsklasse B1 (schwer entflammbar).
  • Distanzanker: Werden mehr als zwei WD90 Boxen vor Einander in einer Decke eingebaut, sichern Distanzanker den Mindestabstand von 1,5 cm zwischen den Boxen.
  • Verlängerungssatz: Da die Boxen eine Standardlänge von 27 cm haben, dient der Verlängerungssatz (teleskopartig) für Wände oder Decken, die dicker sind.
  • Schaumstoffplatten & SoniFoam: Diese dienen zum Nachabdichten von Restöffnungen. SoniFoam-Platten bieten zusätzlich einen optimalen Schallschutz.
  • Montagewinkel: Ermöglichen die Befestigung der rechteckigen WD90 Kabelboxen an Wand oder Decke.

Ein besonderer Vorteil des Systems ist die Zulassung für die Vollbelegung bei Nullabstand. Das bedeutet, es können 100 % des Querschnitts des Kabelkanals mit Kabeln belegt werden, was die Wirtschaftlichkeit erhöht. Zudem ist das System für Wartungszwecke konzipiert; es existieren Faltboxen für kleinere Belegungen, die das Öffnen und Wiederverschließen erleichtern.

Vergleich der Systeme und Anwendungsgebiete

Während die Rigips-Lösung auf der Verwendung von speziellen Gipsplatten (Glasroc F) basiert und als integrierte Kanalkonstruktion im Trockenbau ausgeführt wird, setzt Wichmann auf ein vorgefertigtes, mechanisches Abschottungssystem (Kabelbox), das in bestehende Bauteile integriert wird.

Die Rigips-Systeme bieten eine hohe Flexibilität in der Gestaltung der Kanäle, da sie direkt in die Trockenbaukonstruktion integriert werden. Sie sind klar nach Schutzziel (Funktionserhalt vs. Umgebungsschutz) und Prüfnorm (DIN 4102-12 vs. DIN 4102-11) getrennt.

Die Wichmann Kabelboxen bieten hingegen eine standardisierte, zugelassene Lösung, die insbesondere durch ihre Druckbeständigkeit und die Möglichkeit der Vollbelegung (100 % Überbelegung) überzeugt. Die Integration von Brandschutzpaketen, die bei Hitze aufblähen, ist ein etabliertes Prinzip, das Eingang in die Normung gefunden hat. Die Möglichkeit, die Boxen auch in Wänden mit Gaslöschanlagen einzusetzen, unterstreicht ihre robuste Leistungsfähigkeit.

Fazit

Die brandschutztechnische Sicherung von Kabeldurchführungen im Trockenbau erfordert spezifische Lösungen, die den jeweiligen Anforderungen an das Schutzziel (Funktionserhalt oder Raumabschluss) und die Einbausituation angepasst sind.

Sowohl die Rigips Kabel- und Installationskanäle als auch die Wichmann Kabelboxen bieten hierfür geprüfte und zugelassene Systeme. Rigips setzt dabei auf eine materialbasierte Lösung mit Spezialplatten, die eine Integration in den Trockenbau ermöglicht und eine klare Trennung der Schutzziele nach DIN-Normen vornimmt. Wichmann bietet ein mechanisches Abschottungssystem, das sich durch hohe Druckbeständigkeit, einfache Montage durch Zubehör wie EasyFoam und die Zulassung zur Vollbelegung auszeichnet. Für Planer und Ausführende ist die Wahl des Systems von der spezifischen Bauaufgabe, den bauphysikalischen Anforderungen (z. B. Druckbelastung durch Gaslöschanlagen) und den Vorgaben der bauaufsichtlichen Zulassungen abhängig.

Quellen

  1. Rigips - Kabel- und Installationskanaele
  2. Wichmann - Kabelboxen

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