Professionelle Bauablaufplanung im Trockenbau mit MS Project: Planung, Steuerung und Dokumentation von Behinderungen

Einleitung

Die Bauablaufplanung stellt ein fundamentales Element der modernen Bauprojektmanagement-Praxis dar, insbesondere im Trockenbau, wo die Koordination verschiedener Gewerke und die Einhaltung enger Zeitpläne von entscheidender Bedeutung sind. Die zur Verfügung gestellten Quellen beleuchten die Notwendigkeit und die konkrete Anwendung von Microsoft Project (MS Project) als Werkzeug zur Planung, Steuerung und Dokumentation von Bauprozessen. Ein wesentlicher Aspekt, der in den Quellen hervorgehoben wird, ist die mangelhafte Planung von Bauabläufen durch Bauherren oder Generalunternehmer, was zu Koordinationsproblemen bei den Ausbaugewerken führt. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist eine eigene, EDV-gestützte Ablaufplanung für Ausbauunternehmen unerlässlich. Diese ermöglicht nicht nur eine effiziente Leistungserbringung und die Einhaltung kalkulierter Zeit- und Kostenansätze, sondern dient auch der zwingend erforderlichen Dokumentation von Bauablaufstörungen und Behinderungen. Die folgende Abhandlung basiert ausschließlich auf den in den Quellen dargelegten Informationen und erläutert die systematische Planung und Dokumentation von Bauabläufen mit MS Project im Kontext des Trockenbaus.

Die Notwendigkeit einer professionellen Ablaufplanung

Im Bauwesen, speziell im Ausbau und Trockenbau, ist die Koordination der Gewerke eine komplexe Aufgabe. Die Quellen verweisen auf die Praxis, dass Bauherren oder Generalunternehmer den Bauablauf im Ausbau oft nur mangelhaft planen. Dies wird beispielsweise in Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Auftraggeber deutlich, die Regelungen enthalten, wonach mit Behinderungen von Seiten anderer Gewerke zu rechnen ist, Verschiebungen nicht zur Verlängerung von Ausführungsfristen führen oder kein Anspruch auf ununterbrochenen Arbeitskräfteeinsatz besteht.

Für Ausbauunternehmen resultieren daraus erhebliche Risiken. Eine ineffiziente Leistungserbringung, die Überschreitung kalkulierter Zeit- und Kostenansätze sowie fehlende Nachweise für Bauablaufstörungen sind die direkten Folgen. Eine eigene, EDV-gestützte Ablaufplanung wird daher als erforderlich angesehen, um diesen Risiken zu begegnen. Sie dient der systematischen Terminplanung, der Ressourcensteuerung und, ganz wesentlich, der lückenlosen Dokumentation von Behinderungen. Diese Dokumentation ist die Grundlage für die Geltendmachung von Nachforderungen im Falle gestörter Bauabläufe.

Grundlagen der Planung mit MS Project

Bevor die eigentlichen Vorgänge in MS Project geplant werden können, sind grundlegende Einstellungen und Formatierungen erforderlich, die für die Genauigkeit des Plans entscheidend sind. Die Quellen beschreiben hierzu konkrete Arbeitsschritte.

Einrichtung des Projektkalenders

Ein zentraler erster Schritt ist die Einrichtung eines Projektkalenders. MS Project stellt standardmäßig keinen Feiertagskalender zur Verfügung. Es ist daher notwendig, die aufgrund gesetzlicher oder tariflicher Regelungen arbeitsfreien Tage manuell in den Projektkalender zu übernehmen. Dies geschieht über das Menü Extras > Arbeitszeit ändern…. Freie Tage können markiert und als „Arbeitsfreie Zeit“ definiert werden.

Zusätzlich kann die Standardarbeitszeit geändert werden. Dies ist insbesondere dann relevant, wenn im Verlauf des Projekts Änderungen in der Arbeitszeitorganisation eintreten, beispielsweise durch die Einführung von Mehrschichtbetrieb. Eine nachträgliche Änderung der Arbeitszeitvorgaben ermöglicht es dem Programm, die Auswirkungen auf den Projektverlauf unmittelbar zu berechnen und den Plan entsprechend anzupassen.

Formatierung der Balkenansicht

Für eine übersichtliche und informationsreiche Darstellung des Projektplans empfehlen die Quellen eine spezifische Formatierung der Balkenansicht. Standardmäßig zeigt MS Project in der Balkenansicht oft nur die Vorgangsdauer oder den Vorgangsnamen an. Um die Effizienz der Planungsüberwachung zu erhöhen, sollten die Balken so formatiert werden, dass eine Auswahl verfügbarer Informationen direkt im Balkendiagramm sichtbar ist.

Dies wird über den Menüpunkt Format > Balkenarten … vorgenommen. In dem sich öffnenden Dialogfenster können unter den Registern „Balken“ und „Text“ zusätzliche Informationen konfiguriert werden. Hier können beispielsweise die Ressourcenbezeichnung, die Fälligkeitsdaten von Meilensteinen oder der Prozentsatz der erledigten Arbeit direkt auf dem Balken dargestellt werden. Diese visuelle Aufbereitung erleichtert die schnelle Erfassung des Projektstatus und möglicher Engpässe.

Erstellung und Steuerung von Bauablaufplänen

MS Project bietet ein umfassendes Funktionsspektrum, das über die reine Terminplanung hinausgeht und eine detaillierte Steuerung von Ressourcen und Abhängigkeiten ermöglicht.

Erstellung von Bauablaufplänen

Ein Kernziel der Schulungen, die im Kontext der Quellen erwähnt werden, ist das Erlernen der Erstellung von Bauablaufplänen mit Microsoft Project. Dies umfasst die systematische Erfassung aller Vorgänge, die für die Fertigstellung des Projekts notwendig sind. Die Vorgänge werden mit ihren jeweiligen Dauern definiert. Anschließend werden logische Abhängigkeiten (Vorgänger-Nachfolger-Beziehungen) festgelegt, um den Projektfluss realistisch abzubilden.

Die Quellen heben hervor, dass die Teilnehmer von Seminaren lernen, wie man Bauablaufpläne erstellt, die als Steuerungsinstrument für das gesamte Projekt dienen. Dies ist die Basis für eine termintreue Planung.

Ressourcenkoordination und Engpasserkennung

Ein wesentlicher Vorteil der Nutzung von MS Project ist die Möglichkeit der Ressourcenkoordination. In der Baupraxis ist es entscheidend, dass Personal, Maschinen und Materialien zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sind. MS Project ermöglicht es, Ressourcen den einzelnen Vorgängen zuzuordnen und Konflikte, wie z. B. die doppelte Belegung eines Mitarbeiters, zu identifizieren.

Durch die zentrale Überwachung der Ressourcen können Engpässe frühzeitig erkannt werden. Die Quellen verweisen darauf, dass das Ziel ist, „Engpässe zu erkennen und gegenzusteuern“. Dies kann durch Verschiebung von Vorgängen, die Anhebung von Ressourcenkapazitäten (z. B. durch Mehrschichtarbeit) oder die Aufteilung von Vorgängen geschehen. Die Software berechnet die Auswirkungen solcher Anpassungen unmittelbar, was eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Projektleiter schafft.

Projektübergreifende Zusammenarbeit

In größeren Bauvorhaben, die sich über mehrere Teilprojekte oder Gewerke erstrecken, ist eine übergreifende Planung erforderlich. MS Project bietet die Funktion, mehrere einzelne MS Project Dateien in einem Hauptprojekt zusammenzustellen. Dies ermöglicht die Abbildung von projektübergreifenden Abhängigkeiten.

Ein typisches Beispiel im Trockenbau ist die Abhängigkeit von vorangehenden Rohbauleistungen. Wenn diese Information in einem separaten Projektplan des Rohbaus vorliegt, kann sie in den Plan des Trockenbaus integriert werden. Änderungen im Rohbauplan führen dann automatisch zu einer Anpassung im Trockenbauplan. Dies schafft Transparenz für alle Beteiligten und erlaubt eine zentrale Ressourcenüberwachung über Gewerke hinweg.

Dokumentation von Behinderungen und Störungen

Ein Kernthema der Quellen ist die Dokumentation von Bauablaufstörungen. Im Bauwesen, insbesondere bei der Koordination mehrerer Gewerke, sind Behinderungen durch Dritte an der Tagesordnung. Die Fähigkeit, diese Störungen lückenlos nachzuweisen, ist für die Durchsetzung von Ansprüchen (z. B. auf Verlängerung der Ausführungsfrist oder auf Nachtragsvergütung) von elementarer Bedeutung.

MS Project wird als Werkzeug zur Dokumentation von Behinderungen beschrieben. Wenn ein Ereignis (z. B. die verspätete Übergabe einer Baustelle durch ein anderes Gewerk) zu einer Behinderung führt, kann dies im Projektplan vermerkt werden. Die Software erlaubt es, die Auswirkungen dieser Behinderung auf den weiteren Projektverlauf zu simulieren und zu berechnen.

Der Einsatz von MS Project geht hier über die reine Terminplanung hinaus. Er schafft eine nachvollziehbare, datengestützte Basis für die Kommunikation mit dem Auftraggeber oder den verursachenden Gewerken. Die Berechnung der Auswirkungen auf den Bauablauf liefert die notwendigen Daten, um die Behinderung in ihrer wirtschaftlichen Dimension zu erfassen und zu dokumentieren. Diese systematische Dokumentation ist ein wesentlicher Bestandteil des professionellen Nachtragsmanagements.

Schulungen und Kompetenzaufbau

Die Quellen geben auch Einblick in die Verbreitung und den Bedarf an entsprechender Schulung. Ein Anbieter, Seplura, führt MS Project Schulungen für Architekten, Bauingenieure und Bauprojektleiter in zahlreichen deutschen Städten durch. Die genannten Standorte reichen von Aachen über Berlin, Frankfurt, Hamburg, München bis nach Wien und Zürich, was die bundesweite Relevanz des Themas unterstreicht.

Zielgruppe und Kursinhalte

Die Schulungen richten sich speziell an das Bau-Umfeld, also an Architekten, Bauingenieure und Bauprojektleiter. Eine Zielgruppe sind insbesondere auch Autodidakten, die sich das Programm selbst beigebracht haben und sich über das vermeintliche „Eigenleben“ des Programms wundern. Dies deutet auf eine Komplexität der Software hin, die eine professionelle Einarbeitung erfordert, um Fehler in der Planung zu vermeiden.

Die Kursinhalte umfassen neben der Erstellung von Bauablaufplänen und der Koordination von Ressourcen auch die Dokumentation von Behinderungen und die Erstellung aussagekräftiger Berichte für die Projektauswertung und Überwachung. Ein spezifisches Ziel ist die termintreue Planung durch frühzeitige Erkennung von Planungsengpässen und Abweichungen zum Soll.

Anerkennung als Fortbildung

Ein Indikator für die Professionalität und die Relevanz dieser Thematik ist die Möglichkeit zur Anerkennung der Fortbildungsstunden bei den zuständigen Kammern (Architekten- oder Ingenieurskammern). Die Quellen verweisen darauf, dass die bei den Kammern eingereichten Kurse bisher alle als Fortbildung anerkannt wurden. Dies unterstreicht den anerkannten fachlichen Wert des Wissens um die Anwendung von MS Project im Bauwesen.

Fazit

Die Analyse der vorliegenden Quellen zur Bauablaufplanung mit MS Project im Trockenbau zeigt eine klare Notwendigkeit für den Einsatz professioneller Software zur Sicherung der Projekterfolge. Die mangelhafte Planung durch Auftraggeber und die Komplexität der Gewerkekoordination erfordern eine eigenständige, systematische und EDV-gestützte Planung durch die ausführenden Unternehmen.

MS Project erweist sich hierbei als ein zentrales Werkzeug, das weit über eine einfache Terminplanung hinausgeht. Die Quellen identifizieren mehrere kritische Erfolgsfaktoren, die durch den Einsatz der Software adressiert werden:

  1. Systematische Grundeinstellungen: Die korrekte Einrichtung des Projektkalenders unter Berücksichtigung gesetzlicher und tariflicher Arbeitszeiten sowie die Anpassung der Balkenansicht zur visuellen Aufbereitung von Informationen sind die fundamentalen Voraussetzungen für einen genauen und aussagekräftigen Plan.
  2. Effiziente Planung und Steuerung: Die Erstellung von detaillierten Bauablaufplänen, die Einbindung von Ressourcen und die Möglichkeit, projektübergreifende Abhängigkeiten abzubilden, ermöglichen eine proaktive Steuerung. Engpässe können identifiziert und durch Gegenmaßnahmen behoben werden, bevor sie zu Verzögerungen führen.
  3. Unverzichtbare Dokumentation: Die Fähigkeit, Behinderungen und Störungen im Bauablauf lückenlos zu dokumentieren und deren Auswirkungen zu berechnen, ist von entscheidender wirtschaftlicher Bedeutung. Sie bildet die Basis für die Durchsetzung von Nachträgen und die Abwehr unberechtigter Forderungen.
  4. Notwendigkeit der Fachkompetenz: Die breite geografische Streuung der Schulungsangebote und die Anerkennung der Kurse als Fortbildung unterstreichen die hohe Relevanz und die Komplexität der Materie. Eine professionelle Anwendung erfordert fundiertes Wissen, das über das autodidaktische Erlernen hinausgeht.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der professionelle Einsatz von MS Project im Trockenbau eine strategische Notwendigkeit darstellt, um in einem wettbewerbsintensiven Markt die Profitabilität zu sichern, Risiken zu minimieren und die Qualität der Projektabwicklung nachhaltig zu verbessern.

Quellen

  1. Heilfort - Den Bauablauf sicher im Griff, Teil 2 – Bauablaufplanung mit MS Project
  2. Seplura - Bauprojektmanagement mit MS Project Schulung

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