Entscheidungshilfe: Die Bedeutung von Piktogrammen und Symbolen bei der Auswahl von Bodenbelägen

Einleitung

Die Auswahl des richtigen Bodenbelags ist eine zentrale Entscheidung bei der Renovierung oder dem Neubau eines Gebäudes. Um Verbrauchern und Fachplanern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, hat sich in der europäischen Bauindustrie ein standardisiertes System aus Piktogrammen und Symbolen etabliert. Diese grafischen Darstellungen liefern auf einen Blick wesentliche Informationen über die technischen Eigenschaften, die Einsatzbereiche und die Umweltverträglichkeit eines Bodenbelags. Die Symbole basieren auf Normen und technischen Spezifikationen, die eine Vergleichbarkeit der Produkte gewährleisten. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Symbolgruppen, ihre Bedeutung und ihre Relevanz für die Praxis, basierend auf den verfügbaren branchenspezifischen Informationen.

Standardisierung und Verfügbarkeit der Symbole

Die Symbole für Bodenbeläge sind in einem einheitlichen System verankert. Die technischen Daten und die Definitionen der Symbole werden durch das Technical Committee CEN/TC 134 „Resilient, textile and laminate floor coverings“ erstellt und veröffentlicht. Die relevanten Daten sind in der Norm FprCEN/TS 15398:2015 (veröffentlicht am 23.10.2015) zusammengefasst, die die vorherige Version CEN/TS 15398:2008 ersetzt.

Für Hersteller und Anwender stehen diese Symbole als Bild- und Vektordaten (z. B. .jpg und .eps) sowie als Schriftenfond auf Plattformen wie „www.floorsymbols.com“ zum Download zur Verfügung. Die Nutzung der Symbole ist unentgeltlich, sofern das entsprechende Produkt die erforderliche technische Prüfung bestanden hat. Dies gewährleistet, dass die Symbole ausschließlich für zertifizierte Produkte verwendet werden und eine verlässliche Informationsquelle darstellen.

Einsatzbereiche und Nutzungsklassen

Ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl eines Bodenbelags ist die Eignung für den vorgesehenen Nutzungsbereich. Die Symbole unterscheiden hierbei zwischen privaten, gewerblichen und industriellen Bereichen, wobei die Belastung durch Verkehr und Nutzung definiert wird.

Private Einsatzbereiche

Für den privaten Sektor werden vier Nutzungsklassen unterschieden, die den Grad der Beanspruchung beschreiben:

  • Klasse 21 (leicht/mäßig): Dieser Bodenbelag eignet sich für Räume mit geringer oder zeitweiser Nutzung, wie beispielsweise Schlafzimmer.
  • Klasse 22 (mäßig/normal): Diese Klasse ist für normale Wohnräume und Eingangsbereiche konzipiert, die einem mittleren Nutzungsaufkommen unterliegen.
  • Klasse 22+ (normal): Dieser Belag wird für Wohn- und Schlafzimmer, Ess- und Gästeräume empfohlen, die einem normalen bis intensiven Nutzungsaufkommen ausgesetzt sind.
  • Klasse 23 (stark/intensiv): Für stark genutzte Bereiche wie Küchen oder Treppenhäuser ist die Nutzungsklasse 23 erforderlich.

Gewerbliche Einsatzbereiche

Im gewerblichen Bereich richtet sich die Auswahl nach dem erwarteten Publikumsverkehr:

  • Klasse 31 (leicht): Geeignet für Hotelzimmer, Einzelbüros und alle Wohnbereiche mit geringer Beanspruchung.
  • Klasse 32 (normal): Diese Klasse deckt Hotelzimmer, Verkaufsräume, Restaurants und Einzelbüros ab.
  • Klasse 33 (stark): Für Büros, Restaurants, Schulen und Warenhäuser mit starkem Publikumsverkehr.
  • Klasse 34 (sehr stark): Die höchste Klasse dient für stark frequentierte Bereiche wie Kaufhäuser, Mehrzweckhallen, Schalterhallen oder Flughäfen.

Industrielle Einsatzbereiche

Für industrielle Anwendungen gelten spezielle Anforderungen:

  • Klasse 41 (mäßig): Gelegentlicher Fahrzeugverkehr, z. B. in Elektronikwerkstätten.
  • Klasse 42 (normal): Mittlere Beanspruchung, z. B. in Elektronikwerkstätten, Lagerräumen oder bei Fahrzeugverkehr.
  • Klasse 43 (stark): Starke Beanspruchung, z. B. in Produktions- oder Lagerhallen.

Eine alternative Bezeichnung für die Belastbarkeit von Teppichböden sind die sogenannten LC-Klassen (Light Commercial). Diese reichen von LC1 (leichte Beanspruchung) bis LC5 (sehr starke Beanspruchung) und dienen als Übergang zwischen privater und gewerblicher Nutzung.

Rutschfestigkeit (Sicherheit)

Die Rutschfestigkeit ist ein essenzieller Sicherheitsaspekt, insbesondere in Bereichen, die feucht oder nass werden können, wie Badezimmer, Küchen oder Außenbereiche. Die Klassifizierung erfolgt durch die R-Klassen (R9 bis R13), die den Haftreibwert auf einer schiefen Ebene definieren.

  • R9: Empfohlen für die normale private Anwendung mit einem Neigungswinkel von 3° bis 10°.
  • R10: Bietet einen normalen Haftreibwert und ist trittsicher bis zu einem Neigungswinkel von 10° bis 19°. Dies wird für barrierefreie Bereiche empfohlen.
  • R11: Erhöhter Haftreibwert, trittsicher bis 19° bis 27°.
  • R12: Großer Haftreibwert, trittsicher bis 27° bis 35°.
  • R13: Sehr großer Haftreibwert, trittsicher über 35°.

Für die Anwendung in privaten Haushalten sind in der Regel R9 und R10 ausreichend, wobei R10 die erhöhte Sicherheit in barrierefreien Bereichen gewährleistet.

Brandverhalten

Das Brandverhalten von Bodenbelägen ist ein kritischer Sicherheitsfaktor im Bauwesen und unterliegt strengen Normen. Die Klassifizierung erfolgt nach europäischen Normen, die die Brennbarkeit und die Rauchentwicklung definieren.

  • A1fl: Bodenbeläge dieser Klasse sind nicht brennbar. Es entsteht keine Rauchentwicklung.
  • A2fl-s1: Diese Klasse besagt, dass der Bodenbelag nicht brennbar ist, aber Anteile von brennbaren Baustoffen enthält. Es kommt zu keiner oder nur sehr geringer Rauchentwicklung.

Diese Klassifizierungen sind für die Planung von Sicherheitskonzepten in öffentlichen und gewerblichen Gebäuden unerlässlich.

Elektrische Eigenschaften und Antistatik

In Bereichen mit empfindlicher Elektronik oder Computern sind die elektrischen Eigenschaften des Bodenbelags entscheidend, um elektrostatische Aufladung zu verhindern.

  • Antistatik: Dieses Symbol kennzeichnet Bodenbeläge, die antistatisch ausgerüstet und ableitend sind. Sie sind optimal für Büroräume mit EDV-Anlagen geeignet.
  • Elektrisch ableitbar: Dieses Symbol zeigt an, dass der Bodenbelag elektrische Ladungen ableitet. Es ist besonders wichtig für Computerräume. Es wird unterschieden zwischen „ableitend“ und „leitfähig“.
  • Reibungskoeffizienten: Es wird ein Reibungskoeffizient von 0,3 im trockenen und verschmutzten Zustand gefordert.

Zusätzlich können Teppichböden spezielle Zusatzeignungen aufweisen, die durch Symbole visualisiert werden, wie beispielsweise die Eignung für Stuhlrollen (gelegentlich oder ständig).

Umweltzeichen und Zertifikate

Neben den technischen Eigenschaften spielen ökologische Aspekte eine zunehmende Rolle. Verschiedene Siegel geben Aufschluss über die Umweltverträglichkeit und die Emissionen eines Produkts.

Umweltzeichen

  • Europäisches Umweltzeichen (EU Ecolabel): Dieses 1992 von der EU eingeführte Zeichen kennzeichnet Produkte und Dienstleistungen mit geringeren Umweltauswirkungen. Kriterien sind unter anderem der Energieverbrauch bei der Herstellung, der Einsatz gesundheits- oder umweltgefährdender Stoffe und das Abfallaufkommen.
  • Nordisches Umweltzeichen („Miljömärkt – der weisse Schwan“): Ein seit 1989 bestehendes einheitliches nordisches Umweltzeichen, das nach einem ganzheitlichen Ansatz bei der Entwicklung der Kriterien vorgeht.
  • Blaue Engel: Das deutsche Umweltzeichen wird hier als Vergleichsgröße für das EU-Ecolabel genannt.

Gesundheit und Emissionen

  • Floorscore: Dieses Zertifikat testet Bodenbeläge und Zubehör auf die Emission flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) einschließlich Formaldehyd. Entwickelt wurde es vom Zertifizierungsanbieter Scientific Certification Systems (SCS) und dem Herstellerverband Resilient Floor Covering Institute (RFCI). Ursprünglich für elastische Bodenbeläge gedacht, ist es heute auch für Holz-, Bambus- und Korkbeläge, Laminatböden, Klebstoffe und Unterlagen erhältlich. Der Floorscore orientiert sich an US-amerikanischen Standards und entspricht nicht der deutschen AgBB-Norm. Er ist für Hersteller interessant, die ihre Produkte außerhalb Europas vermarkten möchten.

Soziale Verantwortung

  • Fairtrade: Während Fairtrad ursprünglich den Schwerpunkt auf Lebensmittel legte, zertifiziert es nun auch Gold und Baumwolle. Das Produktsiegel für Baumwolle steht für fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle, die über alle Produktionsschritte direkt rückverfolgbar ist und getrennt von Nicht-Fairtrade-Baumwolle weiterverarbeitet wird. Seit 2016 zielt das Siegel „Textile Production“ darauf ab, auch die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte entlang der gesamten Textil-Lieferkette zu verbessern.

Fazit

Die standardisierten Piktogramme und Symbole auf Bodenbelägen sind ein unverzichtbares Instrument für eine transparente und sichere Produktwahl. Sie bieten eine schnelle und verlässliche Übersicht über die wichtigsten technischen Daten wie Nutzungsklasse, Rutschfestigkeit, Brandverhalten und elektrische Eigenschaften. Darüber hinaus ermöglichen Umwelt- und Sozialsiegel eine Entscheidung im Einklang mit ökologischen und ethischen Gesichtspunkten. Für Fachplaner, Bauherren und Renovierer ist es entscheidend, diese Symbole zu kennen und korrekt zu interpretieren, um die Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit ihrer Bauvorhaben zu gewährleisten. Die fortlaufende Entwicklung der Normen, insbesondere durch das CEN/TC 134, sorgt für eine stetige Anpassung an neue technische Anforderungen und Umweltstandards.

Quellen

  1. flooright.ch
  2. bodewo.ch
  3. bodenversand24.de
  4. feb-ev.com
  5. derzweig.de

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