Die Renovierung einer Wohnung oder eines Hauses ist in der Regel ein aufregendes Projekt, das nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Funktionalität und Sicherheit des Raumes verbessern kann. Für Allergiker:innen oder Menschen mit sensibilisierten Atemwegen kann dieser Prozess jedoch zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen. Viele Baustoffe, Farben, Lacke oder Haushaltschemikalien enthalten Stoffe, die die Atemwege reizen oder Allergien auslösen können. In diesem Artikel werden konkrete Empfehlungen und bewährte Praktiken vorgestellt, wie Allergiker:innen eine Renovierung so planen und durchführen können, dass das Risiko für gesundheitliche Belastungen minimiert wird. Die Informationen basieren auf vertrauenswürdigen Quellen wie dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB), dem Allergieverein in Europa (AVE) e.V., dem Umweltbundesamt (UBA) sowie wissenschaftlichen Studien.
Allergieauslöser in Renovierungsprojekten
Die Wahl der Materialien und Produkte ist entscheidend, um potenzielle Allergieauslöser zu vermeiden. Viele Baustoffe, Farben und Lacke enthalten Stoffe, die in der Raumluft ausgasen und so Atemwegsbeschwerden oder Hautreaktionen auslösen können. Im Folgenden werden einige relevante Stoffgruppen näher beschrieben, die als Allergieauslöser bekannt sind:
Konservierungsstoffe in Dispersion-Wandfarben
Wandfarben, insbesondere Dispersionen, enthalten oft Konservierungsstoffe, die Schimmelwachstum verhindern. Allerdings können diese Stoffe für Allergiker:innen sensibilisierend wirken und zu allergischen Hautreaktionen oder Atemwegsbeschwerden führen. Wandfarben mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ sind emissionsarm, enthalten jedoch häufig solche Konservierungsstoffe. Für Menschen, die besonders empfindlich auf solche Inhaltsstoffe reagieren, ist es daher ratsam, Produkte zu wählen, die den Aufdruck „Frei von Konservierungsmitteln“ tragen. Herstellerangaben und Produktinformationen können als Anhaltspunkt dienen. Bei unsicherheit ist es empfehlenswert, direkt beim Hersteller nachzufragen, ob ein Produkt bestimmte Stoffe enthält.
Acrylate und Terpene
Acrylat-Dispersionen und Terpene (pflanzliche Lösemittel) in Naturfarben sind weitere mögliche Allergieauslöser. Acrylate können in einigen Fällen zu Hautreaktionen führen, während Terpene – obwohl natürlichen Ursprungs – Atemreizungen auslösen können. Es ist oft schwierig, den genauen Stoffgehalt eines Produkts zu ermitteln, da Herstellerangaben unvollständig sein können. In solchen Fällen ist es wichtig, sich direkt an den Hersteller zu wenden oder Produktproben anzuwenden, um eine individuelle Reaktion zu testen.
Empfehlungen zur Material- und Produktwahl
Die Wahl der richtigen Materialien und Produkte ist entscheidend, um die Gesundheit von Allergiker:innen zu schützen. Im Folgenden werden bewährte Tipps vorgestellt, die dabei helfen können, Allergieauslöser zu minimieren.
Emissionsarme Materialien und das Umweltzeichen „Blauer Engel“
Die Verwendung von emissionsarmen Materialien ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Belastung der Raumluft zu verringern. Der „Blauer Engel“ ist ein staatlich anerkanntes Umweltzeichen, das auf emissionsarme Produkte hinweist. Allerdings enthalten diese Produkte nicht immer „Frei von Konservierungsmitteln“-Markierungen, was für besonders empfindliche Menschen problematisch sein kann. Daher sollte in solchen Fällen auf Produkte zurückgegriffen werden, die explizit solche Konservierungsstoffe nicht enthalten.
Produktproben und Riechtests
Eine sinnvolle Methode, um festzustellen, ob ein Produkt verträglich ist, ist die Anwendung von Produktproben. Diese können in Einmachgläsern aufbewahrt werden, und nach etwa 24 Stunden eine Riechprobe durchgeführt werden. In dieser Zeit hat sich die Konzentration der ausgasenden Bestandteile im Behälter erhöht. Empfindliche Menschen können anhand ihrer Reaktion auf den Geruch feststellen, ob sie das Produkt vertragen. Bei flüssigen Materialien wie Farben ist auch ein Streichtest sinnvoll.
Vermeidung von Holzschutzmitteln
Holz ist in vielen Innenräumen verbreitet, beispielsweise als Dielen, Parkett oder Möbel. Jedoch sollte Holz im Innenbereich nicht mit Holzschutzmitteln behandelt werden, da diese oft schädliche chemische Stoffe enthalten können. Stattdessen ist es sinnvoll, auf natürliche Holzbehandlungen zurückzugreifen oder gar auf nicht behandeltes Holz zu setzen.
Verlegungstechniken
Die Art und Weise, wie Materialien verlegt werden, kann ebenfalls die Belastung minimieren. Holzdielen und Parkettböden sollten lieber vernagelt (bzw. Klickparkett) als großflächig verklebt werden, da Kleber oft schädliche Substanzen enthält. Teppichböden sind hingegen besser als verspannt verlegt als großflächig verklebt, da sie sich so leichter entfernen und austauschen lassen.
Lüftung und Raumnutzung nach der Renovierung
Auch nach Abschluss der Renovierung ist es wichtig, die Raumluft zu optimieren, um Allergieauslöser zu vermeiden. Im Folgenden werden bewährte Lüftungstipps vorgestellt.
Häufiges, kurzes Querlüften
Ein zentraler Aspekt bei der Lüftung nach der Renovierung ist das häufige, kurze Querlüften. Es wird empfohlen, die Räume mehrmals täglich für 2–3 Minuten zu lüften, um leichtflüchtige Schadstoffe auszuleiten. Dies ist besonders wichtig in den ersten Tagen nach der Renovierung, da die Ausgasung von Baustoffen noch intensiv ist.
Vermeiden von sofortiger Nutzung
Es ist ratsam, den Raum in den ersten Tagen nach der Renovierung nicht sofort vollständig wieder zu nutzen. Stattdessen sollte intensives Lüften erfolgen, um Schadstoffe aus der Raumluft zu entfernen. So kann man sicherstellen, dass die Belastung für Allergiker:innen minimiert wird.
Nicht alle Räume gleichzeitig renovieren
Um bessere Ausweichmöglichkeiten zu haben, ist es sinnvoll, nicht alle Räume gleichzeitig zu renovieren. Wenn jeder Raum einzeln gelüftet wird, kann man sich in anderen Räumen aufhalten, solange die Renovierung noch andauert. Dies ist besonders für Allergiker:innen mit sensibilisierten Atemwegen wichtig, um eine übermäßige Belastung zu vermeiden.
Heizen in kalten Jahreszeiten
In kalten Jahreszeiten kann das Heizen der Räume den Trocknungsprozess beschleunigen, was die Ausgasung von Schadstoffen reduziert. Es ist daher sinnvoll, die Räume nach der Renovierung in der Heizperiode intensiv zu heizen und gleichzeitig zu lüften, um eine optimale Schadstoffentwicklung zu erreichen.
Renovierung in der Schwangerschaft: Risiken für das Immunsystem des Kindes
Eine besondere Herausforderung für Allergiker:innen ist die Renovierung während der Schwangerschaft. In einer wissenschaftlichen Studie namens „LINA“ (Lebensstil Neugeborenen Allergierisiko) wurden Mutter-Kind-Paare beobachtet, um die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit zu untersuchen. In diese Studie flossen Daten von 465 Müttern und ihren Kindern ein. Laut den Ergebnissen renovierten zwei Drittel der Familien ihre Wohnungen während der Schwangerschaft. Die VOC-Belastung (Volatile Organic Compounds) während der Schwangerschaft hatte funktionelle Veränderungen im Immunsystem der Neugeborenen zur Folge. Im Nabelschnurblut der Kinder wurden verminderte Anteile von Th1-Helferzellen festgestellt, die für die Bekämpfung von Erregern und die Vermeidung allergischer Überreaktionen zuständig sind.
Diese Erkenntnisse zeigen, dass die Renovierung während der Schwangerschaft nicht nur für Allergiker:innen, sondern auch für das ungeborene Kind gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann. Es ist daher wichtig, die Renovierungsmaßnahmen sorgfältig zu planen und gegebenenfalls auf emissionsarme Materialien zurückzugreifen.
Haushaltschemikalien und Allergieauslöser
Neben Baustoffen können auch Haushaltschemikalien Allergieauslöser sein. Dazu gehören Reinigungsprodukte, Duftstoffe oder Insektizide. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, welche Chemikalien im Alltag wirklich nötig sind und auf welche verzichtet werden kann. Der Allergieverein in Europa (AVE) e.V. bietet dazu Beratung an und hilft Betroffenen dabei, gesunde Alternativen zu finden. Es wird empfohlen, auf natürliche Reinigungsprodukte zurückzugreifen, die keine schädlichen Chemikalien enthalten. Zudem sollte auf Duftstoffe verzichtet werden, da diese oft Allergien auslösen können.
Beratungsangebote für Allergiker:innen
Für Allergiker:innen, die Fragen zu Renovierungsprojekten oder Allergieauslösern im Innenraum haben, stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung. Der DAAB (Deutscher Allergie- und Asthmabund) bietet telefonische und per E-Mail erreichbare Beratung an. Zudem kann der Ratgeber „Gesunder Innenraum“ unter Angabe der Adresse angefordert werden. Der AVE e.V. stellt ebenfalls eine umfassende Selbsthilfetätigkeit bereit, die sich auf verschiedene Themenbereiche konzentriert, darunter Bauen und Wohnen, Ernährung oder Heilpflanzen. Regionalgruppen des AVE e.V. bieten zudem persönliche Beratung und Erfahrungsaustausch an, was für Allergiker:innen eine wertvolle Unterstützung darstellt.
Fazit
Eine Renovierung kann für Allergiker:innen mit besonderen Herausforderungen verbunden sein. Allerdings gibt es zahlreiche bewährte Tipps und Empfehlungen, die dabei helfen können, Allergieauslöser zu minimieren. Dazu gehören die Wahl emissionsarmer Materialien, häufiges Querlüften, die Vermeidung von Holzschutzmitteln oder die sorgfältige Planung der Renovierungsarbeiten. Zudem ist es wichtig, auf Haushaltschemikalien zurückzugreifen, die keine schädlichen Stoffe enthalten. Mit der richtigen Planung und Vorbereitung ist es möglich, eine Renovierung so durchzuführen, dass sie nicht nur die Ästhetik des Raumes verbessert, sondern auch die Gesundheit der Bewohner:innen schützt.