Einleitung
Bodenbeläge aus Synthesekautschuk stellen eine hochwertige und langlebige Lösung für stark beanspruchte Bereiche dar. Sie kombinieren außergewöhnliche Strapazierfähigkeit mit speziellen technischen Eigenschaften, die sie für den privaten, gewerblichen und industriellen Einsatz prädestinieren. Die vorliegenden Informationen konzentrieren sich auf die Eigenschaften, Herstellung, Verlegeformen und Anwendungsgebiete von Bodenbelägen aus Synthesekautschuk. Besondere Beachtung finden dabei auch elektrisch leitfähige Varianten für spezielle technische Anforderungen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick für Eigentümer, Heimwerker und Fachleute, die sich über die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile dieses Materials informieren möchten.
Herstellung und Grundlagen von Synthesekautschuk
Synthesekautschuk ist heute das primäre Rohmaterial und Bindemittel für Elastomer-Beläge, die auch als SK-Beläge (für Synthesekautschuk) oder Gummibeläge bezeichnet werden. Die Entwicklung von Synthesekautschuk stellt einen Meilenstein in der Materialwissenschaft dar. Im Jahr 1936 gelang es erstmalig, den bis dahin kostspieligen Naturkautschuk durch Synthesekautschuk zu ersetzen. Der synthetisch hergestellte Kautschuk weist in einigen Eigenschaften sogar eine Überlegenheit gegenüber dem natürlichen Material auf.
Die Herstellung von Bodenbelägen aus Synthesekautschuk erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird eine Mischung aus verschiedenen Inhaltsstoffen wie Kautschuk-Polymer, Füllstoffen und Additiven hergestellt. Diese Mischung wird auf Kalandern in Bahnen gezogen und anschließend verdoppelt oder gebacken. Die geformte Masse wird vulkanisiert, ein Prozess der Vernetzung mit Schwefel, durch den die Produkte ihre endgültigen elastischen Eigenschaften erhalten und nicht mehr thermoplastisch verformbar sind.
Als Bindemittel kommen verschiedene Kautschuktypen zum Einsatz. Die wichtigsten für Bodenbeläge eingesetzten Kautschuke sind: - Naturkautschuk (NR) - Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) - Nitrilkautschuk (NBR)
Oft werden auch Verschnitte von verschiedenen Kautschuktypen verwendet. Zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften werden der Kautschukmischung mineralische Füllstoffe zugesetzt, die im Verbund mit dem Bindemittel zur Belastbarkeit beitragen und eine verstärkende Wirkung entfalten. Das Angebot an verschiedenen Synthesekautschuksorten und entsprechenden Rezepturen macht es möglich, Gummibeläge für fast alle Anwendungsgebiete herzustellen.
Eigenschaften und Besonderheiten
Elastomerbodenbeläge aus Synthesekautschuk zeichnen sich besonders durch ihre außergewöhnliche Verschleißfestigkeit aus. Dies prädestiniert sie für Einsätze in hoch frequentierten Bereichen sowie gewerblichen und industriellen Bereichen. Die Eigenschaften im Einzelnen sind:
- Extrem strapazierfähig
- Maßstabil
- Zigarettenglutfest
- Resistent gegen Kurzeinwirkungen verdünnter Säuren, Laugen, Öle und Fette
- Hohe Kerbzähigkeit (unempfindlich gegen Kratzer und Einkerbungen)
- Dauerhafte Querleitfähigkeit bei leitfähigen Belägen
Zusätzlich weisen Kautschukböden eine hohe Belastbarkeit auf und sind daher besonders dort geeignet, wo ein Boden stark beansprucht wird. Weitere wichtige Eigenschaften machen das Material als Bodenbelag vielseitig geeignet: - Zigarettenglutbeständig - Schwer entflammbar (B1 nach DIN 4102) - Kurzzeitig beständig gegen Chemikalien und Lösemittel - Meist frei von Weichmachern, Formaldehyd und anderen bedenklichen Inhaltsstoffen
Diese umfassenden Eigenschaften führen dazu, dass Kautschukböden in nahezu allen Bereichen im privaten, gewerblichen und industriellen Bereich eingesetzt werden können.
Konstruktiver Aufbau und Lieferformen
Elastomer-Beläge aus Synthesekautschuk werden nach ihrem konstruktiven Aufbau in drei Hauptgruppen unterteilt, die in DIN-Normen definiert sind:
- Homogene und heterogene Elastomerbeläge nach DIN 16850
- Elastomerbeläge mit Unterschicht aus Schaumstoff nach DIN 16851
- Elastomerbeläge mit profilierter Oberfläche (Gumminoppen-Beläge) nach DIN 16852, die als homogene und als heterogene Beläge lieferbar sind.
Die Begriffe homogen und heterogen werden bei den Elastomer-Belägen so verwendet wie bei den PVC-Belägen:
- Homogene Beläge: Dies sind ein- oder mehrschichtige Beläge, die in allen Schichten eine gleiche Materialzusammensetzung haben.
- Heterogene Beläge: Hier erfolgt ein schichtweiser Aufbau. Die Kautschuknutzfläche ist mit einer gefüllten Unterschicht kombiniert. Kautschuk als Bodenbelag ist mit oder ohne geschäumter Trägerschicht erhältlich.
Die Lieferformen sind vielfältig. Verfügbar ist dieser Bodenbelag als Bahnenware in unterschiedlichen Stärken. Auch Fliesen oder vorgeformte Treppenbeläge und andere Formteile können im Handel geordert werden. Typische Abmessungen für Rollenware sind 1,22 m x 10 m oder 1,5 m x 10 m. Die Materialstärke kann variieren; beispielsweise werden Produkte mit Stärken von 2,0 mm, 2,5 mm und 3,5 mm angeboten.
Elektrisch leitfähige Varianten (ESD-Bodenbeläge)
Eine spezielle Anwendung von Bodenbelägen aus Synthesekautschuk ist der Einsatz als elektrisch leitfähiger Boden in Bereichen, in denen elektrostatische Aufladung (ESD - Electrostatic Discharge) vermieden werden muss. Diese Beläge sind speziell für die Anwendung in der Elektro- und Feinmechanikindustrie entwickelt worden.
Technische Daten solcher Beläge: - Typischer Ableitwiderstand Rg: 10^7 - 10^8 Ohm (für zweischichtige Verbundbeläge) - Materialdicke: Häufig 3,5 mm, aber auch andere Stärken verfügbar. - Farbe: Oft platingrau oder hellgrau. - Zertifizierung: Elektrisch leitfähige Bodenbeläge aus Synthesekautschuk sind zertifiziert durch die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik entsprechend DIN EN 100 015, VDE 0100 und MBL 8. - Beschaffenheit: Oft als zweischichtiger Verbundbelag ausgeführt, der volumenleitfähig, abriebfest und dauerelastisch ist. Sie sind zudem stuhlrollengeeignet, wobei dies je nach Untergrundbeschaffenheit variieren kann.
Ein Beispiel ist ein Bodenbelagsystem zur losen Verlegung im „do-it-yourself-Verfahren“ mit einem typischen Ableitwiderstand von Rg = 3,5x10^7 Ohm und einer Materialdicke von 3,5 mm. Diese Produkte sind für den Mehrfachnutzen konzipiert und in der Farbe Orion erhältlich.
Oberflächenstruktur und Design
Hinsichtlich der Oberflächenstruktur sind die Möglichkeiten beim Kautschukboden sehr vielfältig. Glatte und einfarbige Oberflächen sind ebenso realisierbar wie unterschiedlich genoppte, Hammerschlag- oder Schiefer-Oberflächen. Auch die Einarbeitung spezieller Eigenschaften ist möglich. So können die Nutzschichten reflexbrechend ausgeführt sein. Diese Vielfalt ermöglicht es, Kautschukböden nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch-architektonischen Aufgaben gerecht zu werden.
Einsatzbereiche
Aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaftsprofile werden Kautschukböden in einem breiten Spektrum von Bereichen eingesetzt, wo hohe Beanspruchung vorherrscht. Typische Anwendungsgebiete sind:
- Verkehrsbereiche im Wohnungsbau
- Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Gesundheitswesen
- Industrie (auch Fahrverkehr und chemische Industrie)
- Gewerbliche Einrichtungen
- Öffentliche Gebäude
- Flughäfen
- Bahnen, Busse, Schiffe
Die hohe Strapazierfähigkeit und die Resistenz gegen Chemikalien machen sie besonders für industrielle Umgebungen wie Fabriken oder Autowerkstätten geeignet.
Verlegung und Anwendung
Die Verlegung von Synthesekautschuk-Bodenbelägen kann auf verschiedene Arten erfolgen, je nach Produkt und Anforderung. Die Quellen erwähnen explizit die Möglichkeit einer losen Verlegung im „do-it-yourself-Verfahren“ für bestimmte Systeme. Weitere Verlegearten, wie das Kleben, werden in der allgemeinen Beschreibung von Bodenbelägen erwähnt, aber nicht spezifisch für Synthesekautschuk im vorliegenden Material detailliert. Die Stuhlrollengeeignetigkeit ist ein wichtiger Faktor, der jedoch je nach Untergrundbeschaffenheit variieren kann und somit vor der Verlegung geprüft werden sollte.
Fazit
Synthesekautschuk-Bodenbeläge sind ein hochwertiges und vielseitiges Material, das durch seine außergewöhnliche Strapazierfähigkeit, hohe chemische Beständigkeit und spezielle technische Eigenschaften überzeugt. Ob als homogener oder heterogener Aufbau, glatt oder genoppt, für den privaten oder industriellen Einsatz – die Produktvielfalt ist groß. Besondere Bedeutung erlangen elektrisch leitfähige Varianten (ESD-Beläge) für sensible Bereiche der Elektro- und Feinmechanikindustrie, die zertifiziert nach gängigen Normen (DIN, VDE) verfügbar sind. Die Möglichkeit der losen Verlegung für bestimmte Systeme bietet zudem eine einfache Alternative für Heimwerker und Profis. Bei der Auswahl und Verlegung ist jedoch auf die spezifischen Produkteigenschaften und die Eignung für den geplanten Untergrund zu achten.