Archicad Auswertungen für Bodenbeläge: Technische Grundlagen und Anwendungen

Die digitale Planung und Berechnung von Baustoffmengen ist in der modernen Bauindustrie unverzichtbar geworden. Softwarelösungen wie Archicad ermöglichen es Architekten, Innenarchitekten und Bauingenieuren, präzise Mengenermittlungen durchzuführen, was sowohl die Kostensicherheit als auch die Nachhaltigkeit eines Projekts erhöht. Ein spezifischer und wichtiger Aspekt dabei ist die Auswertung von Bodenbelägen. Die korrekte Identifikation und Berechnung dieser Flächen ist entscheidend für die Materialplanung, die Kalkulation und die letztendliche Umsetzung eines Bauvorhabens. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Grundlagen, die notwendigen Schritte in Archicad und die praktischen Anwendungen der Auswertung von Bodenbelägen, basierend auf den verfügbaren Informationen zu Schulungen und technischen Handhabungen.

Einführung in die Auswertung von Bodenbelägen in Archicad

Die Software Archicad, ein führendes BIM-Programm (Building Information Modeling), bietet umfassende Werkzeuge zur Erstellung von Auswertungslisten. Diese Listen dienen dazu, Daten aus dem digitalen Gebäudemodell zu extrahieren, zu filtern und in einer für die weitere Verarbeitung geeigneten Form darzustellen. Für die Bauausführung sind insbesondere Listen von Bedeutung, die konkrete Baustoffmengen und Flächenangaben liefern.

Die Auswertung von Bodenbelägen ist ein klassischer Anwendungsfall, der eine genaue Kenntnis der Programmstruktur erfordert. Die Herausforderung liegt oft in der korrekten Parameterzuweisung. In älteren Archicad-Versionen oder bei der Verwendung von Vorlagendateien können veraltete Parameterbezeichnungen zu fehlerhaften oder leeren Auswertungen führen. Die Bereinigung dieser Datenstrukturen ist ein fundamentaler Schritt für eine zuverlässige Mengenermittlung. Eine solche Fehlerbehebung ist beispielhaft in der Community-Diskussion um ARCHICAD 17 beschrieben, wo alte Parameter für Boden-, Decken- und Wandbeläge durch neue, korrekte Parameter ersetzt werden mussten, um überhaupt aussagekräftige Werte zu erhalten. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, die Datenbasis des eigenen Projekts regelmäßig auf Aktualität zu prüfen.

Ziel der Auswertung ist es, verlässliche Angaben über die einzusetzenden Baustoffmengen zu erhalten. Dies umfasst nicht nur die reine Flächenberechnung, sondern auch die Zuordnung spezifischer Materialien. Die Software kann dabei helfen, Aussagen über die benötigten Materialmengen zu treffen, was für die Bestellung, die Logistik und die Kostenkontrolle entscheidend ist. Die Auswertungsprozesse in Archicad basieren auf dem geometrischen Modell und den zugewiesenen Eigenschaften der Elemente. Durch die Klassifizierung und die Definition von Eigenschaften werden die Daten strukturiert, sodass sie gezielt gefiltert und ausgegeben werden können.

Technische Voraussetzungen und Grundlagen

Bevor mit der Erstellung von Auswertungslisten begonnen werden kann, sind bestimmte technische und fachliche Voraussetzungen zu erfüllen. Die verfügbaren Schulungsinformationen heben hervor, dass ein sicherer Umgang mit Archicad erforderlich ist. Dies schließt die schnelle Orientierung im Programm und das Beherrschen der grundlegenden Werkzeuge ein. Für fortgeschrittene Auswertungen wird teilweise die Teilnahme an vorherigen Modulen, wie dem Grundlagen-Kurs oder Modul 2, empfohlen.

Die technischen Voraussetzungen für die Teilnahme an Online-Schulungen sind definiert: ein internetfähiges Endgerät mit DSL- oder Kabelanschluss, ein integrierter Lautsprecher/Mikrofon oder Headset sowie eine Webcam. Zusätzlich müssen Fragen, Schulungsinhalte und eine typische Projektdatei mindestens sieben Tage vor Schulungsbeginn übergeben werden. Für die eigenständige Arbeit mit Auswertungen ist die Archicad-Software in einer geeigneten Version auf dem Rechner installiert. Die Verfügbarkeit von Vorlagendateien, wie der ARCHICAD 17 Vorlagedatei, ist eine wichtige Ressource, deren Parameter jedoch überprüft und angepasst werden müssen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Auswertung von Bodenbelägen

Die Erstellung einer Auswertungsliste für Bodenbeläge in Archicad folgt einem strukturierten Prozess. Dieser Prozess lässt sich in mehrere Phasen unterteilen: Vorbereitung der Daten, Erstellung der Auswertungsliste und Anpassung der Ausgabe.

1. Datenbasis prüfen und korrigieren

Der erste und wichtigste Schritt ist die Sicherstellung, dass die im Modell verwendeten Elemente (in diesem Fall die Raumstempel) korrekt mit den gewünschten Parametern versehen sind. Wie in der Community-Diskussion zu ARCHICAD 17 beschrieben, kann es vorkommen, dass in Vorlagendateien "alte" Parameter enthalten sind, die in neueren Versionen nicht mehr funktionieren. Für die Auswertung von Bodenbelägen sind folgende Parameter relevant: stFloorCovering (Bodenbelag), stCeilingCovering (Deckenbelag) und stWallCovering (Wandbelag). Diese Parameter müssen in den Schema-Einstellungen der Auswertung korrekt zugewiesen werden.

Der Weg zur Korrektur führt über die Schema-Einstellungen der Auswertung. Hier muss der Button "Objekt-Parameter hinzufügen" ausgewählt werden. Anschließend navigiert man zur BIBLIOTHEKEN 17 > Objektbibliotheken 17.lcf und wählt den verwendeten "Raumstempel DIN 17.gsm". In der Liste der verfügbaren Parameter werden dann die gewünschten Parameter (stFloorCovering etc.) ausgewählt. Diese korrekte Zuweisung ist die Grundlage für jede weitere Auswertung. Ohne diese Daten sind keine Flächen- oder Materialangaben möglich.

2. Erstellung der Auswertungsliste

Nach der Datenkorrektur kann die eigentliche Auswertungsliste erstellt werden. Archicad bietet hierfür verschiedene Listenarten an, die je nach Bedarf ausgewählt werden können. Für die Flächenberechnung von Bodenbelägen eignen sich insbesondere Raumlisten oder spezifische Oberflächenauswertungen.

In den Kursbeschreibungen wird erläutert, wie Elemente, Räume, Bestandteile, Flächen, Volumina und Eigenschaften gefiltert und ausgegeben werden können. Für die Bodenbelagsauswertung ist die Filterung nach Räumen oder spezifischen Oberflächen entscheidend. Der Nutzer kann steuern, welche Elemente ausgewertet werden sollen, und welche Werte ermittelt werden sollen. In diesem Fall ist der Wert stFloorCovering der primäre Filter. Die Auswertung kann nach Materialien gruppiert werden, um eine übersichtliche Stückliste zu erhalten.

Die Erstellung erfolgt in den Schema-Einstellungen. Hier werden die zu exportierenden Felder definiert. Neben der Raumnummer und der Raumbezeichnung sollte das Feld für den Bodenbelag (stFloorCovering) und die daraus resultierende Fläche (oft als "Netto-Raumfläche" oder "Raumfläche" bezeichnet) enthalten sein. Zusätzlich können berechnete Eigenschaften erstellt werden, um beispielsweise die Gesamtfläche aller Räume mit einem spezifischen Bodenbelag zu summieren.

3. Formatierung und Anpassung

Die generierten Listen sind oft noch nicht im gewünschten Format. Archicad ermöglicht eine bürospezifische Anpassung der Auswertungslisten. Dies umfasst die Formatierung der Tabellen, die Auswahl der Schriftarten und die Anpassung der Kopf- und Fußzeilen. Ziel ist es, eine klare, verständliche und professionelle Liste zu erstellen, die direkt an Handwerker oder Materiallieferanten weitergegeben werden kann.

Die Formatoptionen in Archicad sind vielfältig. Nutzer können steuern, wie die Daten dargestellt werden, und können Import- und Exportoptionen nutzen, um die Daten in andere Programme zu überführen, etwa in Excel oder eine Kalkulationssoftware. Die Möglichkeit, Auswertungen zu exportieren, ist ein zentraler Aspekt der praktischen Anwendung.

Anwendungsbeispiele und Schulungsinhalte

Die verfügbaren Informationen zu Schulungen zeigen, wie die theoretischen Grundlagen in der Praxis angewendet werden. Kurse wie "Auswertungen mit Archicad" oder "Archicad Grundlagen-Kurs: Auswertungen" behandeln konkret die Erstellung von Stücklisten und die Ermittlung von Massen. Die Frage "Wie kann ich steuern, welche Elemente ausgewertet werden sollen?" wird direkt beantwortet, indem gezeigt wird, wie Filter in den Auswertungslisten definiert werden.

Ein spezieller Anwendungsfall ist der Einsatz von Add-Ons wie dem "Wohnungsstempel als Übersichtstool". Dieses Werkzeug kann als zusätzliche Hilfsfunktion dienen, um Übersichten zu erstellen, die auch Flächenberechnungen umfassen. Die Kursinhalte legen zudem Wert auf die Klassifizierung und die Festlegung von Eigenschaften, die unabhängig vom Elementtyp sind. Dies bedeutet, dass Bodenbeläge nicht nur als reine Flächen, sondern als mit Eigenschaften (wie Material, Farbe, Verlegeart) versehene Komponenten ausgewertet werden können.

Die Projektpreferenzen und die Erstellung individueller Eigenschaften sind zentrale Themen in fortgeschrittenen Kursen. Hier wird gelehrt, wie man eigene Auswertungs-Schemata erstellt, die genau auf die Bedürfnisse des Büros zugeschnitten sind. Die Kategorisierung von Element-, Komponenten- und Oberflächenauswertungen ermöglicht eine detaillierte Aufschlüsselung der Bodenbeläge. Beispielsweise können Bodenbeläge in die Kategorien "Naturstein", "Keramik" oder "Holz" eingeteilt werden, um eine differenzierte Materialplanung zu ermöglichen.

Kostentransparenz und Stornierungsbedingungen

Die Teilnahme an spezialisierten Schulungen, wie sie in den Quellen beschrieben werden, ist eine Investition in die eigene Fachkompetenz. Die Konditionen für diese Schulungen sind transparent dargestellt. Ein regulärer Kurs für die Auswertungen mit Archicad kostet beispielsweise 390,00 EUR zzgl. 19 % MwSt. Andere Kurse, die sich auf die Ermittlung von Baustoffmengen konzentrieren, liegen bei 560 € zzgl. MwSt. Diese Kosten sind für Fachkräfte, die ihre Effizienz steigern und fehlerfreie Auswertungen erstellen wollen, eine nachvollziehbare Investition.

Die Anbieter der Schulungen haben klare Stornierungs- und Umbuchungsbedingungen definiert. Bei kundenseitiger Stornierung bis 14 Werktage vor Schulungsbeginn wird eine Gutschrift über 50 % der Schulungsgebühr gewährt. Bei Stornierung bis 2 Werktage vor Beginn sind es noch 10 %. Ein Werktag vor Schulungsbeginn erfolgt keine Gutschrift mehr. Für Umbuchungen bis 7 Werktage vor Beginn wird eine Bearbeitungsgebühr von 10 % des regulären Preises fällig. Diese Bedingungen unterstreichen die Notwendigkeit einer verbindlichen Anmeldung und Planung.

Fazit

Die Auswertung von Bodenbelägen in Archicad ist ein prozessualer Ablauf, der auf einer korrekten Datenbasis, dem Verständnis der Auswertungswerkzeuge und der Fähigkeit zur Formatierung der Ergebnisse basiert. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der präzisen Zuweisung der richtigen Parameter, insbesondere stFloorCovering, und der Kenntnis der Filter- und Kategorisierungsfunktionen des Programms. Schulungen bieten hier eine wertvolle Unterstützung, um die Komplexität des Programms zu beherrschen und fehlerfreie, verlässliche Auswertungen zu erstellen. Für Bauherren, Architekten und Handwerker bedeutet dies: Investition in die digitale Planungskompetenz führt zu einer präziseren Materialplanung, reduzierten Kostenüberschreitungen und einer effizienteren Baustellenlogistik. Die Fähigkeit, Mengenverläufe verlässlich zu ermitteln, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in der modernen Bauindustrie.

Quellen

  1. Graphisoft Community - Raumflächenauswertung inkl. Bodenbelag
  2. Graphisoft Südost - Auswertung mit Archicad
  3. Graphisoft Nord - Auswertungen
  4. Graphisoft Stuttgart - Archicad Grundlagen-Kurs: Auswertungen

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