Baubiologisch empfehlenswerte Bodenbeläge: Ein umfassender Überblick für gesundes Wohnen

Die Wahl des richtigen Bodenbelags ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Planung, Sanierung oder dem Bau eines Hauses. Neben ästhetischen und praktischen Gesichtspunkten gewinnt das Thema Gesundheit und Nachhaltigkeit immer mehr an Bedeutung. Immer mehr Bauherren, Sanierer und Eigentümer legen Wert auf baubiologisch empfehlenswerte Materialien, die ein gesundes Raumklima fördern und auf schädliche Emissionen verzichten. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über verschiedene Bodenbeläge, die baubiologisch empfehlenswert sind, ihre Eigenschaften, Einsatzbereiche und Pflegehinweise. Die Informationen basieren ausschließlich auf den bereitgestellten Quellen.

Einführung: Die Bedeutung von baubiologischen Bodenbelägen

Im Einklang mit der Natur zu leben und gesund zu wohnen, ist für eine wachsende Anzahl an Menschen ein zentrales Anliegen. Bodenbeläge beeinflussen die Raumluftqualität maßgeblich, da sie neben Möbeln einen entscheidenden Faktor für das Innenraumklima darstellen. Daher sollten Bauherren und Sanierer die Auswahl ihres Bodenbelags nicht nur unter optischen, sondern auch unter gesundheitlichen und ökologischen Gesichtspunkten treffen. Viele funktionale Eigenschaften beeinflussen nicht nur den Nutzungskomfort, sondern haben direkten Einfluss auf Gesundheit und Umwelt. Bei der Vielzahl an Umwelt-Siegeln und Unbedenklichkeitszertifikaten ist es jedoch oft nicht einfach, deren Aussagekraft zu beurteilen.

Ein baubiologisch empfehlenswerter Bodenbelag zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Er ist emissionsfrei oder gibt nur geringe, unbedenkliche Mengen an Schadstoffen ab, wird aus nachhaltigen oder natürlichen Rohstoffen hergestellt und trägt zu einem gesunden Raumklima bei. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Vertreter solcher Bodenbeläge, darunter Keramikfliesen, Bio-Bodenbeläge wie Kork und Linoleum, und geht auf die kritische Rolle von Klebern und Verarbeitungstechniken ein.

Keramische Fliesen: Emissionsfrei und hygienisch

Keramische Fliesen, insbesondere solche aus deutschen Werken, gelten als eine der gesündesten Wahl für Bodenbeläge. Gefertigt aus natürlichen, heimischen Rohstoffen wie Ton und anderen Mineralien sind Fliesen zeitlebens frei von chemischen Ausdünstungen und damit raumluftneutral. Diese Eigenschaft wurde im Rahmen der Nachhaltigkeitszertifizierung des Instituts Bauen und Umwelt (IBU) überprüft. Unabhängige Kontrollinstitute bestätigten, dass Fliesen aus den Werken der Mitgliedsunternehmen des Bundesverbands Keramische Fliesen e.V. „keine umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffe“ ausdünsten. Die Qualitätsinitiative „Deutsche Fliese“ besitzt diese Zertifizierung, die von Verbraucherschützern mit der Bestnote ausgezeichnet wurde.

Ein entscheidender Vorteil von Fliesen ist die dicht geschlossene Oberfläche. Diese gewährt Bakterien, Schimmelpilzen und Hausstaubmilben keinen Unterschlupf. Für Allergiker ist dies von großer Bedeutung. Verflieste Bodenflächen lassen sich durch feuchtes Wischen ohne großen Aufwand staub- und schmutzfrei halten. Im Gegensatz zu vielen anderen Bodenbelägen kann auf aggressive Reinigungsmittel verzichtet werden, was sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt zugutekommt.

Besonders effektiv wird das allergikerfreundliche Potential, wenn Bodenfliesen mit einer Fußbodenheizung kombiniert werden. Die beheizte Bodenfläche erreicht eine Oberflächentemperatur von etwa 23° – 24°C, die gleichmäßig über die gesamte Raumfläche abgegeben wird. Diese gleichmäßige Wärmeabgabe verhindert Staubaufwirbelung und trägt zu einem angenehmen Raumklima bei.

Bio-Bodenbeläge: Nachwachsende Rohstoffe für ein gesundes Klima

Bio-Bodenbeläge sind nachhaltige und umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Bodenbelägen. Sie bestehen aus natürlichen, biologisch abbaubaren Materialien und sind frei von schädlichen Chemikalien. Diese Beläge werden besonders von gesundheits- und umweltbewussten Menschen geschätzt, die einen Beitrag zur Schonung der Umwelt leisten und gleichzeitig ein gesundes Raumklima schaffen möchten.

Vorteile von Bio-Bodenbelägen

Bio-Bodenbeläge bieten eine Vielzahl von Vorteilen: - Umweltfreundlich und nachhaltig: Sie werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind oft biologisch abbaubar oder recycelbar. - Gesundes Raumklima: Sie geben keine schädlichen Chemikalien ab und fördern so ein gesundes Wohnklima. - Langlebig und robust: Hochwertige Bio-Bodenbeläge sind widerstandsfähig und können bei richtiger Pflege viele Jahre lang genutzt werden. - Wärme- und Schalldämmung: Materialien wie Kork und Holz haben natürliche dämmende Eigenschaften, die zu einer angenehmen Akustik und Raumtemperatur beitragen. - Vielseitiges Design: Bio-Bodenbeläge sind in verschiedenen Designs und Farben erhältlich und passen daher in jedes Wohnkonzept.

Arten von Bio-Bodenbelägen und ihre Einsatzbereiche

Es gibt verschiedene Bio-Bodenbeläge, die für unterschiedliche Einsatzbereiche und Anforderungen geeignet sind. Die wichtigsten werden im Folgenden vorgestellt.

Korkboden

Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen und ist ein besonders nachhaltiger Rohstoff, da die Rinde ohne Schaden für den Baum geerntet werden kann. Korkböden sind elastisch, fußwarm und bieten eine natürliche Schalldämmung. Aufgrund dieser Eigenschaften sind sie ideal für Wohn- und Kinderzimmer geeignet, wo Wärme und ein ruhiges Raumklima geschätzt werden.

Linoleum

Linoleum ist eine klassische, ökologische Alternative. Unbehandeltes Linoleum ist als Belag jedoch untauglich und bedarf einer Oberflächenbehandlung. Baubiologen empfehlen hierfür in der Regel Pflegeprodukte auf Naturharzbasis. Die meisten im Handel erhältlichen Linoleumböden sind mit Polyacrylat oder Vinylacetat beschichtet. Eine Abgabe von Schadstoffen an die Raumluft ist damit nicht verbunden. Beide Kunstharzbeschichtungen sind aus Rohöl hergestellt (Propen und Ethen). Nach Gebrauch wird Linoleum entweder verbrannt oder deponiert und verrottet bis auf die ggf. vorhandene Kunstharzbeschichtung restlos. Insgesamt betrachtet ist Linoleum eine ökologische Alternative zu PVC- bzw. Vinylböden.

Weitere Bio-Bodenbeläge

Die Quellen nennen zudem Sisal, Bambus und Naturteppich als Beispiele für Bio-Bodenbeläge. Diese Materialien bestehen ebenfalls aus natürlichen Rohstoffen und tragen zu einem gesunden Raumklima bei. Holzböden werden in den Quellen zwar im Kontext von Bio-Bodenbelägen erwähnt, jedoch nicht detailliert beschrieben. Ihre Eigenschaften werden im Allgemeinen als wärmend und schalldämmend eingeschätzt.

Kritische Aspekte bei der Verarbeitung: Kleber und Untergrund

Die baubiologische Empfehlung eines Bodenbelags wird nicht nur durch das Material selbst, sondern auch durch die Verarbeitung und die verwendeten Hilfsstoffe bestimmt. Bei elastischen Bodenbelägen wie Linoleum, Kautschuk oder PVC ist die Wahl des richtigen Klebers entscheidend.

Anforderungen an Kleber

Kleber müssen gemäß den Vorgaben die Bodenbelage, Unterlagen und Untergrund nicht nachteilig beeinflussen und nach der Verarbeitung keine Belästigung durch Geruch hervorrufen. Es gibt jedoch keine baubiologisch 100%ig empfehlenswerten Kleber für elastische Böden. Um mögliche gesundheitsschädliche Ausdünstungen zu minimieren, sollten Kleber verwendet werden, die mit dem Emicode EC1 Plus gekennzeichnet sind. Dieses Siegel gilt für Produkte mit sehr geringer Emission.

Technische Herausforderungen

Die vom Kleber aufzunehmenden Scherkräfte sind je nach Bodenbelag sehr unterschiedlich. Die Prüfung der Scherfestigkeit (DIN EN 1373) ist für PVC-Böden entwickelt worden, wobei die Wanderung der Weichmacher Berücksichtigung findet. Dies ist für Kautschuk, Polyolefine oder Linoleum nicht relevant. Hier ist es wichtiger, die Wärmeausdehnung (3–4 mm je Meter!) zu berücksichtigen, durch welche diese Beläge höhere Scherkräfte aufbauen, als PVC. Bei Linoleum ist zusätzlich zu beachten, dass Feuchtigkeit aus dem Kleber zu Maßänderungen im Belag führen kann.

Einbausysteme

Beim Einbau der Böden hat das Haftbettklebstoffsystem im Gegensatz zum Nassbettklebstoffsystem den Vorteil, dass nach Ablüften des Klebers der Nachklebe- und Halteeffekt lange anhält. Für Nassbettklebstoffsysteme werden Kleber mit Faserarmierung empfohlen, da damit keine Probleme bei Druckbelastung auftreten. Problematisch ist die Feuchtigkeit, die durch die flächige Verklebung eingeschlossen wird und die als Hauptgrund für unerwünschte Wechselwirkungen (z. B. mit Holzfußböden) gelten kann.

Spezielle Überlegungen zu Kautschuk

Bei kaum einem Bodenbelag gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei Kautschuk. Aus 3 Tonnen Rohöl wird 1 Tonne Synthesekautschuk. Naturkautschuk wird v. a. aus Plantagen in Äquatornähe importiert. Dies schafft zwar vor Ort Arbeitsplätze, dennoch bedarf es stets einer genauen Analyse, inwieweit Plantagen und die weiten Transportwege ökologisch vertretbar sind. Als Additive werden je nach Hersteller Flammschutzmittel, Halogene, schwermetallhaltige Stabilisatoren, Mineralöle und/oder Weichmacher (jedoch keine Phthalate) eingesetzt. Meist besteht der Bodenbelag aus 30–40 % Kautschukpolymer. Der Rest sind Latex, Kreide und Kaolin, sowie Ruß, falls der Boden elektrisch leitfähig sein soll.

Pflege und Instandhaltung

Die Langlebigkeit und der gesundheitliche Nutzen eines Bodenbelags hängen stark von der richtigen Pflege ab. Für Bio-Bodenbeläge gilt: Regelmäßiges Staubsaugen und Wischen mit milden Reinigungsmitteln reicht in der Regel aus. Bei Bedarf können Naturpflegemittel verwendet werden, die speziell für Bio-Böden entwickelt wurden. Mit der richtigen Pflege halten diese Bodenbeläge oft über viele Jahre und können bei Bedarf abgeschliffen oder renoviert werden.

Konkrete Pflegetipps sind: - Vermeidung aggressiver Reinigungsmittel: Verwenden Sie nur pH-neutrale oder spezielle Naturreinigungsmittel, um die Materialien zu schonen. - Schutzmaßnahmen: Filzgleiter unter Möbeln schützen den Boden vor Kratzern und Abnutzung. - Regelmäßige Versiegelung: Einige Böden wie Kork oder Holz können gelegentlich nachgeölt oder versiegelt werden, um ihre Oberfläche widerstandsfähig zu halten.

Bei Fliesen entfällt der Aufwand für regelmäßige Versiegelungen. Die Reinigung erfolgt einfach durch feuchtes Wischen, und die dichte Oberfläche verhindert das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit.

Fazit

Die Auswahl eines baubiologisch empfehlenswerten Bodenbelags ist ein wesentlicher Schritt zur Schaffung eines gesunden und nachhaltigen Wohnraums. Die verfügbaren Materialien bieten für fast jeden Anwendungsfall eine geeignete Lösung.

Keramische Fliesen aus deutschen Werken überzeugen durch ihre Emissionsfreiheit, hohe Hygiene und einfache Reinigung. Sie sind besonders für Allergiker geeignet und lassen sich hervorragend mit Fußbodenheizungen kombinieren.

Bio-Bodenbeläge wie Kork, Linoleum, Sisal und Bambus stammen aus nachwachsenden Rohstoffen, sind biologisch abbaubar oder recycelbar und tragen zu einem gesunden Raumklima bei. Ihre natürlichen dämmenden Eigenschaften verbessern zudem das Raumakustik und die Behaglichkeit.

Die kritische Betrachtung der Verarbeitungsmaterialien, insbesondere der Kleber, ist jedoch unerlässlich. Auch bei baubiologisch empfehlenswerten Bodenbelägen können durch unsachgemäße Verarbeitung oder ungünstige Kleber gesundheitsschädliche Ausdünstungen entstehen. Die Verwendung von Klebern mit dem Emicode EC1 Plus und die Beachtung der spezifischen technischen Anforderungen des jeweiligen Belags sind entscheidend für ein dauerhaft gesundes Ergebnis.

Letztendlich ist die Wahl des Bodenbelags eine individuelle Entscheidung, die ästhetische, funktionale und gesundheitliche Aspekte vereinen sollte. Durch die Vielzahl der verfügbaren baubiologisch empfehlenswerten Optionen ist es heute möglich, ein stilvolles Zuhause zu gestalten, das Gesundheit und Umwelt respektiert.

Quellen

  1. Deutsche Fliese - Wohngesundheit und Baubiologie
  2. HAG Hagen - Lexikon: Bio-Bodenbeläge
  3. Baubiologie - Dauerelastische Böden, Designböden

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