Analyse des deutschen Bodenbelagsmarktes 2019: Wachstum, Trends und die Auswirkungen der Pandemie

Die deutsche Bodenbelagsbranche blickt auf ein Jahr mit zweigeteilter Entwicklung zurück. Während das Jahr 2019 noch von moderatem Wachstum und positiven Impulsen aus dem privaten Wohnungsbau geprägt war, markierte das Frühjahr 2020 einen Wendepunkt durch die Corona-Pandemie, die den Markt erheblich eintrübte. Dieser Artikel analysiert die Marktdaten des Jahres 2019, identifiziert die treibenden Kräfte und Warengruppen und bewertet die Perspektiven für die Zukunft der Bodenbelagswirtschaft basierend auf den verfügbaren Quellen.

Marktentwicklung 2019: Moderates Wachstum auf hohem Niveau

Im Jahr 2019 erzielten die Hersteller von Bodenbelägen und Parkett in Deutschland einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr [1, 2]. Diese positive Entwicklung markierte den Abschluss eines Jahrzehnts fast durchgängigen Wachstums für den deutschen Markt. Im Jahr 2018 hatte der Markt mit textilen und nicht-textilen Bodenbelägen sowie Fliesen noch ein Volumen von 7,97 Milliarden Euro erreicht, was einer Abnahme von rund 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach und damit das erste Wachstumsminus seit langer Zeit darstellte [4]. Das Jahr 2019 konnte diese negative Trendwende jedoch überwinden und den Markt wieder auf Wachstumskurs bringen.

Die positive Entwicklung im Jahr 2019 wurde maßgeblich durch den privaten Wohnungsbau und insbesondere den Neubau angetrieben [1]. Die Wirtschaftsbranche hingegen zeigte bereits vor der Pandemie eine rückläufige Tendenz, was sich in den Zahlen für den Nicht-Wohnbau widerspiegelte [1, 2]. Diese unterschiedliche Performance zwischen Wohn- und Nichtwohnbau war ein prägender Faktor für die Marktstruktur.

Analyse der Warengruppen: Sieger und Verlierer

Die Umsätze im Jahr 2019 verteilten sich auf verschiedene Warengruppen, die unterschiedliche Entwicklungen zeigten. Eine detaillierte Betrachtung der Umsatzzahlen liefert Aufschluss über die Präferenzen von Verbrauchern und Planern.

PVC-Beläge und Vinylbeläge: Der klare Gewinner

Die stärkste Wachstumsrate verzeichneten PVC-Beläge („Designbeläge“) und Parkett imitierende Vinylbeläge. Diese Warengruppe erzielte einen Umsatz von 697,4 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht [1, 2]. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Beliebtheit von langlebigen, pflegeleichten und designorientierten Bodenbelägen, die insbesondere im privaten Wohnungsbau nachgefragt werden.

Klassische elastische Bodenbeläge: Stabiles Wachstum

Klassische elastische Bodenbeläge erzielten 2019 einen Umsatz von 568,6 Millionen Euro. Dies bedeutet ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber 2018 [1, 2]. Diese Warengruppe zeigt eine stabile, wenn auch weniger dynamische Entwicklung im Vergleich zu den modernen Vinylbelägen.

Textile Bodenbeläge: Geringes Wachstum

Textile Bodenbeläge erreichten einen Umsatz von 529,5 Millionen Euro, was einem Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht [1, 2]. Das Wachstum war hier marginal und lag deutlich unter dem Marktdurchschnitt.

Parkett: Solide Entwicklung

Parkett erzielte einen Umsatz von 505 Millionen Euro und verzeichnete damit ein Plus von 2,8 Prozent [1, 2]. Als hochwertige und nachhaltige Bodenbelagslösung profitierte Parkett ebenfalls vom positiven Wohnungsmarkt.

Laminat: Einzige rückläufige Warengruppe

Laminat stellte im Jahr 2019 die einzige Warengruppe mit einem rückläufigen Umsatz dar. Der Umsatz lag bei 446,8 Millionen Euro, was einem Minus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht [1, 2]. Diese negative Entwicklung wird in einer Studie des IFH Köln bestätigt, die für das Jahr 2018 ein Minus von 7,3 Prozent für Laminatböden ausweist [4]. Laut dem IFH-Experten Max-Henrik Fabian lässt sich diese Verschiebung zwischen den in Eigenschaften und Preis recht ähnlichen Bodenbelägen (Laminat und elastische Beläge) seit einigen Jahren beobachten und schlägt sich mittlerweile auch deutlich in den Zahlen nieder [4]. Die Konkurrenz durch moderne Vinyl- und Designbeläge, die oft ähnliche Optiken bei verbesserter Feuchtigkeitsresistenz bieten, wird als eine mögliche Ursache für diesen Trend diskutiert.

Zulieferindustrie: Stabiler Markt für Klebstoffe

Die positive Entwicklung der Bodenbelagshersteller spiegelt sich auch bei den Herstellern von Klebstoffen und Verlegewerkstoffen wider. Im Jahr 2019 erwirtschafteten diese einen Umsatz von rund 268 Millionen Euro, was einem Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht [1]. Die Preise blieben dabei nahezu stabil. Auch hier war der private Wohnungsbau der entscheidende Wachstumstreiber. Hersteller von elastischen Bodenbelägen sowie Parkettklebern verzeichneten dabei die höchsten Zuwächse [1].

Ein wichtiger Indikator für die Qualität und Nachhaltigkeit der Verlegewerkstoffe ist der Anteil der EC 1 zertifizierten Dispersionsklebstoffe bzw. Vorstriche. Dieser lag im Jahr 2019 bei 90,1 Prozent [1]. Die Gemeinschaft Emissionskontrollierter Verlegewerkstoffe (GEV) hatte im Jahr 2019 163 Hersteller als Mitglieder [1]. Diese Daten belegen einen hohen Standard in der Zulieferindustrie, der sowohl gesundheitlichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen nach nachhaltigen Baustoffen gerecht wird.

Der Wandel der Vertriebswege: Zunahme des Online-Handels

Nicht nur innerhalb der Warengruppen, sondern auch in der Vertriebslandschaft finden signifikante Verschiebungen statt. Laut der IFH-Studie „Branchenfokus Bodenbeläge – Online & Offline“ aus dem Jahr 2019 gewinnt der Onlineanteil kontinuierlich an Bedeutung [4]. Während der gesamte Markt für Bodenbeläge in Deutschland im Jahr 2018 noch ein Volumen von 7,97 Milliarden Euro umsetzte, zeichnet sich ein Wandel der Vertriebsstrukturen ab, der bis mindestens 2023 prognostiziert wird [4]. Diese Entwicklung betrifft nicht nur den Endvertrieb, sondern auch die werbliche und kommerzielle Nutzung von Marktdaten, die zunehmend auf vertragsbasierte Weitervermarktung ausgerichtet ist [4]. Für Planer, Handwerker und den stationären Handel bedeutet dies, sich auf eine multikanalige Strategie einzustellen, die den Online-Vertrieb integriert.

Ausblick und Auswirkungen der Corona-Pandemie

Noch zu Beginn des Jahres 2020 standen für die Bodenbelag-Wirtschaft alle Ampeln auf Grün. Der erzwungene Corona-Lockdown im Frühjahr stellte jedoch einen massiven Dämpfer dar. Der Ausblick für die Branche hat sich infolgedessen eingetrübt [1, 2]. Besonders betroffen sind dabei Warengruppen, die am Nichtwohnungsbau (Wirtschaftsbau) hängen, wie textile Bodenbeläge, Laminat und klassische elastische Bodenbeläge [1]. Die im Wohnungsbau stark nachgefragten Segmente wie Parkett und Vinylbeläge werden hingegen als weniger stark betroffen eingeschätzt [1].

Branchenradar.com erwartet für den Gesamtmarkt einen Erlösrückgang um 3,6 Prozent gegenüber 2019 [1]. Diese Prognose spiegelt die Unsicherheit wider, die durch die Pandemie ausgelöst wurde. Die Zukunft des Marktes hängt maßgeblich von der Erholung des Wirtschaftsbau ab, während der Wohnungsbau sich bis dato auch in der Krise gut behauptet hat [1, 2].

Langfristige Marktprognosen, wie sie beispielsweise von Mordor Intelligence für die Jahre bis 2029 erstellt werden [5], müssen die kurzfristigen Einflüsse der Pandemie berücksichtigen. Die globale Marktanalyse für Bau-Bodenbeläge, die bis 2025 prognostiziert wird [3], deutet auf langfristiges Wachstumspotenzial hin, wobei die genauen Auswirkungen der Pandemie auf die deutsche Marktentwicklung noch nicht vollständig absehbar sind.

Fazit

Das Jahr 2019 war für den deutschen Bodenbelagsmarkt ein erfolgreiches Jahr mit einem moderaten Wachstum von 1,5 Prozent auf einen Umsatz von 2,75 Milliarden Euro. Der private Wohnungsbau fungierte als primärer Wachstumsmotor. Innerhalb der Warengruppen zeichneten sich klare Gewinner und Verlierer ab: PVC- und Vinylbeläge verzeichneten das höchste Wachstum, während Laminat als einzige Warengruppe rückläufig war. Die Zulieferindustrie für Klebstoffe zeigte ebenfalls stabiles Wachstum und einen hohen Anteil an emissionsarmen, EC 1 zertifizierten Produkten. Parallel fand ein Wandel der Vertriebswege mit steigender Online-Relevanz statt.

Die positive Entwicklung des Jahres 2019 wurde jedoch durch die im Frühjahr 2020 einsetzende Corona-Pandemie abrupt gebremst. Die Branche steht vor einer Phase der Unsicherheit, in der die Erholung des Wirtschaftsbau eine entscheidende Rolle für die Markterholung spielen wird. Für Planer und Bauherren bleibt der Fokus auf wohnungsbezogenen, designorientierten und nachhaltigen Bodenbelägen ein stabiler Trend, der auch in schwierigeren Marktphasen Bestand haben könnte.

Quellen

  1. Pressemitteilung: Markt für Bodenbeläge in 2019 erneut gewachsen
  2. Markt für Bodenbeläge 2019 gewachsen
  3. Markt für Bodenbeläge für den Bau 2019 Globaler Anteil, Trend und Chancen prognostizieren bis 2025
  4. IFH Köln: Wachstum im Markt für Bodenbeläge wurde 2018 ausgebremst
  5. Mordor Intelligence: Branchenbericht für Bodenbeläge in Deutschland

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