Gesundes Wohnen: Teppichböden auf Schadstoffe und Hygiene prüfen

Die Wahl des richtigen Bodenbelags ist eine zentrale Entscheidung bei der Renovierung oder dem Bau eines Eigenheims. Neben Ästhetik und Langlebigkeit gewinnt die gesundheitliche Unbedenklichkeit immer mehr an Bedeutung. Teppichböden genießen den Ruf, wohngesund zu sein, doch gerade bei der Materialzusammensetzung und der Hygiene gibt es Aspekte, die eine genaue Betrachtung erfordern. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis vorliegender Fachinformationen die Kriterien für ungiftige und hygienische Teppichböden.

Gesundheitsrisiken durch Teppichböden: Was steckt wirklich drin?

Teppichböden können, wie viele andere Baustoffe auch, potenziell gesundheitsbelastende Substanzen enthalten. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf Flüchtigen Organischen Verbindungen (VOCs), die in Teppichböden und vor allem in Teppichklebern enthalten sein können. Diese Stoffe können über die Raumluft aufgenommen werden und zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Ein frisch verklebter Kunstfaserteppich, beispielsweise aus Polyester oder Polyacryl, verursacht oft einen typischen chemischen Geruch in den Wohnräumen. Auch wenn dieser Geruch meist nach einigen Wochen verschwindet, ist es ratsam, die Räume in dieser Zeit intensiv zu lüften, um die Konzentration der ausdünstenden Substanzen zu senken. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen sind die Konzentrationen bei sachgerechter Produktion zwar niedrig, eine vollständige Sicherheit bietet jedoch nur der gezielte Kauf geprüfter Produkte.

Kritische Stoffe in der Materialzusammensetzung

Nicht nur die Kleber, auch die Teppichfasern und die Rückseitenbeschichtung können problematische Inhaltsstoffe bergen. Besonders bei Teppichen aus Naturfasern müssen Verbraucher wachsam sein. Obwohl Naturfasern grundsätzlich als ökologisch gelten, können bei der Herstellung gesundheitsgefährdende Mittel zum Einsatz gekommen sein. Ein Beispiel ist die Behandlung mit Mottenschutzmitteln. Solche Chemikalien werden aufgrund ihrer primären Nützlichkeit (Schutz vor Mottenfraß) oft nicht als unbeabsichtigte Schadstoffe ausgewiesen, obwohl sie potenziell gesundheitsgefährdend sind.

Ein weiteres Risiko bei Bodenbelägen aus Kunststoff, das auch Teppichböden betreffen kann, betrifft die Rückseitenbeschichtung. Hier muss darauf geachtet werden, dass kein synthetischer Latex verwendet wird. Stattdessen sollte biozidfreier Naturlatex verarbeitet und in der Produktion auf Weichmacher verzichtet werden.

Hygiene und Schadstoffbelastung im Alltag

Ein weit verbreiteter Vorurteil ist, dass Teppichböden unhygienisch seien, da sie Staub sammeln. Tatsächlich ist die Situation komplexer. Teppiche fungieren als Staubfänger. Im Vergleich zu glatten Böden (z. B. Parkett oder Laminat) wird der Staub nicht durch Bewegung ständig aufgewirbelt, sondern in den Fasern gebunden.

Medizinische und hygienische Untersuchungen belegen, dass Teppichböden hygienisch sein können. Der Staubgehalt in der Luft kann in Räumen mit Teppichboden bis zu 50 Prozent geringer sein als in Räumen mit glatten Böden. Allerdings sammeln sich in den Fasern nicht nur Hausstaub, sondern auch Schadstoffpartikel, die sich zuvor aus der Raumluft abgesetzt haben. Bei sensiblen Menschen, insbesondere Hausstauballergikern, kann dies zu Problemen führen, da sich die Allergene in den Fasern sammeln und bei Kontakt oder Bewegung wieder freigesetzt werden.

Der Einfluss der Raumluft

Teppichböden haben eine positive Wirkung auf das Raumklima. Die Fasern schlucken Schall und dämpfen Tritte, was die Wohnqualität steigert. Speziell Wollteppiche tragen zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit bei und schaffen ein angenehmes Mikroklima. Die Behauptung, dass Teppichböden generell Schadstoffe an die Raumluft abgeben, ist veraltet. Moderne Teppichböden enthalten in der Regel keine Schadstoffe mehr, sofern sie aus qualitativ hochwertigen Materialien hergestellt wurden.

Qualitätskriterien für schadstofffreie Teppichböden

Um sicherzustellen, dass ein Teppichboden gesundheitlich unbedenklich ist, sollten Verbraucher auf spezielle Gütesiegel achten. Das wichtigste Siegel in diesem Bereich ist das GuT-Signet (Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V.).

Das GuT-Signet: Ein verlässlicher Anhaltspunkt

Das GuT-Signet wird im Auftrag der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V. vergeben. Das Deutsche Teppich Forschungs Institut (TFI) führt im Auftrag der GuT regelmäßig wissenschaftliche Untersuchungen zur Unbedenklichkeit von Teppichböden durch.

Ein Teppichboden, der mit dem Signet „Teppichboden schadstoffgeprüft“ ausgezeichnet ist, hat umfangreiche Prüfungen bestanden. Die Vergabe des Signets ist an den völligen Verzicht von gesundheits- oder umweltbelastenden Schadstoffen gebunden. Dazu gehören: * Asbest * FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe) * Formaldehyd * Pentachlorphenol (PCP) * Vinylchlorid * Gesundheitsgefährdende Pestizide

Da PCP (Pentachlorphenol) nicht weltweit verboten ist, sind in der Vergangenheit vereinzelt belastete Importwaren auf den deutschen Markt gelangt. Das GuT-Signet schließt diese Gefahr aus, da die Einhaltung der Verbote ständig kontrolliert wird. Zudem garantiert das Siegel, dass die Produktion unter umweltschonenden Bedingungen erfolgt.

Farbstoffe und Neugeruch

Ein häufiges Bedenken bei Teppichböden betrifft die verwendeten Farbstoffe. Teppichböden werden heute überwiegend mit Säurefarbstoffen, Pigmenten und Metallkomplexfarbstoffen gefärbt. Wissenschaftliche Nachweise belegen, dass bei diesen modernen Färbetechniken keine Bestandteile an die Raumluft abgegeben werden.

Ein sogenannter „Neugeruch“ bei neu verlegten Teppichen ist normal und vergleichbar mit dem Geruch in fabrikneuen Autos. Dieser Geruch verschwindet in der Regel nach einigen Wochen. Solange die Konzentration der ausdünstenden Substanzen niedrig ist und es sich um geprüfte Produkte handelt, ist nach heutigen Erkenntnissen keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten.

Vergleich: Teppichböden und alternative Bodenbeläge

Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, lohnt ein Vergleich mit anderen Bodenbelägen, die oft als gesundheitlich unbedenklich gelten.

Linoleum als elastische Alternative

Linoleum wird oft als die erste Wahl für schadstoffarme, elastische Bodenbeläge genannt. Es besteht zu einem hohen Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl, Baumharz und Trockenstoff. Linoleum enthält in der Regel keine schädlichen Weichmacher.

Kork und Naturfasern

Auch Korkböden sind eine gute Alternative, sofern sie keine zusätzlichen Schadstoffe enthalten. Besonders wichtig ist die Auswahl von unversiegelten und ungeölte Produkten, die keine Bindemittel mit Formaldehyd enthalten.

Naturfaserteppiche (z. B. aus Wolle, Sisal, Kokos oder Baumwolle) gelten oft als umweltfreundlich. Sie sind meist schadstoffarm, jedoch müssen auch hier Pestizidrückstände oder chemische Behandlungen (wie Mottenschutz) beachtet werden. Besonders empfindliche Menschen oder Allergiker sollten dennoch prüfen, ob ein Naturfaserteppich die richtige Wahl ist, da sich Schadstoffe im Vergleich zu glatten Oberflächen stärker in den Fasern sammeln können.

Kunststoffböden und PVC

Kunststoffbodenbeläge, insbesondere PVC (Polyvinylchlorid, oft als Vinyl bezeichnet), werden häufig kritisch gesehen. Dem spröden Kunststoff PVC werden häufig zahlreiche Weichmacher zugesetzt, die potenziell gesundheitsgefährdend sein können. Auch wenn moderne Vinylböden oft als „PVC-frei“ deklariert werden, ist eine genaue Prüfung der Inhaltsstoffe ratsam. Teppichböden mit Kunststoff-Rückseiten (z. B. aus Polypropylen) sind hier eine gängige Variante, bei der auf die Abwesenheit von Weichmachern geachtet werden muss.

Einkaufsstrategien und Analyse

Verbraucher sollten beim Kauf von Teppichböden oder bei gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit dem Bodenbelag proaktiv vorgehen.

Was tun bei Verdacht auf Schadstoffe?

Wenn Hausbewohner gesundheitliche Beeinträchtigungen bemerken und den Teppichboden als Ursache vermuten, empfiehlt sich eine professionelle Analyse. Es kann hilfreich sein, ein kleines Stück des Teppichs herauszuschneiden und von einem Fachmann analysieren zu lassen. Dies schafft Gewissheit und hilft, die Quelle der Belastung zu identifizieren.

Informationen beim Kauf einholen

Beim Kauf sollte der Händler ausführliche Auskunft über die bei der Verarbeitung eingesetzten Zusatzstoffe geben. Folgende Fragen sind relevant: 1. Welches Material wurde für die Rückseite verwendet (Naturlatex oder synthetischer Latex)? 2. Wurden Weichmacher verwendet? 3. Ist der Teppichboden mit dem GuT-Signet zertifiziert? 4. Welche Art von Farbstoffen wurde verwendet?

Auch wenn Teppichböden aus den gängigen Materialien wie Naturfaser, Polyamid, Polypropylen und Polyethylen in der Regel keine krankheitsauslösenden Gifte enthalten, ist die Qualität der Verarbeitung entscheidend.

Fazit

Teppichböden können ein vollkommen gesundheitlich unbedenklicher Bodenbelag sein, der zudem noch positive Eigenschaften für das Raumklima und die Akustik mitbringt. Das Risiko einer Schadstoffbelastung ist bei modernen Produkten, die geprüfte Materialien und Herstellungsverfahren verwenden, gering. Entscheidend für eine sichere Wahl ist der Kauf von zertifizierten Produkten, insbesondere solchen mit dem GuT-Signet. Dieses Siegel garantiert, dass auf gesundheitsgefährdende Stoffe wie Asbest, Formaldehyd, PCP und Pestizide vollständig verzichtet wurde und die Produktion umweltschonend erfolgt. Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten zudem auf die Materialien der Rückseite achten und bei Unsicherheiten eine professionelle Analyse in Betracht ziehen.

Quellen

  1. Ist es haltbar - Wie schädlich ist Teppichboden
  2. Sanier.de - Bodenbelag und versteckte Gesundheitsrisiken
  3. Teppich Koenig - Teppichböden und Gesundheit Das GuT-Signet
  4. Checknatura - Schadstofffreier Bodenbelag

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