Ein Bodenbelag aus Feinsteinzeug ist besonders langlebig und verleiht eine schöne Optik. Doch vor dem Verlegen kommt das Schneiden, und das erfordert ein paar Kniffe. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Fliesen auch als Heimwerker sauber schneiden.
Was ist Feinsteinzeug und warum ist es anspruchsvoll zu bearbeiten?
Bei Feinsteinzeug – manchmal auch einfach Steinzeug genannt – handelt es sich um eine besondere Art von Fliesen aus speziellen keramischen Rohstoffen, die unter hohem Druck und hohen Temperaturen gebrannt werden. Die Rohstoffe sind Ton, Quarz und Feldspat, die besonders fein gemahlen werden. Es wird mit hohem Druck gepresst und bei über 1300 Grad Celsius gebrannt. Bei dieser hohen Brenntemperatur kommt es zu einer Sinterung. Das bedeutet, dass der schmelzende Feldspat quasi alle Poren verschließt und das Material so zumindest in der oberen Schicht porenfrei aus dem Ofen kommt. Das Material wird dabei sehr fest und es nimmt praktisch kein Wasser mehr auf (unter 0,5 %), was dazu führt, dass es sehr haltbar, pflegeleicht und frostsicher ist, aber auch spröder. Letzteres ist der Grund für die etwas schwierigere Verarbeitung.
Aufgrund ihrer guten Eigenschaften kann man Feinsteinzeug auf Böden und Wände im Innen- sowie Außenbereich verlegen. Das Material ist besonders hart, dicht und abriebfest und ist insbesondere für seine geringe Wasseraufnahme bekannt. Es ist härter als andere Keramikfliesen und auch für Außenanwendungen, gewerbliche oder industrielle Nutzung geeignet. Unglasiertes Feinsteinzeug hat unter allen gängigen Bodenbelägen einen der höchsten Verschleißwiderstände überhaupt. Wer Fliesen haben möchte, die problemlos mehrere Jahrzehnte halten, ist mit Feinsteinzeug gut beraten. Sie sind extrem hart und belastbar. Das bedeutet jedoch auch, dass das Material nicht immer ganz leicht zu bearbeiten ist. Das trifft insbesondere auf die höheren Abriebklassen zu, deren Oberflächen am härtesten sind und auch auf Feinsteinzeug-Bodenfliesen für den Außenbereich mit einer hohen Materialstärke.
Der Nachteil ist, dass Sie für das Schneiden der Fliesen spezielle Werkzeuge und Techniken benötigen. Herkömmliche Fliesenschneider eignen sich nicht direkt, da das Material härter und dichter als klassische Keramikfliesen ist. Auch ein Brechen entlang der Ritzlinie ist nicht für jede Feinsteinzeugfliese zu empfehlen, da die Fliesen oft nicht an der geplanten Stelle brechen. Eine weitere Herausforderung beim Schneiden von Feinsteinzeug ist die Staub- und Hitzeentwicklung.
Vergleich mit anderen keramischen Fliesen
Wie der Name schon vermuten lässt, sind die Rohstoffe beim Feinsteinzeug feiner gemahlen. Wichtiger ist jedoch, dass sie unter einen hohen Druck gepresst werden und dann deutlich heißer als andere keramische Fliesen gebrannt. Steingutplatten sind dagegen sehr viel weicher und nehmen sehr viel mehr Wasser auf, weshalb es fast nur als glasierte Wandfliese genutzt wird. Vorteil ist hier die leichtere Verarbeitung und es lässt sich auch nach Anbringung beispielsweise viel leichter durchbohren. Steinzeugfliesen liegen zwischen Steingut und Feinsteinzeug mit allen Werten. Es gibt sie wie auch Feinsteinzeug sowohl glasiert als auch unglasiert.
Abriebklassen nach DIN EN 154 für glasiertes Feinsteinzeug
Bei glasiertem Feinsteinzeug werden fünf Abriebklassen unterschieden (DIN EN 154):
- Abriebsklasse 1 – sehr leichte Beanspruchung: Barfuß-/Hausschuhbereich à Bade- und Schlafzimmer, auch Wandfliesen
- Abriebsklasse 2 – leichte Beanspruchung: Privater Wohnbereich, Wohn-, Ess- und Arbeitszimmer
- Abriebsklasse 3 – mittlere Beanspruchung: Dielen, Flure und Treppen, Hotelzimmer inkl. Räumen, Bad, Terrassen und Balkone
- Abriebsklasse 4 – stärkere Beanspruchung: Küchen, Verkaufsräume, Hotels, Schulen, Sanitär- und Therapiebereiche in Krankenhäusern und Praxen, Garagen
- Abriebsklasse 5 – starke Beanspruchung: Restaurants, Banken, Autohäuser
Diese Klassifizierung ist wichtig, um die richtige Fliese für den geplanten Einsatzbereich auszuwählen und um die Anforderungen an die Bearbeitung und Verlegung besser einzuschätzen.
Vorbereitung: Sicherheit und Arbeitsbereich
Das Schneiden von Feinsteinzeug erfordert eine sorgfältige Vorbereitung des Arbeitsbereichs und der persönlichen Sicherheitsausrüstung. Räumen Sie dafür den Arbeitsbereich frei von Hindernissen und achten Sie darauf, dass der Bereich gut belüftet ist – am besten arbeiten Sie im Freien. Decken Sie umliegende Bereiche mit einer Abdeckfolie ab und kleben Sie Türen und Möbel ab, um diese vor dem feinen Keramikstaub zu schützen. Ein Staubsauger mit passender Staubfilterung hilft Ihnen dabei, den Staub direkt während des Schneidens zu entfernen. Arbeiten Sie mit einem Nassschneidetisch, müssen Sie für genügend Wasservorrat sorgen.
Für Ihre persönliche Sicherheit sollten Sie eine Schutzbrille, eine Atemschutzmaske (FFP2 oder FFP3), Schutzhandschuhe, einen Gehörschutz und im besten Fall langärmelige Kleidung und feste Schuhe tragen. Damit schützen Sie sich vor Splittern, scharfen Kanten und Staub. Achten Sie beim Schneiden auch darauf, dass die Fliesen stabil und sicher auf der Arbeitsfläche fixiert sind. Mit Klemmen und speziellen Fixierhilfen verhindern Sie, dass die Platten verrutschen. Feuchten Sie die Oberfläche der Fliesen vor dem Schneiden an, um weniger Staubentwicklung zu haben.
Haben Sie Ihren Arbeitsbereich sorgfältig vorbereitet und die Schutzkleidung an- beziehungsweise bereitgelegt, können Sie mit dem Schneiden der Fliesen beginnen. Vermessen Sie zunächst die Feinsteinzeugfliesen und zeichnen Sie die Schnittlinie auf der Fliese bzw. der Terrassenplatte an – messen Sie besser zweimal, um einen Verschnitt zu vermeiden.
Werkzeuge und Methoden zum Schneiden von Feinsteinzeug
Es gibt unterschiedliche Methoden, um Feinsteinzeug zu schneiden. Für gerade einfache Schnitte von dünnen Fliesen oder Terrassenplatten können Sie einen manuellen Fliesenschneider verwenden. Allerdings sind für Feinsteinzeug je nach Qualität und Abriebklasse oft spezielle Werkzeuge notwendig.
Nassschneidegeräte
Die sicherste Methode, Feinsteinzeug zu schneiden, ist die Verwendung eines Nassschneidegeräts. Allerdings sind diese Geräte nicht gerade billig. Je nach Art und Größe des Projekts lohnt sich eine Anschaffung oder ein Mietgerät. Wollen Sie beispielsweise Feinsteinzeug mit 20 mm schneiden, dann kommen Sie praktisch nicht um einen solchen Nassschneider herum. Sie können mit einem solchen Gerät Feinsteinzeug schneiden ohne splittern. Ein weiterer großer Vorteil bei der Nutzung eines Nassschneidegeräts sind die relativ staubfreie Arbeit und die präzisen Schnitte. Nassschneider eignen sich für exakte Nassschnitte, die Ergebnisse von Profis erzielen.
Fliesenschneider
Einfachere Feinsteinzeug-Fliesen können alternativ auch mit normalen Fliesenschneidern bearbeitet werden, jedoch werden dabei Fliesen häufiger nicht dort brechen, wo angeritzt wurde. Besonders bei kleinen Abschnitten wird es schwierig. Auf jeden Fall vor dem Brechen mit dem Fliesenhammer gegenüber der Ritzlinie klopfen. Es ist wichtig zu beachten, dass herkömmliche Fliesenschneider nicht direkt für Feinsteinzeug geeignet sind, da das Material härter und dichter ist.
Diamanttrennscheiben und andere Trennwerkzeuge
Für das Schneiden mit einer Trennschleifmaschine oder einem Nassschneider werden hochwertige Diamanttrennscheiben benötigt. Nur hochwertige Diamanttrennscheiben verwenden – z. B. für präzise Schnitte. Die Qualität der verwendeten Keramikfliesen ist ein entscheidender Faktor für ein sauberes Schnittergebnis. Serien wie EMPEROR®, VIVO!® oder DIVA® überzeugen durch ihre hohe Materialdichte, einen homogenen Aufbau und eine aufwendige Fertigung mit langen Brennzeiten bei hohen Temperaturen. Diese Kombination macht sie besonders schnittstabil und präzise verarbeitbar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schneiden
- Vorbereitung: Arbeitsbereich räumen, gut belüften (ggf. im Freien arbeiten), umliegende Bereiche abdecken, Türen und Möbel abkleben. Staubsauger mit Staubfilterung bereitstellen. Bei Nassschneidetisch für Wasservorrat sorgen. Schutzkleidung anlegen: Schutzbrille, Atemschutzmaske (FFP2 oder FFP3), Schutzhandschuhe, Gehörschutz, langärmelige Kleidung, feste Schuhe.
- Fixierung: Fliesen stabil und sicher auf der Arbeitsfläche fixieren. Klemmen und spezielle Fixierhilfen verwenden, um Verrutschen zu verhindern. Feuchten Sie die Oberfläche der Fliesen vor dem Schneiden an, um weniger Staubentwicklung zu haben.
- Vermessen und Markieren: Feinsteinzeugfliesen vermessen. Schnittlinie auf der Fliese bzw. der Terrassenplatte anzeichnen. Besser zweimal messen, um Verschnitt zu vermeiden.
- Schneiden mit der gewählten Methode:
- Nassschneider: Verwenden Sie das Gerät gemäß Herstellerangaben. Die Kühlfunktion reduziert Staub und Hitze. Das Ergebnis ist ein präziser, splitterfreier Schnitt.
- Fliesenschneider: Ritzlinie mit dem Ritzer anzeichnen. Beim Brechen mit dem Fliesenhammer gegenüber der Ritzlinie klopfen. Achtung: Nicht für jede Feinsteinzeugfliese geeignet; Brechen kann unpräzise sein.
- Trennschleifmaschine: Verwenden Sie eine Diamanttrennscheibe. Arbeiten Sie mit Wasser zur Kühlung und Staubreduzierung, wenn möglich. Die Hitzeentwicklung ist eine Herausforderung.
- Nachbearbeitung: Nach dem Schneiden können scharfe Kanten angeschliffen werden, um Verletzungsgefahr zu reduzieren. Den Arbeitsbereich gründlich reinigen, um Keramikstaub zu entfernen.
Verlegungstipps im Anschluss an das Schneiden
Nachdem die Feinsteinzeugfliesen zugeschnitten sind, folgt die Verlegung. Je nach Fliesengröße sind bestimmte Fugenbreiten empfehlenswert: Bei kleineren Fliesen 3 bis 5 mm, ab 40 mm Kantenlänge sogar 8 mm. Maßhaltige (kalibrierte) Fliesen können Sie aber ohne Weiteres mit geringem Fugenabstand verlegen. Wichtig: Legen Sie sinnvolle Bezugslinien für den Verlegestart fest und berücksichtigen Sie aus optischen Gründen, dass die Fliesen seitwärts etwa gleich breit auslaufen. Praktisch: Fugenkreuze sorgen für gleichmäßige Abstände zwischen den Fliesen, sofern diese gerade Kantenverläufe aufweisen.
Um Feinsteinzeug sicher verlegen zu können, benötigt man letztlich auch den geeigneten Mörtel und Kleber. Heute sind schon viele normale Baukleber und Mörtel kunststoffvergütet und zur Verlegung von Feinsteinzeug selbst auf Bauplatten geeignet. Große Fliesen jedoch oder kritische Untergründe wie ein Heizestrich oder Holzbeläge verlangen besonders flexible und dafür ausgewiesene Kleber und Mörtel. Gleichfalls benötigt man für Naturstein und Glas spezielle Kleber und Mörtel, die Verfärbungen verhindern. Daneben gibt es noch schnell aushärtende Produkte, die die Trockenzeiten verkürzen sowie vielfältige Fugenmörtel-Farbtöne oder gebrauchsfertige Dispersionskleber. Letztere eignen sich in aller Regel auch zur Verlegung von Feinsteinzeug.
Fazit
Das Schneiden von Feinsteinzeug ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die aufgrund der hohen Materialdichte, Härte und Sprödigkeit des Werkstoffs spezielle Werkzeuge und Techniken erfordert. Die Entscheidung zwischen einem manuellen Fliesenschneider und einem Nassschneider hängt von der Dicke der Fliese, der Abriebklasse und der gewünschten Präzision ab. Während Nassschneider splitterfreie, staubarme und exakte Schnitte ermöglichen und für dickes Material (ab 20 mm) oft unerlässlich sind, können einfache Feinsteinzeugfliesen mit einem Fliesenschneider bearbeitet werden, wobei die Brechgenauigkeit jedoch eingeschränkt ist.
Eine sorgfältige Vorbereitung des Arbeitsbereichs, das Tragen umfassender Schutzausrüstung und das korrekte Fixieren der Fliesen sind für eine sichere und erfolgreiche Bearbeitung unverzichtbar. Die Qualität der Fliesen, gemäß der Abriebklassen DIN EN 154, beeinflusst die Bearbeitbarkeit. Die korrekte Wahl des Klebers und Mörtels sowie die Beachtung der Fugenbreiten sind entscheidend für eine dauerhafte und ästhetisch ansprechende Verlegung. Durch die Anwendung der beschriebenen Methoden und Sicherheitsvorkehrungen können Heimwerker und Profis Feinsteinzeug erfolgreich schneiden und verlegen, um von den außergewöhnlichen Eigenschaften dieses Materials zu profitieren.