Elastische Bodenbeläge im Test: PVC, Linoleum, Gummi & Kork – Schadstoffe, Gerüche und Alternativen

Einleitung

Elastische Bodenbeläge haben sich in den letzten Jahrzehnten von einer Nischenlösung zu einem Massenmarkt entwickelt. Besonders in modernen Wohn- und Arbeitsbereichen werden sie aufgrund ihrer praktischen Eigenschaften geschätzt: Sie sind oft günstig, einfach zu verlegen und pflegeleicht. Der Markt wird jedoch von einem Material dominiert: Polyvinylchlorid (PVC). Um Verbrauchern bei der Auswahl eines geeigneten Bodenbelags zu helfen, haben sich Tests von Stiftung Warentest und Öko-Test mit der Materie beschäftigt. Diese Analysen beleuchten nicht nur die praktischen Aspekte, sondern werfen ein kritisches Licht auf die Schadstoffbelastung, Geruchsentwicklung und die Umweltauswirkungen verschiedener elastischer Bodenbeläge. Dieser Artikel fasst die wesentlichen Erkenntnisse aus den vorliegenden Testdaten zusammen, um Entscheidungshilfen für Hausbesitzer, Heimwerker und Bauexperten zu bieten.

Was sind elastische Bodenbeläge?

Elastische Bodenbeläge zeichnen sich durch eine besondere Biegsamkeit aus. Im Vergleich zu harten Belägen wie Fliesen oder Laminat sind sie weitaus nachgiebiger. Die meisten Produkte werden als Bahnenware in Rollen angeboten, die entweder als ganze Rollen oder am laufenden Meter zugeschnitten werden können. Diese Produktionsform ist auch für viele textile Bodenbeläge üblich, weshalb die deutsche Industrie ein gemeinsames System von Anforderungen entwickelt hat, das in der Norm DIN EN ISO 10874 ("Elastische, textile und Laminat-Bodenbeläge - Klassifizierung") festgehalten ist.

Die Abgrenzung zu anderen Belagsarten ist nicht immer eindeutig. Ein Beispiel ist Laminat, das aus mehreren Materialschichten, vor allem aus Holz, besteht und eine hohe Elastizität aufweist. Trotzdem wird es von Fachleuten oft als eigene Belagsart betrachtet. Die bekanntesten Vertreter der elastischen Bodenbeläge sind PVC, Linoleum, Gummi und Kork. Neben diesen gibt es auch Produkte aus Polyurethan (PU), Polyolefin und PET.

Die dominierende Rolle von PVC-Böden

Polyvinylchlorid (PVC) ist der am häufigsten verkaufte elastische Bodenbelag. Die Gründe dafür sind vielfältig: PVC-Böden sind meist günstig, lassen sich ohne Probleme selbst verlegen, sind für fast alle Räume geeignet und leicht zu säubern. Zudem sind sie in vielen Farben und Mustern erhältlich, von Blumenmustern über Marmor- bis hin zu Holzdekor. Diese Kombination aus Preis, Funktionalität und Ästhetik erklärt die hohe Marktdurchdringung.

Die chemische Basis von PVC ist der Kunststoff Polyvinylchlorid, der Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Vor etwa siebzig Jahren begann die großtechnische Produktion, was den Durchbruch für PVC-Bodenbeläge als Konkurrenz zu dem damals flächendeckend verbreiteten Linoleum bedeutete. Der bis heute bestehende Preisvorteil war und ist ein entscheidender Faktor für die Beliebtheit.

Schadstoffbelastung im Fokus der Tests

Die Kritik an PVC-Böden konzentriert sich vor allem auf ihre Schadstoffbelastung. Im Jahr 2003 testete die Stiftung Warentest insgesamt 49 elastische Bodenbeläge aus PVC, Linoleum, Gummi und Kork auf Schadstoffe und Gerüche. Die Testergebnisse bezüglich des Schadstoffgehalts und der Geruchsentwicklung fielen bei den verschiedenen Arten sehr unterschiedlich aus.

Ein gesondert durchgeführter Schadstoffcheck durch Öko-Test unterzog PVC und die Alternativen einem detaillierten Check. Hierbei wurden 49 Böden auf mehr als 50 einzelne Problemstoffe hin analysiert. Die Frage war, ob die Böden die Raumluft belasten und Gerüche hervorrufen. Das Ergebnis war ernüchternd: Mehr als die Hälfte der untersuchten PVC-Böden enthielt hohe Mengen an Schadstoffen.

Problematische Weichmacher in PVC

Hauptkritikpunkt bei PVC-Böden sind die eingesetzten Weichmacher. Um dem PVC die nötige Elastizität zu verleihen und es leichter verlegbar zu machen, werden dem Material Weichmacher zugesetzt. In den Tests wurden vor allem sogenannte Phthalate gefunden, eine Gruppe von Weichmachern. Einige dieser Phthalate können wie Hormone wirken (hormonähnliche Substanzen) oder die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Diese hormonellen Effekte sind ein wesentlicher Gesundheitsbedenken, der immer wieder in der Diskussion um PVC-Böden genannt wird.

Weitere Schadstoffe in alternativen Kunststoffbelägen

Auch andere elastische Bodenbeläge, die nicht aus PVC bestehen, wurden in den Tests untersucht. In den vier getesteten Kunststoffbelägen aus Polyurethan, Polyolefin und PET wurden zinnorganische Verbindungen wie Dibutylzinn oder Dioktylzinn nachgewiesen. Diese Substanzen können das Immun- und Hormonsystem schädigen. Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Verbindungen mittlerweile in Produkten für Endverbraucher, einschließlich Bodenbelägen, verboten sind. Allerdings gilt das Verbot erst ab sehr hohen Gehalten. Die in den getesteten Produkten gemessenen Werte lagen deutlich unter diesen Grenzwerten, sodass eine akute Gefahr laut Test nicht gegeben war. Dennoch ist die bloße Präsenz dieser Stoffe ein diskussionswürdiger Punkt.

Ein weiterer getesteter Belag aus Polyolefin (Takiron Wels) enthielt außerdem Anthracen, einen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoff (PAK). PAKs sind teils krebserregend. Auch hier muss der Kontext beachtet werden: Die Konzentration wurde gemessen, aber eine Bewertung der Gesundheitsrisiken im Vergleich zu Grenzwerten ist im vorliegenden Material nicht explizit dargestellt.

Schadstoffe in anderen Materialien

Im Gegensatz zu PVC und einigen anderen Kunststoffen schneiden die Alternativen deutlich besser ab. Die Testprodukte aus Linoleum, Gummi und Kork enthalten so gut wie keine Weichmacher. Lediglich ein Hersteller setzte Ersatzweichmacher ein, die jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind.

In den Kautschukmaterialien (Gummi) waren keine krebserregenden Nitrosamine nachweisbar. Flüchtige organische Verbindungen (VOC), die aus den Materialien ausgasen könnten, fand der Test in keinem der untersuchten Bodenbeläge. Dies ist ein wichtiges Ergebnis, da VOCs die Raumluftqualität erheblich beeinträchtigen können.

Die Bedeutung der Verlegung: Kleber als zusätzliche Schadstoffquelle

Die Schadstoffbelastung beschränkt sich nicht nur auf das Bodenbelagsmaterial selbst. Die Verlegung elastischer Bodenbeläge erfordert in der Regel eine vollflächige Verklebung. Hier kommt ein weiterer potenzieller Schadstoffträger ins Spiel: der Kleber.

Der Handel empfiehlt für die Verklebung noch allzu oft lösemittelhaltige Kleber. Tests haben gezeigt, dass die Verwendung solcher Kleber die Raumluftbelastung deutlich erhöhen kann. In einer Versuchsreihe wurden drei Böden mit den empfohlenen lösemittelhaltigen Klebern verlegt. Das Ergebnis war eindeutig: Die Raumluftbelastung wurde durch den Kleber meist stärker als durch den Bodenbelag selbst.

Die Art des Bodenbelags beeinflusst, wie und wann die Lösemittel austreten: * Kork: Als offenporiges Material ließ Kork die Lösemittel gleich zu Beginn der Messung hindurch. * PVC und Gummi: Bei diesen Materialien traten die Lösemittel teilweise erst nach vier Wochen aus. * Linoleum: Hier wurde nach vier Wochen noch nichts gemessen, aber es wurde die Möglichkeit einer späteren Austretung nicht ausgeschlossen.

Empfehlung aus den Tests: Um die Schadstoffbelastung durch Kleber zu minimieren, sollten ausschließlich emissionsarme Kleber verwendet werden. Diese sind an der Bezeichnung „Emicode EC1“ erkennbar. Das Umweltbundesamt bereitet zudem einen Blauen Engel für Klebstoffe vor, der eine weitere Orientierungshilfe sein kann.

Geruchsentwicklung: Ein oft unterschätztes Problem

Neben den chemischen Schadstoffen spielt auch die Geruchsentwicklung eine wichtige Rolle für die Wohnqualität. Die Tests zeigten, dass die verschiedenen Materialien sich hierin stark unterscheiden.

PVC-Böden

PVC-Böden können Gerüche verursachen, die auf die enthaltenen Schadstoffe, insbesondere Weichmacher, zurückzuführen sind. In den Tests wurden besonders hohe Konzentrationen bei den PVC-Belägen Tarkett Spring und Tarkett Ornamenta Apollo gemessen. Diese Gerüche können die Raumluft über längere Zeit belasten und bei empfindlichen Personen zu Reizungen der Schleimhäute führen.

Linoleum und Gummi

Auch Linoleum und Gummi verbreiten starke, produkttypische Gerüche. Die Tester notierten Beschreibungen wie „nach Turnhalle“ oder „nach Nüssen“ für Linoleum, und „nach Schuhsohle“ oder „Reifenhandel“ für Gummi. Ein entscheidendes Ergebnis war, dass diese Gerüche auch nach vier Wochen nicht deutlich abnahmen. Während manche Menschen mit diesen Gerüchen leben können oder sie sogar mögen, stellen sie für andere eine erhebliche Belastung dar.

Materialvergleich: Eigenschaften und Anwendungsbereiche

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist ein Vergleich der Materialien in Bezug auf ihre spezifischen Eigenschaften hilfreich. Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Informationen aus den Quellen zusammen.

Material Herstellung / Rohstoffe Hauptvorteile (laut Quellen) Hauptnachteile / Bedenken (laut Quellen) Typische Anwendung
PVC (Polyvinylchlorid) Synthetischer Kunststoff. Günstig, einfach selbst zu verlegen, leicht zu säubern, vielfältige Designs (Farben, Muster), für fast alle Räume geeignet. Enthält oft problematische Weichmacher (Phthalate) mit hormonähnlicher Wirkung. Belastet die Umwelt bei Herstellung und Entsorgung. Kann starke Gerüche entwickeln. Wohnräume, Flure, Küchen, Nassbereiche (je nach Ausführung).
Linoleum Besteht aus Leinöl, Kork- oder Holzmehl auf einer Juteträgerschicht. Enthält kaum Weichmacher. Enthält natürliche Rohstoffe. Starke, produkttypische Gerüche („nach Turnhalle“ oder „nach Nüssen“), die nicht deutlich abklingen. Wurde früher flächendeckend eingesetzt, heute eher im Retro- oder Öko-Bereich.
Gummi Meist synthetischer Kautschuk, teilweise mit natürlichem Latex. Sehr elastisch, rutschfest, geräuscharm, leicht federnd. Keine krebserregenden Nitrosamine nachgewiesen. Oberfläche sehr dicht, leicht zu reinigen. Starke, produkttypische Gerüche („nach Schuhsohle“ oder „Reifenhandel“), die nicht deutlich abklingen. Elektrostatische Aufladung. Stark frequentierte öffentliche Bereiche (Bahnhöfe, Flughäfen), Noppenmaterial.
Kork Gewonnen aus der Rinde der Korkeiche. Enthält natürliche Rohstoffe. Offenporig, was bei der Verlegung mit lösemittelhaltigen Klebern zu einem schnellen Austreten von Lösemitteln führen kann. Wohnräume, besonders zur Schalldämmung und als Fußbodenheizung.
Polyurethan (PU), Polyolefin, PET Synthetische Kunststoffe. Hohe Variabilität in der Herstellung. Enthalten können zinnorganische Verbindungen (Dibutylzinn, Dioktylzinn), die das Immun- und Hormonsystem schädigen können (jedoch in geringen Mengen). Spezielle Anwendungen, oft als Alternative zu PVC.
Ersatzweichmacher Werden in einigen Produkten eingesetzt (nur ein Hersteller im Test). Alternativen zu den problematischen Phthalaten. Noch nicht ausreichend erforscht. In einigen PVC-freien Kunststoffbelägen.

Praktische Aspekte und Verbraucherentscheidungen

Trotz der bekannten Schadstoffproblematik von PVC bleibt dieses Material der meistverkaufte elastische Bodenbelag. Warum greifen Verbraucher trotzdem darauf zurück? Die Gründe sind pragmatischer Natur.

Ein Verbraucher (Leo Meis) nennt den geringen Pflegeaufwand und die Unempfindlichkeit als entscheidende Faktoren. Zudem empfindet er Fliesen als zu kalt und stoßempfindlich. Eine andere Verbraucherin (Axelle Bouteille) sucht einen Belag für den Flur, der feuchteunempfindlich und angenehm beim Barfußgehen sein soll. Ihr Favorit aus Polyurethan wird als weich, strapazierfähig und optisch ansprechend beschrieben.

Die Entscheidung für einen Bodenbelag ist also ein Abwägen zwischen praktischen Anforderungen (Pflege, Unempfindlichkeit, Wärmegefühl, Preis) und gesundheitlichen sowie ökologischen Aspekten. Die Alternativen zu PVC (Linoleum, Gummi, Kork, PU) schneiden in Bezug auf Schadstoffe wie Weichmacher und VOCs deutlich besser ab. Allerdings haben sie oft andere Nachteile, wie starke Gerüche oder deutlich höhere Preise (bis zu 70 Euro pro Quadratmeter, was mit Parkett oder Fliesen vergleichbar ist).

Fazit

Die Tests von Stiftung Warentest und Öko-Test geben ein differenziertes Bild der elastischen Bodenbeläge. PVC ist der unangefochtene Marktführer, bietet praktische Vorteile und ist preisgünstig. Gleichzeitig ist es die problematischste Option in Bezug auf Schadstoffe, insbesondere hormonell wirksame Weichmacher (Phthalate). Die Umweltbelastung durch Herstellung und Entsorgung ist ein weiterer kritischer Punkt.

Die alternativen Materialien Linoleum, Gummi und Kork enthalten kaum Weichmacher und emittieren keine VOCs, was sie aus gesundheitlicher Sicht attraktiver macht. Allerdings können sie starke und langanhaltende Gerüche entwickeln, die nicht für jeden akzeptabel sind. Bei der Verlegung ist die Wahl des Klebers entscheidend: Emissionsarme Kleber sind ein Muss, um die Raumluftqualität zu schützen.

Für Verbraucher gibt es also keinen eindeutigen Sieger. Die Wahl hängt von den individuellen Prioritäten ab. Wer Wert auf geringen Pflegeaufwand, hohe Unempfindlichkeit und ein geringes Budget legt, wird zu PVC tendieren. Wer gesundheitliche Bedenken hat und bereit ist, mehr Zeit in die Pflege zu investieren (oder einen höheren Preis zu zahlen), findet in Linoleum, Gummi oder Kork eine Alternative mit geringerer Schadstoffbelastung. In jedem Fall sollte die Wahl des emissionsarmen Klebers für eine gesunde Raumluft sorgen.

Quellen

  1. Testsieger-Info: Bodenbeläge bei Stiftung Warentest
  2. Bodenfuchs24: Elastische Bodenbeläge
  3. Test.de: Bodenbeläge - Plastisch und elastisch
  4. Öko-Test: Elastische Bodenbeläge im Test

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