Die Gestaltung von Bodenbelägen im öffentlichen Raum geht weit über die reine Funktionalität hinaus. Sie ist ein zentrales Element der Stadtplanung, das die Ästhetik, die Nutzbarkeit und die soziale Dynamik eines Stadtraums maßgeblich beeinflusst. Ein herausragendes Beispiel für diese Praxis ist der Superkilen im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro. Dieser 750 Meter lange, keilförmige Stadtraum, entworfen von den Architekturbüros BIG und TOPOTEK 1 in Kooperation mit der Künstlergruppe Superflex, demonstriert, wie Bodenbeläge als künstlerisches und soziales Medium fungieren können. Der folgende Artikel beleuchtet die spezifischen Bodenbelagskonzepte des Superkilen, ihre Materialität, ihre Farbgebung und ihre funktionale Einbettung in das Gesamtkonzept des Parks, basierend ausschließlich auf den vorliegenden Informationen. Dies ist von besonderem Interesse für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Immobilienentwickler, die innovative Lösungen für die Belebung und Gestaltung urbaner Freiräume suchen.
Das Konzept des Superkilen: Ein Kunstwerk aus 57 Kulturen
Der Superkilen ist kein herkömmlicher Park, sondern ein artifizielles, ikonisches Stadtraumprojekt, das eine einzigartige Allianz zwischen multiethnischer Immigration und kosmopolitischer Mittelschichtskultur darstellt. Sein Ziel ist es, Impulse für andere Städte und Bezirke zu geben und die kulturelle Mannigfaltigkeit Nørrebros, dessen Bewohner aus 57 Nationen stammen, anzuerkennen und sichtbar zu machen. Der Park gliedert sich in drei klar definierte Zonen, die jeweils durch spezifische Bodenbeläge und Farbgebungen charakterisiert sind: den Roten Platz, den Schwarzen Markt (oder Weltraum) und den Grünen Park. Diese Dreiteilung ist nicht nur visuell, sondern auch funktional konzipiert und dient der Differenzierung von Nutzungsangeboten. Die Gesamtfläche des Superkilen ist Teil eines größeren Aufwertungsprojekts für einen Fahrradweg, der zuvor eine monofunktionale Rückseite des Viertels darstellte. Die Investitionssumme für den gesamten Komplex (inklusive der Nørrebrohallen) belief sich auf 12 bis 13 Millionen Euro, wobei die Hälfte, also rund 6 bis 6,5 Millionen Euro, allein für die Realisierung des Superkilen vorgesehen war.
Die Gestaltung des gesamten Raumes ist stark kuratiert. Die Objekte – von Bänken über Brunnen bis hin zu Kunstinstallationen – wurden in einem partizipativen Prozess ausgewählt, an dem die Bewohner beteiligt waren. Per Workshops und E-Mail konnten Vorschläge aus ebenso vielen Ländern eingebracht werden. Die Architekten und Künstler behaupten, die gewählten Farben und Materialien seien zunächst neutral und bekämen erst im Kontext ihrer Nutzung einen Sinn. Diese Neutralität ist jedoch begrenzt, da die starken Kontraste der Bodenbeläge und Objekte bewusst gesetzt sind, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und den Raum von seiner umgebenden, dicht bebauten Bebauung abzuheben. Es handelt sich um ein Projekt, das auffallen will und den Betrachter durch seine Heterogenität und Buntheit aktiv anspricht.
Der Rote Platz: Bodenbelag für körperliche Aktivität
Der erste Bereich, der Rote Platz, liegt zwischen Norrebrogade und den Nørrebrohallen. Sein charakteristisches Merkmal ist ein Bodenbelag in vielen unterschiedlichen Rottönen. Diese intensive Farbgebung ist nicht nur dekorativ, sondern funktional auf die vorgesehene Nutzung ausgerichtet. Der Rote Platz widmet sich explizit körperlichen Aktivitäten wie Outdoor-Fitness und Mannschaftssportarten. Die rote Farbwahl eignet sich hier hervorragend, da sie Energie vermittelt, Aufmerksamkeit auf Sportflächen lenkt und eine dynamische Atmosphäre schafft.
Neben dem Bodenbelag prägen rote Stangen den Raum, auf denen russische und chinesische Symbole angebracht sind. Diese Stangen sind Teil des Stadtmobiliars, das den Bodenbelag ergänzt. Der Rote Platz fungiert als lebendiger, aktiver Knotenpunkt im Park. Die Materialität des Bodens wird in den Quellen zwar nicht detailliert beschrieben (z.B. als Asphalt, Beton oder Kunststoff), jedoch impliziert die farbliche Intensität und die Nutzung für Sportarten eine robuste, rutschfeste und elastische Oberfläche, die Stoßdämpfung für sportliche Aktivitäten bietet. Im Vergleich zu herkömmlichen Asphalt- oder Betonflächen, die oft grau und funktional wirken, setzt der rote Bodenbelag einen künstlerischen Akzent, der die Identität des Raumes als Ort des Sports und der Bewegung verstärkt. Die Kombination aus dem bunten Boden und den markanten, symbolträchtigen Stangen schafft ein einzigartiges visuelles Erscheinungbild, das die kulturelle Vielfalt der Anwohner widerspiegelt und gleichzeitig eine klare funktionale Zuweisung vornimmt.
Der Schwarze Markt: Bodenbelag für kontemplative Entspannung
Der zweite Bereich, der Schwarze Markt (auch als Weltraum bezeichnet), bildet den kontrastierenden Pol zum Roten Platz. Sein Bodenbelag ist schwarz und mit weißen Linien versehen. Diese Gestaltung ist bewusst minimalistisch und ruhig gehalten. Im Gegensatz zur dynamischen Roten Zone lädt der Schwarze Markt zu nachdenklichem Entspannen ein. Die schwarz-weiße Linienführung erinnert an optische Leitlinien oder Markierungen, die jedoch in diesem Kontext nicht verkehrstechnischer, sondern ästhetischer und funktionaler Natur sind. Sie strukturieren die Fläche und schaffen visuelle Ruhe.
Die Nutzung des Schwarzen Markts ist entsprechend zurückhaltender. Hier finden sich Elemente wie ein marokkanischer Brunnen, chinesische Palmen und ein japanischer Kletterkrake. Die Architekten erwähnen explizit, dass auf diesem Bereich Schach gespielt werden kann. Der Bodenbelag muss daher eine ruhige, einladende Atmosphäre schaffen, die den Aufenthalt in der freien Natur oder an einem Brunnen ermöglicht, ohne von überladenen Farben abzulenken. Die Materialität des schwarzen Bodens ist in den Quellen nicht explizit genannt, aber angesichts der Nutzung für entspannte Aufenthalte und die Präsenz von Bänken und Brunnen ist von einem dauerhaften, wetterfesten Material wie Asphalt oder einer speziellen Kunststoffbeschichtung auszugehen, das eine hohe Standfestigkeit für das Mobiliar bietet. Die weißen Linien könnten aus einem kontrastierenden Material wie Farbe oder eingelassenen Elementen bestehen, um die visuelle Struktur zu betonen. Dieser Bereich steht exemplarisch für die kuratierte Heterogenität des Parks: Der nüchterne Bodenbelag dient als neutrale Leinwand für die vielfältigen, aus 57 Ländern stammenden Objekte, die hier eine ruhige, internationale Atmosphäre schaffen.
Der Grüne Park: Naturverbundener Bodenbelag für Familien und Erholung
Der dritte und letzte Bereich ist der Grüne Park. Sein Name deutet bereits auf die vorherrschende Materialität hin: Hier dominieren naturverbundene Flächen. Der Park ist mit Spielplätzen, Hügeln und Picknickplätzen angelegt. Der Bodenbelag ist daher überwiegend aus Rasen und möglicherweise aus Holzspänen oder Splitt für Spielgeräte und Wegeflächen. Diese Gestaltung unterstützt die Entspannung und das spielerische Ausüben von Aktivitäten in einer natürlicheren Umgebung. Die grüne Farbwahl steht in direktem Kontrast zu den intensiven Rot- und Schwarzflächen der anderen Bereiche und schafft eine Ruhezone innerhalb des Gesamtkomplexes.
Die spezifische Gestaltung des Bodens in Form von Hügeln und Spielplätzen ermöglicht eine vielfältige, dreidimensionale Nutzung. Während der Rote Platz für flächige Sportarten und der Schwarze Markt für horizontale Entspannung konzipiert ist, bietet der Grüne Park eine topographisch reichere Erfahrung. Die Materialien hier sind typischerweise organisch: Rasen als Hauptbestandteil, ergänzt durch Holz für Spielgeräte oder Splitt für sichere Fallzonen. Diese Wahl unterstreicht die Funktion des Parks als Erholungsort und Ort für Familien. Im Vergleich zu den künstlichen Bodenbelägen der anderen Zonen steht der Grüne Park für einen natürlicheren, weniger gestalteten Ansatz, der dennoch durch die kuratierte Platzierung von Picknickbereichen und Spielgeräten eine klare funktionale Struktur erhält.
Materialität, Farbe und Funktion: Eine Analyse der Bodenbelagskonzepte
Die drei Bodenbelagskonzepte des Superkilen – rot, schwarz/grün und grün – demonstrieren ein durchdachtes System aus Farbpsychologie, Materialfunktion und sozialer Steuerung. Die Architekten von TOPOTEK 1 und BIG haben bewusst mit den Grundfarben Rot, Schwarz und Grün gearbeitet, um unterschiedliche Nutzungen zu kodieren und den Besucher intuitiv durch den Raum zu führen.
- Farbpsychologie und Nutzungsleitung: Rot steht für Energie, Aktivität und Aufmerksamkeit. Es ist die ideale Farbe für Sport- und Bewegungsflächen. Schwarz hingegen wirkt ruhig, neutral und konzentriert. Es schafft eine Bühne für die Objekte und lädt zum Verweilen ein. Grün symbolisiert Natur, Entspannung und Erholung. Diese Farbkodierung ist ein effizientes, visuelles Steuerungsinstrument, das ohne Schilder oder Wegweiser auskommt.
- Materialität und Haltbarkeit: Obwohl die Quellen die exakten Materialien nicht detailliert auflisten, lassen sich aus der Nutzung Rückschlüsse ziehen. Für den Roten Platz, der für Sport genutzt wird, sind elastische, rutschfeste und dauerhafte Materialien wie spezielle Kunststoffbeläge oder eingefärbter Beton erforderlich. Der Schwarze Markt benötigt robuste, wetterfeste und leicht zu reinigende Flächen, wofür Asphalt oder Kunststoffbeschichtungen typisch sind. Der Grüne Park setzt auf organische Materialien wie Rasen, deren Pflege und Beschaffenheit jedoch eine Herausforderung in einem städtischen Kontext darstellen kann, insbesondere bei intensiver Nutzung. Die Haltbarkeit der Bodenbeläge ist ein kritischer Faktor, der in den Quellen indirekt angesprochen wird, wenn von der Instandhaltung und der Frage nach Graffiti-Schutz die Rede ist. Die kuratierte Heterogenität der Objekte steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Pflegekompatibilität der Bodenbeläge.
- Soziale Funktion der Bodenbeläge: Die Bodenbeläge sind nicht nur neutraler Untergrund, sondern aktive Teilnehmer an der sozialen Interaktion. Sie definieren Räume für bestimmte Aktivitäten (Sport, Schach, Picknick) und schaffen damit Nischen, die verschiedene Bevölkerungsgruppen ansprechen. Die Absicht, sowohl die einheimische, multiethnische Bevölkerung als auch die international orientierte Mittelschicht anzusprechen, spiegelt sich in der Vielfalt der Nutzungsangebote wider, die durch die differenzierten Bodenflächen ermöglicht werden.
Einordnung in den städtebaulichen Kontext und Herausforderungen
Der Superkilen ist Teil eines größeren Aufwertungsprozesses im äußeren Nørrebro seit 2004. Neben einer neuen Metrolinie und anderen Fahrradweg-Verbesserungen (wie dem Nørrebro-Park und der Åbuen-Brücke) stellt der Superkilen die Weiterführung der Gestaltung einer 750 Meter langen, offenen Schneise in einem dicht bebauten Viertel dar. Sein ikonischer Charakter hebt sich bewusst von der umgebenden, eher konventionellen Bebauung ab. Die Bodenbeläge sind hierbei ein entscheidendes Mittel, um diesen Bruch zu visualisieren und den Raum als spektakulären Ort zu etablieren.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die in den Quellen angedeutet werden. Die Frage, ob die Auswahl der Objekte tatsächlich den spezifischen nationalen Herkünften der Bewohner entspricht, oder ob es sich eher um eine kuratierte Auswahl der Architekten handelt, ist eine Herausforderung für partizipative Projekte. Zudem wird die Instandhaltung als potenzielles Problem genannt. Die intensive Farbgebung und die speziellen Bodenbeläge benötigen eine regelmäßige Pflege. Graffiti, die bereits ein Wandbild des chilenischen Ex-Präsidenten Allende überdecken, werfen die Frage auf, ob das Budget für die dauerhafte Erhaltung der gewählten Materialien und Farben ausreichend kalkuliert wurde. Die Heterogenität der Objekte und Bodenbeläge widerspricht zudem der traditionellen, standardisierten Gestaltung von Stadtmobiliar, die auf einfache Wartung ausgelegt ist. Dieser Bruch mit der Tradition ist ein bewusstes künstlerisches Statement, stellt aber Praktiker vor die Herausforderung, innovative, nicht-standardisierte Oberflächen langfristig zu pflegen.
Fazit
Der Superkilen in Kopenhagen ist ein Musterbeispiel für die strategische und künstlerische Nutzung von Bodenbelägen im öffentlichen Raum. Die dreigeteilte Konzeption mit den Bereichen Rot, Schwarz und Grün demonstriert, wie Farbe und Materialität gezielt eingesetzt werden können, um unterschiedliche Nutzungen zu steuern, atmosphärische Stimmungen zu erzeugen und soziale Interaktion zu fördern. Der rote Bodenbelag des Roten Platzes unterstützt körperliche Aktivität, der schwarze Boden des Schwarzen Marktes schafft eine ruhige Bühne für kontemplative Entspannung und kulturelle Objekte, und der grüne Bereich des Parks bietet naturverbundene Erholung. Diese differenzierte Gestaltung ermöglicht es, eine breite Palette von Nutzern – von Sportbegeisterten über Familien bis hin zu Besuchern, die Kunst und Kultur erleben möchten – anzusprechen und somit die soziale Diversität des Stadtteils Nørrebro widerzuspiegeln.
Das Projekt steht exemplarisch für einen modernen Ansatz in der Stadtplanung, bei dem Bodenbeläge nicht mehr nur als funktionale Flächen verstanden werden, sondern als integraler Bestandteil eines kuratierten, künstlerischen Gesamtkunstwerks. Die Herausforderungen in Bezug auf Pflege und Instandhaltung solcher innovativen und nicht-standardisierten Oberflächen sind jedoch nicht zu unterschätzen und sollten bei ähnlichen Planungen stets mitberücksichtigt werden. Für die Praxis in Deutschland zeigt der Superkilen, wie eine Verknüpfung von partizipativer Planung, künstlerischer Kuratierung und funktionaler Differenzierung durch Bodenbeläge zu lebendigen und identitätsstiftenden Stadträumen führen kann.